Die Axpo muss einen bereits geplanten Besuch in eine umstrittene russische Uran-Aufbereitungsanlage absagen. Grund: Das Werk liegt auf militärischem Sperrgebiet. Die Axpo überdenkt die ohnehin schon umstrittene Zusammenarbeit mit dem russischen Partner. Atominfomedia hatte früher schon über die umstrittene russische Anlage berichtet.
Mehrere Schweizer Atomkraftwerke arbeiten mit Brennstäben, deren Uran teilweise in den russischen Anlagen von Mayak und Sewersk aufbereitet wird. Dies wird von Umweltorganisationen seit Jahren kritisiert. Die Region um die Anlage in Mayak ist gemäss Greenpeace sehr stark radioaktiv verstrahlt. Wie die Axpo Holding AG mitteilte, musste der geplante Besuch von Axpo-Vertretern in Mayak kurzfristig abgesagt werden. Der staatliche russische Energiekonzern Rosatom habe bekannt gegeben, dass ein Besuch der Anlage nicht möglich sei, weil sich diese in militärischem Sperrgebiet befinde.
Mitglieder der Axpo-Konzernleitung sowie des Axpo- Verwaltungsrates, unter ihnen der Zürcher Regierungsrat Markus Kägi (SVP) und der Ausserrhoder Regierungsrat Jakob Brunnschweiler (FDP), wollten Ende Juni die Anlage besichtigen und mit den Vertretern des Betreibers und der Mutterfirma Rosatom Gespräche führen. Noch bis vor wenigen Tagen seien die Vorbereitungen wie geplant verlaufen, dann aber sei die Absage gekommen, teilte die Axpo weiter mit. «Über diese kurzfristige Absage sind wir sehr verärgert», liess sich Robert Lombardini, Präsident des Verwaltungsrates der Axpo Holding, in der Mitteilung zitieren.
Axpo-Sprecher Rainer Meier sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass der Verwaltungsrat der Axpo bis Ende Jahr entscheiden werde, ob der Konzern weiterhin Uran aus Mayak beziehen soll. Die Axpo werde sich bemühen, die Anlage doch noch besichtigen zu können. «Ein Besuch wäre sehr hilfreich.» Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse sei noch nicht restlos geklärt, ob die heutigen Aufbereitungsprozesse in Mayak zu zusätzlichen Belastungen von Mensch und Umwelt mit Radioaktivität führten, hiess es weiter. Bis Ende Jahr sollten gemäss Meier aber genügend Fakten vorliegen, um einen Entscheid treffen zu können.
Der Zürcher Regierungsrat Kägi teilte seinerseits mit, dass auch die weiteren Verwalungsratsmitglieder der Delegation, welche die Anlage besuchen wollten, «sehr verärgert» seien über die Verweigerung des Zutritts. «Wenn wir keine Transparenz über die Aufbereitungsprozesse erhalten, muss das Konsequenzen haben.» Vorerst ist nun ein Arbeitstreffen zwischen Vertretern der Axpo und der Rosatom geplant. Ein Termin steht noch nicht fest. Auf Grund von Recherchen von Greenpeace hatte die Axpo erstmals im September 2010 bestätigt, dass ihre Brennstäbe zum Teil wiederaufbereitetes Uran aus Mayak enthalten. Der Axpo gehört das AKW Beznau. Zudem hält der Energiekonzern Anteile an den AKW in Leibstadt und Gösgen.
Quelle: SDA
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Sonntag, 19. Juni 2011
Dienstag, 15. Februar 2011
Weiteres Milliarden-Debakel
Die Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe sollte die Atomwirtschaft in Deutschland revolutionieren, jetzt kostet die Entsorgung der strahlenden Altlast den Steuerzahler Milliarden. Nach SPIEGEL-Informationen wird sie noch teurer als bislang angenommen.
Die "Atomsuppe" ist endlich angerichtet. Fast 20 Jahre lang gammelten 60.000 Liter plutoniumverseuchte Salpetersäure im Atomforschungszentrum im Karlsruher Hardtwald in großen Tanks vor sich hin. Inzwischen aber ist der schwierigste Teil beim Rückbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe geschafft, die gefährliche Brühe ist in den vergangenen Monaten in Glaskokillen eingeschweißt worden. In der Nacht zum Mittwoch soll der Atommüll nun in fünf Castorbehältern nach Lubmin bei Greifswald gebracht werden. Im "Zwischenlager Nord" wird die strahlende Fracht so lange deponiert, bis die Bundesrepublik einmal ein atomares Endlager für hochaktiven Strahlenmüll gefunden hat.
