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Sonntag, 16. Oktober 2016

Versicherung gegen Atomunfall

Bei einem Atomunfall in der Schweiz sind Boden- und Wohneigentum atomar verseucht, aber nicht versichert! Betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern von Liegenschaften und landwirtschaftlichem Land drohen hohe Kosten und der Privatbankrott! Darum fordert die unabhängige Bürgerinitiative Versicherungslücke Atomunfall von den AKW-Besitzern die Deckung dieser Versicherungslücke. Durch Schuldanerkennung für Boden- und Gebäudeeigentum im Falle eines Atomunfalls mit radioaktiver Verstrahlung, soll so mindestens der persönliche Ruin Betroffener abgewendet werden.

Worum geht es?
·       Die fünf AKW der Schweiz (Beznau I und II, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt) sind weltweit die ältesten[1]. Mühleberg ist vom Reaktortyp praktisch identisch mit denjenigen von Fukushima[2]. Auch Beznau I und II und die übrigen AKW weisen gemäss verschiedenen Studien zunehmende Sicherheitsmängel auf.[3]
·       Gemäss Kernenergiehaftpflichtgesetz (KHG) haftet der Inhaber eines AKW ohne betragsmässige Begrenzung für die Schäden, die seine Anlage verursacht.
·       Die Versicherungssumme gemäss Kernenergiehaftpflichtrecht beträgt gesamthaft für einen Unfall jedoch nur 1,8 Milliarden CHF[4]. Genügt diese Summe nicht zur Entschädigung, haftet zwar der AKW-Inhaber mit dem Rest seines Vermögens. Gemäss inoffiziellen Berechnungen des Bundes können durch einen schweren Atomunfall mit grosser Radioaktivitätsfreisetzung jedoch Schäden in der Höhe von gut und gerne 4'300 Milliarden CHF eintreten[5]. Versicherungssumme und Eigenkapital können die Schäden höchstens im Promillebereich abdecken.

Was bedeutet das?
·       Immobilien und Böden, welche tausenden von Familien, Paaren und Einzelpersonen, Landwirten, Winzern und Unternehmern als Anlage oder Altersvorsorge dienen, würden durch einen Atomunfall total oder weitgehend entwertet, jedoch von den Versicherungen bloss symbolisch entschädigt.
·       Erschwerend kommt hinzu, dass allfällige Hypothekarschulden weiterlaufen und Geschädigte für einen nicht mehr vorhandenen Wert Zinsen bezahlen müssen. Für Betroffene bedeutet dies faktisch der Privatbankrott.
·       Um ihre gesetzlich unbegrenzte Haftpflicht erfüllen zu können, müssten die Inhaber der AKW Rückstellungen in der Höhe des maximal möglichen Gesamtschadens bilden. Tatsächlich haben sie dies bisher nicht getan.
·       Rechtlich verbindlich müssen die Inhaber diese Rückstellungen jedoch tätigen, wenn sie eine offizielle Schuldanerkennung in Höhe der Versicherungssumme des Eigentums unterschreiben.

Aktueller Stand
Seit dem Start der Bürgerinitiative am 7. Oktober sind in den ersten vier Tagen bereits Forderungen von mehr als 100 Millionen Schweizerfranken an die AKW-Inhaber geschickt worden. Einige Bäuerinnen und Bauern sind dabei.

Die Bürgerinitiative ruft darum Boden- und Liegenschaftseigentümerinnen und – eigentümer auf, die Schuldanerkennung bei den AKW-Inhabern einzufordern!
Denn ohne Schuldanerkennung kann die Gefahr eines Privatbankrotts einzig mit dem baldigen Abschalten der AKW zu 100% vermieden werden. Die Initiative zum geordneten Atomausstieg von Ende November will genau dies. Ohne positive Reaktion der AKW-Inhaber sehen wir uns deshalb zur Sicherung unseres Vermögens zu einem Ja gezwungen.

Ansprechpersonen:

THOMAS GRÖBLY
+41(0)56 222 15 17 oder +41 (0)79 715 04 58
thomas.groebly@ethik-labor.ch
Michael Baumgartner
+41 (0)76 369 43 58
info@derentwickler.ch

DETAILLIERTE INFORMATIONEN UND VORGEHENSWEISEN UNTER: www.versicherungsluecke.ch


[1] Siehe International Atomic Energy Agency IAEA
[2] siehe z.B. http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/fukushima-und-muehleberg-sind-fast-identisch-105881628
[3] siehe z.B. http://energiestiftung.ch/publikation-studien/risiko-altreaktoren-schweiz.html
[4] Kernenergiehaftpflichtgesetz (KHG)
[5] Gemäss «Katanos»-Studie des Bundesamts für Zivilschutz (1995) sind mit 4'300 Mia. CHF Schäden zu rechnen, diese Zahl wird von Experten und Medien meistens verwendet. Neuere Studien des Bundesamts für Bevölkerungsschutz aus dem Jahr 2003 gehen von Schäden zwischen 300 – 8'000 Milliarden CHF aus, je nachdem welche Schäden betrachtet werden.

Montag, 29. Februar 2016

Finnland baut erstes Atommüll-Endlager

Als erstes Land der Welt baut Finnland ein Atommüll-Endlager für hochradioaktive Abfälle. Diese sollen in Tunnellöchern verschlossen 100.000 Jahre lagern. Die Anwohner akzeptieren das Endlager, Finnland baut unterdessen einen neuen Reaktor. 

Ab 2023 entsteht in Finnland das weltweit erste Atommüll-Endlager für hochradioaktive Abfälle. Mehrere hundert Tunnel werden acht Meter tief in den Fels gebohrt. Dort werden die Kupfer-Container mit den Brennelementen eingelassen und mit der Vulkanasche Betonit verschlossen.
Bereits Ende Dezember gab die finnische Regierung grünes Licht für den Bau des Lagers auf der Halbinsel Olkiluoto im Südwesten Finnlands. 6.500 Tonnen Atommüll können dort gut 400 Meter unter der Erde deponiert werden. In der Nähe der Stadt Rauma befindet sich auch das Kernkraftwerk Olkiluoto mit derzeit zwei aktiven Siedewasserreaktoren. Seit 2005 wird an gleicher Stelle vom französischen Atomkonzern Areva ein Europäischer Druckwasserreaktor (EPR) errichtet. Es gibt massive Probleme, die Kosten explodieren von ursprünglich 3 Milliarden Euro auf wohl 9 Milliarden, zudem wurde die Inbetriebnahme mehrmals verschoben und ist nun für 2018 geplant. 

Solche Pannen sollen beim geplanten Endlager für hochradioaktive Abfälle nicht geschehen. Die Lizenz zum Bau erhielt die finnische Firma Posiva, die auf dem Gelände bereits seit 1992 ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle betreibt. Im neuen 3,5 Milliarden Euro teuren Endlager sollen die verbrauchten Brennelemente mit Kupfer ummantelt in hunderte Tunnellöcher geschoben werden. Mehrere hundert dieser Löcher werden in den Fels gebohrt, jedes ist acht Meter tief. Die Kammern werden anschließend mit Betonit verschlossen, eine Vulkanasche, die u.a. in der Bautechnik als Dichtungsmittel verwendet wird und beim Kontakt mit Wasser aufquillt. 

