ATOMINFOMEDIA

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Donnerstag, 16. Juli 2015

Greenpeace besorgt über Schwachstellen bei Beznau II

Bei einer Kontrolle im Reaktordruckbehälter des AKW Beznau wurden besorgniserregende Schwachstellen entdeckt. Was die Axpo als «minimale Unregelmässigkeiten aus dem Herstellungsprozess» verharmlost, sind möglicherweise Risse, die seit der Inbetriebnahme im Jahr 1969 unbemerkt blieben. In Belgien sind nach ähnlichen Befunden zwei Reaktoren seit gut einem Jahr abgeschaltet. 

 Angesichts der gravierenden Tragweite dieser Befunde fordert Greenpeace Schweiz die Axpo und das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) auf, umfassende Transparenz zu schaffen. «Alle verfügbaren Analysen müssen ohne Einschränkung umgehend veröffentlicht werden», sagt Greenpeace-Atomexperte Florian Kasser. «Und auch die Anzahl und Grösse der Risse darf nicht verheimlicht werden».

Gemäss vorliegenden Informationen ist in Beznau 1 nur ein Teil des Reaktordruckbehälters untersucht worden. Greenpeace verlangt, dass die Untersuchungen auf das ganze Material des Reaktordruckbehälters erweitert werden. Und obwohl der Reaktordruckbehälter vom Block 2 aus einem anderen Material hergestellt wurde als im Block 1, kann überhaupt nicht ausgeschlossen werden, dass der Block 2 ebenfalls betroffen ist. «Eine sofortige Ausserbetriebnahme des Blocks 2 drängt sich deshalb auf», so Kasser.


Quelle: greenpeace.ch

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Freitag, 26. Dezember 2014

Atomstrom doppelt so teuer

Der Bundesrat hat es im laufenden Jahr angetönt, der Experte für Rechnungsprüfung Kaspar Müller bringt es auf den Punkt. Bei den grössten - und am längsten laufenden - Schweizer AKW in Leibstadt und Gösgen wird falsch gerechnet. Sonst wäre deren Atomstrom schon heute mindestens doppelt so teuer. Eine Klage gegen die irreführenden Rechnungspraxen der Muttergesellschaften wurde aber abgeschmettert.

Ein Beitrag im Magazin der Umweltbewegung Greenpeace klärt auf: Kaspar Müller, unabhängiger Finanzmarktexperte, weist auf gravierende Mängel in der Bilanzierung der beiden AKW Leibstadt und Gösgen (siehe Bild) hin. Im Interview mit dem Wahlbasler, der auch Präsident der aktionärskritischen Pensionskassen-Stiftung Ethos ist, belegt Müller Löcher in Milliardenhöhe in den Bilanzen sowohl des AKW's in Leibstadt wie in Gösgen. 

Wie ist so etwas überhaupt möglich? Müller, der betont, nichts über die technischen Sicherheitsfragen sagen zu können, weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren bei den Betreibern schlicht zu optimistisch gerechnet wurde. Zwar hat das unterdessen auch der Bund gemerkt, die erfolgten Anpassungen seien aber ungenügend. Noch immer geht man davon aus, dass eine Rendite der Mittel in den beiden Fonds für Sicherheit und Entsorgung von 3,5 Prozent möglich sei und die Inflation 1,5 Prozent betrage. Zu dieser unrealistischen Ausgangslage komme hinzu, dass vor allem in den Entsorgungsfonds erst nach der Jahrtausendwende eingezahlt wurde, also viel zu spät nach Beginn der Laufzeiten der beiden AKW in den mittleren 80er Jahren. 

Allein schon eine Korrektur solch offensichtlicher Fehleinschätzungen (zu denen sich weitere falsche Bewertungsannahmen etwa bezüglich der vorhandenen Wertpapiere in den Fonds gesellten) würde die Produktionskosten mindestens verdoppeln. Eine Kilowattstunde Strom müsste demnach schon heute statt vier bis fünf deren zehn oder gar gegen 20 Rappen kosten. Müller unterlässt folgenden Hinweis, aber diesen Zahlen ist nachzureichen: Damit ist Atomstrom schon heute eigentlich so teuer wie die Produktion erneuerbarer Energie aus Wind- und Solaranlagen. Und längst nicht alle effektiven Kosten sind damit in der Berechnung der Atomkosten enthalten - so fehlen etwa die Versicherungsprämien, die eigentlich geschuldet wären, um das effektive Risiko des Atomstroms abzudecken.  