Die Atomkraftgegner gehen wieder einmal auf die Straße und wollen, wie gewohnt, die Schienen blockieren. Anders aber als bei den sich jährlich wiederholenden Protesten im Wendland dreht sich diesmal nicht alles um die ungeklärte Endlagerfrage. Es geht auch darum, welche Zeche die Bürger heute für den einstigen Traum vom besonders preisgünstigen Atomstrom zahlen müssen. Die Karlsruher Atomsuppe ist nämlich der traurige Rest eines gescheiterten atomaren Versuchs - und symbolisiert zugleich ein Milliarden-Fiasko. Die badische Atomfabrik sollte nämlich einst als Pilotanlage für die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf dienen. Damit wollten Politik und Energiewirtschaft bis in die achtziger Jahre hin den nuklearen Brennstoffkreislauf in Deutschland schließen.
In Wackersdorf, so der Plan, sollten die abgebrannten Brennstäbe deutscher Kernkraftwerke aufgearbeitet werden. Zunächst aber gingen die bestrahlten Brennstäbe ab 1971 nach Karlsruhe. Die Anlage in Wackersdorf allerdings wurde niemals fertig gestellt. Im Gegenteil, nach heftigen Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Demonstranten beerdigten Bundesregierung und bayerischen Landesregierung das Projekt 1989. Ein Jahr später war auch in der Karlsruher Versuchsanlage Schluss. Gut 200 Tonnen Brennstäbe sind dort in 19 Jahren aufgearbeitet worden. Seither geht es nur noch um die Frage, wie die Altlast beseitigt werden kann - und wer dafür aufkommt. Klar ist: Der Rückbau wird immer teurer.
* Nach bisherigen Schätzungen sollte es 2,63 Milliarden Euro kosten, in Karlsruhe wieder eine "grüne Wiese" zu schaffen. Nun aber rechnet die Bundesregierung mit 500 Millionen Euro "Gesamtmehrkosten der öffentlichen Hand", weil sich die Errichtung des Endlagers Konrad in Niedersachsen voraussichtlich um fünf Jahre bis 2019 verzögert. Dort sollen viele verstrahlte Bauteile aus Karlsruhe gelagert werden. Die neue Berechnung brachte die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, durch eine parlamentarische Anfrage in Erfahrung.
* Ärgerlich für die Steuerzahler: Lediglich 832 Millionen Euro der Kosten muss die Energiewirtschaft tragen, obwohl rund 70 Prozent der Strahlung der Hinterlassenschaft durch Atomkraftwerke verursacht wurden. Grund dafür ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 1991. Damals einigten sich die Bundesregierung, das Land Baden-Württemberg und die Konzerne, den Anteil der Industrie als pauschale Summe zu deckeln.
* Ursprünglich sollten sie gar nur 511 Millionen Euro zahlen, den Rest Bund und Land im Verhältnis 91,8 zu 8,2 Prozent übernehmen. Optimistisch war damals auch der Zeitplan. Spätestens im Jahre 2003 sei der Rückbau abgeschlossen, heißt es in den Vereinbarungen. Inzwischen geht die Bundesregierung von einem Ende der Arbeiten in Jahre 2023 aus - 33 Jahre, nachdem der Betrieb in Karlsruhe endete.
So sorglos die Verantwortlichen mit Steuergeldern umgingen, so unbekümmert war in Karlsruhe auch der Umgang mit radioaktiven Stoffen. Vor allem in den siebziger Jahren kam es zu etlichen Zwischenfällen, wie alte Unterlagen belegen. Mal landeten atomare Stoffe im Hausmüll, mal sickerte verstrahltes Abwasser ins Erdreich, weil Rohre über Monate hinweg unbemerkt leckten. Alleine 16 mal musste 1974 Mitarbeiter Brände in der Anlage löschen, mindestens einmal zog dabei auch eine strahlende Rauchwolke über das Gelände.