2023 soll der Bau größtenteils abgeschlossen sein, bis dahin muss Posiva zudem noch Umweltverträglichkeitsprüfungen vornehmen. Es wird vorrausichtlich 100 Jahre dauern, bis der ganze finnische Atommüll im Tunnelsystem eingemauert ist. 100.000 Jahre soll der strahlende Müll dann im Endlager bleiben, bis die Strahlung abgeklungen ist. Was bis dahin geschieht, weiß niemand. Sollte eine neue Eiszeit kommen – historisch gesehen nicht unwahrscheinlich – könnte der Fels angehoben werden und die Container wären nicht mehr sicher. Posiva will in einem solchen Fall die Behälter bergen und an einen anderen Ort bringen. Es sei auf jeden Fall besser, den Atommüll im Fels zu lagern als außerhalb, so die einhellige Meinung. Ein wirklich sicheres Gefühl bleibt bei solchen Aussagen nicht. Immerhin die direkten Anwohner in der Gemeinde Eurajoki vertrauen den Behörden und der Politik, Proteste gibt es kaum. 

Dienstag, 22. Dezember 2015

Korrektur in AKW-Bilanzen - nur ein Etappensieg

Die Betreibergesellschaften der Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt haben diese Woche bekannt gegeben, dass sie ihre Bilanzierungsmethode für die Mittel in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds korrigieren. Damit reagieren sie auf Strafanzeigen, die der Trinationale Atomschutzverband TRAS und Greenpeace Schweiz in den Jahren 2012 und 2014 erstattet haben. Die beiden Organisationen begrüssen die Anpassung, weisen aber darauf hin, dass nur halbe Arbeit geleistet wurde.   

In den Bilanzen der AKW Gösgen (siehe Bild links) und Leibstadt waren die Finanzmittel in den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds bisher künstlich aufgebläht: Die Gelder wurden mit einer hypothetischen, rein rechnerischen Verzinsung von 5 Prozent ausgewiesen. Nach Auffassung von TRAS und Greenpeace verstiess diese Praxis klar gegen das Obligationenrecht (OR), welches eine Bilanzierung einzig nach dem Marktwert zulässt. Aus diesem Grund hatten die beiden Organisationen Strafanzeigen erstattet gegen die beiden AKW-Betreiber (2012) und ihre jeweiligen Revisionsgesellschaften (2014). Die beiden AKW-Betreiber haben nun Ihre Praxis geändert, was wir begrüssen und als Teilerfolg betrachten. «Wenn die Bilanzen nicht mehr künstlich aufgebläht werden, wäre das ein Schritt in Richtung mehr Kostenwahrheit beim Atomstrom», sagt Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz.

Auf halber Strecke stehen gebliebenTrotz der Korrektur der Bilanzierungsmethode bleiben Probleme bestehen. TRAS und Greenpeace weisen auf die folgenden Punkte hin:

  • Die Korrektur bleibt gemäss der Mitteilung der beiden Betreiber auf halber Strecke stehen: Gösgen und Leibstadt betrachten ihre Kosten für Stilllegung und Entsorgung offenbar weiterhin als Aktiven. Dies verstösst aus Sicht der beiden Umweltorganisationen ebenfalls klar gegen das OR, welches die zulässigen Aktivierungsmöglichkeiten eindeutig und abschliessend aufzählt. Kosten für die Entsorgung von Atommüll gehören nicht dazu. TRAS und Greenpeace fordern die beiden AKW auf, diesen zweiten Verstoss gegen das OR unverzüglich zu beheben.
  • Anders als von den beiden Betreibern in ihrer Mitteilung dargestellt, stehen im OR nicht zwei Bewertungsmethoden zur Auswahl. Nur die Bewertung nach dem Marktwert ist zulässig. Zudem hat die vorgenommene Korrektur nichts mit dem neuen OR zu tun. Das alte wie das neue OR lassen nur eine Bewertung nach dem Marktwert zu.
  • Schliesslich ist zu betonen, dass erst die Veröffentlichung der Bilanzen im Frühjahr 2016 zeigen wird, inwiefern die beiden Betreibergesellschaften die Bestimmungen des OR einhalten. Bis dann lässt sich die vorgenommene Anpassung nicht abschliessend beurteilen.
Strafverfahren hängigAusserdem erinnern Greenpeace und TRAS daran, dass Bilanzen Urkunden sind. Unseres Erachtens liegen weiterhin unwahre Bilanzen vor, was ohne weiteres den Tatbestand der mehrfachen Urkundenfälschung erfüllt. Diese motivierte die Strafanzeigen gegen die Betreiber. Beide Verfahren wurden durch die Staatsanwaltschaften SO (Gösgen) und AG (Leibstadt) jedoch eingestellt.

Nach Auffassung von Greenpeace und TRAS wurde das Verfahren allerdings mit Verfahrensfehlern geführt. Deswegen erstatteten Greenpeace und TRAS neue Strafanzeigen: Es geht um Vorwürfe wegen Amtsgeheimnisverletzung, Amtsmissbrauch und Begünstigung, die durch Staatsanwälte der beiden Kantone begangen wurden. In den beiden Kantonen führen ausserordentliche Staatsanwälte Verfahren, die noch laufen. Greenpeace und TRAS halten auch nach der Praxisänderung der beiden AKW-Betreiber an diesen Vorwürfen fest. Die jetzt vorgenommene Praxisänderung ist ein indirektes Eingeständnis, dass sie berechtigt sind.

Quelle: Greenpeace  / Bild: Guntram Rehsche

Freitag, 11. Dezember 2015

China baut 80 neue AKW bis ins Jahr 2030

China muss seine enormen Probleme mit der Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke in den Griff bekommen und setzt dabei massiv auf Atomkraft. Bis 2030 will Peking mindestens 72 Milliarden Euro investieren und 80 neue Atomreaktoren bauen.

Das berichtet die Pekinger Tageszeitung China Daily und beruft sich auf die Power Construction Corporation of China und auf den neuen Fünf-Jahres-Plan. Demnach sollen bis 2030 insgesamt 110 Atomreaktoren in Betrieb sein. Derzeit sind 30 Atommeiler aktiv und 21 weitere in Bau. Eine Endfassung des neuen Fünf-Jahres-Plan liegt offenbar noch nicht vor. Zudem muss er vor Inkrafttreten im März vom Volkskongress angenommen werden, was allerdings als reine Formsache gilt.


Dem Plan zufolge hat die chinesische Regierung 500 Milliarden Yuan, umgerechnet fast 72 Milliarden Euro, für die  neuen Atomreaktoren bis 2020 eingeplant. Hiermit sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren sechs bis acht neue Meiler pro Jahr gebaut werden. Bis 2030 sollen dann zehn Prozent der Energie im Reich der Mitte in Kernkraftwerken produziert werden. Derzeit sind es nur rund ein Prozent. Das Ziel Pekings ist es, die Kohlenutzung zurückzudrängen. Das ist auch bitter nötig, denn rund zwei Drittel seiner Energie bezieht China aus dem schmutzigen Rohstoff.