Greenpeace und der so genannte Trinationale Atomschutzverband hatten Gösgen und Leibstadt vor zwei Jahren angezeigt. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat gemäss Müller daraufhin die monierten Zustände zwar nicht abgestritten. Dennoch berief sie sich darauf, dass es sich nur um Buchverluste handle in den Bilanzen der beiden AKW, diese also noch nicht realisiert und deshalb irrelevant seien. Gemäss Müller sei ein solcher Schluss aber weder nachvollziehbar noch mit den Richtlinien für die ordentliche Buchführung vereinbar. Müller wörtlich im Greenpeace-Interview: «Das ist unglaublich».

Quelle: Greenpeace Magazin 4/2014 - noch nicht verfügbar im Internet

© Solarmedia/ Text und Bild: Guntram Rehsche

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Labels: Atommüll, Branche, Entsorgung, Erneuerbare, Firmen, Kosten, Laufzeit

Montag, 17. Dezember 2012

Mühleberg-Nachrüstung wird teuer

Die zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen für das Atomkraftwerk Mühleberg kosten den bernischen Energiekonzern BKW mehr als die bisher angegebenen 170 Millionen Franken. Die Mühleberg-Betreiberin verschiebt deshalb den Entscheid zur Nachrüstung um ein halbes Jahr.
Erst Ende 2013 werde die BKW beurteilen können, ob die geplanten Nachrüstungen wirtschaftlich seien. 

Erst dann werde sie darum auch entscheiden können, ob die Massnahmen umgesetzt würden. Das teilte die BKW am Montagabend mit. Sie hat laut der Mitteilung den Kanton Bern und die Aufsichtsbehörden über den Entscheid informiert. Dass die Kosten 170 Millionen Franken übersteigen, leitet die BKW aus ersten Richtofferten für die Systeme ab, welche sie neu installieren will. Es geht beispielsweise um sechs neue Zuganker zur Stabilisierung des rissigen Kernmantels. Auch will die BKW von der Saane her eine neue Wasserleitung ziehen. Dies für den Fall, dass die normale Kühlung durch Aarewasser ausfallen sollte. Auch ein alternatives Brennelement-Lagerbeckenkühlsystem ist geplant. 

Als weiteren Grund für die Verzögerung nennt die BKW die juristische Situation. Erst nach Vorliegen des Bundesgerichtsentscheids über die Befristung der Betriebsbewilligung werde klar sein, für welchen Zeitraum die Nachrüstmassnahmen zu planen seien. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im vergangenen März geurteilt, dass das Atomkraftwerk Mühleberg nur bis Mitte 2013 betrieben werden darf, falls die BKW nicht bis dann ein umfassendes Instandhaltungskonzept vorlegt. Dieses hat die BKW zwar kürzlich eingereicht, es ist aber noch nicht bewertet worden. Zudem sind vor Bundesgericht Beschwerden von Bund und BKW gegen den Bundesverwaltungsgerichtsentscheid hängig.

BKW-Sprecher Antonio Sommavilla sagte am Montag auf Anfrage, wie stark sich die Kosten über die 170 Millionen Franken hinaus erhöhten, könne man noch nicht sagen. Die BKW halte weiterhin am Ziel fest, das Atomkraftwerk vor den Toren Berns bis 2022 weiterzubetreiben. Auch verfolge die BKW weiter die Absicht, das im August eingereichte Instandhaltungskonzept umzusetzen. Gegenwärtig sei auch die Wirtschaftlichkeit - also Rentabilität - des Kernkraftwerks Mühleberg vorhanden. 

"Die Wirtschaftlichkeit des AKW Mühleberg steht auf der Kippe": Das schreibt die Umweltorganisation Greenpeace in einer Mitteilung vom Montagabend. Der vertagte Investitionsentscheid sei zudem ein "gravierendes Spiel mit dem Feuer". Auf der einen Seite gebe die BKW zu, dass die Sicherheit in Mühleberg verbessert werden müsse. Anderseits schiebe die BKW Investitionen "einmal mehr" auf die lange Bank. Das bedeute, dass in Mühleberg ein weiteres volles Jahr die Sicherheit nicht gewährleistet sei. Die Aufsichtsbehörden müssten Mühleberg vom Netz nehmen. 