Aus heutiger Sicht auch kurios ist ein Vorgang aus dem Jahre 1975: Bei einem Transport Plutonium über den Hof habe sich das "Klebeband, das um den Deckel des Abschirmbehälters geklebt war", gelöst, heißt es in einem Vermerk. Deshalb habe "radioaktive Flüssigkeit" auslaufen können. 1974 rief die Pannenserie gar den damalige Bundesinnenminister Werner Maihofer auf den Plan. Die "Häufigkeit der Vorkommnisse" lasse auf "systematische Schwierigkeiten in der Anlage schließen", stellt er in einem Brief an den Bundestag mit. Die Fehler lägen unter anderem daran, dass die Anlage zu wenig Platz habe, um radioaktiven Müll zu lagern. Offenbar lief der Abtransport der Fässer ins Atommülllager Asse nicht so schnell wie geplant.
Der Politiker hatte auch eine gute Nachricht: Die Bevölkerung müsse sich keine Sorgen machen. Es bestehe keine Gefährdung, "obwohl einige der Vorkommnisse vorübergehende Kontaminationen in der näheren, allerdings unbewohnten Umgebung des Kernforschungszentrums verursachten."
Quelle: Spiegel Online
Die "Atomsuppe" ist endlich angerichtet. Fast 20 Jahre lang gammelten 60.000 Liter plutoniumverseuchte Salpetersäure im Atomforschungszentrum im Karlsruher Hardtwald in großen Tanks vor sich hin. Inzwischen aber ist der schwierigste Teil beim Rückbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe geschafft, die gefährliche Brühe ist in den vergangenen Monaten in Glaskokillen eingeschweißt worden. In der Nacht zum Mittwoch soll der Atommüll nun in fünf Castorbehältern nach Lubmin bei Greifswald gebracht werden. Im "Zwischenlager Nord" wird die strahlende Fracht so lange deponiert, bis die Bundesrepublik einmal ein atomares Endlager für hochaktiven Strahlenmüll gefunden hat.
Die Atomkraftgegner gehen wieder einmal auf die Straße und wollen, wie gewohnt, die Schienen blockieren. Anders aber als bei den sich jährlich wiederholenden Protesten im Wendland dreht sich diesmal nicht alles um die ungeklärte Endlagerfrage. Es geht auch darum, welche Zeche die Bürger heute für den einstigen Traum vom besonders preisgünstigen Atomstrom zahlen müssen. Die Karlsruher Atomsuppe ist nämlich der traurige Rest eines gescheiterten atomaren Versuchs - und symbolisiert zugleich ein Milliarden-Fiasko. Die badische Atomfabrik sollte nämlich einst als Pilotanlage für die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf dienen. Damit wollten Politik und Energiewirtschaft bis in die achtziger Jahre hin den nuklearen Brennstoffkreislauf in Deutschland schließen.
In Wackersdorf, so der Plan, sollten die abgebrannten Brennstäbe deutscher Kernkraftwerke aufgearbeitet werden. Zunächst aber gingen die bestrahlten Brennstäbe ab 1971 nach Karlsruhe. Die Anlage in Wackersdorf allerdings wurde niemals fertig gestellt. Im Gegenteil, nach heftigen Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Demonstranten beerdigten Bundesregierung und bayerischen Landesregierung das Projekt 1989. Ein Jahr später war auch in der Karlsruher Versuchsanlage Schluss. Gut 200 Tonnen Brennstäbe sind dort in 19 Jahren aufgearbeitet worden. Seither geht es nur noch um die Frage, wie die Altlast beseitigt werden kann - und wer dafür aufkommt. Klar ist: Der Rückbau wird immer teurer.
* Nach bisherigen Schätzungen sollte es 2,63 Milliarden Euro kosten, in Karlsruhe wieder eine "grüne Wiese" zu schaffen. Nun aber rechnet die Bundesregierung mit 500 Millionen Euro "Gesamtmehrkosten der öffentlichen Hand", weil sich die Errichtung des Endlagers Konrad in Niedersachsen voraussichtlich um fünf Jahre bis 2019 verzögert. Dort sollen viele verstrahlte Bauteile aus Karlsruhe gelagert werden. Die neue Berechnung brachte die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, durch eine parlamentarische Anfrage in Erfahrung.
* Ärgerlich für die Steuerzahler: Lediglich 832 Millionen Euro der Kosten muss die Energiewirtschaft tragen, obwohl rund 70 Prozent der Strahlung der Hinterlassenschaft durch Atomkraftwerke verursacht wurden. Grund dafür ist eine Vereinbarung aus dem Jahr 1991. Damals einigten sich die Bundesregierung, das Land Baden-Württemberg und die Konzerne, den Anteil der Industrie als pauschale Summe zu deckeln.
