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Sonntag, 26. Juni 2016

Wahnsinn hat Methode – weitere Milliarden für Kernfusion

Derzeit entsteht in Südfrankreich die Kernfusionsanlage Iter, unter Beteiligung aller führenden Wirtschaftsnationen, so der USA, von China, Indien und auch der EU. Der Rat der Trägerstaaten hat jetzt das Datum für erste konkrete Ergebnisse um fünf Jahre auf 2025 verschoben und weitere rund fünf Milliarden € für die Realisierung beschlossen. 

Für das Projekt gilt schon seit 50 Jahren ein Running Gag: Die Kernfusion wird für den Menschen alle Energieprobleme lösen – in den kommenden 50 Jahren. Das  Vorhaben, das Geschehen auf der Sonne quasi nachzubauen und eine unbegrenzte Energiequelle zu schaffen, steht in Tat und Wahrheit aber unter einem ähnlich schlechten Stern wie die sonstige Atomforschung: Sie ist ein Fass ohne Boden und vertröstet stets erneut auf den Sankt Nimmerleinstag, wenn es um konkrete und brauchbare Ergebnisse geht. Kommt jetzt noch der Brexit hinzu, der die internationale Atomzusammenarbeit ganz allgemein erschwert.

ITER (Apronym: englisch für International Thermonuclear Experimental Reactor, lateinisch für Weg) ist ein seit 2007 im Bau befindlicher Kernfusionsreaktor. Und die jüngste Meldung zu diesem Iter ging im Trubel des Brexit sowie der Fussball-EM unter – sie wurde aber wohlweislich vielerorts aber auch gleich unterdrückt. Nur der Neuen Zürcher Zeitung sind die Details zum Beschluss zu verdanken – während es bei der Nachricht des hiesigen Atomlobbymediums, der Website nuklearforum.ch, bei verschleiernden Informationen blieb, so hiess es wörtlich: «Am 18. Iter-Ratstreffen in St. Paul-lez-Durance am 15. und 16. Juni 2016 genehmigten Vertreter der sieben Iter-Mitglieder China, Europäische Union, Indien, Japan, Korea, Russland und Vereinigte Staaten einen revidierten Kosten- und Zeitplan. 

Demnach wird der Iter im Dezember 2025 – fünf Jahre später als ursprünglich vorgesehen – den Betrieb aufnehmen. Die Erzeugung des ersten Plasmas sei jedoch nur der Anfang, so der Iter-Rat. Er forderte die Iter-Organisation auf, die Federführung zur Verlängerung des aktualisierten Kosten- und Zeitplans bis zum Deuterium-Tritium-Betrieb zu übernehmen. Der Vorschlag solle «ausreichend detailliert» sein, damit der Rat an seiner nächsten Tagung im November die überarbeiteten Projektausgangsbedingungen verabschieden könne.» Von den Kostenfolgen ist beim Nuklearforum hingegen keine Rede. Doch im Klartext bedeutet der Beschluss der Mitglieder des internationalen Iter-Projekts, dass das Projekt nicht nur erneut eine massive Verzögerung erfährt (um rund fünf Jahre), sondern dass es sich weiter massiv verteuert (zusätzlich zu den bereits beschlossenen 14 deren weitere fünf Milliarden Euro).
Davon wird auch die Schweiz betroffen sein, die sich an Iter beteiligt. Gemäss dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation hat sie sich bislang mit 183 Millionen Franken an Iter beteiligt – berücksichtigt man die nunmehr um rund einen Drittel erhöhten Aufwendungen, wird für die Schweiz eine weitere Kostenspritze von rund 60 Millionen fällig. Das ist immerhin fast soviel, wie im Rahmen der Kostendeckenden Einspeisevergütung KEV hierzulande jährlich für Solarprojekte aufgewendet werden. 

Aus den USA und aus Deutschland kamen in den vergangenen beiden Jahren jeweils Berichte von grossen Fortschritten in anderen Projekten der Fusionsforschung – doch wohl aus Gründen der Geheimhaltung sind die Angaben derart vage, dass sie kaum überprüfbar sind. Gemäss http://reneweconomy.com.au/2016/nuclear-fail-new-reactor-took-43-years-to-build-shut-down-after-2-days-92176. War der Watts Bar-2 reactor nach Inbetriebnahme am 3. Juni – und einer Bauzeit von 43 Jahren – gerade mal zwei Tage am Netz und schaltete sich dann von selbst ab, Grund vorderhand unbekannt.
 