Quelle: Agenturen / SDA  

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Montag, 1. August 2011

Auch US-Raktoren gefährlich

Demnächst wird die "US-Nuclear Regulatory Commission" die Endergebnisse ihrer 90-tägigen Sicherheitsüberprüfung bekannt geben- das Ergebnis scheint schon jetzt klar: alles im sicheren Bereich. Kritische Informationen, die diese Behauptungen als Mythos enttarnen könnten, werden weglassen, so US-amerikanische Atomgegner.

Extreme Wetterbedingungen werden durch den Klimawandel häufiger, auch das beeinflusst die Sicherheit von Atomreaktoren. Hochwasser hat beispielsweise die Energieversorgung des AKW Fort Calhoun in Nebraska unterbrochen. So brach Ende Juni die Staumauer, die das Wasser davon abhalten sollte, das Reaktorgelände zu erreichen (siehe Bild - Quelle: http://photos.syracuse.com). Das AKW läuft derzeit angeblich mit Strom aus den Notstromgeneratoren, um das Kühlsystem weiterhin aufrecht zu erhalten. Aber Hochwasser allein ist es nicht.

Extreme Hitze und Dürre erzwingen auch ein Abstellen von Reaktoren. AKWs brauchen mehr Wasser, als jede andere Energieform. In den vergangenen Sommern machten Hitzewellen im Südosten der USA durch den Wassermangel ein Herunterfahren von AKWs in Tennessee und Florida notwendig. Aber bei den derzeitigen Überprüfungen werden Wetterereignisse oder einer Naturkatastrophen, die zu einem Stromausfall und zu einem Versagen der Notstromgeneratoren führen könnten, nicht berücksichtigt.

Die Generatoren werden über ihre ursprünglich geplante Kapazität hinaus beansprucht, ein damit resultierender Qualitätsverlust unterminiert ihre Sicherheit. Die US-AKW wurden für 40 Jahre geplant und genehmigt. Aber 66 der 104 laufenden Atomreaktoren bekamen eine Betriebsverlängerung und können nun 20 Jahre länger am Netz bleiben. Die NRC-Behörde hat bisher eine Verlängerung der Genehmigungen nie abgelehnt – nicht einmal für die Anlage Vermont Yankee, wo es Probleme gab, wie beispielsweise eine Verseuchung von Grundwasser durch ausfließendes Tritium. Der Senat des Bundesstaates hat gegen eine Verlängerung der Betriebslizenz gestimmt. Korrosion in den unterirdischen verlegten Rohrleitungen sind für Lecks verantwortlich, von denen radioaktivem Tritium auslaufen kann. Nicht nur in Vermont Yankee. Wird hier die Illusion aufrecht erhalten, dass die älter werdenden Anlagen immer sicher und problemlos laufen?

Die Nachrichtenagentur „Associated Press“ berichtet von einer Untersuchung die ergeben hat, dass NCR-Beamte immer wieder, und zwar auf Drängen der Industrie – entschieden haben, dass die ursprünglichen Regulatorien zu streng seien. Es wird argumentiert, dass die Sicherheitsgrenzwerte deswegen aufgeweicht werden sollten. Es können und müssen sofort Schritte gemacht werden, um die Überprüfung der US-Atomreaktoren nicht vollkommen zu verharmlosen. "Die Zeit scheint reif, um sich von der Atomkraft zu verabschieden, hin zu den erneuerbaren, sichereren und effizienteren Energieformen, hin zu Sonne, Wind, Wasser, Biomasse." meinte einer unserer US-Ansprechpartner.

Quelle: oekonews.at | holler / Sonnenseite

© Public Citizen´s Climate&Energy Program / mehrere US-Anti-Atom-Initiativen

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Donnerstag, 28. April 2011

4 deutsche AKW sehr gefährlich

Deutsche Atomkraftwerke verfügen nach Recherchen von Greenpeace zum Teil über einen geringeren Sicherheitsstandard als das in Japan havarierte Atomkraftwerk Fukushima 1. Die Sicherheitsbehälter der vier ältesten Siedewasserreaktoren sind schlechter gegen die Folgen einer Kernschmelze geschützt als die der japanischen Katastrophenreaktoren.

Zudem liegen die Abklingbecken mit stark strahlenden abgebrannten Brennelementen, ebenso wie in Japan, in allen sechs deutschen Siedewasserreaktoren außerhalb der Sicherheitsbehälter. Die unabhängige Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die sieben ältesten Reaktoren, sowie den Pannenmeiler in Krümmel und das erdbebengefährdete Neckarwestheim 2 sofort und endgültig abzuschalten. Das letzte Atomkraftwerk soll spätestens 2015 vom Netz gehen.