* Ursprünglich sollten sie gar nur 511 Millionen Euro zahlen, den Rest Bund und Land im Verhältnis 91,8 zu 8,2 Prozent übernehmen. Optimistisch war damals auch der Zeitplan. Spätestens im Jahre 2003 sei der Rückbau abgeschlossen, heißt es in den Vereinbarungen. Inzwischen geht die Bundesregierung von einem Ende der Arbeiten in Jahre 2023 aus - 33 Jahre, nachdem der Betrieb in Karlsruhe endete.
So sorglos die Verantwortlichen mit Steuergeldern umgingen, so unbekümmert war in Karlsruhe auch der Umgang mit radioaktiven Stoffen. Vor allem in den siebziger Jahren kam es zu etlichen Zwischenfällen, wie alte Unterlagen belegen. Mal landeten atomare Stoffe im Hausmüll, mal sickerte verstrahltes Abwasser ins Erdreich, weil Rohre über Monate hinweg unbemerkt leckten. Alleine 16 mal musste 1974 Mitarbeiter Brände in der Anlage löschen, mindestens einmal zog dabei auch eine strahlende Rauchwolke über das Gelände.
Aus heutiger Sicht auch kurios ist ein Vorgang aus dem Jahre 1975: Bei einem Transport Plutonium über den Hof habe sich das "Klebeband, das um den Deckel des Abschirmbehälters geklebt war", gelöst, heißt es in einem Vermerk. Deshalb habe "radioaktive Flüssigkeit" auslaufen können. 1974 rief die Pannenserie gar den damalige Bundesinnenminister Werner Maihofer auf den Plan. Die "Häufigkeit der Vorkommnisse" lasse auf "systematische Schwierigkeiten in der Anlage schließen", stellt er in einem Brief an den Bundestag mit. Die Fehler lägen unter anderem daran, dass die Anlage zu wenig Platz habe, um radioaktiven Müll zu lagern. Offenbar lief der Abtransport der Fässer ins Atommülllager Asse nicht so schnell wie geplant.
Der Politiker hatte auch eine gute Nachricht: Die Bevölkerung müsse sich keine Sorgen machen. Es bestehe keine Gefährdung, "obwohl einige der Vorkommnisse vorübergehende Kontaminationen in der näheren, allerdings unbewohnten Umgebung des Kernforschungszentrums verursachten."
Quelle: Spiegel Online
Dienstag, 4. Januar 2011
China meldet Durchbruch
Chinesischen Wissenschaftlern ist nach einem Bericht der China Daily und des chinesischen Fernsehens ein "Durchbruch" bei der Wiederaufbereitung von atomaren Müll gelungen: In der Wüste Gobi soll vom Staatsunternehmen China National Nuclear Corp eine Technologie zur Wiederverwendung von Brennstoffen erprobt worden sein, die bislang als hochradioaktiver Müll Umwelt und Generationen belasten.
Dem Bericht zu Folge soll dank des Verfahrens die Nutzrate von Uran in China um das 60-fache erhöht werden können. Statt wie bislang angegeben für die nächsten 70 Jahre sollen Chinas Uran-Vorkommen damit für 3.000 Jahre nutzbar sein. Genaue Einzelheiten wurden in dem kurzen Bericht jedoch offenbar nicht genannt, eine unabhängige Überprüfung der Meldung liegt bislang nicht vor. Wiederaufbereitungsanlagen arbeiten derzeit in Frankreich, Großbritannien, Russland, Nordkorea, den USA, Indien und Japan. In Deutschland war bis 1990 eine Versuchsanlage auf dem Gelände des Forschungszentrums Karlsruhe in Betrieb.
Atomkraftwerk in Qinshan. (Foto: AECL)
Der größte Kohlendioxid-Verschmutzer der Welt plant China Daily zufolge unabhängiger von der Kohleverbrennung werden und will seinem wachsenden Energiebedaf auch mit dem massiven Ausbau der Atomenergie begegnen. Derzeit seien in China 12 Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von rund 10 Gigawatt in Betrieb. Bis 2020 sollen weitere 30 Gigawatt dazukommen. Die Regierung habe jedoch bereits angedeutet, ihr Atomziel für 2020 von 40 auf 80 Gigawatt verdoppeln zu wollen.
