... dokumentiert die Fallstricke der Atomindustrie; ... gehört zu «Media for Sustainability» des Ökonomen und Journalisten Guntram Rehsche (siehe auch http://guntram-rehsche.blogspot.com); ... Beiträge zeitlich geordnet, Stichwort- / Labelsuche in linker Spalte; ... Unterstützung mit Zahlung von 20 CHF auf Konto: Zürcher Kantonalbank / Guntram Rehsche / IBAN CH46 0070 0111 3009 63007 (für Zahlungen aus Ausland auch BIC (SWIFT-Code) angeben: ZKBKCHZZ80A) - Danke!
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Donnerstag, 26. März 2015
Donnerstag, 19. April 2012
Atomkraft ist der grösste Flop
Die Kernenergie ist gemäss einem 3sat-Zuschauer-Ranking der größte Fortschritt-Flop. Der schweizerisch-deutsch-österrreichische Kultursender hatte seine Zuschauer nach den größten Fortschritt-Flops gefragt. Zuletzt standen 20 Flops zur Wahl - die Auflösung des Zuschauervotums zeigte 3sat in der Wissenschaftsshow "Die 20 größten Fortschritt-Flops" mit Gert Scobel.
Mehr als 5.000 Menschen beteiligten sich online und schriftlich an der Abstimmung: Welche technische oder wissenschaftliche Entwicklung wurde einst mit vielen Erwartungen vorangetrieben, entpuppte sich dann aber als ein Flop, weil sie diese Erwartungen nicht erfüllen konnte.
Atomkraft errang den Sieg der Flops mit deutlichem Abstand vor der Sommerzeit und dem Biosprit. Die Energiesparlampe belegte Platz vier der größten Flops, fast gleichauf mit dem Laubsauger. Insgesamt löste die Abstimmung bei den Teilnehmern spannende Diskussionen aus.
Dennoch: "Mich hat der breite Konsens der ersten Plätze überrascht und die Klarheit des Votums. Flop Nummer 1, die Atomkraft, hat allein die Hälfte der Stimmen erhalten", betont Scobel. "Sicher ist manches eine Frage der Perspektive, denn vieles, was sich erst im Nachhinein als Flop erwiesen hat, war zu Beginn eine tolle, vielversprechende Idee und hatte absolutes Erfolgspotenzial. (..) Wie beim Medikament ist das Problem die Nebenwirkung."
Die 20 Flops kommentieren unter anderen die Wissenschaftsjournalisten Dirk Steffens und Ingolf Baur, die Moderatorinnen Dunja Hayali und Katrin Bauerfeind, der Kabarettist Urban Priol und der Wissenschaftshistoriker Professor Ernst Peter Fischer (Kommentatoren und Flops siehe www.3sat.de/topsflops).
Und hier die Übersicht der 20 größten Fortschritt-Flops aus der Sendung:
1) Atomkraft
2) Sommerzeit
3), Biosprit
4) Energiesparlampe
5) Laubsauger
6) Brustimplantate
7) Papierloses Büro
8) Asbest
9) Grüner Punkt
10) Wärmedämmung
11) Plastik
12) Körperscanner
13) Cargo Lifter
14) Schwimmauto
15) Mautsystem Toll Collect
16) Magnetschwebebahn
17) Concorde
18) Navigationssystem Galileo
19) Roboter
20) Bildtelefon
Quelle: 3Sat-Mediathek: Die 20 größten Fortschritt-Flops
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Atomkraft errang den Sieg der Flops mit deutlichem Abstand vor der Sommerzeit und dem Biosprit. Die Energiesparlampe belegte Platz vier der größten Flops, fast gleichauf mit dem Laubsauger. Insgesamt löste die Abstimmung bei den Teilnehmern spannende Diskussionen aus.
Dennoch: "Mich hat der breite Konsens der ersten Plätze überrascht und die Klarheit des Votums. Flop Nummer 1, die Atomkraft, hat allein die Hälfte der Stimmen erhalten", betont Scobel. "Sicher ist manches eine Frage der Perspektive, denn vieles, was sich erst im Nachhinein als Flop erwiesen hat, war zu Beginn eine tolle, vielversprechende Idee und hatte absolutes Erfolgspotenzial. (..) Wie beim Medikament ist das Problem die Nebenwirkung."
Die 20 Flops kommentieren unter anderen die Wissenschaftsjournalisten Dirk Steffens und Ingolf Baur, die Moderatorinnen Dunja Hayali und Katrin Bauerfeind, der Kabarettist Urban Priol und der Wissenschaftshistoriker Professor Ernst Peter Fischer (Kommentatoren und Flops siehe www.3sat.de/topsflops).
Und hier die Übersicht der 20 größten Fortschritt-Flops aus der Sendung:
1) Atomkraft
2) Sommerzeit
3), Biosprit
4) Energiesparlampe
5) Laubsauger
6) Brustimplantate
7) Papierloses Büro
8) Asbest
9) Grüner Punkt
10) Wärmedämmung
11) Plastik
12) Körperscanner
13) Cargo Lifter
14) Schwimmauto
15) Mautsystem Toll Collect
16) Magnetschwebebahn
17) Concorde
18) Navigationssystem Galileo
19) Roboter
20) Bildtelefon
Quelle: 3Sat-Mediathek: Die 20 größten Fortschritt-Flops
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Donnerstag, 16. Februar 2012
Widerstand in Indien
Die Menschen in Indien haben kein Vertrauen mehr in die Atomkraft - und dies lassen sie auch ihre "Dirigenten" wissen. Die Mobilisierung verhindert derzeit den Bau von acht Reaktoren.
Die indischen Behörden wollen den atomaren Anteil in der Energieproduktion des Landes signifikant erhöhen, indem sie in Zusammenarbeit mit Russland (Rosatom), Frankreich (AREVA) und den USA (Westinghouse) die Errichtung neuer Atomreaktoren planen. Diese Absicht könnte sich sehr verkomplizieren, weil die lokale Bevölkerung gegen einige der geplanten Bauprojekte massivsten Widerstand leistet.
Ein erstes Ergebnis davon ist die Einstellung der Arbeiten an den Standorten in Kudankulam (2 russische Reaktoren geplant) und in Jaitapur in einer seismischen Zone (6 ERP-Reaktoren geplant). Durch das kontinuierliche Multiplizieren ihrer Aktionen haben die indischen Atomgegner es geschafft, das Regierungsprogramm zum Ausbau der Atomkraft praktisch zu stoppen.
siehe auch: www.dianuke.org/koodankulam-struggle-25-years-of-sweat-and-toil
Quelle: oekonews.at
Die indischen Behörden wollen den atomaren Anteil in der Energieproduktion des Landes signifikant erhöhen, indem sie in Zusammenarbeit mit Russland (Rosatom), Frankreich (AREVA) und den USA (Westinghouse) die Errichtung neuer Atomreaktoren planen. Diese Absicht könnte sich sehr verkomplizieren, weil die lokale Bevölkerung gegen einige der geplanten Bauprojekte massivsten Widerstand leistet.Ein erstes Ergebnis davon ist die Einstellung der Arbeiten an den Standorten in Kudankulam (2 russische Reaktoren geplant) und in Jaitapur in einer seismischen Zone (6 ERP-Reaktoren geplant). Durch das kontinuierliche Multiplizieren ihrer Aktionen haben die indischen Atomgegner es geschafft, das Regierungsprogramm zum Ausbau der Atomkraft praktisch zu stoppen.
siehe auch: www.dianuke.org/koodankulam-struggle-25-years-of-sweat-and-toil
Quelle: oekonews.at
Dienstag, 14. Februar 2012
Widerstand gegen Atomendlager
Das Bundesamt für Energie führte vergangene Woche gemeinsam mit der Nagra eine Informationsveranstaltung in Wolfenschiessen (NW) durch. Diesmal ging es darum, mit der Bevölkerung über mögliche Standorte der sogenannte Oberflächenanlage für ein Atomendlager zu diskutieren. Doch die Einheimischen wollten nichts davon wissen und planen, ihren jahrelangen Widerstand mit jungen Kräften weiterzuführen.
Quelle: SF Schweiz aktuell 8.2.2012
Freitag, 13. Januar 2012
Umfrage ergibt wachsende Skepsis
Die Unterstützung für Atomkraft sinkt weltweit: Eine Umfrage der BBC zeigt, dass es rund um die Erde weit weniger Lust gibt, neue AKWs zu errichten als dies bisher der Fall war. In Ländern, in denen es Atomprogramme gibt, ist der Widerstand signifikant größer als 2005, nur in Großbritannien und die USA ist der Trend etwas anders.
In den meisten Ländern ist man der Meinung, dass Erneuerbare Energie und Energieeffizienz Atomkraft ersetzen könnten. Nur noch 22 % der Befragten meinen, dass Atomkraft eher sicher und eine wichtige Energiequelle sei und dass wir mehr Atomkraftwerke bauen sollten. 71 % der Befragten meinen, ihr Land könne Kohle und Atomkraft innerhalb von 20 Jahren fast völlig durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien ersetzen. Global wollen 39 % die bestehenden Reaktoren weiter verwenden, aber keine neuen mehr bauen, und 30 % der Befragten wollen alle Reaktoren sofort abschalten.
Im Rahmen der Befragung wurden vom weltweit tätigen Meinungsforschungsinstitut GlobeScan, das von den BBC-News beauftragt wurde, vom Juli bis zum September 2011 insgesamt 23 231 Personen in 23 Ländern befragt. GlobeScan hatte bereits im Jahre 2005 acht Länder mit Atomprogrammen eine ähnliche Befragung durchgeführt. In den meisten dieser Ländern stieg der Widerstand gegen den Bau neuer Reaktoren seitdem deutlich an. In Deutschland von 73 % im Jahre 2005 auf 90 % derzeit. Noch interessanter ist, dass der Widerstand gegen Atomkraft auch im Pro-Atom geltenden Frankreich stieg, und zwar von 66 % auf 83 %, ähnlich wie in Russland von 61 % auf ebenfalls 83 %.
Im von Fukushima direkt betroffenen Japan stieg der Wert interessanterweise weniger rapid, von 76 % auf 84 %. Im Gegensatz dazu stieg in Großbritannien die Unterstützung für den Bau neuer Reaktoren von 33 % auf 37 %. In den USA blieb dieser Wert unverändert hoch, ähnlich wie in China und Pakistan, wo rund 40 % für neue Atomkraft waren. Die Unterstützung für eine Weiterbenutzung bestehender AKWs bei gleichzeitigem Nicht-Neubau weiterer Anlagen war in Frankreich und Japan am stärksten (58 % bzw. 57 %), während die Spanier und die Deutschen (55 % und 52 %) am ehesten bereit sind, auch bestehenden AKWs sofort und möglichst rasch zu schließen. In Ländern ohne Reaktoren war die Unterstützung für einen Neubau in Nigerien (41 %), Ghana (33 %) und Ägypten (31 %) am stärksten.