Und dann noch dies: Einen guten Aspekt kann man dem in dieser Woche überraschend beschlossenen Brexit vielleicht abgewinnen – er macht die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Grossbritannien in der Atomtechnologie auf jeden Fall nicht einfacher. Womit das Gross-AKW-Projekt Hinkley Point, das auf wesentliche Unterstützung  französischer Technologie und Finanzkraft zählt, unwahrscheinlicher denn je wird. 

© Solarmedia Guntram Rehsche

Donnerstag, 9. April 2015

Risse im Druckbehälter des neuen AKW Flamanville

Wie die französische Nuklearaufsicht Autorité de Sûreté Nucléaire ASN auf ihrer Website veröffentlichte, sind im Reaktordruckbehälter des Atom-Neubaus Flamanville-3 Risse und Kohlenstoff-Einschlüsse gefunden worden, wie sie zuletzt bei den mittlerweile zur Sicherheit vom Netz genommenen belgischen Reaktoren Doel-3 und Tihange-2 festgestellt wurden. 

GLOBAL 2000, Quelle dieser Information, fordert nun die Stilllegung von Reaktoren mit erwiesenen Rissen. Das französische Flamanville-3-AKW (siehe Bild der Baustelle) ist neben dem finnischen Projekt Olkiluoto-3 das „Vorzeigeprojekt“ für den Europäischen Druckwasserreaktor EPR des französischen Reaktorbauers Areva, das von Anbeginn an in massive technische und finanzielle Schwierigkeiten geriet – und jetzt trotzdem für das britische Atom-Projekt Hinkley Point C vorgesehen ist. Der französische Reaktor sollte 2012 zum Preis von 3,3 Milliarden Euro fertig gestellt werden – derzeit wird jedoch schon mit einer Verzögerung von 5 Jahren und einer Kostenüberschreitung von 5,2 Milliarden auf insgesamt 8,5 Milliarden Euro gerechnet. Eine Vielzahl von Baumängeln wurden am Projekt festgestellt: So hatten tragende Betonpfeiler Löcher, die Wände des Abklingbeckens für die Brennelemente waren fehlerhaft, mindestens ein Viertel der Verbindungen der Stahlauskleidung des äußeren Containments entsprach nicht dem vorgeschriebenen Standard und Risse im Beton-Fundament der Anlage führten zu einem mehrmonatigen Baustopp.

„Die französische Atomaufsicht berichtet von einer Anomalie in der Zusammensetzung des Stahls in Teilen des Deckels und dem unteren Bereich des Reaktorbehälters des Flamanville-AKW. Nun sollen mit Vergleichstests die genaue Lage der Anomalie und die mechanische Stärke des Stahles analysiert werden. Der Reaktordruckbehälter eines Druckwasserreaktors ist besonders wichtig für die Sicherheit des Atomkraftwerks: Er enthält den Nuklearbrennstoff und hält als erste Barriere den Austritt von radioaktiver Spaltprodukten auf – was beim Versagen eines Druckbehälters passiert, hat sich bei den Kernschmelzen im japanischen Fukushima gezeigt“, so Dr. Reinhard Uhrig, Atomsprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Es ist unverantwortlich, Reaktoren mit Rissen im Druckbehälter weiterzubetreiben – und es ist völliger Wahnsinn, neue Reaktoren mit erwiesenen Rissen in Betrieb zu nehmen.“

In den beiden belgischen Reaktoren Doel-3 und Tihange-2 wurden erstmals 2012 bei Ultraschall-Untersuchungen Risse im Reaktordruckbehälter festgestellt, die auf Baumängel hinweisen. Aufgrund von neuen Tests im Jahr 2014 stellte die belgische Nuklearaufsicht FANC sogar noch mehr Risse fest, 13.047 Risse im Druckbehälter von Doel-3, 3.149 Risse in Tihange 2. Diese wurden in Folge vorsorglich vom Netz genommen. „Wir fordern die sofortige Überprüfung der Reaktordruckbehälter aller in der EU laufenden Atomreaktoren auf Risse und Kohlenstoff-Einschlüsse im Stahl. Ohne diese Analyse und eine fundierte Studie zu Auswirkungen auf die Festigkeit des unter höchstem Druck und thermischer Belastung stehenden Druckbehälters Atomkraftwerke weiter zu betreiben, ist ein fahrlässiges Spiel mit dem Super-GAU“, so Uhrig abschließend.