Fast alle großen Städte und Industriezentren des Landes leiden unter hoher Luftverschmutzung, die Feinstaubwerte sind dramatisch. In Peking wurde nun erstmals die höchste Smog-Alarmstufe „Rot“ ausgerufen. Schulen und Kindergärten sind geschlossen, weitreichende Fahrverbote gelten und einige Fabriken mussten ihre Produktion stoppen. Die durch Kohlekraftwerke und Fabriken verursachten extremen Feinstaubbelastungen erreichten mit bis zu 280 Punkten das Zehnfache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation WHO. 


Auch wenn viele Fragen zur Sicherheit der Atomkraft und der Endlagerung des Atommülls in China weiterhin ungeklärt sind, will die Regierung in großem Maßstab handeln. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatte auch China den Bau neuer Reaktoren vorerst gestoppt, im vergangenen März wurde dann erstmals der Bau eines neuen Meilers genehmigt. Neben der Kernkraft setzt das Reich der Mitte zudem auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Ziel ist es vor allem, den Energiemix zu diversifizieren und den Anteil der Kohle langsam zurückzudrängen. Bis 2030 soll der Anteil der nicht-fossilen Energien am Energiemix 20 Prozent betragen.

Quelle   energiezukunft.eu | cw 2015

Montag, 21. September 2015

Opel Beznau / Modell 1969

Zum Stand der Technik des ältesten Atomkraftwerks der Welt

 Das Auto, das Sie hier auf dem Bundesplatz sehen, ist ein Opel Olympia (Kadett B) und wurde 1969 in Verkehr gesetzt. Eine Foto liegt hier bei. Er galt damals bestimmt als technisches Bijou, ist jedoch heute - 46 Jahre später - technisch komplett veraltet. Ein simpler Motor, keine Kopfstützen, geschweige denn ein ABS-Bremssystem. Gut, dass solche Modelle höchstens im Verkehrshaus in Luzern zu finden sind. Besorgniserregend ist hingegen die Tatsache, das das Atomkraftwerk Beznau I, auch 1969 in Betrieb genommen, immer noch am Netz ist. Denn die Sicherheitsstandards des AKW entsprechen genau so der in den 60er-Jahren verfügbaren Kernenergietechnik. Obwohl die Anlage seither mehrmals nachgerüstet wurde, hat sich ihre grundsätzliche Konzeption nicht verändert. Diese zeichnet sich unter anderem durch folgende, breit dokumentierte Schwächen [1] aus:

-       Das Herzstück des Reaktors 1, der Druckbehälter, weist Materialfehler auf. Er kann  
        nicht ersetzt werden [2].
-       Die Anlage ist ungenügend gegen Erdbeben geschützt [3].
-       Ihre äussere Hülle würde einem Flugzeugabsturz nicht standhalten [4].
-       Der Sicherheitsbehälter (Containment) ist korrodiert [5].
-       Die konsequente räumliche Trennung der Sicherheitssysteme fehlt [6].
-       Die Hochwassersicherheit der Anlage, auf einer Aare-Insel stehend, ist zweifelhaft [7].

Wollen wir in der Schweiz eine Atomanlage, die dem aktuellen Stand der Technik bei weitem nicht mehr entspricht, Mensch und Umwelt bedroht? Die Allianz Atomausstieg setzt sich für eine sofortige definitive Abschaltung des Atomkraftwerks Beznau ein.

Wir laden mit dem Opel Beznau / Modell 1969 den Ständerat ein, die sofortige Stilllegung des AKW Beznau zu beschliessen.

  • JA  zur sofortigen Stilllegung von Beznau
  • JA  zu einer Laufzeitbeschränkung für alle Schweizer Atomkraftwerke
  • JA  zum Langzeitbetriebskonzept

Die Allianz Atomausstieg
In der Allianz Atomausstieg bündeln Schweizer Parteien, sowie die wichtigsten Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen ihre Kräfte mit dem Ziel, den Atomausstieg der Schweiz voranzutreiben und gesetzlich zu verankern. Weitergehende Informationen zur Allianz Atomausstieg sowie zu Risiken und Gefahren der Atomenergie finden Sie auf der Website www.atomausstieg.ch.


Freitag, 30. Januar 2015

Lagerung in weiter Ferne

Trotz der Reduktion auf zwei mögliche Standorte, liegt die Lösung des Atommüllproblems nach Ansicht der Schweizerischen Energie Stiftung in weiter Ferne. Nach dem Entscheid von Nagra und BFE bleiben nur Bözberg (Jura Ost, AG) und Zürcher Weinland (Zürich Nordost, ZH und TG) im unbeliebten Atommüllrennen. 

Die SES fordert, dass die ungelösten konzeptionellen und technischen Fragen vor der Standortwahl beantwortet werden. Ausserdem müssen alle potentiellen Regionen auf den gleichen Untersuchungsstand gebracht werden, bevor eine qualifizierte Ausscheidung stattfinden kann.

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) informierte heute anlässlich einer Medienkonferenz des Bundesamtes für Energie (BFE), dass die Standortsuche für Atommülllager von bisher sechs Regionen auf die zwei Standorte Bözberg (Jura Ost) und Zürcher Weinland (Zürich Nordost) reduziert wird. 

Mit der Reduktion von sechs auf zwei Standorte gaukelt die Nagra der Bevölkerung vor, sie sei einen wichtigen Schritt weiter und habe die Lösung des Atommüllproblems in greifbarer Nähe. „Das Problem ist nicht gelöst!“, warnt Atomexpertin Sabine von Stockar und erklärt: „Es wird verschwiegen, dass grundlegende konzeptionelle und technische Fragen noch immer nicht beantwortet sind.“ So ist zum Beispiel keine langfristige Rückholbarkeit vorgesehen, was die Situation für kommende Generationen unberechenbar und gefährlich macht. Es ist zudem unklar, wie die Standorte für die nachfolgenden 30’000 Generationen gekennzeichnet werden sollen, um unsere Nachfahren vor der Gefahr zu warnen.

Nicht nur die konzeptionellen Fragen, sondern auch die ungleich gut untersuchten Standorte, lassen den heutigen Vorschlag der Nagra eigenartig wirken: Von allen sechs Regionen wurde bisher nur im Zürcher Weinland mit gezielten Bohrungen und 3D-Seismik der Untergrund eingehend untersucht. „Zu diesem Zeitpunkt Standorte abzuschreiben ist fahrlässig“, sagt Sabine von Stockar. „Alle Standorte haben ihre Nachteile und die Eignung ist weder für das Weinland noch für den Bözberg abschliessend geklärt“. 

Die Standorte einzuengen, bevor das Konzept ausgereift und der Untergrund untersucht ist, führt nicht zu einem möglichst sicheren Lager.  Die SES fordert ein Sachplan-Timeout. Zuerst müssen die ungeklärten konzeptionellen und technischen Fragen von unabhängiger Seite wissenschaftlich fundiert gelöst werden. Daraufhin soll die Nagra die Geologie aller Standorte eingehend untersuchen. Erst anschliessend macht eine Eingrenzung der Standorte Sinn.