Quelle: oekonews.at / BBC und NUCLEAR Monitor
In den meisten Ländern ist man der Meinung, dass Erneuerbare Energie und Energieeffizienz Atomkraft ersetzen könnten. Nur noch 22 % der Befragten meinen, dass Atomkraft eher sicher und eine wichtige Energiequelle sei und dass wir mehr Atomkraftwerke bauen sollten. 71 % der Befragten meinen, ihr Land könne Kohle und Atomkraft innerhalb von 20 Jahren fast völlig durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien ersetzen. Global wollen 39 % die bestehenden Reaktoren weiter verwenden, aber keine neuen mehr bauen, und 30 % der Befragten wollen alle Reaktoren sofort abschalten.
Im Rahmen der Befragung wurden vom weltweit tätigen Meinungsforschungsinstitut GlobeScan, das von den BBC-News beauftragt wurde, vom Juli bis zum September 2011 insgesamt 23 231 Personen in 23 Ländern befragt. GlobeScan hatte bereits im Jahre 2005 acht Länder mit Atomprogrammen eine ähnliche Befragung durchgeführt. In den meisten dieser Ländern stieg der Widerstand gegen den Bau neuer Reaktoren seitdem deutlich an. In Deutschland von 73 % im Jahre 2005 auf 90 % derzeit. Noch interessanter ist, dass der Widerstand gegen Atomkraft auch im Pro-Atom geltenden Frankreich stieg, und zwar von 66 % auf 83 %, ähnlich wie in Russland von 61 % auf ebenfalls 83 %.
Im von Fukushima direkt betroffenen Japan stieg der Wert interessanterweise weniger rapid, von 76 % auf 84 %. Im Gegensatz dazu stieg in Großbritannien die Unterstützung für den Bau neuer Reaktoren von 33 % auf 37 %. In den USA blieb dieser Wert unverändert hoch, ähnlich wie in China und Pakistan, wo rund 40 % für neue Atomkraft waren. Die Unterstützung für eine Weiterbenutzung bestehender AKWs bei gleichzeitigem Nicht-Neubau weiterer Anlagen war in Frankreich und Japan am stärksten (58 % bzw. 57 %), während die Spanier und die Deutschen (55 % und 52 %) am ehesten bereit sind, auch bestehenden AKWs sofort und möglichst rasch zu schließen. In Ländern ohne Reaktoren war die Unterstützung für einen Neubau in Nigerien (41 %), Ghana (33 %) und Ägypten (31 %) am stärksten.
Quelle: oekonews.at / BBC und NUCLEAR Monitor
Mittwoch, 27. Juli 2011
CH-AKW als Anschlagziel
Verschiedene überregionale Medien berichten am Mittwoch, dass der Mörder von Oslo in seinem "Manifest" neben zahlreichen anderen Ländern auch die Schweiz mehrmals erwähnte. Den weiteren Zusammenhang zeigen aber nicht die Schweizer Medien, sondern in folgendem Beitrag eine süddeutsche Umweltorganisation auf.
Als mögliche Anschlagsziele nennt Anders Behring Breivik zum Beispiel die grenznahen Atomkraftwerke von Beznau, Leibstadt, aber auch Gösgen (siehe Bild - Foto: Guntram Rehsche) und Mühleberg. Behring Breivik schreibt in seinem rassistischen Pamphlet von rund einer halben Million "multikulturellen Verrätern" in der Schweiz. Sie hätten die Einwanderung der Muslime erleichtert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland warnte schon lange vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vor den Gefahren eines möglichen Anschlages auf Atomkraftwerke, denn in der menschenverachtenden, perversen Logik von Terroristen sind leider AKW durchaus denkbare Angriffsziele, auch wenn die Atomlobby versucht diese Gefährdung herunter zu spielen und zu verdrängen. Die „Freisetzung“ nur eines kleinen Teils, der in einem AKW vorhandenen Radioaktivität durch einen Anschlag, hätte verheerende Folgen für alles Leben im weiten Umkreis. Große Landstriche müssten, ähnlich wie in Tschernobyl und Fukushima, für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, insbesondere natürlich in einem kleinen Land wie der Schweiz.
Ein Anschlag mit "modernen" panzerbrechenden Waffen auf ein AKW oder ein "Abklingbecken" hätte schreckliche Auswirkungen. Panzer-und bunkerbrechende Waffen aller Art gehören leider schon lange zum gängigen Waffenarsenal im Bereich des Terrorismus. Gerade auch die mörderischen Anschläge von Oslo zeigen, dass wir die Augen vor diesen Gefahren nicht verschließen dürfen. Die im internationalen Vergleich sehr alten Schweizer AKW in Beznau und Mühleberg sind, ähnlich wie das alte AKW Fessenheim in Frankreich besonders gefährdet.
Mehr Infos zu Terrorgefahr und AKW: hier
Mehr Infos zu den Schweizer AKW: hier
Quelle: BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein | Sonnenseite
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Als mögliche Anschlagsziele nennt Anders Behring Breivik zum Beispiel die grenznahen Atomkraftwerke von Beznau, Leibstadt, aber auch Gösgen (siehe Bild - Foto: Guntram Rehsche) und Mühleberg. Behring Breivik schreibt in seinem rassistischen Pamphlet von rund einer halben Million "multikulturellen Verrätern" in der Schweiz. Sie hätten die Einwanderung der Muslime erleichtert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland warnte schon lange vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vor den Gefahren eines möglichen Anschlages auf Atomkraftwerke, denn in der menschenverachtenden, perversen Logik von Terroristen sind leider AKW durchaus denkbare Angriffsziele, auch wenn die Atomlobby versucht diese Gefährdung herunter zu spielen und zu verdrängen. Die „Freisetzung“ nur eines kleinen Teils, der in einem AKW vorhandenen Radioaktivität durch einen Anschlag, hätte verheerende Folgen für alles Leben im weiten Umkreis. Große Landstriche müssten, ähnlich wie in Tschernobyl und Fukushima, für lange Zeiträume evakuiert werden. Dies wäre eine menschliche und ökonomische Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes, insbesondere natürlich in einem kleinen Land wie der Schweiz.Ein Anschlag mit "modernen" panzerbrechenden Waffen auf ein AKW oder ein "Abklingbecken" hätte schreckliche Auswirkungen. Panzer-und bunkerbrechende Waffen aller Art gehören leider schon lange zum gängigen Waffenarsenal im Bereich des Terrorismus. Gerade auch die mörderischen Anschläge von Oslo zeigen, dass wir die Augen vor diesen Gefahren nicht verschließen dürfen. Die im internationalen Vergleich sehr alten Schweizer AKW in Beznau und Mühleberg sind, ähnlich wie das alte AKW Fessenheim in Frankreich besonders gefährdet.
Mehr Infos zu Terrorgefahr und AKW: hier
Mehr Infos zu den Schweizer AKW: hier
Quelle: BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein | Sonnenseite
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Freitag, 17. Juni 2011
Atomkraft ist undemokratisch
In Italien und in der Schweiz haben sich bei Volksabstimmungen klare Mehrheiten gegen Atomenergie ausgesprochen. In Österreich hat das Volk schon vor über 30 Jahren der Atomkraft das Stoppschild gezeigt. In Deutschland sagen bei Umfragen inzwischen über 80% und in Frankreich über 60% der Bevölkerung Nein zu AKW. Ein Kommentar des deutschen Publizisten Franz Alt.Die nukleare Stromerzeugung wird in der ganzen Welt kritisch gesehen. Der japanische Multimilliardär Masayoshi Son hat in dieser Woche - belehrt durch die Fukushima-Katastrophe - bekanntgegeben, er wolle jetzt den Großteil seines Geldes in riesige Solarkraftwerke investieren, um den raschen Umstieg von Atom- zu Solarenergie auch in Japan zu organisieren (siehe Solarmedia vom 15. Juni 2011).
Der reichste Japaner ist davon überzeugt, dass schon in wenigen Jahren Solarstrom die billigste Energiequelle auf unserem Globus sein wird. Den Stoff gebe es umsonst als Geschenk des Himmels. Die Sonne schickt uns keine Rechnung. In den USA wurde seit beinahe vier Jahrzehnten kein einziges neues AKW mehr installiert. Neue AKW werden heute fast ausschließlich von diktatorischen Regimes gebaut. Also dort wo der Staat mit riesigen Steuer-Milliarden seine für richtig gehaltene Energiepolitik unterstützen und beeinflussen kann.
Selbst im Atom-Land Nr. eins in Europa, in Frankreich, ist lediglich noch ein AKW im Bau. Die USA und England haben zwar massive Ausbaupläne angekündigt. Aber durch Bürgerproteste bleiben die Absichten Makulatur. In Demokratien ist die Atomenergie faktisch am Ende. Auch aus finanziellen Gründen. Es ist kein Zufall, dass keine Versicherung der Welt ein AKW realistisch versichert.
Preiswert war Atomstrom noch nie – er musste immer und überall staatlich hochsubventioniert werden. Nur in Diktaturen kann Atomenergie noch eine Zukunft haben – vielleicht bis zum nächsten Unfall. Robert Jungk hat es schon vor 40 Jahren prophezeit: Atomkraft ist totalitär und undemokratisch. Wo Bürger wirklich mitzubestimmen haben, ist Atomenergie Vergangenheit. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren. Aber ohne erneuerbare Regierungen keine erneuerbare Zukunft.
Quelle: © Franz Alt / Sonnenseite
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Sonntag, 22. Mai 2011
25'000 im Menschenstrom
Nach Beobachtungen von Solarmedia haben mindestens 25'000 Personen an der Anti-Atomdemonstration rund um das AKW Beznau teilgenommen. Schon am frühen Morgen hatten sich Tausende auf den Weg von Würenlingen aus gemacht, später kamen Tausende weiterer DemonstrantInnen aus dem nahe gelegenen Döttingen hinzu.
Die Aargauer Kantonspolizei meldete gemäss Radio DRS Mitte Nachmittag eine Zahl von 20'000 TeilnehmerInnen der Veranstaltung «Menschenstrom gegen Atom», zu welcher rund 150 Organisationen aufgerufen hatten. 10'000 erwarteten diese, was ohne Zweifel deutlich übertroffen wurde. Getreu der Devise, wonach polizeiliche Schätzungen sich stets am unteren Rand der effektiven Zahl von DemonstrantInnen bewegt, dürften es weit mehr gewesen sein. Der Solarmedia-Redaktor war am 10-Kilometer-Marsch beteiligt und liess sich vom endlos langen Zug durch die Aargauer Dörfer bis zum Demo-Platz nahe Döttigen treiben. Unterdessen hat auch NZZ Online zumindest die Zahl von 20'000 TeilnehmerInnen bestätigt, die sich bei Kleindöttingen zusammen fanden. Die Rede ist dabei auch von der grössten Kundgebung gegen Atomenergie seit 25 Jahren.
Auffällig viele junge TeilnehmerInnen waren dabei, doch wie schon im vergangenen Jahr mochte die grosse Atom-Demo auch wiederum viele Ältere mobilisieren. Und deutlich war neben der Anti-Atom-Haltung überall auch der Hinweis auf die Alternativen Energien präsent: «Die Zukunft ist erneuerbar», lautete der passende Slogan. Anders als in den 70er und 80er Jahren während der ersten grossen Anti-Atom-Welle ist unterdessen die Einsicht weit verbreitet, dass Erneuerbare Energien sehr wohl eine Alternative zur fossilen und eben auch zur nuklearen Energiewirtschaft darstellen.