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert seit Jahren ein Ende des Atomzeitalters für die Stromerzeugung, unter anderem in der von 650.000 Menschen europaweit unterstützten Kampagne „Abschalten! Jetzt!“, und ein Umschalten auf Effizienz und erneuerbare Energieträger.


Quelle: sonnenseite.com / Global 2000

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Französisches AKW immer teurer

Anfangs Woche sorgte in Frankreich eine Meldung für Aufsehen, die hierzulande bislang übergangen wurde. Das einzige Neubauprojekt für ein französisches AKW in Flamanville, das einst auch als Referenzanlage für eine neue Anlage in der Schweiz dienen sollte, verzögert sich weiter – und wird fast dreimal so teuer wie geplant.

Einst sollte das Werk in Flamanville (im Nordwesten des Atomstaates mit seinen über 50 AKW) um die drei Milliarden Euro kosten. Dann wurden es ständig mehr – und nun überrascht der Bauherr mit einer neuerlichen Verteuerung um zwei Milliarden – macht dann deren 8,5 in Euro und über 10 Milliarden Schweizer Franken. Neben der eklatanten Verspätung (ursprüngliche Inbetriebnahme: 2011 – nun verzögert bis mindestens 2016, ein Datum, das aber gemäss Mitteilung ebenfalls kaum zu halten sein wird) und dem Imageschaden für die verantwortliche EDF bedeutet die Verteuerung, dass der Strom aus Flamanville dereinst ab Werk mindestens 8, vielleicht aber auch deren 12 Eurocent kosten wird.

Was auf einen entscheidenden Aspekt in dieser leidigen Atomgeschichte hinweist: Atomstrom aus neuen AKW wird selbst ohne Berücksichtigung weiterer Kosten rein vom Bauwerk her so teuer, dass er nicht mehr mit anderen Energiequellen konkurrieren kann. Es sei denn, der Staat biete seine stützende Hand, wie das neuerdings in Grossbritannien eben doch vorgesehen ist, nachdem es früher hiess, neue AKW auf der Insel müssten ohne staatliche Unterstützung aus kommen.

Doch zurück nach Frankreich und zu den Details der neuerlichen Verteuerung: Gemäss der Zeitung «Le Figaro» wird sich der italienische Teilhaber Enel aus dem Projekt in Flamanville zurückziehen – und der französichen Staatsgesellschaft damit noch weitere finanzielle Verpflichtungen auferlegen, nämlich die Übernahme des rund 700 Millionen Euro teuren Anteils. EDF wird damit Alleinaktionär in Flamanville. Damit wird die Gesellschaft aber auch für die ständige Verteuerung allein grade stehen müssen. Der Rückzug des italienischen Energiekonzerns ist andererseits Ausdruck der Tatsache, dass in Italien nach der Volksabstimmung gegen neue AKW kaum je mehr ein Werk erstellt werden wird.

Die französischen Medien stellen unterdessen die Rentabilität neu erstellter AKW in Frage. In Flamanville wird nun ein Kostenniveau für Atomstrom von mindestens acht Eurocent je Kilowattstunde (Kwh) erreicht. Da kommt etwa Le Figaro nicht umhin darauf zu verweisen, dass das bereits teuer sei als zu Land produzierter Windstrom. Für den Eneergieexperten Lionel Taccoen gilt demgegenüber immer noch, dass zumindest die Chinesen in der Lage seien, Atomstrom billiger zu erzeugen – mit Verweis auf einen zu Flamanville baugleichen Reaktor, der nächstes Jahr mit Taishan 1 ans Netz gehen soll.

