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Sonntag, 26. Juni 2016

Wahnsinn hat Methode – weitere Milliarden für Kernfusion

Derzeit entsteht in Südfrankreich die Kernfusionsanlage Iter, unter Beteiligung aller führenden Wirtschaftsnationen, so der USA, von China, Indien und auch der EU. Der Rat der Trägerstaaten hat jetzt das Datum für erste konkrete Ergebnisse um fünf Jahre auf 2025 verschoben und weitere rund fünf Milliarden € für die Realisierung beschlossen. 

Für das Projekt gilt schon seit 50 Jahren ein Running Gag: Die Kernfusion wird für den Menschen alle Energieprobleme lösen – in den kommenden 50 Jahren. Das  Vorhaben, das Geschehen auf der Sonne quasi nachzubauen und eine unbegrenzte Energiequelle zu schaffen, steht in Tat und Wahrheit aber unter einem ähnlich schlechten Stern wie die sonstige Atomforschung: Sie ist ein Fass ohne Boden und vertröstet stets erneut auf den Sankt Nimmerleinstag, wenn es um konkrete und brauchbare Ergebnisse geht. Kommt jetzt noch der Brexit hinzu, der die internationale Atomzusammenarbeit ganz allgemein erschwert.

ITER (Apronym: englisch für International Thermonuclear Experimental Reactor, lateinisch für Weg) ist ein seit 2007 im Bau befindlicher Kernfusionsreaktor. Und die jüngste Meldung zu diesem Iter ging im Trubel des Brexit sowie der Fussball-EM unter – sie wurde aber wohlweislich vielerorts aber auch gleich unterdrückt. Nur der Neuen Zürcher Zeitung sind die Details zum Beschluss zu verdanken – während es bei der Nachricht des hiesigen Atomlobbymediums, der Website nuklearforum.ch, bei verschleiernden Informationen blieb, so hiess es wörtlich: «Am 18. Iter-Ratstreffen in St. Paul-lez-Durance am 15. und 16. Juni 2016 genehmigten Vertreter der sieben Iter-Mitglieder China, Europäische Union, Indien, Japan, Korea, Russland und Vereinigte Staaten einen revidierten Kosten- und Zeitplan. 

Demnach wird der Iter im Dezember 2025 – fünf Jahre später als ursprünglich vorgesehen – den Betrieb aufnehmen. Die Erzeugung des ersten Plasmas sei jedoch nur der Anfang, so der Iter-Rat. Er forderte die Iter-Organisation auf, die Federführung zur Verlängerung des aktualisierten Kosten- und Zeitplans bis zum Deuterium-Tritium-Betrieb zu übernehmen. Der Vorschlag solle «ausreichend detailliert» sein, damit der Rat an seiner nächsten Tagung im November die überarbeiteten Projektausgangsbedingungen verabschieden könne.» Von den Kostenfolgen ist beim Nuklearforum hingegen keine Rede. Doch im Klartext bedeutet der Beschluss der Mitglieder des internationalen Iter-Projekts, dass das Projekt nicht nur erneut eine massive Verzögerung erfährt (um rund fünf Jahre), sondern dass es sich weiter massiv verteuert (zusätzlich zu den bereits beschlossenen 14 deren weitere fünf Milliarden Euro).
Davon wird auch die Schweiz betroffen sein, die sich an Iter beteiligt. Gemäss dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation hat sie sich bislang mit 183 Millionen Franken an Iter beteiligt – berücksichtigt man die nunmehr um rund einen Drittel erhöhten Aufwendungen, wird für die Schweiz eine weitere Kostenspritze von rund 60 Millionen fällig. Das ist immerhin fast soviel, wie im Rahmen der Kostendeckenden Einspeisevergütung KEV hierzulande jährlich für Solarprojekte aufgewendet werden. 

Aus den USA und aus Deutschland kamen in den vergangenen beiden Jahren jeweils Berichte von grossen Fortschritten in anderen Projekten der Fusionsforschung – doch wohl aus Gründen der Geheimhaltung sind die Angaben derart vage, dass sie kaum überprüfbar sind. Gemäss http://reneweconomy.com.au/2016/nuclear-fail-new-reactor-took-43-years-to-build-shut-down-after-2-days-92176. War der Watts Bar-2 reactor nach Inbetriebnahme am 3. Juni – und einer Bauzeit von 43 Jahren – gerade mal zwei Tage am Netz und schaltete sich dann von selbst ab, Grund vorderhand unbekannt.
 
Und dann noch dies: Einen guten Aspekt kann man dem in dieser Woche überraschend beschlossenen Brexit vielleicht abgewinnen – er macht die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Grossbritannien in der Atomtechnologie auf jeden Fall nicht einfacher. Womit das Gross-AKW-Projekt Hinkley Point, das auf wesentliche Unterstützung  französischer Technologie und Finanzkraft zählt, unwahrscheinlicher denn je wird. 

© Solarmedia Guntram Rehsche

Montag, 25. Juni 2012

CH: Filz in Atombehörde?

Der Nuklearexperte Marco Buser ist aus Protest aus der Eidgenössischen Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) ausgetreten. Er wirft dem Bundesamt für Energie (BFE), dem Eidg. Nuklearinspektorat (Ensi) und der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Filz vor. 

Er habe genug, sagte Buser gemäss Nachrichtenagentur SDA im Interview mit der «SonntagsZeitung». «Die Suche nach einem Tiefenlager für Atommüll läuft aus dem Ruder, doch alle Empfehlungen von uns unabhängigen Experten werden von den zuständigen Behörden in den Wind geschlagen». Weil dem BFE die Fachkompetenz fehle, könne die Nagra das Verfahren im Hintergrund steuern, erklärte Buser, der als KNS- Mitglied jahrelang den Bundesrat in Atomfragen beraten hatte. «Diese Behörde (das BFE) entscheidet sehr autoritär über ein Gebiet, in dem sie wenig Fachwissen hat. Das schwächt ihre Unabhängigkeit.»