Nach Grussbotschaften aus dem japanischen Fukushima, Bern, Deutschland und Österreich trat der Liedermacher Aernschd Born auf die Bühne. Born war bereits bei den Protesten gegen das AKW Kaiseraugst in den 1970er-Jahren gegen Atomkraft aufgetreten. Unter den angekündigten Rednern in Kleindöttingen sind auch Veteranen der Anti-AKW-Bewegung wie der Kabarettist Franz Hohler. Er zeigte sich «berührt» wegen des grossen Aufmarsches, wie er der Nachrichtenagentur SDA sagte: «Ich hoffe, dass es nicht zu rasch wieder verfliegt.» Die eindrückliche Demonstration, die damit den letztjährigen Anti-Atom-Marsch von Aarau nach Olten (über das AKW Gösgen) mit damals rund 4000 TeilnehmerInnen bei weitem in den Schatten stellte, dürfte und muss ein deutliches Zeichen an die Schweizer Regierung sein. Der Bundesrat wird am kommenden Mittwoch die weitere Marschrichtung der hiesigen Energiepolitik festlegen. Selbst Bundesrätin Leuthard, bekannt als Aargauer Verfechterin des atomaren Wegs, rückt offenbar unterdessen von einer strikten Atomlinie ab, wie die NZZ am Sonntag berichtet.
© Solarmedia / Bilder Guntram Rehsche
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Die Aargauer Kantonspolizei meldete gemäss Radio DRS Mitte Nachmittag eine Zahl von 20'000 TeilnehmerInnen der Veranstaltung «Menschenstrom gegen Atom», zu welcher rund 150 Organisationen aufgerufen hatten. 10'000 erwarteten diese, was ohne Zweifel deutlich übertroffen wurde. Getreu der Devise, wonach polizeiliche Schätzungen sich stets am unteren Rand der effektiven Zahl von DemonstrantInnen bewegt, dürften es weit mehr gewesen sein. Der Solarmedia-Redaktor war am 10-Kilometer-Marsch beteiligt und liess sich vom endlos langen Zug durch die Aargauer Dörfer bis zum Demo-Platz nahe Döttigen treiben. Unterdessen hat auch NZZ Online zumindest die Zahl von 20'000 TeilnehmerInnen bestätigt, die sich bei Kleindöttingen zusammen fanden. Die Rede ist dabei auch von der grössten Kundgebung gegen Atomenergie seit 25 Jahren.
Auffällig viele junge TeilnehmerInnen waren dabei, doch wie schon im vergangenen Jahr mochte die grosse Atom-Demo auch wiederum viele Ältere mobilisieren. Und deutlich war neben der Anti-Atom-Haltung überall auch der Hinweis auf die Alternativen Energien präsent: «Die Zukunft ist erneuerbar», lautete der passende Slogan. Anders als in den 70er und 80er Jahren während der ersten grossen Anti-Atom-Welle ist unterdessen die Einsicht weit verbreitet, dass Erneuerbare Energien sehr wohl eine Alternative zur fossilen und eben auch zur nuklearen Energiewirtschaft darstellen.
Nach Grussbotschaften aus dem japanischen Fukushima, Bern, Deutschland und Österreich trat der Liedermacher Aernschd Born auf die Bühne. Born war bereits bei den Protesten gegen das AKW Kaiseraugst in den 1970er-Jahren gegen Atomkraft aufgetreten. Unter den angekündigten Rednern in Kleindöttingen sind auch Veteranen der Anti-AKW-Bewegung wie der Kabarettist Franz Hohler. Er zeigte sich «berührt» wegen des grossen Aufmarsches, wie er der Nachrichtenagentur SDA sagte: «Ich hoffe, dass es nicht zu rasch wieder verfliegt.» Die eindrückliche Demonstration, die damit den letztjährigen Anti-Atom-Marsch von Aarau nach Olten (über das AKW Gösgen) mit damals rund 4000 TeilnehmerInnen bei weitem in den Schatten stellte, dürfte und muss ein deutliches Zeichen an die Schweizer Regierung sein. Der Bundesrat wird am kommenden Mittwoch die weitere Marschrichtung der hiesigen Energiepolitik festlegen. Selbst Bundesrätin Leuthard, bekannt als Aargauer Verfechterin des atomaren Wegs, rückt offenbar unterdessen von einer strikten Atomlinie ab, wie die NZZ am Sonntag berichtet.© Solarmedia / Bilder Guntram Rehsche
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Donnerstag, 19. Mai 2011
Vorarlberg gegen Mühleberg
Das österreichische Vorarlberg macht mobil im Kampf gegen Atomkraftwerke in der Schweiz und Deutschland. Parteienübergreifend wurde die weitere Vorgangsweise beschlossen - im Visier ist vor allem das AKW Mühleberg.
An einer Veranstaltung hatten der Strahlenschutzexperte Andreas Molin und Rechtsanwalt Josef Lercher erklärt, welche rechtlichen Maßnahmen es gibt und welche technischen Voraussetzungen dafür notwendig sind. Aus rechtlicher Sicht sind zwei Schritte möglich: Ein Antrag auf Entzug der Betriebsgenehmigung eines einzelnen AKWs (dieser Antrag müsste im jeweiligen Staat eingebracht werden) und eine Unterlassungsklage, einreichbar in Österreich. Als technische Voraussetzung dafür muss eine konkrete Gefährdung der Umwelt und der Menschen gegeben sein. Die technischen Gutachten werden vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft in Auftrag gegeben.
Im Rahmen der Sitzung wurde auch der aktuelle Gefährungsstand der einzelnen AKWs rund um Vorarlberg erörtert. Das Schweizer Kraftwerk Mühleberg (siehe Luftbild) gilt als das AKW mit dem höchsten Gefährdungspotenzial, auf deutscher Seite sind es Gundremmingen B und C. Die Arbeitsgruppe hat sich auf folgende Vorgangsweise geeinigt: 1. Verlangt wird vollständige Akteneinsicht im Rahmen des laufenden Verfahrens zum Schweizer AKW Mühleberg; diese Forderung wird vom Bund vertreten und vom Land Vorarlberg unterstützt. 2. Die Klubobleute Rainer Gögele, Dieter Egger, Johannes Rauch und Michael Ritsch werden gemeinsam mit Hildegard Breiner als Vertreterin der Umweltorganisationen ein Verfahren gegen das Schweizer AKW Mühleberg anstrengen - einerseits einen Antrag auf Entzug der Betriebsgenehmigung und andererseits eine Unterlassungsklage.
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe gehen davon aus, dass die in Deutschland still gelegten AKWs nicht mehr ans Netz gehen werden. Sollte wider Erwarten eines dieser AKWs wieder in Betrieb genommen werden, werden auch dort entsprechende Maßnahmen wie bei Mühleberg eingeleitet. Dies gilt insbesondere für die AKWs Isar I und Neckarwestheim I.
Quelle: oekonews.at
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An einer Veranstaltung hatten der Strahlenschutzexperte Andreas Molin und Rechtsanwalt Josef Lercher erklärt, welche rechtlichen Maßnahmen es gibt und welche technischen Voraussetzungen dafür notwendig sind. Aus rechtlicher Sicht sind zwei Schritte möglich: Ein Antrag auf Entzug der Betriebsgenehmigung eines einzelnen AKWs (dieser Antrag müsste im jeweiligen Staat eingebracht werden) und eine Unterlassungsklage, einreichbar in Österreich. Als technische Voraussetzung dafür muss eine konkrete Gefährdung der Umwelt und der Menschen gegeben sein. Die technischen Gutachten werden vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft in Auftrag gegeben.
Im Rahmen der Sitzung wurde auch der aktuelle Gefährungsstand der einzelnen AKWs rund um Vorarlberg erörtert. Das Schweizer Kraftwerk Mühleberg (siehe Luftbild) gilt als das AKW mit dem höchsten Gefährdungspotenzial, auf deutscher Seite sind es Gundremmingen B und C. Die Arbeitsgruppe hat sich auf folgende Vorgangsweise geeinigt: 1. Verlangt wird vollständige Akteneinsicht im Rahmen des laufenden Verfahrens zum Schweizer AKW Mühleberg; diese Forderung wird vom Bund vertreten und vom Land Vorarlberg unterstützt. 2. Die Klubobleute Rainer Gögele, Dieter Egger, Johannes Rauch und Michael Ritsch werden gemeinsam mit Hildegard Breiner als Vertreterin der Umweltorganisationen ein Verfahren gegen das Schweizer AKW Mühleberg anstrengen - einerseits einen Antrag auf Entzug der Betriebsgenehmigung und andererseits eine Unterlassungsklage.Die Mitglieder der Arbeitsgruppe gehen davon aus, dass die in Deutschland still gelegten AKWs nicht mehr ans Netz gehen werden. Sollte wider Erwarten eines dieser AKWs wieder in Betrieb genommen werden, werden auch dort entsprechende Maßnahmen wie bei Mühleberg eingeleitet. Dies gilt insbesondere für die AKWs Isar I und Neckarwestheim I.
Quelle: oekonews.at
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Freitag, 13. Mai 2011
Gefährliche Bauten in Indien
Ungeachtet der Reaktorkatastrophe in Fukushima will Indien in einem Erdbebengebiet an der Küste neue Atomkraftwerke bauen. Der Komplex Jaitapur soll mit sechs Reaktoren der weltweit grösste Atomkomplex werden. Angesichts der Grösse des Projekts will die indische Regierung die Druckwasserreaktoren der französischen Firma Areva mit Hilfe von Banken wie BNP Paribas und HSBC finanzieren.
Greenpeace hat sich jetzt mit einem Brief an die Geschäftsleitungen der Schweizer Sitze von BNP Paribas und HSBC gewandt und sie aufgefordert, von der Finanzierung der hochriskanten Anlage Abstand zu nehmen. Jaitapur wird regelmässig von Erdbeben heimgesucht und liegt im einzigen Abschnitt der indischen Westküste, der offiziell als Hochrisikozone eingestuft ist. Greenpeace hat die Banken auch auf das Risiko von Überflutungen des Reaktorgeländes im Falle eines Tsunami hingewiesen. Proteste gegen den geplanten Atomkomplex gibt es rund um Jaitapur im Bundesstaat Maharashtra schon seit Bekanntwerden des Projekts vor vier Jahren. Bislang protestierten vor allem Bauern und Fischer, die von ihrem Land verdrängt werden und ihre Lebensgrundlage verlieren, gegen die geplante Anlage. Seit der Katastrophe in Fukushima wenden sich aber auch zahlreiche Wissenschaftler, Umweltverbände, Parteienvertreter, Richter und Militärangehörige gegen das Projekt. Bei einer Demonstration im April 2011 wurde eine Person von der Polizei getötet, mehr als 1500 Demonstrierende nahm die Polizei in Haft.