Unschwer allerdings zu erraten, warum die Atomkraft in Südostasien billiger bleibt – darauf verweist in LeMonde Bernard Laponche, der einst selbst an der Entwicklung des umfangreichen französischen Atomparks beteiligt war – diesem heute aber kritisch gegenüber steht. Er bezeichnet den Druckwasserreaktor, der in Flamanville erstmals erbaut werden soll als ein Fass ohne Boden. Mit Verweis darauf, dass beim Bau noch nicht einmal die kritischen Installationen in Angriff genommen worden seien, fordert er den sofortigen Bauabbruch. Und führt die stetig steigenden Kosten auf jene Faktoren zurück, die eben in China weniger eine Rolle spielen dürften: Nicht alle Kosten wurden in der Planung korrekt ausgewiesen, ständig neue Sicherheitsanforderungen kamen hinzu, auch gestalte sich die Grösse des Projekts als zunehmend nicht beherrschbar und komplex. Laponche verweist schliesslich darauf, dass auch in den jetzt ermittelten bereits sehr hohen Kosten noch längst nicht alle inbegriffen seien. Es fehlten jene für den Rückbau und die Lagerung der Abfälle ebenso wie jene für eine adäquate Versicherung. Gute Nacht Atomstrom auch in Frankreich!

© Solarmedia Text und Bild

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Donnerstag, 3. Mai 2012

Finanzdebakel bei Neubau

Der vom deutschen Energiekonzern E.on geplante Neubau eines Atomkraftwerks im finnischen Pyhäjoki droht ein wirtschaftlicher Fehlschlag zu werden. Dies belegen zwei Greenpeace-Gutachten. "E.on hat sich verkalkuliert und droht Milliarden von Euro in den Sand zu setzen. Das Geld wäre für die Energiewende dringend erforderlich", sagt Tobias Riedl, Atomexperte bei Greenpeace.

Das Projekt könnte erheblich teurer werden, weil sich Genehmigungsprobleme und erhöhte Sicherheitsanforderungen nach der Atomkatastrophe in Fukushima abzeichnen. Zudem ist die Atommüllentsorgung ungeklärt - zusammen mit dem am Ende fälligen Rückbau des Reaktors könnte diese bis zu 18,7 Milliarden Euro kosten. Laut offizieller Planung soll das Atomkraftwerk bereits im Jahr 2020 ans Netz gehen. "Der Zeitplan ist reines Wunschdenken, in Wahrheit sind die Genehmigungsrisiken so groß, dass es zu erheblichen Verzögerungen und zu einer Kostenexplosion kommen wird. E.on sollte aus diesem atomaren Irrsinnsprojekt sofort aussteigen", sagt Riedl. Aufgrund des Atomunfalls in Fukushima werden derzeit in Finnland neue Sicherheitsanforderungen für den Neubau von Atomkraftwerken erarbeitet. Damit das Pyhäjoki-Projekt diese verschärften Vorschriften erfüllen kann, müssen vermutlich neue Sicherheitsnachweise erbracht und die Auslegung des Reaktors geändert werden. Dies könnte erhebliche Konsequenzen für Kosten und Zeitplan des Projektes haben, so die Gutachter von Intac/Cervus Consulting, Autoren der ersten Studie. 

Zudem ist der geplante Reaktor ein Prototyp - kein vergleichbarer Meiler wurde bislang mit einer solch hohen Leistung ausgestattet. Damit steigen die Sicherheitsanforderungen zusätzlich, was zu Komplikationen bei der Genehmigung des Reaktors führen kann. Dies erlebt Finnland gerade beim Bau eines Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) im finnischen Olkiluoto (siehe geographische Karte). Die Kosten haben sich hier auf über sechs Milliarden Euro verdoppelt. Außerdem soll der Reaktor statt wie geplant im Jahr 2009 frühestens 2014 ans Netz gehen.

Für den Atommüll des geplanten AKW in Pyhäjoki gibt es bislang keine Entsorgungsoption. Wahrscheinlich muss dafür ein eigenes Endlager gefunden werden - dadurch könnten weitere Kosten in Höhe von bis zu 18,7 Milliarden Euro entstehen, errechnet das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) in der zweiten Studie.

Das Atomkraftwerksprojekt in Pyhäjoki wird von dem internationalen Konsortium Fennovoima betrieben. E.on ist mit einem Anteil von 34 Prozent der größte Anteilseigner, weitere 68 finnische Firmen sind daran beteiligt. Areva hat ein Angebot für einen EPR mit einer Leistung von 1700 Megawatt vorgelegt, Toshiba-Westinghouse ein Angebot für einen Fortgeschrittenen Siedewasserreaktor (ABWR) mit 1600 Megawatt. Das Projekt ist bereits jetzt um ein Jahr verzögert.