Nach Angaben von China Daily verfügt die Volksrepublik über Uran-Ressourcen von 171.400 Tonnen, die über acht Provinzen verteilt sind. Nach bisherigen Erkenntnissen sei davon ausgegangen worden, dass selbst bei einem moderaten Ausbau bis 2020 über 60 Prozent des Uranbedarfs importiert werden müssten.
Quelle: klimaretter.info
Dem Bericht zu Folge soll dank des Verfahrens die Nutzrate von Uran in China um das 60-fache erhöht werden können. Statt wie bislang angegeben für die nächsten 70 Jahre sollen Chinas Uran-Vorkommen damit für 3.000 Jahre nutzbar sein. Genaue Einzelheiten wurden in dem kurzen Bericht jedoch offenbar nicht genannt, eine unabhängige Überprüfung der Meldung liegt bislang nicht vor. Wiederaufbereitungsanlagen arbeiten derzeit in Frankreich, Großbritannien, Russland, Nordkorea, den USA, Indien und Japan. In Deutschland war bis 1990 eine Versuchsanlage auf dem Gelände des Forschungszentrums Karlsruhe in Betrieb.
Atomkraftwerk in Qinshan. (Foto: AECL)Der größte Kohlendioxid-Verschmutzer der Welt plant China Daily zufolge unabhängiger von der Kohleverbrennung werden und will seinem wachsenden Energiebedaf auch mit dem massiven Ausbau der Atomenergie begegnen. Derzeit seien in China 12 Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von rund 10 Gigawatt in Betrieb. Bis 2020 sollen weitere 30 Gigawatt dazukommen. Die Regierung habe jedoch bereits angedeutet, ihr Atomziel für 2020 von 40 auf 80 Gigawatt verdoppeln zu wollen.
Nach Angaben von China Daily verfügt die Volksrepublik über Uran-Ressourcen von 171.400 Tonnen, die über acht Provinzen verteilt sind. Nach bisherigen Erkenntnissen sei davon ausgegangen worden, dass selbst bei einem moderaten Ausbau bis 2020 über 60 Prozent des Uranbedarfs importiert werden müssten.
Quelle: klimaretter.info
Mittwoch, 22. Dezember 2010
AKW-Betreiber sollen bekennen
Die Schweizer Sektion von Greenpeace hat sich in einem offenen Brief an Aktionäre und Strombezüger des AKW Gösgen gewandt. Gefordert werden einerseits Transparenz in der Wiederaufbereitung, andrerseits die Übernahme von Verantwortung für die massiven Schäden, die für Menschen und Umwelt vor Ort entstehen (siehe auch Atominfomedia vom 19. November 2010). Atominfomedia dokumentiert den Brief:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Seit Anfang September 2010 ist bekannt, dass das Kernkraftwerk Gösgen (siehe Bild - Foto: Guntram Rehsche) Brennmaterial aus der kerntechnischen Anlage Majak in Russland bezieht. Im November besuchte eine Greenpeace-Delegation gemeinsam mit Schweizer Medienschaffenden die Umgebung von Majak. Die Umweltorganisation hat Messungen durchgeführt und an verschiedenen Standorten Strahlungswerte so hoch wie in Tschernobyl gemessen. Die Gewässer und der Boden sind verseucht mit den radioaktiven Abfällen aus 60 Jahren Majak-Betrieb, die auch zu schweren Umweltkatastrophen führten. Greenpeace liegen zudem Dokumente u.a. der Anlagebetreiber selbst vor, die belegen, dass auch der aktuelle Betrieb neue Radioaktivität in die Umwelt bringt. Die Krebsrate in der Region Tschelyabinsk ist überdurchschnittlich hoch, ebenso die Zahl der Fehlgeburten. Viele Kinder kommen mit genetischen Schäden und zum Teil schwersten Behinderungen zur Welt. Aus Sicht von Greenpeace besteht keine Perspektive, in der Anlage innert nützlicher Frist eine saubere Produktion zu ereichen. Einzig eine gründliche Sanierung des gesamten Gebiets würde die Menschen vor der radioaktiven Gefahr schützen.
Ihr Unternehmen bzw. Ihr Kanton ist am KKW Gösgen beteiligt. Deshalb fordern wir Sie auf, Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit über folgende Problemstellungen abzulegen:
Zur Transparenz:
1. Über welche Informationen verfügt das KKW Gösgen bezüglich der Einhaltung von Sicherheits- und Umweltschutzstandards in den Produktionsprozessen der Majak-Anlage?