„Kanzlerin Merkel lügt, wenn sie behauptet, die deutschen AKW seien die sichersten der Welt“, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Seit Jahrzehnten werden Sicherheitskriterien so hingebogen, dass selbst die ältesten deutschen AKW sie erfüllen. Teure Nachrüstungen wurden verschleppt. Alle Schwachstellen der Reaktoren müssen nun schonungslos offen gelegt werden. Die AKW, die sich nicht nachrüsten lassen, müssen sofort stillgelegt werden.“

Die alten Siedewasserreaktoren Philippsburg 1, Isar 1 (siehe Bild), Brunsbüttel und Krümmel der so genannten Baulinie 69 (Planungsjahr 1969) leiden unter einem folgenschweren Konstruktionsfehler: Die Sicherheitsbehälter, die den inneren Reaktordruckbehälter mit den Brennstäben umschließen, bestehen nicht aus einer mehrere Meter starken Betonhülle wie im AKW Fukushima. Sie verfügen lediglich über eine leicht schmelzende Stahlhülle mit einer Wandstärke von wenigen Zentimetern. So könnte es bei einem Unfall schneller zu radioaktiven Freisetzungen kommen und die Freisetzungsmengen wären größer. Diese Sicherheitslücke der Siedewasserreaktoren ist nicht nachrüstbar.

Die Abklingbecken
mit stark strahlenden, abgebrannten Brennelementen liegen bei den vier Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 und bei den beiden neueren Siedewasserreaktoren Gundremmingen B und C außerhalb des Sicherheitsbehälters, im oberen Stockwerk des Reaktorgebäudes. Wie in Fukushima lagern hier sogar mehr radioaktive Brennelemente als im Reaktorkern. Im AKW Gundremmingen B und C liegen normalerweise pro Block über 200 Tonnen an Brennelementen. Bei einem Wasserverlust in den Abklingbecken wäre auch bei den deutschen Reaktoren die Strahlung derart hoch, dass sie Not- und Rettungsmaßnahmen unmöglich machen könnte.

Quelle: Sonnenseite / Greenpeace e.V. 2011
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Sonntag, 13. Februar 2011

Nichts da im Wellenberg

Die Stimmberechtigten des Kantons Nidwaldens lehnen ein Lager für radioaktive Abfälle im Wellenberg weiter ab. Sie haben sich am Sonntag mit 11'602 zu 2948 Stimmen klar gegen ein mögliches Tiefenlager im eigenen Kanton ausgesprochen. Die Stimmbeteiligung betrug 50,76 Prozent.

Formal hiessen die Stimmberechtigten die Stellungnahme des Regierungsrates an den Bund gut, der zur Zeit einen Lagerstandort sucht. Der Wellenberg sei aus der Liste der möglichen Standorte zu streichen, verlangt die Kantonsregierung. Dass das Volk dasselbe fordert, ist nicht überraschend. Es hatte 1995 und 2002 der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) Konzessionen für Bohrungen verweigert. Zuvor hatte es sich Mitspracherechte gesichert, weshalb es am Sonntag Stellung zur Haltung der Kantonsregierung beziehen konnte.

Nidwalden ruft dem Bundesrat in Erinnerung, dass er nach der letzten Wellenberg-Abstimmung zugesichert habe, dass es im Wellenberg kein Tiefenlager geben werde. Zudem seien andere Standorte geologisch besser geeignet als der Wellenberg. Der Bund kommentiert das Nein des Kantons Nidwalden zu einem Lager für radioaktive Abfälle im Wellenberg nicht. Das zuständige Departement teilte am Sonntag mit, es habe den Entscheid "zur Kenntnis genommen".

Bei der definitiven Standortwahl würden die Meinungsäusserungen der Bevölkerung aus betroffenen Kantonen "selbstverständlich mitberücksichtigt", schreibt das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) in einer Mitteilung. Das UVEK ruft in Erinnerung, dass die Standortsuche in drei Etappen durchgeführt wird, die innert zehn bis zwölf Jahren zu einem Resultat führen sollen. Derzeit würden die Stellungnahmen aus der öffentlichen Anhörung zur ersten Etappe ausgewertet.