Dienstag, 3. Januar 2012

AKW-Renaissance gestoppt

Nachdem sieben Jahre in Folge immer mehr AKW Baustellen auf unserer Erde eingerichtet wurden, brach diese Entwicklung im Jahr 2011 ab. Nur noch zwei AKW-Bauten wurden begonnen.

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Die vorläufigen Zahlen der ‚International Atomic Energy Agency’ zeigen Erfreuliches: Die mehrere Jahre zu beobachtende Zunahme neuer AKW-Baustellen auf unserer Erde ist 2011 gestoppt. Statt wie im Jahr 2010 sechzehn AKW-Bauten wurden im Jahr 2011 nur noch zwei begonnen. Hingegen wurden dreizehn Atomreaktoren still gelegt. Im Jahr zuvor war es nur einer gewesen.

Zurzeit sind 63 Atomreaktoren zur Stromerzeugung weltweit in Bau. Bei neun von ihnen war der Baubeginn jedoch schon vor 1990. Es sind eher Bauruinen. Die älteste AKW-Baustelle ‚Watts Bar 2’ ist 39 Jahre alt und liegt in den USA. In ihr spiegelt sich das jahrzehntelange Versagen der US-Energiepolitik.

Auch in China und Indien, wo in den letzten zehn Jahren mit Abstand die meisten AKW-Bauten angefangen wurden, brach diese Entwicklung erst Mal ab. Im Jahr 2011 wurde nur noch mit dem Bau eines 315 Megawatt-Reaktors in Pakistan und eines 700 MW-Reaktors in Indien begonnen. In China, wo im Jahr 2010 noch zehn AKW-Baustellen gestartet wurden, begann im Jahr 2011 kein einziger AKW-Bau. Hingegen wachsen dort die Solar- und Windkraftwerke mit immer neuen Installationsrekorden.

Dienstag, 27. September 2011

F: Neues AKW unter Druck

Der Bau des EPR-Reaktors,der im französischen Flamenville errichtet wird, hat viele "Schwächen", die an der "endgültigen Qualität" Zweifel aufkommen lassen, so die Schlussfolgerung der französischen der Atomaufsichtsbehörde ASN nach einer gründlichen Inspektion, die im Mai 2011 gemacht wurde.

Der Bericht über diese "Revisionsinspektion" ist auf der homepage der Behörde (www.asn.fr) detailliert veröffentlicht. Ein 20 seitiger Brief dazu wurde von ASN an EDF gesendet, den Hauptauftragsgeber für den 1600 MW Reaktor, der von Areva geplant wurde. Die Inspektion haben 15 Experten durchgeführt, darunter ein Beobachter der britischen Aufsichtsbehörde. Das Team fand Abweichungen bei essentiellen Reaktorteilen: Zuleitungen zu den Dampfgeneratoren, Wassereinspritzfilter und bei Batterien des Kühlungssystems. "EDF muss große Anstrengungen unternehmen, um die endgültige Qualität der Konstruktion in Flamenville 3 zu belegen", bewertet ASN die Situation.

Über diverse Bauprobleme hatte Atominfomedia bereits am 21. Juli 2011 berichtet. Ursprüngliche Vorschriften werden nun offensichtlich immer noch nicht eingehalten. Bezüglich der zentralen Parameter der Dampfgeneratoren schätzen Experten, dass die "Materialqualität, wenn man ihre Bedeutung für die Sicherheit beurteilt, nicht bewiesen wurde und ihre Verwendung im AKW FLA 3 nicht möglich ist." In zwei Fällen wird von EDF verlangt, "nicht Tatsachen zu schaffen, die schwierig zu beseitigen sind, solange sie nicht ausreichend getestet wurden".

Quelle: oekonews.at

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Sonntag, 21. August 2011

Festnahmen bei Blockade

Im finnischen Olkiluoto haben am Samstag Atomkraftgegner versucht, den Betrieb des Atomkraftwerks durch Blockaden zu behindern. Einige hundert Menschen hatten Zufahrtsstraßen blockiert. Die Polizei nahm insgesamt 50 Menschen fest. Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine ähnliche Aktion in Olkiluoto gegeben.