2. Können die heutigen Geschäfte mit Majak mit Umweltauflagen verknüpft werden, im Wissen dass die Schweizer KKW-Betreiber keine direkten Verträge mit Majak haben und dass die Verträge bereits abgeschlossen wurden?
3. Wie kann garantiert werden, dass in der Majak-Anlage und in ihrer Umgebung Schutz für Mensch und Umwelt sichergestellt ist?
4. Kann aus Ihrer Sicht der Bezug von Brennmaterial aus Majak verantwortet werden kann oder werden die Verträge jetzt aufgelöst? Wenn ja, ab wann?
5. Sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre bereit, ab jetzt eindeutige und vollständige Angaben zur Herkunft des Brennmaterials auf freiwilliger Basis öffentlich zu machen, wie der Bundesrat es anregt?
6. Wann stellen die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre eine umfassende Information über die Problemlage ins Internet?
Zu Menschenrechtsaspekten:
7. Welche Haftungs- und menschenrechtlichen Verantwortungen ergeben sich aus dem Bezug der Brennelemente für die Lieferanten sowie die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre?
8. Welche sofortigen und langfristigen Massnahmen werden die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre zur Verantwortungsübernahme ergreifen?
9. Wie sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre gewillt, diese moralische Verantwortung gegenüber den Direktbetroffenen zu tragen?
Quelle: Greenpeace Schweiz
Sehr geehrte Damen und Herren,
Seit Anfang September 2010 ist bekannt, dass das Kernkraftwerk Gösgen (siehe Bild - Foto: Guntram Rehsche) Brennmaterial aus der kerntechnischen Anlage Majak in Russland bezieht. Im November besuchte eine Greenpeace-Delegation gemeinsam mit Schweizer Medienschaffenden die Umgebung von Majak. Die Umweltorganisation hat Messungen durchgeführt und an verschiedenen Standorten Strahlungswerte so hoch wie in Tschernobyl gemessen. Die Gewässer und der Boden sind verseucht mit den radioaktiven Abfällen aus 60 Jahren Majak-Betrieb, die auch zu schweren Umweltkatastrophen führten. Greenpeace liegen zudem Dokumente u.a. der Anlagebetreiber selbst vor, die belegen, dass auch der aktuelle Betrieb neue Radioaktivität in die Umwelt bringt. Die Krebsrate in der Region Tschelyabinsk ist überdurchschnittlich hoch, ebenso die Zahl der Fehlgeburten. Viele Kinder kommen mit genetischen Schäden und zum Teil schwersten Behinderungen zur Welt. Aus Sicht von Greenpeace besteht keine Perspektive, in der Anlage innert nützlicher Frist eine saubere Produktion zu ereichen. Einzig eine gründliche Sanierung des gesamten Gebiets würde die Menschen vor der radioaktiven Gefahr schützen.Ihr Unternehmen bzw. Ihr Kanton ist am KKW Gösgen beteiligt. Deshalb fordern wir Sie auf, Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit über folgende Problemstellungen abzulegen:
Zur Transparenz:
1. Über welche Informationen verfügt das KKW Gösgen bezüglich der Einhaltung von Sicherheits- und Umweltschutzstandards in den Produktionsprozessen der Majak-Anlage?
2. Können die heutigen Geschäfte mit Majak mit Umweltauflagen verknüpft werden, im Wissen dass die Schweizer KKW-Betreiber keine direkten Verträge mit Majak haben und dass die Verträge bereits abgeschlossen wurden?
3. Wie kann garantiert werden, dass in der Majak-Anlage und in ihrer Umgebung Schutz für Mensch und Umwelt sichergestellt ist?
4. Kann aus Ihrer Sicht der Bezug von Brennmaterial aus Majak verantwortet werden kann oder werden die Verträge jetzt aufgelöst? Wenn ja, ab wann?
5. Sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre bereit, ab jetzt eindeutige und vollständige Angaben zur Herkunft des Brennmaterials auf freiwilliger Basis öffentlich zu machen, wie der Bundesrat es anregt?
6. Wann stellen die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre eine umfassende Information über die Problemlage ins Internet?