Die geplanten EPR-Reaktoren der neuen Generation (European Pressurized Reactor) sind vom selben Typ wie die zur Zeit im Bau befindlichen Reaktoren in französischen Flamanville und im finnischen Olkiluoto. Die finnische Atomaufsichtsbehörde STUK hat bis heute beim Bau von Olkiluoto 3 mehr als 3000 Qualitäts- und Sicherheitsmängel aufgedeckt, die unter anderem durch die Vielzahl an Subunternehmen verursacht wurden.
In Bezug auf die Sicherheitskultur in Indien sind erst recht Zweifel angebracht. Schon beim Bau und Betrieb kleinerer Reaktoren gibt es immer wieder technische Mängel und Sicherheitsprobleme. Einer der eindrücklichsten Fälle war 1994 der Einsturz des Reaktor-Containments im Atomkraftwerk Kaiga.
Schicken Sie eine Mail an HSBC und BNP Paribas und protestieren Sie gegen die Finanzierung des Atomkomplexes. Die Protestmail ist auf Englisch.
Quelle: Greenpeace | Beate Steffens
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Greenpeace hat sich jetzt mit einem Brief an die Geschäftsleitungen der Schweizer Sitze von BNP Paribas und HSBC gewandt und sie aufgefordert, von der Finanzierung der hochriskanten Anlage Abstand zu nehmen. Jaitapur wird regelmässig von Erdbeben heimgesucht und liegt im einzigen Abschnitt der indischen Westküste, der offiziell als Hochrisikozone eingestuft ist. Greenpeace hat die Banken auch auf das Risiko von Überflutungen des Reaktorgeländes im Falle eines Tsunami hingewiesen. Proteste gegen den geplanten Atomkomplex gibt es rund um Jaitapur im Bundesstaat Maharashtra schon seit Bekanntwerden des Projekts vor vier Jahren. Bislang protestierten vor allem Bauern und Fischer, die von ihrem Land verdrängt werden und ihre Lebensgrundlage verlieren, gegen die geplante Anlage. Seit der Katastrophe in Fukushima wenden sich aber auch zahlreiche Wissenschaftler, Umweltverbände, Parteienvertreter, Richter und Militärangehörige gegen das Projekt. Bei einer Demonstration im April 2011 wurde eine Person von der Polizei getötet, mehr als 1500 Demonstrierende nahm die Polizei in Haft.Die geplanten EPR-Reaktoren der neuen Generation (European Pressurized Reactor) sind vom selben Typ wie die zur Zeit im Bau befindlichen Reaktoren in französischen Flamanville und im finnischen Olkiluoto. Die finnische Atomaufsichtsbehörde STUK hat bis heute beim Bau von Olkiluoto 3 mehr als 3000 Qualitäts- und Sicherheitsmängel aufgedeckt, die unter anderem durch die Vielzahl an Subunternehmen verursacht wurden.
In Bezug auf die Sicherheitskultur in Indien sind erst recht Zweifel angebracht. Schon beim Bau und Betrieb kleinerer Reaktoren gibt es immer wieder technische Mängel und Sicherheitsprobleme. Einer der eindrücklichsten Fälle war 1994 der Einsturz des Reaktor-Containments im Atomkraftwerk Kaiga.
Schicken Sie eine Mail an HSBC und BNP Paribas und protestieren Sie gegen die Finanzierung des Atomkomplexes. Die Protestmail ist auf Englisch.
Quelle: Greenpeace | Beate Steffens
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Sonntag, 24. April 2011
Auch Bulgarien wankt
Der Reaktor in Kosloduj wurde in der Nacht auf Ostersonntag vom Netz genommen. Im Herbst sind Wahlen in Bulgarien, die Atompolitik um das Projekt Belene läßt die Parteien vorsichtiger werden.
Bulgarien hat sein Atomreaktor Kosloduj in der Nacht zum Ostersonntag für einen so genannten Stresstest vom Netz genommen. Der 1000-Megawatt-Block sowjetischer Bauart solle binnen der kommenden Monate modernisiert werden, erklärte die Betreibergesellschaft. Der andere Block des 150 Kilometer nördlich von Sofia an der Donau gelegenen Atomkraftwerk solle Anfang Juni folgen.
Auch der deutsche Atomkonzern RWE war wegen seiner Beteiligung an der bulgarischen Atomwirtschaft unter Beschuss gekommen - und zog sich 2009 zurück.
In der vergangenen Woche hatte Bulgarien mit dem französischen Atomkonzern Areva eine Vereinbarung unterzeichnetet, die eine engere Zusammenarbeit vorsieht. In der Anlage in Kosloduj, dem bisher einzigen AKW Bulgariens, sind zwei Reaktoren in Betrieb; vor dem EU-Beitritt 2007 musste Bulgarien vier Reaktoren sowjetischer Bauart wegen Sicherheitsbedenken stilllegen. Vor der Abschaltung der Blöcke 1 bis 4 deckte das Atomkraftwerk 44 Prozent des bulgarischen Strombedarfs, die Abschaltung hat die Stromerzeugung ungefähr halbiert.
In den letzten Tagen sind die Pläne der bulgarischen Regierung für den Bau eines zweiten AKW im erdbebengefährdeten Belene an der Donau ins Wanken geraten. Energieminister Trajtscho Trajkov erklärte, dass er vom russischen Hersteller Atomstroyexport weitere Garantien für die beiden bestellten Reaktoren verlangt hat. Das Belene-Projekt soll für drei Monate auf Eis gelegt werden, um - wie Bulgariens Premier Bojko Borissov begründete - " alle technischen Fragen in Bezug auf die Erdbebengefährdung und die Kosten" zu klären (siehe Atominfomedia vom 2. April 2011).
In Bulgarien gibt es in diesem Herbst Präsidentschafts- und Kommunalwahlen. Staatspräsident Georgi Parwanow hatte nach dem Atomunglück in Japan eine Volksbefragung über den Bau des Atomkraftwerks Belene angekündigt. Das erste von Russen in der EU gebaute AKW soll 2017 in Belene fertig sein. Sozialist Parwanow ist ein Befürworter der Atomenergie. Bulgariens konservative Regierung unter Borissow - ebenfalls Befürworter - war durch eine von Russland geforderte Nachzahlung für das Projekt-Belene unter Druck geraten. 2,4 Milliarden Euro forderten die Russen, damit beliefe sich der Gesamtpreis auf rund 6,4 Milliarden Euro. "Unter den jetzigen Bedingungen kann das Kraftwerk nicht zustande kommen", erklärte Borissow, akzeptierte jedoch die Forderung nach einem "Inflations.-Aussgleich": Sofia sei bereit, einen Zuschlag von einer Milliarde Euro zu bezahlen. Wegen der unklaren Finanzierung war RWE 2009 aus dem Projekt ausgestiegen.
Umweltschützer hatten mit der Campagne "AKW Belene stoppen! Jetzt abseilen!" RWE gehörig zugesetzt. Die bulgarische Regierung denkt mittlerweile über Alternativen zum Belene-Projekt nach. So könnte das bestehende AKW Kosloduj um jene beiden bei Atomstroyexport bestellten Reaktoren ausgebaut werden. Das Belene-Projekt wird seit langer Zeit von Umweltschützern kritisiert. Die Mehrheit der Bulgaren unterstützt jedoch bisher die Atomenergie. Nach dem Unglück in Japan befürworten immerhin noch etwa 51 Prozent den Ausbau der Atomkraft, 45 Prozent sind dagegen.
Quelle: klimaretter.info
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Bulgarien hat sein Atomreaktor Kosloduj in der Nacht zum Ostersonntag für einen so genannten Stresstest vom Netz genommen. Der 1000-Megawatt-Block sowjetischer Bauart solle binnen der kommenden Monate modernisiert werden, erklärte die Betreibergesellschaft. Der andere Block des 150 Kilometer nördlich von Sofia an der Donau gelegenen Atomkraftwerk solle Anfang Juni folgen.
Auch der deutsche Atomkonzern RWE war wegen seiner Beteiligung an der bulgarischen Atomwirtschaft unter Beschuss gekommen - und zog sich 2009 zurück.In der vergangenen Woche hatte Bulgarien mit dem französischen Atomkonzern Areva eine Vereinbarung unterzeichnetet, die eine engere Zusammenarbeit vorsieht. In der Anlage in Kosloduj, dem bisher einzigen AKW Bulgariens, sind zwei Reaktoren in Betrieb; vor dem EU-Beitritt 2007 musste Bulgarien vier Reaktoren sowjetischer Bauart wegen Sicherheitsbedenken stilllegen. Vor der Abschaltung der Blöcke 1 bis 4 deckte das Atomkraftwerk 44 Prozent des bulgarischen Strombedarfs, die Abschaltung hat die Stromerzeugung ungefähr halbiert.
In den letzten Tagen sind die Pläne der bulgarischen Regierung für den Bau eines zweiten AKW im erdbebengefährdeten Belene an der Donau ins Wanken geraten. Energieminister Trajtscho Trajkov erklärte, dass er vom russischen Hersteller Atomstroyexport weitere Garantien für die beiden bestellten Reaktoren verlangt hat. Das Belene-Projekt soll für drei Monate auf Eis gelegt werden, um - wie Bulgariens Premier Bojko Borissov begründete - " alle technischen Fragen in Bezug auf die Erdbebengefährdung und die Kosten" zu klären (siehe Atominfomedia vom 2. April 2011).
In Bulgarien gibt es in diesem Herbst Präsidentschafts- und Kommunalwahlen. Staatspräsident Georgi Parwanow hatte nach dem Atomunglück in Japan eine Volksbefragung über den Bau des Atomkraftwerks Belene angekündigt. Das erste von Russen in der EU gebaute AKW soll 2017 in Belene fertig sein. Sozialist Parwanow ist ein Befürworter der Atomenergie. Bulgariens konservative Regierung unter Borissow - ebenfalls Befürworter - war durch eine von Russland geforderte Nachzahlung für das Projekt-Belene unter Druck geraten. 2,4 Milliarden Euro forderten die Russen, damit beliefe sich der Gesamtpreis auf rund 6,4 Milliarden Euro. "Unter den jetzigen Bedingungen kann das Kraftwerk nicht zustande kommen", erklärte Borissow, akzeptierte jedoch die Forderung nach einem "Inflations.-Aussgleich": Sofia sei bereit, einen Zuschlag von einer Milliarde Euro zu bezahlen. Wegen der unklaren Finanzierung war RWE 2009 aus dem Projekt ausgestiegen.
Umweltschützer hatten mit der Campagne "AKW Belene stoppen! Jetzt abseilen!" RWE gehörig zugesetzt. Die bulgarische Regierung denkt mittlerweile über Alternativen zum Belene-Projekt nach. So könnte das bestehende AKW Kosloduj um jene beiden bei Atomstroyexport bestellten Reaktoren ausgebaut werden. Das Belene-Projekt wird seit langer Zeit von Umweltschützern kritisiert. Die Mehrheit der Bulgaren unterstützt jedoch bisher die Atomenergie. Nach dem Unglück in Japan befürworten immerhin noch etwa 51 Prozent den Ausbau der Atomkraft, 45 Prozent sind dagegen.