In Olkiluoto stehen bereits zwei Atomkraftwerksblöcke, ein dritter wird seid 2005 gebaut. Es handelt sich um den ersten Versuch, den europäischen Druckwasserreaktor EPR zu bauen. Eigentlich sollte der Reaktor bereits 2009 ans Netz gehen, doch die Bauarbeiten verzögern sich und die Kosten, die ursprünglich auf drei Milliarden angesetzt waren, sind inzwischen fast um das Doppelte gestiegen. Gebaut wird der Reaktor vom französischen Konzern Areva.

Trotz der Katastrophe von Fukushima hält Finnland weiter am Ausbau der Atomenergie fest. Neben dem Neubau in Olkiluoto sind mehrere weitere Atomkraftwerks-Projekte geplant, während im Norden des Landes internationale Konzerne Probebohrungen für den Uranabbau durchführen (siehe auch Atominfomedia vom 29. November 2010).

Quelle: klimaretter.info

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Montag, 15. August 2011

Eine unendliche Geschichte

Die Kernkraftwerkseinheit Watts-Bar-2 im amerikanischen Bundesstaat Tennessee wird erst im Jahr 2013 den Betrieb aufnehmen. Gemäss der Bauherrin, der Tennessee Valley Authority (TVA), ist die Verschiebung um ein Jahr auf Verzögerungen bei Bau und Bewilligungsverfahren zurückzuführen.

Die Nuclear Regulatory Commission (NRC) teilte mit, dass die Sicherheits- und Umweltüberprüfung von Watts-Bar-2 (siehe Bild) im Hinblick auf die Erteilung einer Betriebsgenehmigung etliche Monate länger dauern wird. Der stockende Baufortschritt zusammen mit der Verzögerung bei der NRC lassen die TVA nun das Datum der Inbetriebnahme um ein Jahr verschieben. Die TVA erwartet, wenn überhaupt, nur einen kleinen Einfluss auf die Strompreise ihrer Kunden. Der Bau von Watts-Bar-2 (1165 MW, PWR) hatte bereits 1972 begonnen. Die TVA unterbrach die Arbeiten indessen 1985 wegen absehbarer Überkapazitäten und Baumängeln. Aufgrund der Stromnachfrageentwicklung stimmte sie im Sommer 2007 der Fertigstellung zu. Ende Juni 2011 lieferte die Westinghouse bereits den Brennstoff für die neue Einheit.

Quelle: Nuklearforum

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Mittwoch, 27. Juli 2011

Massive Mängel bei Neubauten


Wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace aufzeigt, gibt es beim derzeit in Finnland im Bau befindlichen Atommeiler (EPR-Reaktor - siehe Bild oben) massive Mängel und neuerliche Verzögerungen. Greenpeace konnte zahlreiche Unzulänglichkeiten feststellen, sowohl im Design als auch bei der Konstruktion des EPR-Reaktors.

Diese Informationen basieren auf Dokumenten der finnischen Atom-Aufsichtsbehörde (STUK). Areva musste eingestehen, dass sich die Gesamtkosten von ursprünglich drei Milliarden Euro nahezu verdoppelt haben. Wie bekannt wurde, ist auch der zweite im Bau befindliche EPR–Reaktor im französischen Flamanville von ähnlichen Problemen betroffen (siehe Atominfomedia vom 21. Juli 2011).

„Diese so genannte ‚dritte Generation‘ von Kernreaktoren erweist sich als kompletter Fehlschlag. Mit endlosen Verzögerungen um mehrere Jahre und Milliarden von Zusatzkosten werden die Staaten, die in ihrer Energiepolitik weiterhin auf diese Technologie setzen, Schiffbruch erleiden. Der EPR-Reaktor verkommt zu einem Fass ohne Boden“, erklärt Niklas Schinerl von Greenpeace. Hauptursachen dafür: Ein kompliziertes, unvollendetes Reaktordesign und Verträge mit Zulieferfirmen, die nicht zögern, den billigsten und einfachsten Weg zu gehen.

Die aktuellen Jahres-und Quartalsberichte der finnischen Atom-Aufsichtsbehörde (STUK) zeichnen ein düsteres Bild und offenbaren eine lange Liste von alarmierenden Problemen beim Bau des EPR. Neue, ungelöste Design-Fragen, vor allem bei der computergestützten Steuerung des Reaktors, fehlende Unfall-und Risikoanalysen sowie erhebliche Mängel in der Bauqualität. Betroffene Systeme sind Backup-Diesel, Notkühlsysteme, elektrische Verkabelung, Becken für radioaktives Material, der die Kernbrennstäbe transportierende Kran und Trägerstrukturen des Reaktorgebäudes.