Zu Menschenrechtsaspekten:
7. Welche Haftungs- und menschenrechtlichen Verantwortungen ergeben sich aus dem Bezug der Brennelemente für die Lieferanten sowie die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre?
8. Welche sofortigen und langfristigen Massnahmen werden die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre zur Verantwortungsübernahme ergreifen?
9. Wie sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre gewillt, diese moralische Verantwortung gegenüber den Direktbetroffenen zu tragen?
Quelle: Greenpeace Schweiz
Montag, 13. Dezember 2010
Majak-Aufruf von Greenpeace
Unter dem Titel «In den schmutzigen Hinterhöfen der Schweizer Atomstromproduktion» berichtet Florian Kasser, Energie-Campaigner von Greenpeace, von einem Besuch rund um die russische Wiederaufbereitungsanlage Majak (siehe auch Atominfomedia vom 19. November 2010).
Mich erstaunt es immer, wie gerne die Schweizer AKW-Betreiber in der Öffentlichkeit von sauberem Strom sprechen. Sie haben eine schöne, glatte PR-Fassade errichtet, die den Eindruck vermitteln soll, Atomstrom verursache höchstens ein bisschen Wasserdampf. Doch wirft man einen Blick dahinter und schaut sich die Hinterhöfe der Atomproduktion genauer an, wird eines klar: Strom aus Kernkraft ist nicht sauber.
Trostlose Gegen um Mayak - verstrahlt und vergessenVor drei Wochen besuchte ich mit einer Greenpeace-Delegation einen dieser Hinterhöfe: Mayak, im siberischen Ural. Mayak – zu Deutsch „Leuchtturm“ – ist kein leuchtendes Beispiel, sondern der weltweit schmutzigste Hinterhof der Schweizer Atomproduktion. Weit weg von Mühleberg, Beznau oder Gösgen werden hier Brennstäbe für die Schweizer AKW wiederaufbereitet – hermetisch abgeriegelt von der internationalen wie auch russischen Öffentlichkeit.
Wir haben Messungen vor Ort durchgeführt und an verschiedenen Standorten Strahlungswerte so hoch wie in Tschernobyl gemessen. Die Gewässer, der Boden, die Luft sind verseucht. Heute noch gelangen grosse Mengen von Radioaktivität direkt in die Umwelt. Ein grosse Gebiet wurde zur Müllhalde der Atomindustrie erklärt. Besonders schockierend ist, dass rund 80’000 Menschen mangels Alternativen weiterhin in dieser Gegend leben müssen und täglich der unsichtbaren Gefahr ausgesetzt sind.
Mir ist klar: Die Hinterhöfe der Atomproduktion lassen sich nicht aufpolieren. Und es gibt viele davon, denn die ganze Brennstoffkette hat schwerwiegende Folgen für Menschen und Umwelt: Angefangen bei der radioaktiven Verseuchung und Menschenrechtsverletzungen rund um die Uranminen, über schmutzige Wiederaufarbeitungsanlagen wie Mayak, bis zur nach wie vor ungelösten Frage der Endlagerung des Atommülls.
Und da tut sich einiges! Bleiben Sie auf dem Laufenden, abonnieren Sie unseren Zukunftsticker und erleben Sie, wie sich die Schweiz ein die erneuerbare Zukunft bewegt. Der Zukunftsticker informiert sie regelmässig über die Fortschritte der erneuerbaren Energien und zeigt, wie unser Umgang mit Strom immer effizienter wird.
Quelle: Greenpeace Schweiz
Mich erstaunt es immer, wie gerne die Schweizer AKW-Betreiber in der Öffentlichkeit von sauberem Strom sprechen. Sie haben eine schöne, glatte PR-Fassade errichtet, die den Eindruck vermitteln soll, Atomstrom verursache höchstens ein bisschen Wasserdampf. Doch wirft man einen Blick dahinter und schaut sich die Hinterhöfe der Atomproduktion genauer an, wird eines klar: Strom aus Kernkraft ist nicht sauber.
Trostlose Gegen um Mayak - verstrahlt und vergessenVor drei Wochen besuchte ich mit einer Greenpeace-Delegation einen dieser Hinterhöfe: Mayak, im siberischen Ural. Mayak – zu Deutsch „Leuchtturm“ – ist kein leuchtendes Beispiel, sondern der weltweit schmutzigste Hinterhof der Schweizer Atomproduktion. Weit weg von Mühleberg, Beznau oder Gösgen werden hier Brennstäbe für die Schweizer AKW wiederaufbereitet – hermetisch abgeriegelt von der internationalen wie auch russischen Öffentlichkeit.