Der Bundesrat werde voraussichtlich im Herbst entscheiden, welche Standortgebiete im weiteren Auswahlverfahren verbleiben würden. In der zweiten Etappe würden die Standortgebiete sicherheitstechnisch vertieft untersucht. In der dritten Etappe erfolge dann die definitive Standortwahl, und das Rahmenbewilligungsverfahren werde eingeleitet.

Quelle: SDA
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Labels: Einzelprojekte, Entsorgung, Laufzeit, Politik, Radioaktivität, Schweiz, Sicherheit

Donnerstag, 10. Februar 2011

Korrosionsschäden drohen

Eicke R. Weber sorgt sich um die Sicherheit der weltweit 440 Atomkraftwerke. In der Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke wurde eine Frage oft nur gestreift: Die Betriebssicherheit von alternden Meilern. Erst kürzlich lasen wir, dass im AKW Grafenrheinfeld Hinweise auf einen Riss in einem Thermoschutzrohr ganz nahe dem zentralen Druckbehälter auftauchten – ein Problem, das eventuell zu einem schweren Kühlmittelaustritt führen könnte. Ein Kommentar von Eicke R. Weber.



Die erwähnte Meldung erinnerte mich an ein Gespräch mit einem Kollegen in Berkeley, das ich vor etwa 15 Jahren geführt hatte. Dieser Kollege ist Experte auf dem Gebiet der Korrosion. Er war gerade vom früher weltgrößten Hersteller von AKW, wo er für Korrosionsprobleme zuständig war, nach Berkeley gekommen. Er erklärte mir, dass man sich dort, als die AKW jung waren, hauptsächlich mit Problemen im externen Sekundärkreislauf beschäftigt habe, dann mit Problemen kleinerer Rohre im Primärkreislauf. Er wolle in seiner dortigen Stelle aber nicht mehr sein, wenn die durch die intensive Strahlung beschleunigten Korrosionsprobleme an die großvolumigen Rohre des zentralen Kühlkreislaufs oder gar zum zentralen Druckbehälter selbst vordringen.

Externe Rohre ließen sich relativ leicht tauschen, aber je näher diese Leitungen an diesen zentralen Behälter mit den Kernbrennelementen herankommen, desto schwieriger würde eine Reparatur. Der zentrale Behälter ließe sich kaum reparieren. In jedem Jahr Volllastbetrieb werden die Rohre des zentralen Kühlkreislaufs, in dem hoch radioaktives Wasser fließt, sowie der zentrale Druckbehälter einer intensiven Strahlung ausgesetzt. Sie wirft Atome aus ihrer Lage, schafft punktförmige Störstellen. Dies beeinflusst die Festigkeit, im schlimmsten Fall durch Bildung eines Haarrisses, an dem sich weitere Fehlstellen bevorzugt ansammeln, was zur Ausbildung eines größeren Risses und zum Bersten führen kann.

Zu weiterer Belastung kommt es, wenn AKW häufig heruntergefahren werden, da die thermischen Spannungen die Korrosion beschleunigen. Glücklicherweise verfügen wir über sehr empfindliche Messgeräte, die Haarrisse entdecken können. Ungewiss ist allerdings, ob alle AKW der Erde ebenso gründlich überprüft werden, ob alle kritischen Stellen zugänglich sind und was im schlimmsten Fall passieren kann. Ein unentdeckter Riss kann zu einem plötzlichen Verlust von Kühlflüssigkeit führen. Automatisch sollen dann Bremsstäbe so schnell einfahren, dass die Kettenreaktion zum Stillstand kommt.

Sorgen bereitet ein Szenario, in dem durch Bersten des zentralen Druckbehälters auch die Gestänge der Bremsstäbe beschädigt werden: Falls sich diese verklemmen oder aus anderen Gründen nicht einfahren, kann es zur Kernschmelze mit dem Austritt großer Mengen radioaktiven Materials kommen. Unsere Sicherheit hängt also an der Hoffnung, dass selbst bei einer unkontrollierbaren Druckbehälterexplosion die Sicherheitssysteme noch sicher arbeiten. Ein derartiges Szenario ist in Deutschland weniger wahrscheinlich. Der TÜV sorgt in Zusammenarbeit mit den Reaktorsicherheitskommissionen für eine sorgfältige und kontinuierliche Überwachung unserer AKW.