Quelle: klimaretter.info
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Freitag, 18. März 2011
Mühleberg nicht sicher
Nach Recherchen von Schweizer Radio DRS zeigt ein bisher unveröffentlichtes Gutachten offenbar, dass das Atomkraftwerk Mühleberg wegen Rissen im Kernmantel nicht mehr sicher ist. Die Betreiberin BKW sagt das Gegenteil.
Ein Gutachten zeigt anscheinend, dass das AKW Mühleberg bei Bern aufgrund von Rissen im sogenannten Kernmantel nicht mehr sicher betrieben werden kann. Das sagte der Anwalt der Mühleberg-Gegner Rainer Weibel gegenüber Schweizer Radio DRS, nachdem seine Mandanten per Gerichtsentscheid Einsicht in die Sicherheitsunterlagen der AKW-Betreiberin BKW nehmen konnten. Im AKW Mühleberg wurden 1990 zum ersten Mal neben einer Schweissnaht Risse im Kernmantel entdeckt, die seither immer grösser werden. Die letzten Messungen von 2009 zeigen laut dem Leiter des AKW Mühleberg, Patrick Miazza, dass noch 70 Prozent der Schweissnaht intakt ist. Alle Risse zusammen hätten eine Länge von 2,8 Meter.
1996 wurden sogenannte Zuganker eingebaut, Klammern, die den Kernmantel stabilisieren sollen. Doch das reichte dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) nicht. In einer Sicherheitsprüfung hielt es 2007 fest, es gebe «wesentliche Vorbehalte». Laut AKW-Leiter Miazza könne man mit detaillierten Berechnungen nachweisen, dass die Sicherheit «heute und in den nächsten Jahren gewährleistet ist».
Über diese Aussage zeigte sich der Anwalt der Mühleberg-Gegner erstaunt: Dem AKW liege das Gutachten vor, welches zeige, dass der Betrieb nicht mehr sicher ist, sagte Weibel. Er bezieht sich auf ein Gutachten des deutschen TÜVNord. Das Bundesverwaltungsgericht erlaubte den AKW-Gegnern, das Gutachten zu lesen, ihnen aber gleichzeitig eine Busse von 10'000 Franken angedroht, sollten sie Informationen daraus weitergeben. Anwalt Weibel hält den Inhalt aber für so brisant, dass die Öffentlichkeit davon erfahren müsse. Ensi-Direktor Hans Wanner erklärt dazu, man werde das Konzept der BKW so schnell wie möglich überprüfen.
Quelle: Radio DRS (mit Link, um den Beitrag zu hören)
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Ein Gutachten zeigt anscheinend, dass das AKW Mühleberg bei Bern aufgrund von Rissen im sogenannten Kernmantel nicht mehr sicher betrieben werden kann. Das sagte der Anwalt der Mühleberg-Gegner Rainer Weibel gegenüber Schweizer Radio DRS, nachdem seine Mandanten per Gerichtsentscheid Einsicht in die Sicherheitsunterlagen der AKW-Betreiberin BKW nehmen konnten. Im AKW Mühleberg wurden 1990 zum ersten Mal neben einer Schweissnaht Risse im Kernmantel entdeckt, die seither immer grösser werden. Die letzten Messungen von 2009 zeigen laut dem Leiter des AKW Mühleberg, Patrick Miazza, dass noch 70 Prozent der Schweissnaht intakt ist. Alle Risse zusammen hätten eine Länge von 2,8 Meter.1996 wurden sogenannte Zuganker eingebaut, Klammern, die den Kernmantel stabilisieren sollen. Doch das reichte dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) nicht. In einer Sicherheitsprüfung hielt es 2007 fest, es gebe «wesentliche Vorbehalte». Laut AKW-Leiter Miazza könne man mit detaillierten Berechnungen nachweisen, dass die Sicherheit «heute und in den nächsten Jahren gewährleistet ist».
Über diese Aussage zeigte sich der Anwalt der Mühleberg-Gegner erstaunt: Dem AKW liege das Gutachten vor, welches zeige, dass der Betrieb nicht mehr sicher ist, sagte Weibel. Er bezieht sich auf ein Gutachten des deutschen TÜVNord. Das Bundesverwaltungsgericht erlaubte den AKW-Gegnern, das Gutachten zu lesen, ihnen aber gleichzeitig eine Busse von 10'000 Franken angedroht, sollten sie Informationen daraus weitergeben. Anwalt Weibel hält den Inhalt aber für so brisant, dass die Öffentlichkeit davon erfahren müsse. Ensi-Direktor Hans Wanner erklärt dazu, man werde das Konzept der BKW so schnell wie möglich überprüfen.
Quelle: Radio DRS (mit Link, um den Beitrag zu hören)
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Montag, 21. Februar 2011
Temelin verzögert sich weiter
Was sich bereits abzeichnete (siehe Atominfomedia vom 12. Februar 2011) bestätigt sich nun: Das geplante tschechische AKW nahe der österreichischen Grenze verzögert sich um mehrere Jahre. Für die Atomwirtschaft zeichnet sich in Europa ein weiterer Flop ab.
Nachdem Vertreter der tschechischen Regierung vor einigen Wochen eine Verzögerung des Projektes zur Erweiterung des AKW Temelin bestätigten, wiegelte der Projektbetreiber und Bauherr CEZ noch ab. Die Unternehmensleitung sprach von einer unbedeutenden Verzögerung um höchstens ein Jahr. Nun geht aus den Ausschreibungsunterlagen zu diesem Projekt allerdings hervor, dass der Fertigstellungstermin still und heimlich um fünf Jahre in das Jahr 2025 verschoben wurde.
Der ursprüngliche Plan rechnete mit der Inbetriebnahme im Jahr 2020. "Für diese massive Verzögerung sind auch rechtliche Probleme bei der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verantwortlich, welche im Rahmen der Anti-Atom-Offensive thematisiert und zur Klage der EU-Kommission geführt haben", freut sich Radko Pavlovec, unabhängiger Energieexperte und Autor der EU-Beschwerde. "Die Bundesregierung muss nun die günstigen Rahmenbedingungen nutzen und das widerrechtliche UVP-Verfahren mit Hilfe eines Vertragsverletzungsverfahrens zum Fall bringen. Jede Verzögerung dieses sinnlosen und gefährlichen Projektes erhöhte die Chancen, dass umweltverträgliche Alternativen realisiert werden", so Pavlovec abschließend.
Rückfragehinweis: Radko Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich , Tel.: 0043(0)664 / 421 74 91, mailto:tem.post@ooe.gv.at, http://www.temelin.com, http://www.mochovce.com
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/7626/aom
Quelle: oekonews.at
Nachdem Vertreter der tschechischen Regierung vor einigen Wochen eine Verzögerung des Projektes zur Erweiterung des AKW Temelin bestätigten, wiegelte der Projektbetreiber und Bauherr CEZ noch ab. Die Unternehmensleitung sprach von einer unbedeutenden Verzögerung um höchstens ein Jahr. Nun geht aus den Ausschreibungsunterlagen zu diesem Projekt allerdings hervor, dass der Fertigstellungstermin still und heimlich um fünf Jahre in das Jahr 2025 verschoben wurde.
Der ursprüngliche Plan rechnete mit der Inbetriebnahme im Jahr 2020. "Für diese massive Verzögerung sind auch rechtliche Probleme bei der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) verantwortlich, welche im Rahmen der Anti-Atom-Offensive thematisiert und zur Klage der EU-Kommission geführt haben", freut sich Radko Pavlovec, unabhängiger Energieexperte und Autor der EU-Beschwerde. "Die Bundesregierung muss nun die günstigen Rahmenbedingungen nutzen und das widerrechtliche UVP-Verfahren mit Hilfe eines Vertragsverletzungsverfahrens zum Fall bringen. Jede Verzögerung dieses sinnlosen und gefährlichen Projektes erhöhte die Chancen, dass umweltverträgliche Alternativen realisiert werden", so Pavlovec abschließend.
Rückfragehinweis: Radko Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich , Tel.: 0043(0)664 / 421 74 91, mailto:tem.post@ooe.gv.at, http://www.temelin.com, http://www.mochovce.com
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/7626/aom
Quelle: oekonews.at
Dienstag, 8. Februar 2011
Filmer gegen AKW Mühleberg
Nils Hedinger und Antonia Meile, die diesen Sommer ihr Filmstudium abgeschlossen haben, machen sich mit einem Video stark für ein Nein zum neuen AKW in Mühleberg.
Quelle: Youtube
Montag, 29. November 2010
Atommüllproblem ungelöst
Das Atommüllproblem ist nicht gelöst und die Standortsuche deshalb völlig verfrüht. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES und die betroffenen Regionen fordern deshalb den Bundesrat auf, den Entsorgungsnachweis aufzuheben und das Verfahren neu aufzugleisen, wie an einer Medienkonferenz in Bern bekannt wurde.
Trotz erbrachtem Entsorgungsnachweis bleiben unzählige Fragen rund um die Schweizer Atommüllentsorgung unbeantwortet. Insbesondere auf die Langzeitprobleme bietet das Nagra-Konzept gemäss Medienmiteilung keine Antworten. Trotzdem will das Bundesamt für Energie (BFE) bereits nach einem geeigneten Standort suchen. Die SES und der regionale Widerstand wehren sich gegen das unsichere Nagra- Konzept und gegen das scheindemokratische BFE-Verfahren. Sie fordern den Bundesrat auf, den Entsorgungsnachweis aufzuheben und das Sachplanverfahren neu aufzugleisen.
Am 30. November geht die öffentliche Anhörung der Etappe 1 im Sachplanverfahren zu Ende. Knapp 4000 Personen haben die Möglichkeit ergriffen und Einsprache gemacht. Sie sagen: SO NICHT! und wehren sich damit gegen ein unsicheres Atommülllagerkonzept und gegen die verfrühte Standortsuche. Diese Unterschriften wurden am Montag dem Amt für Umwelt, Verkehr und Energie (UVEK) übergeben.
Das geplante Atommülllager muss für eine Million Jahre sicher sein, zum Vergleich: Den Homo sapiens gibt es seit gerade mal 150’000 Jahren. Das Lager muss also mindestens 10 Eiszeiten und zahllose Erdbeben überstehen können. Diesen Herausforderungen wird die Nagra mit ihrem Lager-Konzept jedoch nicht gerecht, denn es verfolgt noch immer ein «Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn»-Prinzip: Das Lager soll nach 50 bis 150 Jahren vollständig verschlossen und nicht mehr überwacht werden. Doch wie will die Nagra garantieren, dass die Schutzbarrieren des Lagers so lange halten, dass der Opalinuston von der Atommüll-Hitze nicht porös wird und dass keine Brüche im Gestein entstehen? Probleme wie Untergrundkonflikte (z.B. durch Geothermiebohrungen) oder die Markierung des Lagers sind ebenso wenig gelöst. Bevor also der beste Standort ausgesucht wird, muss ein ausgereiftes Konzept auf den Tisch, das Lösungen für die Langzeitprobleme beinhaltet.