Greenpeace ruft sowohl die finnische als auch die französische Regierung dazu auf, die gescheiterten EPR-Reaktorprojekte endlich abzubrechen und auf nachhaltige und erneuerbare Energiequellen zu setzen. „Die EPR Atomreaktoren verkommen zu einem Milliardengrab. Es ist an der Zeit die Handbremse zu ziehen“, schließt Schinerl.

Quelle: Greenpeace Austria / Sonnenseite

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Donnerstag, 21. Juli 2011

Flamanville erneut verzögert

Die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) im französischen Flamanville verzögert sich um weitere zwei Jahre bis 2016.

Als Grund für die Verzögerung gab der Stromkonzern EDF eine Fehleinschätzung über das Ausmaß der Bauarbeiten an. Zudem hatten zwei schwere Arbeitsunfälle und Sicherheitsüberprüfungen nach der AKW-Katastrophe in Fukushima die Lage verschlechtert. Ursprünglich sollte der EPR 2012 in Betrieb gehen, schon vor einem Jahr war dieser Termin nicht mehr zu halten und wurde auf 2014 verschoben. Gemäss der französischen Tageszeitung Le Monde hat Industrieminister Eric Besson die erneute Verzögerung als «rein technische Massnahme» bezeichnet. Es handle sich um eine einfache Aktualisierung des Terminplans aufgrund verschiedener unvorhergesehener Ereignisse auf dem Bauplatz.

Seitens der grünen Opposition zeigte sich gemäss der gleichen Zeitung Noël Mamère, Europa-Abgeordneter der grünen Partei Ecologie-Les Verts, sehr kritisch. Er forderte einen sofortigen Baustopp wegen der Kostenüberschreitungen und der Probleme mit den Unterakkordanten. Und für Mamère stellt sich - für französische PolitikerInnen höchst ungewöhnlich - sogar die Frage des Ausstiegs aus der Atomtechnologie als unausweichlich.

Auch die Kosten für das EPR-Projekt explodieren im Übrigen. Statt wie ursprünglich geplant 3,3 Milliarden Euro soll Flamanville nun sechs Milliarden kosten - nochmal einmal eine Milliarde mehr als 2011 veranschlagt. Die französische Regierung will mit der Druckwasser-Technologie alte AKW ersetzen. Ein zweiter EPR ist derzeit im nordwestfranzösischen Penly geplant. Der erste europäische EPR-Reaktor soll 2012 in Finnland ans Netz gehen. Ursprünglich war die Inbetriebnahme hier für 2009 vorgesehen.

Quellen: klimaretter.info sowie LeMonde

© Atominfomedia

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Sonntag, 17. Juli 2011

AKW Litauen mit vielen ???

Billige Arbeitskräfte und eine willige Regierung: Das baltische Land lässt die Hitachi-GE Nuclear Energy einen neuen Reaktor bauen. Der Strom soll auch nach Mitteleuropa transportiert werden.

Andere Länder steigen aus der Atomkraft aus, Litauen steigt ein. Ministerpräsident Andris Kubilius kündigte am Donnerstag den Bau eines neuen AKW an. Die japanisch-US-amerikanische "Hitachi-GE Nuclear Energy" werde den Zuschlag erhalten. Aus dem Rennen ist damit der Mitbewerber "Westinghouse Electric". Die schlechten Erfahrungen, die derzeit mit AKW-Neubauten in Europa gemacht werden – Stichwort: die Areva-Neubauten Olkiluoto 3 in Finnland und im französischen Flamanville – scheinen Litauen nicht zu schrecken. Hitachi-GE verspreche eine erprobte und ausgereifte Technik zu liefern, sagte Kubilius.