Aber jedes Jahr altern alle AKW der Welt, mit den oben beschriebenen Bestrahlungseffekten. Daher ist die Sorge berechtigt, dass es an einem dieser 440 Reaktoren zu einem schweren Störfall kommen kann, im schlimmsten Fall zur Kernschmelze. Wenn dann AKW auf Grund von Protesten abgeschaltet werden, könnten wir einen Engpass in unserer Stromversorgung erleben. Wir sind ja gerade dabei, den bisher so erfreulichen Zubau der erneuerbaren Energien durch ängstliche Maßnahmen zu bremsen.

Als Politiker würde ich mich wohlfühlen zu wissen, dass wir im alten Atomkompromiss einen langsamen Ausstieg bis 2022 vorgesehen hatten. Parallel dazu sollten regenerative Energien zugebaut werden. Eine Stromlücke hätte sich nirgends aufgetan, wir exportieren ja zunehmend einen Stromüberschuss, und 2022 wäre der atomare Alptraum vorüber. Die vorgesehenen zwölf Jahre Verschiebung der Abschaltung dagegen, für einzelne Meiler noch länger, könnten mir als Politiker viele weitere Jahre mit schlechtem Schlaf schenken.

Eine letzte Hoffnung ist das Bundesverfassungsgericht: Es wird sorgfältig prüfen ob eine derartig drastische Verlängerung der Laufzeit von durchschnittlich 32 Jahren auf 44 Jahre und mehr tatsächlich nicht die Zustimmung beider Kammern des Parlaments erfordert.

Quelle: Eicke R. Weber, Direktor des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme / Sonnenseite

Erstveröffentlichung "Badische Zeitung" | 05.02.2011
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Labels: Kommentar, Laufzeit, Schadenfälle

Donnerstag, 28. Oktober 2010

AKW Isar 1 nicht nachrüstbar

Das österreichische Politmagazin"profil" meldet: Bayrisches AKW Isar 1 ist sicherheitstechnisch nicht nachrüstbar. Ein neues Gutachten unterstützt Forderungen der österreichischen Regierung nach Stillegung.

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe berichtet, kann das bayrische Atomkraftwerk Isar 1 durch technische Nachrüstung, wie sie die österreichische Bundesregierung als Alternative zur Stilllegung gefordert hat, nicht sicherer gemacht werden. Das ergibt ein neues Gutachten von Atomexperten im Auftrag der Landesregierungen von Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und der Umweltanwaltschaft Wien, aus dem das Nachrichtenmagazin "profil" exklusiv zitiert.

Protestaktion um vier Uhr morgens: Die Greenpeace-Projektion am Kühlturm Isar 1 im September 2009-








Die Baureihe der Siedewasserreaktoren 69, zu dem auch der Reaktor in Zwentendorf gehört, weist eine Reihe von Schwachstellen auf. "Die schwerwiegenden Konstruktionsmängel können durch keinerlei Nachrüstungsmaßnahmen ausgeglichen werden", heißt es in den Schlussfolgerungen der Studie. "Die Druckbehälter dieser Bauserie entsprechen in keiner Weise den Basissicherheitskriterien, wie sie für spätere Reaktorgenerationen durchgesetzt wurden. Eine Lebensdauerverlängerung für diesen Reaktortyp beinhaltet ein nicht akzeptables Risiko."

Auch der im Vorjahr abgelöste Chef der deutschen Atomaufsicht, Wolfgang Renneberg, kritisiert auf "profil"-Anfrage die im vergangenen September von der deutschen Bundesregierung beschlossene Verlängerung der Lebenszeit für die alten AKW: "Das ist wie eine Neugenehmigung ohne Prüfung der Anlage." Laut Beschluss der deutschen Bundesregierung wurde die Betriebszeit der vier über 30 Jahre alten AKW dieser Baureihe um mindestens weitere acht Jahre verlängert. Das AKW Isar 1 hätte nach den Atomausstiegsplänen der rot-grünen Regierung in Berlin im kommenden Jahr stillgelegt werden sollen.

Quelle: "profil"-Redaktion
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Übrigens: Ich blogge nicht nur, sondern betreibe ein Beratungsbüro für Energie-und Vorsorgefragen sowie Coaching. Zu allen Themen sind Vorträge und Dossiers abrufbar. Informationen zum beruflichen Hintergrund: Media for Sustainability. Ich freue mich über Kontaktaufnahme via:
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Windräder retten vor Launen der Atomenergie
Es dröhnte jahrelang durch alle Medien, das Gejammer der Stromkonzerne über den zu tiefen Strompreis und dass die deutsche Energiewende «unseren» Strommarkt ruiniere. Und plötzlich ist da das grosse Schweigen. Denn seit Januar ist der Grosshandels-Strompreis in Höhen geschnellt (Basler Zeitung 25.2.17).