Trotz dem im Jahr 2006 erbrachten Entsorgungsnachweis sind wichtige technische Fragen bis heute nicht beantwortet. Die Nagra weiss zum Beispiel weder, welches Behältermaterial benutzt, noch wie mit der Gas- und Wärmeentwicklung umgegangen werden soll. Kürzlich hat gar das Umweltministerium von Baden Württemberg verlauten lassen, dass der Deutsche Opalinuston für ein Lager nicht geeignet wäre - diese Aussage wirft natürlich neue Fragen auf.
Doch damit nicht genug: Den potenziellen Atommüll-Regionen wurde mit dem neuen Kernenergiegesetz das Vetorecht entzogen. Das heutige Partizipationsverfahren ist eine scheindemokratische Alibiübung, die den betroffenen Menschen keine echte Mitentscheidung ermöglicht. So aber ist das Verfahren nicht ergebnisoffen. Einer der sechs Regionen will man ein Lager aufzwingen – anstatt die Bevölkerung zu überzeugen. Widerstand ist damit vorprogrammiert.
Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES
Trotz erbrachtem Entsorgungsnachweis bleiben unzählige Fragen rund um die Schweizer Atommüllentsorgung unbeantwortet. Insbesondere auf die Langzeitprobleme bietet das Nagra-Konzept gemäss Medienmiteilung keine Antworten. Trotzdem will das Bundesamt für Energie (BFE) bereits nach einem geeigneten Standort suchen. Die SES und der regionale Widerstand wehren sich gegen das unsichere Nagra- Konzept und gegen das scheindemokratische BFE-Verfahren. Sie fordern den Bundesrat auf, den Entsorgungsnachweis aufzuheben und das Sachplanverfahren neu aufzugleisen.
Am 30. November geht die öffentliche Anhörung der Etappe 1 im Sachplanverfahren zu Ende. Knapp 4000 Personen haben die Möglichkeit ergriffen und Einsprache gemacht. Sie sagen: SO NICHT! und wehren sich damit gegen ein unsicheres Atommülllagerkonzept und gegen die verfrühte Standortsuche. Diese Unterschriften wurden am Montag dem Amt für Umwelt, Verkehr und Energie (UVEK) übergeben.
Das geplante Atommülllager muss für eine Million Jahre sicher sein, zum Vergleich: Den Homo sapiens gibt es seit gerade mal 150’000 Jahren. Das Lager muss also mindestens 10 Eiszeiten und zahllose Erdbeben überstehen können. Diesen Herausforderungen wird die Nagra mit ihrem Lager-Konzept jedoch nicht gerecht, denn es verfolgt noch immer ein «Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn»-Prinzip: Das Lager soll nach 50 bis 150 Jahren vollständig verschlossen und nicht mehr überwacht werden. Doch wie will die Nagra garantieren, dass die Schutzbarrieren des Lagers so lange halten, dass der Opalinuston von der Atommüll-Hitze nicht porös wird und dass keine Brüche im Gestein entstehen? Probleme wie Untergrundkonflikte (z.B. durch Geothermiebohrungen) oder die Markierung des Lagers sind ebenso wenig gelöst. Bevor also der beste Standort ausgesucht wird, muss ein ausgereiftes Konzept auf den Tisch, das Lösungen für die Langzeitprobleme beinhaltet.
Trotz dem im Jahr 2006 erbrachten Entsorgungsnachweis sind wichtige technische Fragen bis heute nicht beantwortet. Die Nagra weiss zum Beispiel weder, welches Behältermaterial benutzt, noch wie mit der Gas- und Wärmeentwicklung umgegangen werden soll. Kürzlich hat gar das Umweltministerium von Baden Württemberg verlauten lassen, dass der Deutsche Opalinuston für ein Lager nicht geeignet wäre - diese Aussage wirft natürlich neue Fragen auf.
Doch damit nicht genug: Den potenziellen Atommüll-Regionen wurde mit dem neuen Kernenergiegesetz das Vetorecht entzogen. Das heutige Partizipationsverfahren ist eine scheindemokratische Alibiübung, die den betroffenen Menschen keine echte Mitentscheidung ermöglicht. So aber ist das Verfahren nicht ergebnisoffen. Einer der sechs Regionen will man ein Lager aufzwingen – anstatt die Bevölkerung zu überzeugen. Widerstand ist damit vorprogrammiert.
Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES
Dienstag, 9. November 2010
Castor-Transport am Ziel
Rund 92 Stunden vom Start bis zum Ziel: Die Castoren sind in Gorleben eingetroffen, der langwierigste Atommüll-Transport in der Geschichte ist zu Ende. Der Polizeieinsatz am Morgen lief friedlich und effizient. AKW-Gegner bejubeln die massiven Proteste und rufen die Merkel-Regierung zum Umdenken auf.
Die letzte Etappe eines Marathon-Transports ist zu Ende: Nach rund 92 Stunden haben die Tieflader mit den insgesamt elf Castor-Behältern voller hoch radioaktivem Atommüll das Zwischenlager Gorleben am Dienstagmorgen erreicht. Die Tore des niedersächsischen Zwischenlagers sind wieder geschlossen. Um 9.52 Uhr hatte der letzte Tieflader die Einfahrt passiert. Gut eine Stunde zuvor hatte sich der Konvoi der Schwerlaster vom Verladebahnhof in Dannenberg auf den Weg gemacht. Massive Polizeikräfte sicherten den 20 Kilometer langen Transport auf der Straße. In langsamem Tempo fuhren die Tieflader mit den weißen Castor-Behältern durch die anliegenden Dörfer.
Der Transport von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben brauchte deutlich länger als alle seine elf Vorgänger seit 1995. Noch nie war der Widerstand gegen den Castor so heftig wie in diesem Jahr. Die Wut der Menschen richtet sich auch gegen die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke und die weitere Erkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager. Am frühen Dienstagmorgen hatte die Polizei die Räumung der Zufahrtsstraße beendet, auf der zeitweise bis zu 4000 Menschen fast 45 Stunden auf Strohsäcken und Iso-Matten ausgeharrt hatten. Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood, die sich an Seilen über die Zufahrtsstraße gehängt hatten, wurden von der Polizei heruntergeholt. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden.
Polizisten trugen gegen 3.25 Uhr die ersten Demonstranten weg (siehe Bild), teilten die Organisatoren von der Kampagne "X-tausendmal quer" mit. "Wir möchten ihnen nicht wehtun", sagt ein Polizist über Lautsprecher, als die Räumung begann. Tatsächlich verlief der Einsatz zunächst ruhig und besonnen, die Beamten trugen die Aktivisten vorsichtig ein paar Meter von der Straße in Richtung Wald und bauten Absperrgitter auf. Gleichzeitig gelang es der Polizei, eine Beton-Pyramide vor Gorleben, an die sich Bauern gekettet hatten, von der Straße zu räumen. Die Pyramide war eines der drei größten Hindernisse, um den radioaktiven Abfall vom Verladebahnhof nahe Dannenberg über die Straße nach Gorleben zu transportieren.
Ein weiteres Problem war eine Lastwagen-Blockade der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Dannenberg. Dort wurden am Dienstagmorgen laut Polizeiangaben zwei Umweltschützer aus ihrer Verankerung befreit. Die beiden waren mit einem Arm und beiden Beinen in einem Betonblock fixiert. Mehrere Spezialisten der Polizei versuchten seit Montagabend, den Protest mit Spezialwerkzeug zu beenden. Den Umweltschützern war es gelungen, die Transportstrecke mit einem als Getränkelastwagen getarnten Fahrzeug zu blockieren.
Führende Atomkraftgegner feierten die massiven Proteste gegen den Castor-Transport nach Gorleben als großen Erfolg. "Es ist echt bewundernswert, mit welchem Mut und Enthusiasmus sich so viele Menschen an den Sitzblockaden beteiligt haben", sagte die langjährige Gorleben-Aktivistin und Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms nach der Räumung der Sitzblockade vor dem Atommüll-Zwischenlager. "Die Proteste bringen zum Ausdruck, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt", sagte sie und rief die Bundesregierung zu einer Abkehr von ihrer Atompolitik auf. "Es muss eine Neubesinnung geben", besonders Gorleben sei "nicht der richtige Standort" für ein Atommüll-Endlager, sagte Harms weiter. Polizeieinsätze, um die bisherige Atompolitik durchzusetzen, seien angesichts der Proteste in diesem Jahr an ihre Grenzen gelangt. "Man kann nicht 20.000 Polizisten dauerhaft gegen junge Leute in Marsch setzen."
Der Sprecher der Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, geht von einer Stärkung der Anti-AKW-Bewegung aus. "Die Leute gehen von hier mit einer unheimlichen Motivation weg", sagte Stay in Gorleben. Zwar sei eine Räumung nie etwas erfreuliches, "aber es fühlt sich nicht frustrierend oder nach Niederlage an", sagte Stay mit Blick auf die rund 45-stündige Sitzblockade von zeitweise mehr als 4000 Atomkraftgegnern vor dem Zwischenlager Gorleben.
Quelle: Spiegel Online
Die letzte Etappe eines Marathon-Transports ist zu Ende: Nach rund 92 Stunden haben die Tieflader mit den insgesamt elf Castor-Behältern voller hoch radioaktivem Atommüll das Zwischenlager Gorleben am Dienstagmorgen erreicht. Die Tore des niedersächsischen Zwischenlagers sind wieder geschlossen. Um 9.52 Uhr hatte der letzte Tieflader die Einfahrt passiert. Gut eine Stunde zuvor hatte sich der Konvoi der Schwerlaster vom Verladebahnhof in Dannenberg auf den Weg gemacht. Massive Polizeikräfte sicherten den 20 Kilometer langen Transport auf der Straße. In langsamem Tempo fuhren die Tieflader mit den weißen Castor-Behältern durch die anliegenden Dörfer.
Der Transport von der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben brauchte deutlich länger als alle seine elf Vorgänger seit 1995. Noch nie war der Widerstand gegen den Castor so heftig wie in diesem Jahr. Die Wut der Menschen richtet sich auch gegen die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke und die weitere Erkundung des Salzstocks Gorleben als Endlager. Am frühen Dienstagmorgen hatte die Polizei die Räumung der Zufahrtsstraße beendet, auf der zeitweise bis zu 4000 Menschen fast 45 Stunden auf Strohsäcken und Iso-Matten ausgeharrt hatten. Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood, die sich an Seilen über die Zufahrtsstraße gehängt hatten, wurden von der Polizei heruntergeholt. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden.