Freitag, 26. Dezember 2014

Atomstrom doppelt so teuer

Der Bundesrat hat es im laufenden Jahr angetönt, der Experte für Rechnungsprüfung Kaspar Müller bringt es auf den Punkt. Bei den grössten - und am längsten laufenden - Schweizer AKW in Leibstadt und Gösgen wird falsch gerechnet. Sonst wäre deren Atomstrom schon heute mindestens doppelt so teuer. Eine Klage gegen die irreführenden Rechnungspraxen der Muttergesellschaften wurde aber abgeschmettert.

Ein Beitrag im Magazin der Umweltbewegung Greenpeace klärt auf: Kaspar Müller, unabhängiger Finanzmarktexperte, weist auf gravierende Mängel in der Bilanzierung der beiden AKW Leibstadt und Gösgen (siehe Bild) hin. Im Interview mit dem Wahlbasler, der auch Präsident der aktionärskritischen Pensionskassen-Stiftung Ethos ist, belegt Müller Löcher in Milliardenhöhe in den Bilanzen sowohl des AKW's in Leibstadt wie in Gösgen. 

Wie ist so etwas überhaupt möglich? Müller, der betont, nichts über die technischen Sicherheitsfragen sagen zu können, weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren bei den Betreibern schlicht zu optimistisch gerechnet wurde. Zwar hat das unterdessen auch der Bund gemerkt, die erfolgten Anpassungen seien aber ungenügend. Noch immer geht man davon aus, dass eine Rendite der Mittel in den beiden Fonds für Sicherheit und Entsorgung von 3,5 Prozent möglich sei und die Inflation 1,5 Prozent betrage. Zu dieser unrealistischen Ausgangslage komme hinzu, dass vor allem in den Entsorgungsfonds erst nach der Jahrtausendwende eingezahlt wurde, also viel zu spät nach Beginn der Laufzeiten der beiden AKW in den mittleren 80er Jahren. 

Allein schon eine Korrektur solch offensichtlicher Fehleinschätzungen (zu denen sich weitere falsche Bewertungsannahmen etwa bezüglich der vorhandenen Wertpapiere in den Fonds gesellten) würde die Produktionskosten mindestens verdoppeln. Eine Kilowattstunde Strom müsste demnach schon heute statt vier bis fünf deren zehn oder gar gegen 20 Rappen kosten. Müller unterlässt folgenden Hinweis, aber diesen Zahlen ist nachzureichen: Damit ist Atomstrom schon heute eigentlich so teuer wie die Produktion erneuerbarer Energie aus Wind- und Solaranlagen. Und längst nicht alle effektiven Kosten sind damit in der Berechnung der Atomkosten enthalten - so fehlen etwa die Versicherungsprämien, die eigentlich geschuldet wären, um das effektive Risiko des Atomstroms abzudecken.  

Greenpeace und der so genannte Trinationale Atomschutzverband hatten Gösgen und Leibstadt vor zwei Jahren angezeigt. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat gemäss Müller daraufhin die monierten Zustände zwar nicht abgestritten. Dennoch berief sie sich darauf, dass es sich nur um Buchverluste handle in den Bilanzen der beiden AKW, diese also noch nicht realisiert und deshalb irrelevant seien. Gemäss Müller sei ein solcher Schluss aber weder nachvollziehbar noch mit den Richtlinien für die ordentliche Buchführung vereinbar. Müller wörtlich im Greenpeace-Interview: «Das ist unglaublich».

Quelle: Greenpeace Magazin 4/2014 - noch nicht verfügbar im Internet

© Solarmedia/ Text und Bild: Guntram Rehsche

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Mittwoch, 24. September 2014

Schilddrüsenkrebs bei Kindern

Ende August hat die Abteilung für Gesundheitstests der Präfektur Fukushima die neuesten Ergebnisse der Schilddrüsenuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen bekanntgegeben. Bis Ende Juni sind 300‘000 von insgesamt 370‘000 betroffenen jungen Menschen untersucht worden. Davon sind 57 an Schilddrüsenkrebs erkrankt, bei 46 besteht Verdacht.

Die japanische Regierung hat im August in allen grossen Zeitungen unter dem Titel «Richtige Informationen über Strahlung» Inserate geschaltet. Darin werden offensichtlich einseitige, verharmlosende Meinungen verbreitet – etwa: «Auch bei 100 Millisievert pro Jahr werden die Krebsfälle nicht zunehmen» oder «Eine Strahlung von 100-200 Millisievert pro Jahr erzeugt etwa dieselbe Krebsrate wie eine Ernährung mit zu wenig Gemüse.» Mit Tricks versucht gleichzeitig das japanische Umweltministerium die Kosten für die Dekontamination der verstrahlten Gebiete zu senken – leidtragend ist die Bevölkerung. Der finanzielle Aufwand für die staatliche Dekontaminierungsarbeit ist für 2015 mit 300 Milliarden Yen (rund 2,6 Milliarden Franken) budgetiert. 


Noch immer wächst derweilen die Mengen radioaktiv verseuchten Wassers weiter. Der Versuch, im Boden um die Reaktoren eine gefrorene Erdmauer zu errichten, um den Grundwasserstrom zu stoppen, war bisher nicht erfolgreich. Das japanische Amt für Energie plant nun den Bau der weiteren Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von 100‘000 Tonnen (insgesamt 1 Million Tonnen). Nach Angabe von Tepco ist während der letzten 10 Monate (August 2013 bis Mai 2014) Strahlung von 2000 Milliarden Becquerel zusammen mit dem verseuchten Wasser ins Meer geflossen.
 

Im Herbst 2013 wurde in Reis von der Gemeinde Minamisoma – 20 Kilometer von Fukushima-Daiichi entfernt – über 100 Becquerel Cäsium gemessen. Erst in diesem Sommer wurde die vermutliche Ursache für die erhöhte Strahlung festgestellt: radioaktiver Staub von den Aufräumarbeiten im Reaktor 3. Tepco gibt jetzt zu, dass bei diesen Arbeiten im Sommer 2013 280 Milliarden Becquerel pro Stunde entwichen seien. Die betroffene Bevölkerung wurde damals nicht informiert. Der Staub hat bis zu 50 Kilometer entfernte Gebiete erreicht.

Demnächst sollen die Trümmerteile von Reaktor 1 entfernt werden.
Eine weitere Verbreitung radioaktiven Staubs wird befürchtet. Ende August wurde in Fischen aus zwei Seen in der Präfektur Gumma radioaktive Strahlung über dem Grenzwert festgestellt. Die Seen liegen mehr als 200 Kilometer von Fukushima-Daiichi entfernt.


Quellen: CNIC, Tokyo-Shinbun / Präfektur Fukushima, www.gov-online.go.jp, Kahoku Zeitung, 47 news / Schweizerische Energie-Stiftung

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Donnerstag, 24. Juli 2014

Was Atomstrom wirklich kostet



Der deutsche Publizist Franz Alt (Autor von sonnenseite.com) ist mit seinen Kommentaren auch immer wieder bei Solarmedia zu Gast - im Video ist er für einmal (fast) persönlich zu erleben. Er diskutiert gegen unverbesserliche Gegner der Energiewende und zeigt, dass es ohne diese noch viel teurer wird und die Atomenergie den teuersten Strom produziert.