Dem Ensi attestiert Buser zwar mehr Fachwissen als dem BFE, aber es stehe der Nagra ebenfalls zu nahe. «Auch von den Leuten in den Standortregionen höre ich immer dasselbe: BFE, Nagra und Ensi steckten unter einer Decke», sagte Buser. Der Filz bestehe darin, dass die Mitglieder der verschiedenen Behörden und Stellen miteinander verbandelt seien und Informationen austauschten. «Der Kontrolleur ist Copain mit dem Kontrollierten», fasste Buser seine Kritik zusammen. Als Beispiel für seine Vorwürfe nennt der Atomexperte den Zeitplan für die Suche nach einem Tiefenlager: Seit 2008 weise die KNS erfolglos immer wieder darauf hin, dass der Zeitplan unrealistisch sei. Zudem brauche es Risikostudien, wie der Atomabfall in den Untergrund verfrachtet werden solle. Diese Einwände der KNS würden - auf Anraten der Nagra - von den Behörden nicht beachtet.

Buser übt auch Kritik an der Strategie der Behörden: «Die Lagersuche ist grundsätzlich falsch konzipiert», sagte er. Zurzeit würden Oberflächengebäude an allen möglichen Standorten diskutiert. Das sei die falsche Reihenfolge: «Zuerst muss man die Geologie anschauen und feststellen, ob sich ein Standort eignet.» Wenn nicht, mache es keinen Sinn, dort über Oberflächenanlagen zu diskutieren.
DasUvek prüft nach eigenen Angaben die Aussagen Busers.

Für ein Atomabfall-Tiefenlager kommen derzeit sechs Regionen in Frage. Anfang Jahr machte die Nagra Vorschläge, wo die oberirdischen Gebäude zu stehen kommen könnten. Die Vorschläge für die Tiefenlagerportale teilen sich auf die Gebiete Jura-Ost (ehemals Bözberg AG, 4 Vorschläge), Jura-Südfuss (AG, 4 Vorschläge), Nördliche Lägern (AG/ZH, 4 Vorschläge), Zürich Nordost (ZH, 4 Vorschläge), Südranden (SH, 3 Vorschläge) und Wellenberg (NW, 1 Vorschlag) auf. In einem nächsten Schritt sollen sich die betroffenen Regionen nun äussern können. Schon ungefähr Ende 2012 will die Nagra danach für jedes mögliche Lager einen Standort für die Oberflächenanlagen festlegen. In der laufenden zweiten Etappe für die Tiefenlagerauswahl wird in den kommenden vier Jahren auch die Sicherheit der möglichen Standorte geprüft. Am Ende muss die Nagra mindestens zwei Standorte für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und mindestens zwei Standorte für hochradioaktive Abfälle auswählen. Ein definitiver Entscheid des Bundesrats - vor der Zustimmung des Parlaments und absehbarer Referendumsabstimmung - soll spätestens in zehn Jahren fallen.  

Quelle: Agenturen / Atominfomedia

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Sonntag, 2. Oktober 2011

Noch mehr Geld für Kernfusion

Das ITER-Projekt im französischen Cadarache wird erneut teurer. Nach Informationen, die der taz vorliegen [1], plant die EU, übrigen Mittel aus anderen Töpfen für das Kernfusions-Projekt umzuwidmen. Demnach sollen 450 Millionen Euro Agrargelder für das Projekt ausgegeben werden, aus dem Verwaltungshaushalt sollen nochmal 190 Millionen Euro genutzt werden.

"Dabei ist der Fusionsreaktor im erdbebengefährdeten südfranzösischen Cadarache ein Fass ohne Boden", schreibt die grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl [3]. "Derzeit fehlen für 2012 und 2013 im EU-Haushalt insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Für die Finanzierung notwendige Etatumschichtungen lassen andere Aufgabenbereiche, wie das Umwelt- und Ressourcenmanagement, bluten."

Querschnitt durch im Bau befindlichen Fusions-reaktor. (Foto: Rama, Wikimedia Commons [2])











Nach momentanem Stand soll das Projekt insgesamt etwa 16 Milliarden Euro kosten - ursprünglich waren nur 5,3 Milliarden geplant. Eine Kostensteigerung, mit der nicht einmal Stuttgart 21 mithalten kann. Damit wird ITER - sollte das Projekt fertiggestellt werden - eines der teuersten Bauwerke aller Zeiten. Finanziert wird ITER gemeinsam von der EU, China, Indien, Japan, Südkorea, Russland und den vereinigten Staaten. In Deutschland wird etwa ein Fünftel der Forschungsgelder im Energiebereich für ITER ausgegeben [4].

Bei der Kernfusion soll versucht werden, die Energie, die bei der Fusion kleiner Atomkerne entsteht, energetisch zu nutzen. Es handelt sich um die selben Prozesse, die in der Sonne ablaufen. Für manche gilt die Kernfusion als Möglichkeit, die Energieprobleme der Erde zu lösen. Andere zweifeln daran, dass die Technologie jemals funktionieren wird [5]. Kritiker würden das Geld lieber in die Forschung erneuerbarer Energien investiert sehen.

Im Text verwendete Links:

http://www.taz.de/Internationaler-Forschungsreaktor/!79186/
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:ITER-img_0236.jpg
http://www.kotting-uhl.de/cms/default/dok/392/392267.milliardengrab_iter_bundesregierung_muss.html
http://www.klimaretter.info/politik/hintergrund/9097-34-milliarden-fuer-die-energieforschung
http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/6441-geldverschlinger-kernfusion

Quelle: klimaretter.info

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Donnerstag, 26. Mai 2011

Klimaerwärmung bedroht AKW

Climate change poses a serious threat to the future safety of nuclear power plants, a UK-based researcher has warned in a respected science journal. Natalie Kopytko says there are "serious doubts" that nuclear can cope with our changing global weather.

Often touted as the solution to global warming by pundits, including recent convert George Monbiot, nuclear power could instead be one of its first victims, writes Kopytko of the University of York's environment department in the New Scientist. Nuclear power plants are vulnerable because they depend on access to huge volumes of water which they need to cool their reactors - and to power in order to pump that water. It was after both these vital links were severed in an earthquake and tsunami that the Fukushima 1 plant in Japan went so disastrously awry.

While the explosions and leaks at Fukushima in Japan were caused by a once-in-a-lifetime double catastrophe, similar disasters could be caused by rising sea levels, rising temperatures and unpredictable weather patterns, Kopytko believes. While all nuclear power plants are constructed to withstand a "certain level" of flooding, none have been built with increased flooding caused by rising sea levels or increased rainfall in mind.

Further risks are posed by droughts reducing water supply and heat waves increasing the temperature of the water used for cooling. Rising temperatures have already caused France to relax its rules on safe working temperatures for discharge, while droughts in the US caused legal battles over nuclear plants using the lion's share of water. Another threat is posed by hurricanes, which can cut power and communication lines and block evacuation routes. And many models of how the world's weather patterns will shift in future years predict a rise in hurricane incidence.