Das abgeschaltete AKW Ignalina: Litauen soll einen neuen Reaktor bekommen. (Foto: Schyll/Wikipedia)






Der Konzern soll Litauen einen ABWR (Advanced Boiling Water Reactor), einen Siedewasserreaktor der "Dritten Generation" mit einer Leistung von 1300 MW bauen, der 2020 ans Netz gehen soll. Angesichts der Erfahrungen, die bislang mit diesem Typ gemacht wurden, wundert der Optimismus der litauischen Regierung. Zwei dieser Reaktoren sind bereits seit 1999 in Taiwan im Bau und sollen nach zahlreichen Verzögerungen endlich in diesem bzw. kommendem Jahr fertig werden.

Weitere vier Reaktoren sind in Japan in Betrieb und offenbar recht störanfällig. Laut offiziellen Zahlen der Internationalen Atomenergieagentur IAEA für die 2004 bzw. 2006 ans Netz gegangenen Reaktoren Hamooka-5 und Shika-2 liegt für deren bisherige Betriebsdauer der "Operational Factor" bei lediglich 46.6 bzw. 47,1 Prozent. Das erste Exemplar dieses Modells ging 1996 beim japanischen AKW Kashiwazaki-Kariwa ans Netz. Vor Tsunami und Kernschmelze waren vom Energieversorger Tepco zwei ABWR-Neubauten auch für den Standort Fukushima I als dortige Reaktoren sieben und acht vorgesehen gewesen.

Laut Litauens Regierung hat Hitachi GE den Zuschlag erhalten, weil es auch selbst als Investor auftreten will. Einzelheiten hierzu, ebenso wie zu den Baukosten wurden noch nicht genannt. Die entsprechenden Verträge sollen bis Ende des Jahres geschlossen werden. Litauens ursprünglicher Versuch, Reaktorlieferanten zu finden, die gleichzeitig die Rolle des Betreibers spielen würden, war im vergangenen Jahr mit einer Nullnummer gescheitert. Mit der südkoreanischen KEPCO hatte es nur einen einzigen Bewerber gegeben, der sein Angebot dann aber wieder zurückzog.

Was Litauen für die Nuklearindustrie attraktiv macht, erklärte Westinghouse Europa- Direktor Anders Jackson vor einigen Wochen der litauischen Wirtschaftszeitung Verslo Zinios: Billige Arbeitskraft, um die Baukosten niedrig zu halten, willige Politiker und eine ausreichende Leitungskapazität, um Strom nach Mitteleuropa und Skandinavien exportieren zu können.

Litauen hatte 2004 und Ende 2009 die beiden Blöcke des AKW Ignalina (siehe Bild oben) abgeschaltet. Die Stillegung dieser aus Sowjetzeiten geerbten und als besonders unsicher eingeschätzten graphitmoderierten Siedewasserreaktoren war eine Voraussetzung für den EU-Beitritt des Landes gewesen. Der AKW-Neubau soll bei Visaginas in der Nähe der alten Ignalina-Reaktoren erfolgen. Der Standort gilt als erdbebengefährdet.Das abgeschaltete AKW Ignalina: Litauen soll einen neuen Reaktor bekommen. (Foto: Schyll/Wikipedia)

Fehlen noch die weiteren risikofreudigen Investoren, die ausreichend sicher sind, ihre Investitionen in Atomstrom würden sich ab 2020 und für die danach folgenden drei bis vier Jahrzehnte rechnen. In den Nachbarländern ist man zurückhaltend. Von einer gründlichen Kostenanalyse machte Lettlands Regierungschef Valdis Dombrowskis eine mögliche Beteiligung seines Landes abhängig. Polen, ursprünglich ebenfalls an einer Zusammenarbeit interessiert, verfolgt nun eigene AKW-Pläne. Wie überhaupt die mögliche Konkurrenz russischer, polnischer und weissrussischer AKW-Neubauprojekte, die auf den gleichen Exportmarkt wie ein litauischer Neubau zielen würden, ein grosser Unsicherheitsfaktor für Investoren wäre.

Fukushima scheint bei den litauischen Politikern keine bleibenden Spuren hinterlassen zu haben. "Unterschiedliche Länder gehen unterschiedliche Wege", verteidigt Energieminister Arvydas Sekmokas den Nuklear-Kurs der Regierung und verweist auf das Beispiel Frankreich und Finnland. In der Bevölkerung gab es nach der Katastrophe in Japan allerdings einen Schwenk und eine deutliche Mehrheit sprach sich zuletzt gegen einen AKW-Neubau aus.

Quelle: Reinhard Wolff / Klimaretter.info

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