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Sonntag, 23. Februar 2014

Krise in Fukushima ohne Ende

Drei Jahre nach der verheerenden Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ist kein Ende der Krise in Sicht. Sechs ExpertInnen und ZeugInnen haben letzte Woche gemeinsam mit Greenpeace Japan die Regionen um das havarierte Atomkraftwerk bereist und an einer Pressekonferenz in Tokio die Probleme der Menschen vor Ort verdeutlicht. 

"Mit der Dokumentationsreise möchten wir der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über Fukushima zeigen. Die Menschen in der Region leiden heute stärker denn je unter den Folgen der Atomkatastrophe und ihr Schicksal wird von der japanischen Regierung ignoriert", sagt Hisayo Takada, Energieexpertin von Greenpeace Japan. Durch die Evakuierung der Präfektur Fukushima wurden mehr als 150.000 Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. In einigen Teilen der Region wurden die Bewohner jedoch erst Wochen nach der Katastrophe über die Evakuierung informiert und waren so der Strahlung über einen langen Zeitraum hinweg direkt ausgesetzt.

"Bis heute tut die Regierung so, als wäre die Krise vorbei. Es wird bewusst falsch informiert und den Opfern erzählt, dass sie irgendwann in ihre Häuser zurückkehren können. Das Kalkül dahinter ist klar: So müssen Kompensationszahlungen nicht bereitgestellt werden", so Takada. Bis heute leben etwa 100.000 Menschen in temporären Behausungen und wurden bisher nicht angemessen entschädigt. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind nach einer erneuten Panne im havarierten Atomkraftwerk weitere etwa 100 Tonnen kontaminiertes Wasser ausgetreten. Die fortwährenden Zwischenfälle machen deutlich, dass weder die japanische Regierung noch die Betreiberfirma TEPCO die anhaltende Sicherheitskrise in den Griff bekommen kann.

"Obwohl die Situation in Fukushima ständig die Risiken in Erinnerung ruft und nukleare Energie mit enormen Kosten verbunden ist, droht hier in Europa eine Renaissance der Atomkraft", führt Julia Kerschbaumsteiner, Atomsprecherin von Greenpeace in Österreich, aus. Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Strategie für die zukünftige Energieaufbringung bis 2030. "Länder wie Großbritannien, Tschechien oder Ungarn setzen sich massiv für das Vorantreiben der Atomenergie für den zukünftigen Energiemix in der EU ein. Europa muss aber Lehren aus Fukushima ziehen und jetzt die Weichen für die Energiewende stellen", fordert Kerschbaumsteiner abschließend. 

Quelle: Greenpeace Österreich 2014

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Montag, 27. Januar 2014

Axpo: Verzicht auf russischen Brennstoff

Greenpeace begrüsst den Entscheid der Axpo, definitiv auf Mayak-Uran zu verzichten . Damit stoppt der Schweizer AKW-Betreiber Uran-Bezüge aus einer Atomanlage, die im laufenden Betrieb grosse Mengen von Radioaktivität freisetzt und seit Jahren das ganze Gewässersystem einer Region kontaminiert. Für Greenpeace ist aber klar: Mit diesem Entscheid wird Atomstrom nicht sauber.
 
Mit dem Entscheid kommt die Axpo einer Greenpeace-Forderung nach. Bereits 2009 hatte die Umweltorganisation in einer Recherche nachgewiesen, dass die Axpo Wiederaufarbeitungsuran aus der russischen Anlage Mayak bezieht, obwohl das Stromunternehmen dies damals bestritt. Im Herbst 2010 gab die Axpo die Uran-Bezüge in einem Interview mit der Rundschau schliesslich zu. Seither versuchte das Unternehmen den russischen Atom-Komplex mit halbherzigen Transparenzbemühungen in ein gutes Licht zu rücken. Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz, sagt: «Der Druck von Greenpeace hat gewirkt. Axpo musste einsehen, dass die massiven radioaktiven Verseuchungen, welche die Mayak-Anlage verursacht, nicht mit den eigenen Umwelt- und Sicherheitsstandards vereinbar sind.»

Doch auch wenn der Bezug-Stopp von Majak-Uran eine positive Nachricht darstellt, kann diese nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Atomstrom auch in Zukunft dreckig bleiben wird. «Die Uran-Förderung und –bearbeitung sind überall auf der Welt mit massiven Umweltschäden und häufig mit Menschenrechtsverletzungen verbunden», sagt Kasser. Die Axpo kann ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele nur erfüllen, wenn sie sich konsequent hinter den Atomausstieg stellt und die Stilllegung ihrer Atomkraftwerke vorantreibt. «Sauber ist ein Atomkraftwerk nur, wenn es abgeschaltet ist», stellt Kasser klar. Solange dies nicht geschieht, wird Greenpeace Druck ausüben, damit die Schweizer Atomkraftwerke nur Uran von Lieferanten beziehen, welche die höchsten Umwelt-Standards erfüllen. Auch die Einhaltung der Menschenrechte sowie demokratische Grundstrukturen am Produktionsort müssen Voraussetzungen für Geschäfte in diesem Bereich darstellen.

Axpo setzt zurzeit Mayak-Uran im Atomkraftwerk Beznau ein. Neben der Axpo bezieht auch das Atomkraftwerk Gösgen (Aktionäre: Alpiq, Axpo, CKW, Stadt Zürich, Stadt Bern) Uran aus der russischen Anlage. In den kommenden Wochen muss die Führung von Gösgen über neue Lieferverträge entscheiden. Greenpeace erwartet, dass auch Gösgen auf Mayak-Uran verzichtet und zukünftig nur mit Lieferanten arbeitet, welche ihre Produktionsbedingungen transparent darstellen und ihre Umweltbelastung versuchen zu minimieren.


Quelle: Greenpeace Schweiz

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Samstag, 21. Dezember 2013

Strahlende Ruine ausser Kontrolle



Die ZDF-Sendung Frontal21 über eine Jahrhundertkatastrophe, die die Verantwortlichen weder willens noch in der Lage sind, in den Griff zu bekommen. 

Auch fast drei Jahre nach Ausbruch der Katastrophe kommt es im Havarie-Reaktor von Fukushima immer wieder zu schweren Zwischenfällen. Größtes Problem derzeit sind die Unmengen an Wasser, die in die zerstörten Reaktorgebäude fließen und tiefer gelegene Etagen fluten, weil es keine Sperrwände gibt.

Noch heute dringen täglich 400 Tonnen Grundwasser in die Reaktorruine, werden hoch radioaktiv verseucht und fließen anschließend ins Meer. Der Vorwurf der Kritiker: Der Betreiber Tepco habe aus reinem Kostenkalkül auf ausreichende Sicherungsmaßnahmen verzichtet.

Manuskript des Beitrags

Mittwoch, 13. November 2013

Verstrahltes Wasser treibt in die USA

Die Lage im zerstörten japanischen AKW Fukushima gerät zunehmend außer Kontrolle, wie das Internetportal klimaretter.info schreibt. Offenbar wegen schwerster Sicherheitsbedenken verschiebt der Betreiber Tepco die geplante Bergung der über Tausend notgekühlten Brennstäbe aus dem Abklingbecken des einsturzgefährdeten Blocks 4. Außerdem treibt eine riesige Blase aus verstrahltem Wasser über den Pazifischen Ozean auf die Westküste der USA zu. 