Finally, Kopytko points out that not only are there serious safety concerns but, if the plants themselves are returning hotter and hotter water to the environment, then that must itself be taken into account when assessing their green credentials. Kopytko accepts that other forms of energy generation are also vulnerable to climate change - but "the bottom line is that if nuclear power is to be used to mitigate the effects of climate change, it must also be capable of adapting to them".

Read more: http://www.thefirstpost.co.uk/79453,news-comment,news-politics,nuclear-power-at-risk-from-climate-change#ixzz1NSsjctLV

Quelle: The First Post

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Mittwoch, 25. Mai 2011

AKW-Betreibern nicht zu trauen

AKW-Betreibern ist nicht zu trauen. Die nun beschlossenen Europäische AKW-Stresstests wären nur unter breiter Einbindung unabhängiger Experten glaubwürdig, hält Greenpeace gemäss einer Meldung des Nachhaltigkeitsportals oekonews.at fest.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace übt heftige Kritik an der Informationspolitik des japanischen AKW-Betreibers TEPCO. Monate nach dem Reaktorunfall im AKW Fukushima räumt die Betreiberfirma nun ein, dass es schon kurz nach dem Erdbeben Kernschmelzen in den Reaktoren 2 und 3 gegeben hat. Schon kurze Zeit nach dem Ausfall der Kühlsysteme haben Greenpeace-Atomphysiker eine teilweise Kernschmelze in den Reaktoren 1 bis 3 prognostiziert. Ein Umstand der lange Zeit geleugnet wurde.

Endgültig zerstörtes Vertrauen in die Atomwirtschaft: Unmittelbar nach Erdbeben und Flut kam es in Fukushima bereits zur Kernschmelze. Was im Innern des Reaktors geschah und Betreiber Tepco bereits wusste, blieb der Welt noch Monate verborgen.


"TEPCO hat die Weltöffentlichkeit wochenlang an der Nase herumgeführt, um das wahre Ausmaß der Reaktorkatastrophe zu vertuschen und herunterzuspielen. TEPCO hat damit bewusst mögliche Schäden für die japanische Bevölkerung in Kauf genommen", ärgert sich Niklas Schinerl, Atomsprecher von Greenpeace. "Diese Vorgehensweise reiht sich nahtlos ein in eine lange Reihe von Lügen der Atomindustrie. Das hat auch in Europa System. Die Atomlobby vertuscht auch hier lieber Störfälle, anstatt die Menschen über die wahren Gefahren der Atomkraft zu informieren."

Greenpeace warnt angesichts der in Europa anstehenden AKW-Stresstests eindringlich davor, den AKW-Betreibern blind zu vertrauen. Für die Umweltorganisation steht fest, wenn die europäischen AKW-Stresstests glaubwürdig sein sollen, müssen hier möglichst breit unabhängige Experten eingebunden werden, die auch einen Zugang zu Teilen der Atomkraftwerke bekommen. "Die Überprüfung der Atomkraftwerke den Betreibern und den Atombehörden zu überlassen, bedeutet den Bock zum Gärtner zu machen. Das Interesse der Atomindustrie ist es, möglichst wenig verändern zu müssen. Die Sicherheit bleibt dabei meist auf der Strecke und das Risiko haben wir Europäerinnen zu tragen", fasst Schinerl zusammen.

Bericht zu Fukushima Daiichi 1 unter www.greenpeace.at/fukushima-reaktor1.

Quelle: oekonews.at / Greenpeace Österreich

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Samstag, 2. April 2011

Schon geringe Erdbeben Gefahr

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW wendet sich in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Laut Aussage des Spezialisten für erdbebensichere Stützsysteme Erich Görgens sind Atomkraftwerke schon durch schwache Erdbeben gefährdet. Auch Abstürze vergleichsweise kleiner Flugzeuge stellten eine erhebliche Gefahr dar. Bei ungünstigen Umständen reiche schon ein schwaches Erdbeben mit Epizentrum in der Nähe eines Atomkraftwerks aus, um einen katastrophalen Unfall auszulösen, so Görgens. Am 23. Dezember 2010 ereignete sich bei Mainz ein Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richterskala. Vor der Errichtung des Atomkraftwerks Biblis gab es in der Umgebung des Standortes zwei Erdbeben der Stärke 5,1 bzw. 5,2.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir möchten Sie auf eine ganz erhebliche Gefährdung der deutschen Atomkraftwerke aufmerksam machen und Sie als Physikerin nachdrücklich darum bitten, die folgenden Sachverhalte persönlich zur Kenntnis zu nehmen. Der ehemalige Siemens/KWU-Chef Klaus Barthelt wollte Anfang der 1980er Jahre die deutschen Atomkraftwerke mit einer verbesserten, „momentfreien, auslenkenden“ Stütztechnik für Rohrleitungen, Kühlpumpen etc. vor Erdbeben und Flugzeugabsturz schützen. Er konnte sich damit aber im Siemens-Konzern nicht durchsetzen.

Atomkraftwerke sind daher schon durch relativ schwache Erdbeben wie auch durch vergleichsweise kleine Flugzeuge erheblich gefährdet, zumal wenn beispielsweise schon thermische Vorbelastungen an Komponenten bestehen und zusätzlich von der Modelltheorie abweichende dynamische Einwirkungen den getroffenen Lastannahmen entgegen wirken. Unter solch ungünstigen Bedingungen könnte bereits die Schnellabschaltung eines Atomkraftwerks zu gefährlichen Schäden führen.

Diese Aussagen macht der Spezialist für erdbebensichere Stützsysteme Erich Görgens, der an der Planung und Errichtung der meisten westdeutschen Atomkraftwerke beteiligt war. Herr Görgens widerspricht der Auffassung, dass die Kühlsysteme im japanischen Katastrophenmeiler Fukushima durch die „Stärke“ des Erdbebens zerstört wurden. Er vermutet vielmehr, dass es die besondere Charakteristik des Erdbebens war, die abweichend von der Modelltheorie, relative Verschiebungen zwischen den Abstützungen und so unzulässige Lasten verursachend, zu den großen Schäden in Japan führte.