Polizisten trugen gegen 3.25 Uhr die ersten Demonstranten weg (siehe Bild), teilten die Organisatoren von der Kampagne "X-tausendmal quer" mit. "Wir möchten ihnen nicht wehtun", sagt ein Polizist über Lautsprecher, als die Räumung begann. Tatsächlich verlief der Einsatz zunächst ruhig und besonnen, die Beamten trugen die Aktivisten vorsichtig ein paar Meter von der Straße in Richtung Wald und bauten Absperrgitter auf. Gleichzeitig gelang es der Polizei, eine Beton-Pyramide vor Gorleben, an die sich Bauern gekettet hatten, von der Straße zu räumen. Die Pyramide war eines der drei größten Hindernisse, um den radioaktiven Abfall vom Verladebahnhof nahe Dannenberg über die Straße nach Gorleben zu transportieren.Ein weiteres Problem war eine Lastwagen-Blockade der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Dannenberg. Dort wurden am Dienstagmorgen laut Polizeiangaben zwei Umweltschützer aus ihrer Verankerung befreit. Die beiden waren mit einem Arm und beiden Beinen in einem Betonblock fixiert. Mehrere Spezialisten der Polizei versuchten seit Montagabend, den Protest mit Spezialwerkzeug zu beenden. Den Umweltschützern war es gelungen, die Transportstrecke mit einem als Getränkelastwagen getarnten Fahrzeug zu blockieren.
Führende Atomkraftgegner feierten die massiven Proteste gegen den Castor-Transport nach Gorleben als großen Erfolg. "Es ist echt bewundernswert, mit welchem Mut und Enthusiasmus sich so viele Menschen an den Sitzblockaden beteiligt haben", sagte die langjährige Gorleben-Aktivistin und Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms nach der Räumung der Sitzblockade vor dem Atommüll-Zwischenlager. "Die Proteste bringen zum Ausdruck, was die Mehrheit der Bevölkerung denkt", sagte sie und rief die Bundesregierung zu einer Abkehr von ihrer Atompolitik auf. "Es muss eine Neubesinnung geben", besonders Gorleben sei "nicht der richtige Standort" für ein Atommüll-Endlager, sagte Harms weiter. Polizeieinsätze, um die bisherige Atompolitik durchzusetzen, seien angesichts der Proteste in diesem Jahr an ihre Grenzen gelangt. "Man kann nicht 20.000 Polizisten dauerhaft gegen junge Leute in Marsch setzen."
Der Sprecher der Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, geht von einer Stärkung der Anti-AKW-Bewegung aus. "Die Leute gehen von hier mit einer unheimlichen Motivation weg", sagte Stay in Gorleben. Zwar sei eine Räumung nie etwas erfreuliches, "aber es fühlt sich nicht frustrierend oder nach Niederlage an", sagte Stay mit Blick auf die rund 45-stündige Sitzblockade von zeitweise mehr als 4000 Atomkraftgegnern vor dem Zwischenlager Gorleben.
Quelle: Spiegel Online
Sonntag, 7. November 2010
Deutsches Anti-Atom-Spektakel
So ein Anti-Atom-Spektakel hat Deutschland lange nicht gesehen. Im Wendland spielen Polizisten und die Gegner der Castor-Transporte Katz und Maus. Die Strecke wird an vielen Stellen blockiert, Schotterer greifen immer wieder an - und mitten im Wald finden wilde Verfolgungsjagden statt.
Später Sonntagnachmittag in Lüneburg. Der Zug ist da. Endlich, werden sich die Polizisten denken. Er hat schon zehn Stunden Verspätung, er ist wieder mal aufgehalten worden, hinter Celle, weil sich Castor-Gegner an die Gleise gekettet haben - zwei Stunden hat das gekostet. Jetzt geht es weiter nach Dannenberg, die letzten 50 Kilometer auf dem Gleis. Die härteste Strecke, bevor die Castor-Behälter mit ihrer strahlenden Fracht auf Lkw umgeladen werden und es nach Gorleben weitergeht. Den Polizisten und den Anti-Atom-Aktivisten stehen heiße Stunden bevor. Rund 2000 Menschen blockieren bei Harlingen die Gleisstrecke Lüneburg-Dannenberg. Viele liegen mit Wärmedecken auf den Schienen. Andere tanzen, um sich warmzuhalten. Ein Mann rennt an der Böschung entlang, verfolgt von zwei Polizisten. Es gelingt ihm, auf einen Baum zu klettern, bevor die Beamten bei ihm sind. Schnell ist er weit oben. Jubel brandet auf. Dann Sprechchöre: "Abschalten! Abschalten!"
Landwirte eilen der Gleisblockade zur Hilfe. Dutzende blockieren mit ihren Treckern praktisch sämtliche Einfahrtstraßen nach Dannenberg. Damit wollen sie verhindern, dass die Polizei Einheiten zu Gleisabschnitten verlegt, wo Atomgegner die Bahnstrecke zu besetzen versuchen. Im Harlinger Ortskern stehen insgesamt zehn Traktoren ineinander verkeilt an zwei Kreuzungen - bis die Polizei die Blockade auflöst. Sie hat sich Generalschlüssel für alle Traktormodelle besorgt. Nach der Räumung der Kreuzung kann sie mehr Fahrzeuge losschicken.
Was in diesen Stunden im Wendland passiert, ist ein seit langem nicht mehr gesehenes Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und den Aktivisten. Hektik, Tricks, Gewalt - und immer wieder Durchbrüche der Protestierenden. Oder angebliche Durchbrüche? Am Abend wird die Information gestreut, Schotterer hätten in der Nähe von Pommoissel rund 150 Meter Gleisbett so zerstört, dass der Transport nicht problemlos durchkommen dürfte. Andere Aktivisten sagen, das sei nicht gelungen. Schottern ist der Protestbegriff dieses Castortransports; gemeint ist, dass Aktivisten Schottersteine aus dem Gleisbett graben, um den Zug zum Stopp zu zwingen.
Die Polizisten wehren die Protestierenden durchaus auch mit harten Mitteln ab. SPIEGEL ONLINE hat einen Einsatz am Vormittag bei Govelin miterlebt, in dem Schotterer erfolgreich abgewehrt worden sind - ein Protokoll:
Eine Schottergruppe aus mehr als tausend Aktivisten sammelt sich um acht Uhr in Govelin, einer Straße mit drei Häusern in der Nähe der Bahngleise. Viele tragen Regenjacken und haben einen Schal als Mundschutz dabei, die meisten eine Mütze. Sie wollen friedlich auf die Schiene gelangen, es ist keine uniform schwarz gekleidete Truppe gewaltbereiter Linksextremisten.
Im Laufschritt geht es mehrere Kilometer durch den Wald, immer den bunten Fahnen hinterher. Ein kleiner Polizeitrupp begleitet die Gruppe. "Da vorne an den Buchen rechts", sagt jemand über ein Megafon. "Du, Hippie", ruft ein Mädchen mit schwarzer Sonnebrille zurück, "was sind denn bitte Buchen?" Es geht auf einen Hügel hinauf. Diejenigen, die oben ankommen, jubeln, als sie die vielen hundert Demonstranten hinter sich sehen.
Auf dem Weg vor den Bahngleisen warten schon die Polizisten. Sie haben sich aufgereiht, die Visiere der Helme sind heruntergeklappt, die Hände umklammern Schlagstöcke. Als die ersten hundert Aktivisten auf die Strecke stürmen wollen, laufen ihnen Polizisten mit erhobenem Knüppel entgegen und prügeln drauf los.
"Dachs", "Dachs", ruft Anna Mahler. Es ist die Losung der Journalistengruppe, die von der 23-jährige Politikstudentin durch den Wald gelotst wird. Sie organisiert, dass Fotografen und Kameramänner zur Stelle sind, wenn es knallt. Dass man die Presse so einbettet, ist ein Novum in der traditionell argwöhnischen linken Szene. Mahler, die sich zur "Interventionistischen Linken" zählt, soll vermitteln, wenn es doch mal Stress geben sollte. Nun stehen Journalisten zwischen den Demonstranten und der Polizei, die nicht immer ganz genau hinschaut.
Aus dem Wald strömen immer mehr Aktivisten zu dem Waldweg, verteilen sich nach links und rechts. Sie starten einen zweiten Versuch, gehen einfach los - die Polizei schießt mit Reizgaskartuschen, setzt Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein. Gasschwaden ziehen durch den Wald, mehrere Menschen müssen sich übergeben.
Viele der friedlichen Demonstranten sind froh, dass die Presse das rabiate Durchgreifen dokumentiert. Die Polizei rät dem ZDF im Pressezentrum in Dannenberg, das eigene Reporterteam doch lieber aus dem Wald abzuziehen - nur zur eigenen Sicherheit, versteht sich.
Weichen die Schotterer zurück, rücken Polizisten nach. Sie drängen die Demonstranten weit in den Wald zurück, wer nicht schnell genug ist, wird geschlagen und geschubst. Kampagnensprecher Tadzio Müller trifft ein Schlagstock mitten im Lauf am Knie. Er sackt weg, das Gesicht schmerzverzerrt.
Die Taktik der Polizei geht auf. Die Demonstranten werden immer weiter zerstreut. Ständig müssen sich die Schotterer neu sammeln, stehen aber so großflächig, dass an eine konzentrierte Aktion nicht zu denken ist. Die Sache zieht sich hin - während aus kleineren Gruppen Delegierte zu Sitzungen geschickt werden, in denen basisdemokratisch das weitere Vorgehen besprochen wird.
Die anderen stehen, hocken und sitzen im feuchten, kalten Wald. Einige waschen sich Pfefferspray aus den Augen. Ein Hubschrauber kreist direkt über der Szene, wirbelt Laubblätter in die Luft. Es klappt einfach nicht, auch nicht beim nächsten und übernächsten Versuch. Mit Pferden, die von Polizisten in die Menge geritten werden, und Schlagstockeinsatz wird die Gruppe wieder abgewehrt. Zwar schaffen es einige kleine Gruppen immer wieder mal ans Gleisbett, doch schottern können sie dann nur kurze Zeit - bis sie von den Einsatzkräften wieder verdrängt werden.
Mittags ist klar: Für eine der Gruppen fällt das Schottern erst mal aus, zu massiv ist der Polizeieinsatz, zu gut ist die Strecke gesichert. "Trotzdem ein Erfolg", sagt Müller, "auch wenn ich nichts schönreden will." Schließlich sei der Protest mit mindestens zweitausend Teilnehmern riesig gewesen.
Quelle: Spiegel Online
Später Sonntagnachmittag in Lüneburg. Der Zug ist da. Endlich, werden sich die Polizisten denken. Er hat schon zehn Stunden Verspätung, er ist wieder mal aufgehalten worden, hinter Celle, weil sich Castor-Gegner an die Gleise gekettet haben - zwei Stunden hat das gekostet. Jetzt geht es weiter nach Dannenberg, die letzten 50 Kilometer auf dem Gleis. Die härteste Strecke, bevor die Castor-Behälter mit ihrer strahlenden Fracht auf Lkw umgeladen werden und es nach Gorleben weitergeht. Den Polizisten und den Anti-Atom-Aktivisten stehen heiße Stunden bevor. Rund 2000 Menschen blockieren bei Harlingen die Gleisstrecke Lüneburg-Dannenberg. Viele liegen mit Wärmedecken auf den Schienen. Andere tanzen, um sich warmzuhalten. Ein Mann rennt an der Böschung entlang, verfolgt von zwei Polizisten. Es gelingt ihm, auf einen Baum zu klettern, bevor die Beamten bei ihm sind. Schnell ist er weit oben. Jubel brandet auf. Dann Sprechchöre: "Abschalten! Abschalten!"Landwirte eilen der Gleisblockade zur Hilfe. Dutzende blockieren mit ihren Treckern praktisch sämtliche Einfahrtstraßen nach Dannenberg. Damit wollen sie verhindern, dass die Polizei Einheiten zu Gleisabschnitten verlegt, wo Atomgegner die Bahnstrecke zu besetzen versuchen. Im Harlinger Ortskern stehen insgesamt zehn Traktoren ineinander verkeilt an zwei Kreuzungen - bis die Polizei die Blockade auflöst. Sie hat sich Generalschlüssel für alle Traktormodelle besorgt. Nach der Räumung der Kreuzung kann sie mehr Fahrzeuge losschicken.