Klimaretter.info bezieht sich dabei auf das Nachrichtenportal Ingenieur.de des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) von Anfang der Woche. Die radioaktive Wasserblase enthalte Cäsium 137 sowie den "Knochenkiller" Strontium und habe im Pazifik schon für deutliche Schäden gesorgt, schreibt Ingenieur.de. Aus undichten Tanks fließen in Fukushima jeden Tag rund 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. US-Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Blase im März nächsten Jahres die kalifornische Küste erreicht, und fordern eine bessere Lebensmittelüberwachung. Bei vor Kalifornien gefangenen Thunfischen wurde bereits eine radioaktive Belastung festgestellt. Im Plankton zwischen Hawaii und der US-Westküste seien zudem "sehr große Mengen von Cäsium 137" gemessen worden, so das VDI-Portal. Plankton steht am Beginn der marinen Nahrungskette. 

Um die Pazifik-Verstrahlung zu stoppen, wollte Tepco eigentlich dieser Tage mit der Bergung von rund 1.300 in kritischem Zustand befindlichen Brennstäben beginnen, die wegen der Explosion in Block 4 in einem nicht sicheren und seit der Katastrophe 2011 notgekühlten Abklingbecken liegen. Doch die Aktion sei vorerst abgeblasen worden, denn die Brennelemente lägen "wie Mikadostäbe" in dem Becken und könnten nicht wie geplant mit einem manuell gesteuerten Kran herausgeholt werden, so Ingenieur.de.

Falls die Bergung schiefgeht, könnte es auch in Block 4 zur Kernschmelze kommen. Bei ungünstigem Wind müssten dann 35 Millionen Menschen aus Tokio evakuiert werden. "Wir können nur beten, dass alles gutgeht", zitierte die Neue Osnabrücker Zeitung einen japanischen Spezialisten für Brennstabtransporte. Auch der Chef der japanischen Atomaufsicht Shunichi Tanaka hält dem Blatt zufolge die Aktion für riskanter, als mit dem verstrahlten Kühlwasser weiterzumachen. Trotzdem hatte Tanaka seine Zustimmung zur Bergung gegeben – ob er von der japanischen Regierung dazu gedrängt wurde, kann nur gemutmaßt werden. 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete am Wochenende, dass in mehreren Ländern Experten eindringlich vor der Beräumung des Abklingbeckens durch Tepco gewarnt hätten. Der ehemalige japanische Botschafter in der Schweiz Mitsuhei Murata schrieb laut FAZ an US-Präsident Barack Obama, die Welt müsse sich jetzt in Fukushima einmischen. Der kanadische Umweltaktivist Harvey Wasserman sprach sogar vom "gefährlichsten Moment für die Menschheit seit der Kuba-Krise". Der deutsche Atomexperte Sebastian Pflugbeil hatte bereits im Oktober gewarnt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen Null."

Quelle: klimaretter.info

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Donnerstag, 10. Oktober 2013

Fukushima-Strahlung steigt und steigt

In der Umgebung des japanischen Atomkraftwerkes Fukushima steigt die atomare Strahlung drastisch an. Im Meerwasser eines der beschädigten Reaktoren des AKW wurden die höchsten Werte seit zwei Jahren gemessen - ein Bericht des deutschen Deutsche-Welle-Portals. 

Die Hiobsbotschaften aus der Atomruine Fukushima reißen nicht ab. Wie der Betreiberkonzern Tepco mitteilte, ergaben Proben innerhalb einer Barriere im Hafen des AKW eine 13-fach höhere Belastung mit Cäsium gegenüber Proben vom Tag zuvor. Tepco vermutet Bauarbeiten als Ursache. Demnach wurde der Uferbereich gegen den Zufluss von Grundwasser abgedämmt, um ein weiteres Auslaufen von verseuchtem Wasser ins Meer zu verhindern. Dabei sollen Teile des mit Cäsium verseuchten Erdbodens ins Wasser gefallen sein.

Erst am Mittwoch waren sechs Arbeiter mit radioaktivem Wasser in Berührung gekommen, weil bei Arbeiten an einer Dekontaminierungsanlage versehentlich ein Schlauch abgetrennt worden war. Die Arbeiter seien jedoch schnell dekontaminiert worden und zeigten keine gesundheitlichen Probleme, erklärte die Betreibergesellschaft. Es habe sich überwiegend um Beta-Strahlen gehandelt, die nicht durch die Arbeitsschutzkleidung dringen, hieß es. Bei der Panne waren schätzungsweise sieben Tonnen radioaktives Wasser ausgelaufen. Da der betroffene Bereich aber mit Beton abgegrenzt sei, habe kein Wasser ins Erdreich gelangen können, so Tepco. Im Ozean wurden nach Angaben von Tepco-Mitarbeitern keine erhöhten Strahlungswerke gemessen.

Der AKW-Betreiber Tepco kämpft mit immer gewaltigeren Massen an verseuchtem Wasser auf dem Gelände des Atomkraftwerks. Es stammt aus der Kühlung der beim Erdbeben und Tsunami 2011 beschädigten Reaktoren. Zusätzlich sickert täglich Grundwasser ein und mischt sich dort mit dem Kühlwasser. Daher pumpt Tepco ständig Wasser ab und lagert mittlerweile mehr als 300.000 Tonnen davon in rund 1000 Tanks, die jedoch bald nicht mehr ausreichen und zum Teil anfangen zu lecken. Tepco will daher den Bau weiterer Tanks beschleunigen. 

Ein spezielles Filtersystem soll die radioaktiven Substanzen aus dem Kühlwasser beseitigen. Aber auch das bereitet ständig Probleme. Medienberichten zufolge soll die japanische Regierung die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) um Hilfe gebeten haben. Ein Team von Experten der Organisation soll sich demnach in der kommenden Woche vor Ort ein Bild von der Sanierung der Schäden rund um die havarierte Atomanlage machen. Zuletzt wurden fast täglich Probleme aus dem AKW bekannt, die zumeist auf Fahrlässigkeit zurückzuführen waren.

Quellen:  Deutsche-Welle und Agenturen dpa, rtr, afp

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Mittwoch, 18. September 2013

Mehrheit lehnt Atomenergie ab

Die Schweizer Bevölkerung steht der Atomenergie zunehmend kritisch gegenüber. 57 Prozent lehnen sie laut einer Umfrage des Bundes ab. Fast alle finden zudem, dass die Entsorgung radioaktiver Abfälle jetzt angepackt werden muss, dies trotz Zweifeln an einer sicheren Lösung.


In einer ersten Erhebung des Bundesamtes für Energie (BFE) hatten sich 1998 noch 52 Prozent eher oder vollständig gegen die Atomkraft ausgesprochen. 41 Prozent befürworten gemäss der neuen Umfrage vom Juni 2013 diese Energieform, gegenüber 40 Prozent vor fünf Jahren, wie das BFE am Mittwoch mitteilte (im Bild das weltälteste AKW in Beznau).  Mit 34 Prozent ist die Zustimmung bei den Frauen geringer als bei den Männern, von denen sich 49 Prozent zur Atomenergie bekennen. In der Deutschschweiz, wo alle fünf AKW des Landes stehen, zählen sich zwischen 43 und 46 Prozent zu den Befürwortern, mehr als in den anderen Landesteilen mit jeweils 33 Prozent. 
   