Die herkömmlichen Befestigungskonzepte etwa für Rohrleitungen und Kühlwasserpumpen in Atomkraftwerken ständen sich bezüglich den Anforderungen zum Schutz vor Erdbeben und vor Flugzeugabstürzen diametral entgegen. Zum Schutz der durch Erdbeben ausgelösten mittelfrequenten Schwingungen setze man auf starre Stützsysteme, die aber eine Gefahr bei Flugzeugabstürzen darstellen. Hochfrequente Schwingungen, wie sie schon beim Aufprall kleiner Flugzeuge auf ein Reaktorgebäude entstünden, erforderten hingegen eine sehr weiche, flexible Aufhängung.

Nach Auffassung von Herrn Görgens, der mit den Verantwortlichen etlicher Atomkraftwerkshersteller über die Thematik diskutierte und mit diversen Universitäten zusammengearbeitet hat, sind diese Konzepte völlig untauglich. Sich gegenseitig ausschließende Sicherungsmaßnahmen, nicht vorher bestimmbare Belastungen und nicht ausweichend stützende Abstützungen, bestimmen das Restrisiko in Atomkraftwerken. Die in der Atomtechnik und von Gutachterorganisationen eingesetzten „Rechenprogramme“ sind nach Ansicht von Herrn Görgens untauglich, weil denen stark vereinfachte Modellannahmen zugrunde lägen, die nicht durch geeignete mechanische Lastfallabsicherungen ausgeglichen würden.

„Absolute Momentfreiheit und/oder ausweichende Widerlager“ sind für Maschinenbauer Görgens die Lösung des Problems. Die Lösung liege in einem stressfreien, frequenzunabhängigen Stützkonzept für mechanische Systeme. Relative Verschiebungen zwischen Stützpunkten, müsse man momentfrei auslenken und dadurch sichern können. Eine Technik, wie sie prinzipiell in den Hinterachsen von Autos Verwendung findet. In den USA habe man in Atomkraftwerken immerhin so genannte „Struts“ eingesetzt, offenbar aber nicht optimal genutzt.

Herr Görgens ist der Auffassung, dass alle Atomkraftwerke weltweit derzeit eine erhebliche Gefahr darstellen und so nicht weiterbetrieben werden dürfen. Er sieht weltweiten Nachrüstungsbedarf. Wir fordern Sie vor diesem Hintergrund auf, die deutschen Atomkraftwerke wegen erheblicher Gefährdung im Sinne von § 17 Abs. 5 Atomgesetz vom Netz zu nehmen und endgültig stillzulegen.

Wir erinnern in diesem Zusammenhang daran, dass es zuletzt am 23. Dezember 2010 im Rheingraben bei Mainz zu einem Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richterskala kam. Bei ungünstigen Beschleunigungen könnte selbst ein solches Erdbeben mit Epizentrum in der Nähe eines Atomkraftwerks ausreichen, einen katastrophalen Unfall auszulösen, so Herr Görgens. Vor der Errichtung des Atomkraftwerks Biblis gab es in der Umgebung des Standortes zwei Erdbeben der Stärke 5,1 bzw. 5,2 auf der Richterskala.

Das zeigt, wie akut die Gefahr ist und dass dringender Handlungsbedarf besteht. Mit freundlichen Grüßen Reinhold Thiel Vorstand der IPPNW

Quelle: Sonnenseite / Atomkritische Ärzteorganisation IPPNW 2011

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Donnerstag, 17. März 2011

D: Geheimer Prüfkatalog

Alle AKW vor dem Aus? So lautet die Frage, die sich in Deutschland ganz konkret stellt - und die mit dem gleichen Kriterienkatalog auch für die Schweiz gelten kann. Die Internen Unterlagen der Bundesregierung, die KONTRASTE exklusiv vorliegen, belegen: Allen deutschen Kernkraftwerken droht das AUS. Experten fordern neue Sicherheitsstandards, deren Umsetzung die Energiewirtschaft Milliarden kosten würde.

Die Unfallszenarien bei japanischen Kernkraftwerken seit dem 11. März 2011 geben Anlass, auch für Deutschland die Sicherheitslage neu zu bewerten. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Fukushima-Szenarien (I.), ähnlicher Schadensszenarien (II.) als auch hinsichtlich einer generellen Neubewertung von Risiken (III.). Die Durchführung der Überprüfungen muss darüber hinaus gehen, dass alte Prüfungsergebnisse lediglich nachvollzogen werden (IV.). Die geforderten Überprüfungen und Maßnahmen sind für alle Anlagen kurzfristig und als Voraussetzung für die Nutzung der zusätzlichen Strommengen aufgrund der gesetzlichen Laufzeitverlängerung nach dem (aktuellen) Stand von Wissenschaft und Technik umzusetzen.

Die nachfolgende Liste basiert auf vorläufigen Überlegungen nach dem jetzigen Erkenntnisstand. Sie wird insbesondere unter Berücksichtigung der Fortentwicklung der Erkenntnisse aus den japanischen Kernkraftwerken und den Zwischenergebnissen des Überprüfungsergebnisses gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