Spanisches AKW an Grenze zu Portugal out
Portugal hatte mit seiner Klage vor der EU-Kommission Erfolg. Der älteste Reaktor Spaniens geht nicht mehr in Betrieb (tageszeitung.de 23.2.17).

AKW Leibstadt schon wieder vom Netz
Kurz nach Inbetriebnahme ist das AKW Leibstadt in der Nacht auf Samstag wieder abgeschaltet worden (srf.ch/news 18.2.17).

Neustart Leibstadt verzögert sich erneut
Das Atomkraftwerk Leibstadt steht weiterhin still. Zuerst wollten die Betreiber den Reaktor gestern hochfahren, nun ist auch der Termin von morgen geplatzt (Tages-Anzeiger 16.2.17).

AKW Leibstadt kann noch nicht wieder anfahren
Die Betreiber des AKW Leibstadt müssen ihren Termin für das Wiederanfahren der Anlage verschieben. Die Bewilligung der Atomaufsicht für den Betrieb steht noch aus (NZZ 15.2.17).

Strahlung in Fukushima selbst für Roboter zu hoch
Im Reaktor 2 des vor fast sechs Jahren havarierten japanischen Unglückskraftwerks Fukushima hat ein Roboter die bislang höchste Strahlung entdeckt. Die 650 Sievert würden einen Menschen binnen Sekunden töten. Selbst der Roboter hielt nur zwei Stunden durch (cleantech.ch 13.2.17).

Finanzprobleme bei britischem AKW Hinkley Point
Toshiba zieht sich aus dem milliardenschweren Atomgeschäft in Großbritannien zurück, sagen Insider. Offenbar ist Londons symbolträchtige und europaweit umstrittene Investition in die Atomkraft finanziell nicht mehr tragbar (industriemagazin.de 7.2.17).

Warnung vor Inbetriebnahme AKW Leibstadt
Obwohl die Ursache für die Oxidationen an mehreren Brennelementen nicht geklärt ist, soll das AKW Leibstadt in zwei Wochen wieder ans Netz gehen. Für die Umweltorganisation Greenpeace und die Aargauer Grünen ist dies unverantwortlich – sie kritisieren die Kraftwerksbetreiber und die Atomaufsicht (Aargauer Zeitung 3.2.17).

Weg von atomaren Luftschlössern
Die Energiestrategie schliesst den Bau neuer Atomkraftwerke aus. Dieses «Technologieverbot» ist zwar intellektuell falsch, aber irrelevant. Neue AKW gängiger Bauart haben in der Schweiz ökonomisch und politisch keine Chance. Und AKW neuer Bauart, in denen eine Kernschmelze ausgeschlossen ist, sind noch auf Jahrzehnte hinaus illusorisch. Von Helmut Stalder (NZZ 2.2.17).

Geschmolzener Brennstoff in Fukushima entdeckt
Fast sechs Jahre nach der Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima hat ein Roboter erste Aufnahmen aus dem havarierten AKW machen können. Dabei wurde möglicherweise geschmolzener Brennstoff entdeckt (NZZ 1.2.17).

Brexit verteuert Bau neuen britischen AKW's
Der Brexit könnte den Bau neuer Atomkraftwerke wie Hinkley Point verzögern oder gar verhindern, denn die britische Regierung will nicht nur aus der EU, sondern auch aus dem Euratom-Vertrag aussteigen, der 1957 die Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft besiegelte (klimaretter.info 31.1.17).

In Finnland springen Investoren für neues AKW ab
In Finnland sprengt der Bau des Atomkraftwerks Olkiluoto bereits jeden Zeit- und Kostenplan. Auch beim zweiten Projekt, dem in Planung befindlichen AKW Hanhikivi 1 in Pyhäjoki, gibt es Unruhe. Immer mehr Investoren wollen aus dem Projekt raus. Jetzt hat ein Schiedsgericht entschieden, dass ein weiteres Unternehmen die Ausfahrt nehmen darf (iwr.de 28.1.17).

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Literaturhinweis

Literaturhinweis
Martin Arnold / Urs Fitze: Die strahlende Wahrheit - Orell Füssli: Klick auf Bild!