95 Prozent der gut 1000 Befragten sind laut BFE der Ansicht, dass jetzt eine konkrete Lösung für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle gefunden werden muss und das Problem nicht nachfolgenden Generationen überlassen werden darf (2008: 97%). Allerdings denken heute 82 Prozent, dass es kein sicheres Rezept dafür gibt. 2008 waren es noch 77 Prozent. Für die Hälfte der Befragten ist die geologische Tiefenlagerung die am besten geeignete Methode für die langfristige Lagerung. Falls ein solches Lager in ihrer Nähe gebaut würde, befürchten ebenfalls 50 Prozent mögliche Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. 28 Prozent beunruhigt, dass radioaktive Stoffe entweichen könnten. Annähernd zwei Drittel (63%) der Befragten fühlen sich über radioaktive Abfälle zu wenig informiert. So geht fast die Hälfte fälschlicherweise davon aus, dass die Schweiz derzeit Atommüll im Meer versenkt. 71 Prozent wissen, dass es verschiedene Abfallkategorien gibt, 85 Prozent halten alle davon für sehr gefährlich. 

Informationen zu diesem Themenkreis werden vor allem dann als vertrauenswürdig eingeschätzt, wenn sie von unabhängigen Quellen stammen, insbesondere von Nichtregierungsorganisationen (38%), Wissenschaftlern (36%) und internationalen Organisationen, die sich für die friedliche Nutzung der Atomenergie einsetzen (33%). 32 Prozent erachten die Informationen der Nagra als vertrauenswürdig, deutlich mehr als 2008 (24%). Nur rund ein Fünftel (21%) vertraut den Verlautbarungen des Bundesrates und der Nuklearindustrie, nur 7 Prozent den Medien. 

Quelle: SDA / Bild: Guntram Rehsche

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Mittwoch, 1. Mai 2013

Mindestens 180 Milliarden US-Dollar

Zum 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch den volkswirtschaftlichen Verlust durch die Havarie mit 180 Milliarden US-Dollar allein bis 2015 beziffert, wie das Nachhaltigkeitsportal klimaretter.info meldet.

Janukowitsch fordert jetzt ein "umfassendes Entwicklungsprogramm" für die von den Folgen betroffenen Regionen. Am 26. April 1986 war Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl explodiert. Rund fünf Millionen Menschen waren betroffen, ein Gebiet von 145.000 Quadratkilometern wurde kontaminiert. Die 30-Kilometer-Zone rund um den Reaktor ist nach wie vor unbewohnbar. 

180 Milliarden US-Dollar: Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Ukraine. Dieses betrug im Jahr 2011 knapp 165 Milliarden US-Dollar. Da fragt sich: Wer zahlt diese Summe? Und wird es dabei bleiben? Denn auch nach dem Jahr 2015 werden weitere Kosten anfallen, und zwar erhebliche. Nach dem vierstufigen Programm zur Stilllegung des Atomkraftwerks, das vom ukrainischen Parlament beschlossen wurde, sieht das so aus: Entfernung der Nuklearbrennstoffe (2010-2013), Schutz der Reaktorsysteme (2013-2022), Senkung der System-Radioaktivität (2022-2045) und Rückbau (2045-2065).

Die Ukraine, so viel dürfte feststehen, kann das alles nicht allein finanzieren. Schon für den Bau einer neuen Schutzhülle, die den jetzigen, längst baufällig gewordenen Sarkophag über dem explodierten Reaktor 4 ersetzen soll, ist das Land auf Unterstützung angewiesen. In den Chernobyl Shelter Fund, im Dezember 1997 gegründet, zahlen 40 Staaten ein. Die Bauarbeiten für die neue Ummantelung haben gerade begonnen, teilte Premierminister Mykola Asarow zum Jahrestag der Katastrophe mit. 

Bis 2015 soll der größere und bessere Sarkophag fertig sein. Fragezeichen sind dabei angebracht.  Wie klimaretter.info berichtete, sollte die neue Hülle ursprünglich schon 2007  stehen. Doch Planung und Ausschreibung verzögerten sich immer wieder. Eine Milliarde Euro sollen bislang bereits geflossen sein – und das, obwohl noch nichts zu sehen ist. Auch im vergangenen Jahr war der Baubeginn definitiv angekündigt worden – mit einem geplanten Abschluss im Jahr 2015.

Quelle: klimaretter.info

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Donnerstag, 25. April 2013

Atommüll ist das Problem

Rechtzeitig zum 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl zeigte ARTE in der vergangenen Woche den Film „Verseucht und vergessen“ über Atommüll vor Europas Küsten. Autoren des gut recherchierten und eindrucksvollen wie unglaublichen Films waren Thomas Reutter und Manfred Ladwig vom SWR. Ein Kommentar von Franz Alt.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs pumpten und lagerten England und Frankreich Atommüll einfach ins Meer. Dienstbare „Wissenschaftler“ und sogenannte Politiker, die vom Namen her dem Allgemeinwohl, also der Polis, verpflichtet sind, halfen und helfen, dass etwa 100.000 Tonnen strahlender und gefährlicher Atommüll einfach ins Meer versenkt wurden und noch immer werden. Eine tickende Zeitbombe für alles leben auf unserer Erde.

Schon jetzt, so wurde im Film gezeigt, sind viele Fässer mit Müll leck geschlagen. Archivaufnahmen und Dokumente belegen wie sorglos und kriminell die „Verantwortlichen“ mit ihren tödlichen Abfällen umgehen. In der Umgebung von Sellafield/England, wo schon Ende der Fünfziger ein Atomunfall passierte, ist die Zahl der krebserkrankten Kinder um das Zehnfache höher als im Landesdurchschnitt.

Bis heute ist es erlaubt, radioaktives Abwasser ins Meer zu pumpen. Nach dem Motto „Aus den Augen - aus dem Sinn“ wird eine einfache und billige „Lösung“ für ein Problem gesucht, für das es nach heutigem Wissen vielleicht niemals eine Lösung geben wird.  Der Atommüll strahlt bis zu einer Million Jahre. Nichts konnte das Atommüll-Desaster deutlicher demonstrieren wie dieser eindrucksvolle Film.

Und was macht Deutschland mit seinem Atommüll? Nur eine Woche nach dem angeblich „historischen Kompromiss“ bei der Endlagersuche steht Umweltminister Altmaier schon wieder mit leeren Händen da: Die AKW-Betreiber weigern sich, die neue Endlagersuche zu finanzieren, die Berliner Regierungsparteien wollen neben Gorleben gar keinen neuen Standort suchen und die Umweltverbände sollten innerhalb von 48 Stunden zum Gesetzentwurf über das Endlager Stellung beziehen, was sie zu Recht verweigerten.