I. Fukushima-Szenario – Schlussfolgerungen für deutsche KKW
1. Erdbebenauslegung und Bodendynamik
a) Die Erdbebenauslegung wird nach Stand von Wissenschaft und Technik mit aktuellen Erdbebenlasten kurzfristig neu berechnet. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
b) Einwirkungen aus bodendynamischen Prozessen wie Erdfälle und Subrosion, Erdrutsche und sonstige Massenverlagerungen aller Art, und zwar als direkte Einwirkung als auch ausgelöst in Folge Erdbeben, werden in den Neuberechnung der Erdbebenauslegung mit einbezogen. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
c) Insbesondere werden alle für den sicheren Betrieb bei und nach einem Erdbeben erforderlichen Komponenten aller vier Sicherheitsebenen überprüft und ggf. entsprechend ersetzt oder ertüchtigt.
2. Hochwasserauslegung
a) Die Hochwasserauslegung wird nach Stand von Wissenschaft und Technik unter Berücksichtigung des Klimawandels kurzfristig neu berechnet und ggf. Nachrüstmaßnahmen unverzüglich umgesetzt. Bei der Berechnung von Überflutungen werden auch Flutwellen (Nordsee) und größere Wogen an angrenzenden Gewässern betrachtet, die z. B. durch Erdbeben oder Stürme überlagert mit Hochwässern hervorgerufen werden.
b) Insbesondere werden alle für den sicheren Betrieb bei einem Hochwasserereignis erforderlichen Komponenten für alle vier Sicherheitsebenen überprüft und ggf. entsprechend ersetzt oder ertüchtigt
3. Weitere externe Ereignisse
a) Die Auslegung und die Betriebsvorschriften der KKW im Hinblick auf weitere externe Ereignisse werden nach Stand von Wissenschaft und Technik auch unter Berücksichtigung des Klimawandels kurzfristig überprüft (z. B. extreme Wetterbedingungen, Flugzeugabsturz, Cyberangriff, Pandemie). Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt. Dabei wird u. a. geprüft, inwieweit die Auslegungsannahmen (z. B. für Erdbeben, Hochwasser) in die Systemauslegung eingehen und ob mögliche Einwirkungen durch das Versagen anderer Systeme und Komponenten (z. B. Hilfssysteme) hinreichend berücksichtigt sind.
4. Kombinationswirkung von externen Ereignissen
Es wird überprüft, welche Kombinationen von Ereignissen (z. B. Erdbeben und großflächiger Stromnetzausfall) nach Stand von Wissenschaft und Technik bei der Auslegung zu berücksichtigen sind. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
5. Konkrete Maßnahmen
a) Die Erdbebensicherheit insbesondere der Notstromversorgungsanlagen incl. aller für deren Betrieb notwendigen Hilfs- und Versorgungseinrichtungen wird nach Stand von Wissenschaft und Technik überprüft.
b) Die sicherheitstechnisch relevante Nebenkühlwasserversorgung ist zudem im Hinblick auf Ereignisse mit „common cause Potential“ wie Fremdstoffe (Heu, Muscheln, Quallen etc.) zu überprüfen und ggf. zu ertüchtigen.
c) Zur Kenntnis des Anlagenzustandes muss die Messung von systemwichtigen Betriebs- Störfall und Unfalldaten von der Warte und der Notsteuerstelle aus sichergestellt sein. Zudem muss sichergestellt sein, dass diese Daten kontinuierlich den Aufsichtsbehörden übermittelt werden (Überprüfung der Notfallplanungen). Hierzu sind redundante Messungen erforderlich die über örtlich getrennte Wege geführt werden.
d) Die Kern- und Störfallinstrumentierung ist nach Stand von Wissenschaft und Technik zu überprüfen, um auch im Auslegungsüberschreitenden Bereich aussagekräftige Werte sicherzustellen.
e) Eine Notsteuerstelle für jeden Reaktorblock ist vorzusehen, entsprechend zu verbunkern und räumlich so anzuordnen, dass sie auch bei größeren Freisetzungen auf dem Anlagengelände durchgängig besetzt werden kann.
f) Die Autarkie der Notstromversorgung ist für 72 Stunden sicherzustellen.
g) Die Notfallmaßnahme zum Fluten des Reaktordruckbehälters (RDB -Außenkühlung) ist nach Stand von Wissenschaft und Technik zu überprüfen. Nachrüstmaßnahmen werden ggf. unverzüglich umgesetzt.
h) Rückfördermaßnahmen aus dem Reaktorgebäude (SWR) oder dem Ringraum (DWR) sind für Lecks aus dem Sicherheitsbehälter vorzusehen.
i) Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die die Auswirkungen von Wasserstoffexplosionen bei einem Stör- oder Unfall soweit mindern, dass die Störfall- und Notfallsysteme funktionsfähig bleiben.
j) Bei SWR: Verstärkung der Einspeisemöglichkeiten in einen unter Druck (>10bar) stehenden RDB zusätzlich zu TJ und TM, um weniger von einer Druckentlastung und Einsatz der ND-Systeme abhängig zu sein.
k) Bei DWR: Verstärkung der Einspeisemöglichkeiten in den Primärkreis durch eine dampfgetriebene Pumpe wie bei SWR vorhanden, die nur von Steuerstrom, nicht aber Leistungsstrom abhängig ist.

II. Ähnliche Schadensszenarien
a) Es wird überprüft, ob der Ausfall der Notkühlung bzw. der Notstromversorgung bei einem Flugzeugabsturz (zufällig, terroristisch) verhindert werden kann.
b) Die Robustheit sowie die Dauer der Wirksamkeit der Notkühlung und der Notstromversorgung (Notstromdiesel, Batterien) werden im Hinblick auf längerfristigen Ausfall der Infrastruktur (z. B. externe Stromversorgung) überprüft.
c) Sämtliche Notstromdiesel sind zu verbunkern.
d) Die Rohrleitungen zur Kühlung der Sicherheitssysteme sind in zugänglichen verbunkerten Rohrleitungskanälen zu führen.
e) Das Not- und Nachkühlsystem wird durchgängig auf vier Stränge mit je 100% Nachkühlkapazität aufgerüstet. Die vier Stränge weisen eine 2+2 Diversität auf. Alle Stränge sind durchgängig gegen Einwirkungen von Außen zu schützen und ggf. räumlich getrennt aufgebaut werden.
f) Jede der Anlagen soll zusätzlich mit einem dampfgetriebenen, batteriegepufferten Hochdruck-Einspeisesystem in Anlehnung an entsprechende Systeme bei den deutschen Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 und dem Druckwasserreaktor Biblis A nachgerüstet werden. Diese Systeme sind gegen den Station Black Out (totaler Stromausfall) ausgelegt.
g) Es werden zur Kühlung des BE-Lagerbeckens, neben den zwei hierzu herangezogenen Not- und Nachkühlsträngen, zwei weitere Kühlstränge mit 2x100% Kapazität gefordert, von denen wenigsten ein Strang durchgängig vollständig verbunkert und hochwassergeschützt ist.
h) Die Notstromsysteme, die die Notkühlsysteme mit Strom versorgen, sollen durchgängig auf 4x 100% Notstromkapazität aufgerüstet werden. Die vier Stränge sind diversitär aufzubauen. Je zwei 100% Stränge paarweise in bauartverschiedener Konstruktion der aktiven Notstromkomponenten.
i) Mobile Notstromaggregate sowie die Installation von festen Einspeisepunkten für diese sind vorzunehmen, um sie ohne Zeitverzug anschließen und sicherheitstechnisch wichtige Verbraucher damit versorgen zu können.
j) In allen Anlagen sollen durchgängig zusätzliche Notstandssysteme nachgerüstet werden. Diese sind in den Vor-Konvoi- und Konvoi-Anlagen Stand der Technik. Die nachzurüstenden Notstandssysteme sollen zu den nachzurüstenden Not- und Nachkühlsytemen und den Notstromsystemen konsistent sein. D. h. statt nur 4x50% Kapazität wie bei Konvoi-Anlagen sollen auch hier diversitäre Systeme 4x100% eingerichtet werden, je 2x100% + 2x100% mit bauartverschiedenen aktiven Komponenten. Die Notstandssysteme sind zu verbunkern.
k) In Siedewasserreaktoren ist das Kühlmittelinventar zu vergrößern durch vergrößerte Kühlmittellagerbehälter, die störfallfest auszuführen sind. In Druckwasserreaktoren sollen die sogenannten Flutbehälter in ihrem Fassungsvermögen vergrößert werden.
l) Bei Druckwasserreaktoren soll zur Gewährleistung der dritten Barriere bei sekundärseitigem Abfahren durch Abblasen über Dach, eine sekundärseitige Kondensationskammer nachgerüstet werden. Diese Kondensationskammer soll ein Wasserinventar haben, das als Vorlage zum Abblasen – wie bei Siedewasserreaktoren – dient. Dieses Wasserinventar soll zudem wieder in die Dampferzeuger eingespeist werden können. Für diese DWR-Sekundärkondensationskammer ist ein Wärmeanfuhrsystem zu installieren.
m) Das BE-Lagerbecken ist innerhalb des Sicherheitsbehälters vorzusehen oder mit einer dem Sicherheitsbehälter äquivalenten Barriere gegenüber Freisetzungen zu versehen.
n) Räumlich getrennte, erdbeben- und überflutungsgesicherte verbunkerte Brunnen mit Borlagern, mobilen Notstromgeneratoren und Pumpen vor Ort sind vorzusehen.