ABC_ausstiegswilliger_Länder - Neu: SÜDAFRIKA

Belgien steigt von 2015 bis 2025 aus und legt sieben Kraftwerke still.
Bolivien hat sich entgegen früherer Hoffnungen und trotz eigenem Uran für den Verzicht auf Atomkraft entschieden.
Brasilien verzichtet auf Atom- und setzt statt dessen auf Windkraft.
Bulgarien gibt Pläne zum Bau eines Atomkraftwerks an der Donau auf.
Chile hat nach Fukushima darauf verzichtet, weitere AKW zu planen oder zu bauen - vor allem wegen der Gefahr regelmässiger Erdbeben und setzt nun vermehrt auf Erneuerbare Energien, auch auf grosse Solarkraftwerke.
China nimmt seine Atomkraftprojekte nach einem anderthalbjährigen Moratorium wieder auf. Das Tempo des Baus neuer Atomkraftwerke wird gegenüber früheren Plänen gedrosselt.
Deutschland hat den totalen Atomausstieg bis 2022 beschlossen.
Frankreich will unabhängiger von Atomkraft werden. Bis 2025 soll nur noch die Hälfte des französischen Stroms aus Atomkraftwerken kommen.
Grossbritanniens AKW-Konzerne überdenken Neubau aus wirtschaftlichen Gründen.
Grossbritannien II Unterdessen geht ein Bau nur vonstatten, wenn der Atomstrom einen garantierten Preis erhält.
Hollands Neubau Borssele II steht vor dem Aus, die Investoren springen ab.
Indiens Atomprogramm kommt wegen Widerstand praktisch zum Erliegen.
Indonesien legt Baupläne für erstes kommerzielles AKW auf Eis.
Italien hat sich 2011 in einer Volksabstimmung zu über 90 % gegen neue AKW ausgesprochen.
Japan hat nach Fukushima alle 54 AKW stillgelegt und erst zwei wieder reaktiviert.
Jordanien hatte 2009 den Zubau von fünf Atomkraftwerken geplant. Das Parlament hat die Pläne nun zurückgezogen und den Uranabbau-Vertrag mit Areva aufgelöst.
Kuwait hat seine von der Atomlobby bejubelten und als Zeichen für die Renaissance der Nuklearenergie gewerteten Neubaupläne für gleich vier Werke beerdigt.
Lettland, als Mitfinanzier fest eingeplant im Nachbarland Litauen, legte sich Ende Januar 2012 mit einer Parlamentsmehrheit erst einmal quer.
Litauen hat sich in einer Volksabstimmung gegen einen Neubau ausgesprochen.
Österreich hatte schon früh auf AKW verzichtet und will nun auch den Import von Atomstrom abbauen.
Philippinen Das einzige AKW ist nie ans Netz gegangen - und wird jetzt zu Touristenziel.
Polen verzichtet zumindest vorläufig aus Kostengründen auf den Bau von zwei neuen AKW.
Rumäniens Pläne für neue AKW scheinen nach Firmenrückzug unsicherer denn je.
Schweden stoppt Ausbaupläne und befasst sich mit dem Abschalten der Uralt-AKW.
Schweiz - mit Aussstiegsbeschluss des Ständerats ist Ausstieg (fast) definitiv.
Südafrika fährt Ausbaupläne massiv zurück.
Taiwan steigt bis 2025 vollständig aus.
Tschechien hat die Erweiterung des Kernkraftwerks Temelin um zwei Blöcke gestoppt. Zuvor hatte die Regierung Preisgarantien abgelehnt.
Vietnam - verzichtet trotz ausführlicher Planung auf Bau zweier AKW

Diverses zum Atomausstieg:
Siemens hat sich nach diversen Schwierigkeiten vom Atomgeschäft verabschiedet.
Niedergang ist längst am Laufen, wie Worldwatch-Institute-Studie zeigt.
Weltbevölkerung ist in den allermeisten Ländern gegen Ausbau von AKW.
Nur in rund 40 Staaten weltweit sind AKW in Betrieb - die grosse Mehrheit der Staatengemeinschaft verzichtet also seit eh auf die umstrittene Energieform.

© Atominfomedia ^^^

Literaturhinweis

Literaturhinweis
Susan Boos "Fukushima lässt grüßen: Die Folgen eines Super-GAUs". Bei "amazon.de" bestellen: Klick auf Bild!
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