Was in diesen Stunden im Wendland passiert, ist ein seit langem nicht mehr gesehenes Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und den Aktivisten. Hektik, Tricks, Gewalt - und immer wieder Durchbrüche der Protestierenden. Oder angebliche Durchbrüche? Am Abend wird die Information gestreut, Schotterer hätten in der Nähe von Pommoissel rund 150 Meter Gleisbett so zerstört, dass der Transport nicht problemlos durchkommen dürfte. Andere Aktivisten sagen, das sei nicht gelungen. Schottern ist der Protestbegriff dieses Castortransports; gemeint ist, dass Aktivisten Schottersteine aus dem Gleisbett graben, um den Zug zum Stopp zu zwingen.
Die Polizisten wehren die Protestierenden durchaus auch mit harten Mitteln ab. SPIEGEL ONLINE hat einen Einsatz am Vormittag bei Govelin miterlebt, in dem Schotterer erfolgreich abgewehrt worden sind - ein Protokoll:
Eine Schottergruppe aus mehr als tausend Aktivisten sammelt sich um acht Uhr in Govelin, einer Straße mit drei Häusern in der Nähe der Bahngleise. Viele tragen Regenjacken und haben einen Schal als Mundschutz dabei, die meisten eine Mütze. Sie wollen friedlich auf die Schiene gelangen, es ist keine uniform schwarz gekleidete Truppe gewaltbereiter Linksextremisten.
Im Laufschritt geht es mehrere Kilometer durch den Wald, immer den bunten Fahnen hinterher. Ein kleiner Polizeitrupp begleitet die Gruppe. "Da vorne an den Buchen rechts", sagt jemand über ein Megafon. "Du, Hippie", ruft ein Mädchen mit schwarzer Sonnebrille zurück, "was sind denn bitte Buchen?" Es geht auf einen Hügel hinauf. Diejenigen, die oben ankommen, jubeln, als sie die vielen hundert Demonstranten hinter sich sehen.
Auf dem Weg vor den Bahngleisen warten schon die Polizisten. Sie haben sich aufgereiht, die Visiere der Helme sind heruntergeklappt, die Hände umklammern Schlagstöcke. Als die ersten hundert Aktivisten auf die Strecke stürmen wollen, laufen ihnen Polizisten mit erhobenem Knüppel entgegen und prügeln drauf los.
"Dachs", "Dachs", ruft Anna Mahler. Es ist die Losung der Journalistengruppe, die von der 23-jährige Politikstudentin durch den Wald gelotst wird. Sie organisiert, dass Fotografen und Kameramänner zur Stelle sind, wenn es knallt. Dass man die Presse so einbettet, ist ein Novum in der traditionell argwöhnischen linken Szene. Mahler, die sich zur "Interventionistischen Linken" zählt, soll vermitteln, wenn es doch mal Stress geben sollte. Nun stehen Journalisten zwischen den Demonstranten und der Polizei, die nicht immer ganz genau hinschaut.
Aus dem Wald strömen immer mehr Aktivisten zu dem Waldweg, verteilen sich nach links und rechts. Sie starten einen zweiten Versuch, gehen einfach los - die Polizei schießt mit Reizgaskartuschen, setzt Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein. Gasschwaden ziehen durch den Wald, mehrere Menschen müssen sich übergeben.
Viele der friedlichen Demonstranten sind froh, dass die Presse das rabiate Durchgreifen dokumentiert. Die Polizei rät dem ZDF im Pressezentrum in Dannenberg, das eigene Reporterteam doch lieber aus dem Wald abzuziehen - nur zur eigenen Sicherheit, versteht sich.
Weichen die Schotterer zurück, rücken Polizisten nach. Sie drängen die Demonstranten weit in den Wald zurück, wer nicht schnell genug ist, wird geschlagen und geschubst. Kampagnensprecher Tadzio Müller trifft ein Schlagstock mitten im Lauf am Knie. Er sackt weg, das Gesicht schmerzverzerrt.
Die Taktik der Polizei geht auf. Die Demonstranten werden immer weiter zerstreut. Ständig müssen sich die Schotterer neu sammeln, stehen aber so großflächig, dass an eine konzentrierte Aktion nicht zu denken ist. Die Sache zieht sich hin - während aus kleineren Gruppen Delegierte zu Sitzungen geschickt werden, in denen basisdemokratisch das weitere Vorgehen besprochen wird.
Die anderen stehen, hocken und sitzen im feuchten, kalten Wald. Einige waschen sich Pfefferspray aus den Augen. Ein Hubschrauber kreist direkt über der Szene, wirbelt Laubblätter in die Luft. Es klappt einfach nicht, auch nicht beim nächsten und übernächsten Versuch. Mit Pferden, die von Polizisten in die Menge geritten werden, und Schlagstockeinsatz wird die Gruppe wieder abgewehrt. Zwar schaffen es einige kleine Gruppen immer wieder mal ans Gleisbett, doch schottern können sie dann nur kurze Zeit - bis sie von den Einsatzkräften wieder verdrängt werden.
Mittags ist klar: Für eine der Gruppen fällt das Schottern erst mal aus, zu massiv ist der Polizeieinsatz, zu gut ist die Strecke gesichert. "Trotzdem ein Erfolg", sagt Müller, "auch wenn ich nichts schönreden will." Schließlich sei der Protest mit mindestens zweitausend Teilnehmern riesig gewesen.
Quelle: Spiegel Online
Samstag, 6. November 2010
Bahnstrecke besetzt
Ein mit Atommüll beladener Castor-Zug soll heute von Frankreich nach Deutschland fahren. Demonstranten versuchen dies mit einem Grossaufgebot von Demonstranten sowie Durchfahrtsblockaden zu verhindern.

Wollen den Atommüll-Transport nicht durchlassen: Demonstranten in Deutschland tragen die Masken von Guido Westerwelle (links) und Angela Merkel (rechts).
Mehrere hundert Atomkraftgegner haben am Samstag in Berg in Rheinland-Pfalz die Bahnstrecke unmittelbar hinter der französisch-deutschen Grenze besetzt, um die am Mittag geplante Durchfahrt des Castor-Zugs mit Atommüll zu blockieren. Im deutschen Bundesland Niedersachsen hat am Samstagvormittag die Anreise von Zehntausenden von Atomkraftgegnern zur bisher grössten Demonstration gegen die Castor-Transporte nach Gorleben begonnen. Nach Angaben eines Polizeisprechers in Lüneburg blieb die Lage nach einer kurzzeitigen Blockade einer Bundesstrasse in der Nacht und am Morgen zunächst «absolut friedlich».
Gegen 13 Uhr sollte in Dannenberg eine Grosskundgebung gegen den Castor-Transport beginnen, zu der mindestens 30'000 Menschen erwartet wurden. Die Polizei ist mit rund 17.000 Beamten im Einsatz. Der aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague kommende Zug mit elf Castor-Behältern mit hoch radioaktivem Müll aus deutschen Kernkraftwerken soll am Mittag die deutsch-französische Grenze passieren.
In Niedersachsen wird er am Sonntag erwartet. Der Protest gegen die Transporte richtet sich immer auch gegen die weitere Erkundung des Gorlebener Salzstocks auf Eignung als Endlager für den stark strahlenden Atommüll. An den Demonstrationen teilnehmen wollten auch führende Politiker von Grünen und Linken. Das französische Netzwerk «Sortir du Nucléaire» nahm nach eigenen Angaben Messungen der vom Transport ausstrahlenden Radioaktivität vor. Sie sei in sechs Metern Abstand von den Castor-Behältern «20 Mal höher als die natürliche Radioaktivität», teilte die Organisation mit. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge ist die Radioaktivität des Mülls doppelt so hoch wie jene, die bei der Katastrophe im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl freigesetzt wurde. Die Ladung strahle deutlich stärker als bei früheren Transporten, weil die Brennelemente länger in deutschen Atomkraftwerken genutzt worden seien.
Quellen: Diverse Nachrichtenagenturen

Wollen den Atommüll-Transport nicht durchlassen: Demonstranten in Deutschland tragen die Masken von Guido Westerwelle (links) und Angela Merkel (rechts).
Mehrere hundert Atomkraftgegner haben am Samstag in Berg in Rheinland-Pfalz die Bahnstrecke unmittelbar hinter der französisch-deutschen Grenze besetzt, um die am Mittag geplante Durchfahrt des Castor-Zugs mit Atommüll zu blockieren. Im deutschen Bundesland Niedersachsen hat am Samstagvormittag die Anreise von Zehntausenden von Atomkraftgegnern zur bisher grössten Demonstration gegen die Castor-Transporte nach Gorleben begonnen. Nach Angaben eines Polizeisprechers in Lüneburg blieb die Lage nach einer kurzzeitigen Blockade einer Bundesstrasse in der Nacht und am Morgen zunächst «absolut friedlich».
Gegen 13 Uhr sollte in Dannenberg eine Grosskundgebung gegen den Castor-Transport beginnen, zu der mindestens 30'000 Menschen erwartet wurden. Die Polizei ist mit rund 17.000 Beamten im Einsatz. Der aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague kommende Zug mit elf Castor-Behältern mit hoch radioaktivem Müll aus deutschen Kernkraftwerken soll am Mittag die deutsch-französische Grenze passieren.
In Niedersachsen wird er am Sonntag erwartet. Der Protest gegen die Transporte richtet sich immer auch gegen die weitere Erkundung des Gorlebener Salzstocks auf Eignung als Endlager für den stark strahlenden Atommüll. An den Demonstrationen teilnehmen wollten auch führende Politiker von Grünen und Linken. Das französische Netzwerk «Sortir du Nucléaire» nahm nach eigenen Angaben Messungen der vom Transport ausstrahlenden Radioaktivität vor. Sie sei in sechs Metern Abstand von den Castor-Behältern «20 Mal höher als die natürliche Radioaktivität», teilte die Organisation mit. Der Umweltschutzorganisation Greenpeace zufolge ist die Radioaktivität des Mülls doppelt so hoch wie jene, die bei der Katastrophe im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl freigesetzt wurde. Die Ladung strahle deutlich stärker als bei früheren Transporten, weil die Brennelemente länger in deutschen Atomkraftwerken genutzt worden seien.
Quellen: Diverse Nachrichtenagenturen
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