III. generellen Neubewertung von Risiken
a) Sofortige Inkraftsetzung des neuen kerntechnischen Regelwerks (Sicherheitskriterien für Kernkraftwerke).
b) Das Einzelfehlerkonzept ist zu überprüfen, u. U. ist das gleichzeitige Auftreten von mehreren Einzelfehlern zu unterstellen.
c) Die Beherrschung der Auslegungsstörfälle, die nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik zu unterstellen sind (Modul 3 Sicherheitskriterien), muss nachgewiesen werden.
d) Ein wirksames IT-Security-konzept wird in allen deutschen Anlagen kurzfristig umgesetzt. Dadurch wird gewährleistet, dass der sichere Betrieb der Anlagen nicht durch IT-Angriffe beeinträchtigt werden kann.
e) Digitale Systeme im Reaktorschutz werden nur eingeführt, wenn diese mit gleicher Sicherheit vor Manipulationen geschützt werden können, wie die derzeit verwendete Analogtechnik.
f) Auswirkungen auf die Sicherheit von KKW aufgrund von Stromnetzausfällen z.B. bei simultanen IT-Angriffen auf Einrichtungen der Stromversorgungsinfrastruktur müssen ausgeschlossen werden.
g) Es wird geprüft, ob durch simultane IT-Angriffe auf mehrere KKW gleichzeitige Schnellabschaltungen ausgelöst werden können.
h) Kurzfristige Umsetzung von Sicherheitsverbesserungen auf der Basis der „Nachrüstungsliste“ des BMU unter Verzicht auf die Konditionierung von Nachrüstforderungen durch Wahrscheinlichkeitsüberlegungen (P2-Punkte) als Voraussetzung für die Nutzung der zusätzlichen Strommengen aus der Laufzeitverlängerung.
i) Die Qualität von Einrichtungen und Maßnahmen zur Beherrschung von Ereignissen, die bisher als seltene Ereignisse der Sicherheitsebene 4a zugeordnet wurden, soll an das Niveau der Sicherheitsebene 3 herangeführt werden.
j) Systematische Überprüfung der Einrichtungen und Maßnahmen der Sicherheitsebene 4 b und c in Hinblick auf Qualität und Wirksamkeit, entsprechend dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik.
k) Die Auslegung für Reaktordruckbehälter und deren Einbauten bei Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 sind mit Verfahren nach Stand von W&T für alle Schwachstellen hinsichtlich Ermüdung und Versprödung mit allen möglichen Belastungsfällen (für aktuelle Kernbeladungen, Anreicherungen, Abbrandzuständen, Schwingungen) nachzuvollziehen. Dabei sind die eingeschränkten Prüfmöglichkeiten hinsichtlich Auffindbarkeit von Rissen sowie mögliche Korrosion zu berücksichtigen.
l) Für alle Behälter und Rohrleitungen der Druckführenden Umschließung ist der Bruchausschluss für die nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik möglichen Belastungsfälle (Flugzeugabsturz, Erdbeben, Störfälle, ATWS) für die vorgesehene Betriebszeit zu gewährleisten. Der Zustand (Ermüdung, Verlagerungen, Schwingungen, Dehnungen) sind kontinuierlich zu ermitteln und auszuwerten.
m) Für alle Behälter und Rohrleitungen sind die Nachweise für die Verankerungen (z.B. Dübel) der sicherheitstechnisch wichtigen Systeme nach Stand von W&T und allen Belastungen vorzulegen.
n) Freischaltungen der Sicherheitskühlsysteme während des Leistungsbetriebes zur vorbeugenden Instandhaltung sind unzulässig. Sie sollen stattdessen in der Revision erfolgen.

IV. Überprüfungsverfahren
a) Für jede Anlage wird ein Gutachterteam gebildet, dem nur Mitarbeiter von Sachverständigenorganisationen angehören, die nicht in der jeweiligen Anlage als Hauptgutachter tätig waren, also: andere TÜV, GRS, Öko-Institut, Physikerbüro, ESN u. a.
b) Die Bundesaufsicht erhält ohne Einschränkung alle gewünschten Unterlagen und zieht die RSK zu übergeordneten Fragen hinzu.
c) Die geforderten Maßnahmen sind für alle Anlagen kurzfristig und als Voraussetzung für die Nutzung der zusätzlichen Strommengen aus der Laufzeitverlängerung umzusetzen.

Das Dokument kann unter http://tinyurl.com/6bp7j8w heruntergeladen werden. Zusätzlich ist es auch auf der KONTRASTE-Seite bei Facebook einsehbar.

Quelle: ARD / Kontraste vom 17.3.11

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Donnerstag, 2. Dezember 2010

Kinderkrebs um AKW



Die PSR/IPPNW Schweiz Ärztinnen und Ärzte für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges machen darauf aufmerksam, dass das Verhältnis von Knaben- zu Mädchengeburten in der Umgebung von Atomkraftwerken gestört ist (siehe auch Atominfomedia vom 24. November 2010). Das Wissensmagazin des Schweizer Fernsehens Einstein widmet sich der zitierten, neuen Studie (SF TV1, Do. 2.12.10, 21 00h).