Aber noch immer wird in Deutschland Atommüll produziert solange neun AKW laufen. Im Angesicht des Atommüll-Desasters hierzulande und überall auf der Welt ist nur eine Forderung sinnvoll und vernünftig: Die noch laufenden AKW müssen so schnell wie möglich vom Netz. Aber einige CDU-Landesverbände weigern sich noch immer, in ihrem Land ein Endlager suchen zu lassen, zum Beispiel die CDU in Baden-Württemberg.

Die Begründung: Atommüll sei gefährlich. Scheinheiliger geht’s nicht. Denn es waren die Christdemokraten, die Jahrzehnte lang auf Atomkraft gesetzt haben. Nur vier von 16 Ministerpräsidenten beteiligen sich und ihr Land an der neuen Suche nach einem Endlager.

Damit sich die Situation nicht weiter verschärft, müssen alle AKW so rasch wie möglich vom Netz. Wenn niemand die Abfälle will, dann muss auch Schluss sein mit Atomstrom. Wer das Atommüll-Problem wirklich lösen will, muss die AKW so rasch wie möglich abschalten und damit nicht bis 2022 warten wie es die schwarz-gelbe Bundesregierung vorsieht. Deutschland ist noch immer der zweitgrößte Atomenergie-Produzent innerhalb der EU. Die Lösung heißt: So schnell wie möglich vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter.
Quelle: Sonnenseite / © Franz Alt 2013

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Sonntag, 7. April 2013

Pannenserie in Fukushima geht weiter

Die Serie der Zwischenfälle mit radioaktivem Material im japanischen Atomkraftwerk Fukushima reisst nicht ab: Am Sonntag wurde bekannt, dass offenbar ein zweiter Tank für radioaktives Wasser undicht ist. Aus einem unterirdischen Sammelbehälter sei möglicherweise radioaktiv verseuchtes Wasser ausgetreten und in den Boden eingedrungen, gab die Betreiberfirma Tepco bekannt, wie verschiedene Agenturen melden. 

In Wasserproben ausserhalb des Behälters seien radioaktive Werte gemessen worden. Somit sei zu befürchten, dass eine geringe Menge Wasser aus dem Behälter ausgetreten sei, obwohl in dem Tank selbst kein niedrigerer Wasserpegel festgestellt worden sei, teilte Tepco mit. In den vergangenen Wochen hatten sich Pannen in der nach dem verheerenden Erdbeben und anschliessendem Tsunami im März 2011 beschädigten Atomanlage gehäuft.

Erst in der Nacht zum Samstag waren nach Tepco-Angaben womöglich bis zu 120 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser aus einem anderen unterirdischen Tank ausgetreten. Die Ursache des Lecks für Kühlwasser sei noch nicht bekannt, sagte ein Firmensprecher am Samstag. In den kommenden zwei Wochen sollen die verbliebenen 13 Millionen Liter Wasser in andere Behälter gepumpt werden. Die Tanks liegen rund 800 Meter von der Küste entfernt. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldete unter Berufung auf Unternehmenskreise, Tepco rechne nicht damit, dass verseuchtes Wasser ins Meer gelange.

Am Freitag hatte Tepco mitgeteilt, dass die Kühlung der Brennstäbe in einem Reaktor für drei Stunden ausgefallen sei. Ursache seien technische Arbeiten gewesen. Es war bereits der zweite Störfall im Kühlsystem innerhalb von drei Wochen. Im März waren vier Kühlbecken für 30 Stunden ausgefallen (siehe Atominfomedia vom 19. März 2013), nachdem eine Ratte einen Kurzschluss in der Schaltanlage verursacht hatte. Ein starkes Erdbeben und der nachfolgende Tsunami hatten im März 2011 das Kraftwerk schwer beschädigt. Bei drei der Reaktoren trat in der Folge eine Kernschmelze auf. Die Katastrophe war das folgenschwerste Atomunglück seit dem Unfall von Tschernobyl im Jahr 1986.

Die Lage in dem Atomkraftwerk im Nordosten Japans gilt seit Dezember 2011 als stabil. Dennoch bleibt die Anlage äusserst anfällig, insbesondere für den Fall eines neuen Erdbebens oder Tsunamis. Zahlreiche provisorische technische Hilfsmittel in der Anlage, mit denen die Sicherheit garantiert werden soll, gelten als störanfällig. Die Aufräumarbeiten werden auf Jahrzehnte veranschlagt. 

Quellen: Agenturen

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Dienstag, 19. März 2013

Stromausfall in AKW Fukushima

Vier Kühlbecken des havarierten japanischen Atomkraftwerkes waren während Stunden ohne Strom. Noch sind nicht alle Systeme funktionsfähig, doch der Betreiber gibt eine erste Entwarnung. 

Nach einem Stromausfall im havarierten Atomkraftwerk Fukushima laufen die ausgefallenen Kühlsysteme teilweise wieder. Die Kühlung des Abklingbeckens am Reaktor 1 konnte am frühen Nachmittag (Ortszeit) wieder in Gang gesetzt werden. Die Kühlsysteme der beiden anderen betroffenen Becken der Reaktoren 3 und 4 sollten gegen 20 Uhr Ortszeit wieder funktionieren, wie japanische Nachrichtenagenturen heute unter Berufung auf den Betreiberkonzern Tepco meldeten. 

Noch immer sind in grossem Umkreis des AKW Fukushima die Aufräumarbeiten im Gang - Bild ab TV-Sendung.





 


Im beschädigten Atomkraftwerk gab zuvor neue technische Probleme. Wegen eines Stromausfalls waren die vier Kühlbecken zur Lagerung von Brennelementen mehr als 15 Stunden ohne frisches Kühlwasser. Der Betreiber des Kraftwerks (TEPCO) erklärte, man versuche einen defekten Schaltschrank zu reparieren, der vermutlich für die Probleme verantwortlich sei. Zudem bereite man ein Backup-System vor.

Sorge bereitet den Hilfskräften gemäss dem Nachrichtenmagazin Spiegel vor allem das Becken des Reaktors 4, da dort viel mehr Brennstäbe liegen als in den anderen. Das Dach des Beckens im Reaktor 4 war bei dem Erdbeben und Tsunami vor zwei Jahren durch eine Explosion zerstört worden. Der Reaktor selbst war zum Zeitpunkt des Tsunamis abgeschaltet. Die Wiederherstellung des Kühlsystems für das Becken des Reaktors 4 habe "höchste Priorität", hieß es. 

Tepco versucht, die Temperatur in den betroffenen Becken weiter unter der Sicherheitsgrenze von 65 Grad zu halten. Der Firma blieben noch vier Tage Zeit, um den Schaden in Reaktor 4 zu beheben, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. So lange würde es noch dauern, bis die Temperatur einen kritischen Wert erreicht. Im Reaktor 3 blieben dem Betreiber noch mindestens zwei Wochen.

Das Erdbeben und der Tsunami vor gut zwei Jahren hatten das Strom- und Kühlsystem des Kraftwerks zerstört und dazu geführt, dass drei Reaktorkerne schmolzen und sich mehrere Becken mit Brennelementen überhitzten. Bis heute kämpft die Region mit den Folgen der ausgetretenen Radioaktivität. Viele Orte um Fukushima sind wegen der Strahlung noch immer nicht bewohnbar. 

Quellen: Diverse Agenturen
 
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