Die Beobachtung lässt ein Defizit von Lebendgeburten in AKW-Umgebung errechnen. Frauen, die in Deutschland oder der Schweiz im Umkreis von 35 km einer der untersuchten 31 Atomanlagen leben, haben demzufolge in den letzten 40 Jahren gemäss Einschätzung der Studienautoren annäherungsweise 15 000 Kinder - vor allem Mädchen - verloren. Dieser Zusammenhang wurde jetzt erstmals bei Atomkraftwerken im Normalbetrieb nachgewiesen und ist hochsignifikant. Ob der Verlust der Schwangerschaften im Sinne einer Schädigung des Erbguts durch die radioaktiven Emissionen aus Atomkraftwerken interpretiert werden muss, ist dringend zu klären.

Anlass für die Studie waren entsprechende Beobachtungen nach den Atombombentesten und der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 sowie die bei der deutschen Kinderkrebsstudie KiKK festgestellte Abhängigkeit der Krebsraten vom Abstand von Atomkraftwerken. Die Autoren vermuten daher als Ursache die von Atomkraftwerken auch im Normalbetrieb, insbesondere beim Brennelemente-Wechsel, an die Luft abgegebenen radioaktiven Emissionen. Die Studienresultate signalisieren die Möglichkeit ernsthafter Schädigungen im frühen Schwangerschaftsverlauf, selbst bei sehr niedrigen Strahlendosen. Es ist bekannt, dass Keimzellen, Embryonen und Stammzellen extrem strahlenempfindlich sind. Jegliche Strahlendosis gilt als gefährlich, es gibt keinen Schwellenwert, unter welchem kein Risiko besteht.

Die Besorgnis über diese neuesten Befunde ist umso begründeter, da mehr als ein Drittel aller Geburten in der Schweiz Mütter betrifft, die im Umkreis von bis zu 35 km von der nächsten Atomanlage wohnen. Die PSR/IPPNW Schweiz, der über 600 Ärztinnen und Ärzte angehören, fordern seitens der Behörden eine rasche Überprüfung der Studiengrundlagen und der Ergebnisse von Kusmierz, Voigt und Scherb, insbesondere der Resultate der am meisten belasteten Region von Beznau, Kt. Aargau. Angesichts der hervorragenden Qualität der Daten des Bundesamtes für Statistik dürfte eine fokussierte erste Überprüfung gemäss Einschätzung der Studienautoren nur wenige Wochen in Anspruch nehmen.

Die PSR/IPPNW Schweiz ersuchen ferner das Bundesamt für Gesundheit (BAG), in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und der Eidgenössischen Kommission für Strahlenschutz und Überwachung der Radioaktivität (KSR) bis zum 30. Juni 2011 zu dieser Mitteilung über das gestörte Zahlenverhältnis (Sex Odds) von Knabengeburten zu Mädchengeburten in der Umgebung von Atomkraftwerken Stellung zu nehmen.

Schliesslich regen die PSR / IPPNW Schweiz an, dass das BAG, in Zusammenarbeit mit den erwähnten Institutionen und dem Schweizerischen Nationalfonds eine umfassende, insbesondere auch die meteorologischen Verhältnisse einbeziehende, unabhängige, transparente und der Öffentlichkeit zugängliche Überprüfung der Sex Odds der Lebendgeburten analog der Studie von Kusmierz, Voigt und Scherb vornimmt und einen Massnahmenkatalog zuhanden der Bevölkerung erstellt, sollten sich die Befunde einer verschobenen Sex Odds Ratio in der Umgebung von Atomkraftwerken bestätigen.

Einstein auf SF TV berichtet heute um 21 Uhr - Das Wissensmagazin des Schweizer Fernsehens Einstein (SF TV1, Do. 2.12.10, 21 00h) widmet sich der zitierten, neuen Studie zu den fehlenden Geburten in der Umgebung von Atomanlagen und dem Thema der radioaktiven Emissionen aus Atomkraftwerken sowie den gehuften Kinderkrebsfällen in der Nähe von AKW.

Eine Medienorientierung in Anwesenheit des Studienautors Dr. Hagen Scherb, München, erfolgt am Donnerstag, 20.Januar 2011, 09 30 h (Saal Primus, Restaurant Au Premier, Bahnhof Zürich)

Text: PSR / IPPNW Schweiz

Dienstag, 30. November 2010

EU-Milliarde für Forschung

Drei neue europäische Forschungsinfrastrukturen sollen dazu beitragen, die zukünftige Energieversorgung zu sichern. Auch die Solarenergie gehört zu den begünstigten - am allermeisten fällt aber wieder einmal für die Atomforschung ab.

Geplant sind Infrastrukturen zur Erforschung der Windenergie in Dänemark, ein Kraftwerk für Sonnenenergie in Spanien und ein Kernforschungsreaktor in Belgien. Das haben die EU-Forschungsminister, assoziierte Länder und die Europäische Kommission beschlossen. Die gesamten Investitionen für alle drei Infrastrukturen belaufen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Die Infrastruktur "Windscanner" wird gemeinsam von Partnern aus sieben europäischen Ländern in der Nähe des dänischen Roskilde betrieben, darunter auch vom deutschen Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik aus Kassel. Start ist 2013 mit einem Budget zwischen 45 und 60 Millionen Euro.

Die Entwicklung einer Europäischen Forschungsinfrastruktur von Weltklasse durch Zusammenlegung der Ressourcen auf EU-Ebene ist ein wichtiges Ziel der Union der Innovation. Diese Einrichtungen werden bahnbrechende Forschung und Innovation ermöglichen und könnten letztlich auch dazu beitragen, die künftige Energieversorgung der EU zu sichern ", betonte Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn.

EU-SOLARIS wird am Zentrum für moderne Technologie „Erneuerbare Energien" im spanischen Tabernas, Almeria, eingerichtet und dient in erster Linie der Entwicklung neuer Technologien für die konzentrierte Solarenergie. Die Baukosten betragen rund 80 Mio. EUR. Die neue Forschungsinfrastruktur umfasst ergänzend weitere Standorte an mehreren führenden europäischen Labors in den europäischen Ländern mit dem höchsten Potenzial zur Nutzung von Sonnenenergie (Portugal, Italien, Griechenland und die Türkei) sowie in Deutschland (Technologieanbieter).

Der belgische Forschungsreaktor für MYRRHA in Mol dient der Erforschung von Möglichkeiten zur Verringerung radioaktiver Abfälle. Der detaillierte technische Entwurf für die Einrichtung soll im Jahr 2014 vorliegen. Die Gesamtkosten werden auf rund 960 Mio. EUR veranschlagt (2010-2023). MYRRHA wird weltweit die erste Großanlage sein, an der untersucht wird, wie verbrauchte radioaktive Kernbrennstoffe durch Trennung und Transmutation reduziert werden können. An der Einrichtung kann auch die Machbarkeit einer neuen Generation von Kernkraftwerken getestet werden, die der Schnellreaktoren. MYRRHA ergänzt den Jules Horowitz-Reaktor (Thermospektrumreaktor), der sich derzeit in Cadarache, Frankreich, im Bau befindet.

Quelle: Sonnenseite / EU-Kommission

Mittwoch, 17. November 2010

Frankreich und die 4.Generation

Die Areva und das französische Commissariat à l'énergie atomique et aux énergies alternatives (CEA) haben am 9. November 2010 eine Vereinbarung über die erste Projektphase für den Prototypen eines natriumgekühlten Reaktors der vierten Generation unterzeichnet.

Astrid ist das Konzept eines natriumgekühlten Reaktors der vierten Generation mit einer Leistung von rund 600 MW. Die erste Projektphase soll 2012 abgeschlossen sein. Laut Areva und CEA ebnet das Abkommen den Weg, damit die französische Regierung 2017 entscheiden kann, ob mit dem Bau eines Demonstrationsreaktors weitergefahren werden kann.

Mit der Vereinbarung übernimmt das CEA die Projektführung sowie die Auslegung von Reaktorkern und Brennstoff des Astrid. Die Areva ist für die Ausgestaltung des nuklearen Dampferzeugersystems sowie der nuklearen Hilfs- und Leittechnik verantwortlich. Weitere Partnerschaften für andere technische Arbeitspakete wie Tiefbau oder Turbine werden derzeit eingerichtet. Im Rahmen des am 9. September 2010 abgeschlossenen Abkommens zwischen der Regierung und dem CEA, stehen diesem für die Entwicklung des Astrid bis 2017 EUR 651,6 Mio. (CHF 872 Mio.) innerhalb des Programms «Kernenergie von morgen» zu.

Quelle: Nuklearforum

Dienstag, 12. Oktober 2010

Atomreaktoren zu Solarmodulen

Hiess es einst «Schwerter zu Pflugscharen», so kann die nachstehende Meldung der österreichischen Organisation Energie vernünftig nutzen (EVN) unter die Schlagzeile «Atomreaktoren zu Solarmodulen» gestellt werden. Das einstige - aber nie in Betrieb genommene - AKW Zwentendorf wird zu einem Photovoltaik-Forschungszentrum.

Am Standort des Kraftwerks Zwentendorf wurde von der EVN in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Wien das Photovoltaik-Forschungszentrum Zwentendorf gegründet. Ab sofort nehmen 8 Mitarbeiter ihre Forschungstätigkeit auf. Anstelle der bei Kraftwerkserbauung vorgesehenen 700 Megawatt (MW) Kernkraftleistung sind jetzt 190 Kilowatt (kW) Photovoltaik (PV) aktiv. Das ist zwar vergleichsweise wenig, aber die zu erwartenden Solarinstallationen auf vielen Hausdächern in allen Regionen Österreichs werden diese Leistung in den nächsten Jahren bei weitem übertreffen. In Deutschland sind beispielsweise schon etwa 13.000 MW PV installiert und derzeit wird jährlich mehr Solarleistung als Windleistung installiert.

Entsprechend aktuell und notwendig ist Forschung auf dem Gebiet Photovoltaik, die mit dem neuen Forschungszentrum möglich wird. Am Standort des nie in Betrieb gegangenen Kernkraftwerks werden handelsübliche Photovoltaikmodule, solare Nachführungssysteme (Tracker - siehe Bild), Solarumrichter und Hilfseinrichtungen unter realen Umweltbedingungen in ihrer Effizienz, Anwendungstauglichkeit und ihren Investitions- und voraussichtlichen Betriebskosten untersucht. Ziel ist es unter anderem Erfahrungen zu sammeln, welche Panele sich für die Haus- und Garagendächer am besten eignen. Nicht nur die EVN sieht diese Anlagen als die Kraftwerke der Zukunft.

In Zwentendorf wurden auf dem Dach des Kraftwerkes, den Seitenwänden und im Freigelände Solarmodule verschiedener Hersteller mit einer Gesamtleistung von 214 kWp (Kilowatt Peak = Spitzenleistung) und einer nutzbaren Leistung von 190 kW installiert. Auf dem Freigelände sind auch zwei Modulgruppen mit automatischen Nachführungseinrichtungen versehen, um einen Vergleich des möglichen Mehrertrags mit den höheren Investitionskosten zu ermöglichen. Die Module können über ein automatisches Messsystem mit Internetanschluss fernüberwacht und ausgewertet werden. Eine Kamera ermöglicht den Einfluss der Wetterbedingungen, insbesondere von winterlicher Schneelast, sowie die natürliche Selbstreinigung der Module durch Niederschlag zu überwachen „Die Selbstreinigung ist ein spannendes Thema, wahrscheinlich wird herauskommen, dass eine etwas steilere Aufstellung günstiger ist. Hier muss die geringe Ertragsminderung mit den hohen Reinigungskosten verglichen werden.“ erklärt Professor Brauner vom Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der TU Wien.

In Langzeituntersuchungen kann die Degradation der Module (Abnahme der Leistung über die Jahre), die Leistungsminderung bei sommerlicher Erwärmung, sowie die Effizienz der Photovoltaikwechselrichter beurteilt werden. Hieraus sollen Erkenntnisse für den großflächigen Einsatz von Photovoltaiksystemen hinsichtlich der erforderlichen Moduleigenschaften, der Aufstellung und der Netzanbindung, sowie der Investitions- und Wartungskosten einschließlich der Auswirkungen auf die Verteilungsnetze (gesamtheitlich [BN1] untersucht werden. EVN Generaldirektor Dr. Burkhard Hofer: „Die EVN sieht Zwentendorf als Symbol für eine erneuerbare Energiezukunft und wird den Standort auch nutzen, um ihren Kunden und Kundinnen die Einsatzmöglichkeiten von Strom und Wärme aus Sonnenenergie nahe zu bringen“.

Quelle: Energie vernünftig nutzen