Wir haben Messungen vor Ort durchgeführt und an verschiedenen Standorten Strahlungswerte so hoch wie in Tschernobyl gemessen. Die Gewässer, der Boden, die Luft sind verseucht. Heute noch gelangen grosse Mengen von Radioaktivität direkt in die Umwelt. Ein grosse Gebiet wurde zur Müllhalde der Atomindustrie erklärt. Besonders schockierend ist, dass rund 80’000 Menschen mangels Alternativen weiterhin in dieser Gegend leben müssen und täglich der unsichtbaren Gefahr ausgesetzt sind.
Mir ist klar: Die Hinterhöfe der Atomproduktion lassen sich nicht aufpolieren. Und es gibt viele davon, denn die ganze Brennstoffkette hat schwerwiegende Folgen für Menschen und Umwelt: Angefangen bei der radioaktiven Verseuchung und Menschenrechtsverletzungen rund um die Uranminen, über schmutzige Wiederaufarbeitungsanlagen wie Mayak, bis zur nach wie vor ungelösten Frage der Endlagerung des Atommülls.
Und da tut sich einiges! Bleiben Sie auf dem Laufenden, abonnieren Sie unseren Zukunftsticker und erleben Sie, wie sich die Schweiz ein die erneuerbare Zukunft bewegt. Der Zukunftsticker informiert sie regelmässig über die Fortschritte der erneuerbaren Energien und zeigt, wie unser Umgang mit Strom immer effizienter wird.
Quelle: Greenpeace Schweiz
Freitag, 19. November 2010
Die Katastrophe Majak
Die russische Atomanlage Majak ist vor allem wegen des katastrophalen Unfalls von 1957 bekannt. Auch heute, klagen Umweltschützer, komme es dort regelmässig zu Zwischenfällen. Sie fordern, dass westliche Staaten die Anlage boykottieren. Auszüge aus einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung vom 19. November 2010.
Die Gegend um Majak ist eines der am stärksten radioaktiv verstrahlten Gebiete der Welt. Die Plutoniumfabrik Majak (zu Deutsch: Leuchtturm) zwischen den heutigen Millionenstädten Tscheljabinsk und Jekaterinburg wurde in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg regelrecht aus dem Boden gestampft. Ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen produzierten dort Tausende Arbeiter, unter ihnen viele Frauen, das Material für Stalins Atombomben. Von Beginn an wurden flüssige radioaktive Abfälle in die umliegenden Gewässer, auch in den Fluss Tetscha, geleitet (im Bild die Sperrzone um die Plutioniumfabrik - Foto: Greenpeace).
Im September 1957 kam es auf dem Gelände zum bis dahin grössten Unfall der Geschichte in einer kerntechnischen Anlage. Ein Betontank mit hochradioaktiver Flüssigkeit explodierte. Sein Kühlsystem war ausgefallen, ein schadhaftes Kontrollgerät hatte nicht rechtzeitig vor der Katastrophe gewarnt. Die freigesetzte radioaktive Wolke stieg in bis zu 1000 Meter Höhe und verseuchte einen etwa 8 Kilometer breiten und 110 Kilometer langen Streifen Land östlich des Betriebsgeländes.
Auf Waldboden und Äckern verblieben Strontium-90, ein Radionuklid, das sich in Knochen und Zähnen des Menschen einlagert, und Cäsium-137, ein radioaktives Isotop mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren. Die Bewohner der umliegenden Dörfer und Siedlungen, die ohnehin jahrelang radioaktiv verseuchtes Wasser getrunken hatten, wurden, wenn auch nicht unbedingt systematisch, umgesiedelt. Bis in die siebziger Jahre hinein konnte die Sowjetunion den Fall vertuschen, offiziell wurde er erst 1989 bekanntgemacht. Das Gebiet, einschliesslich der 80 000-Einwohner-Stadt Osjorsk, in der vor allem die Mitarbeiter der Anlage leben, ist bis heute geschlossen und nur mit einer Sondergenehmigung zugänglich.
Trotz dem Zwischenfall läuft die Anlage Majak bis heute fast ohne Unterbrechung weiter. Auf dem Höhepunkt arbeiteten dort 25 000 Menschen an zehn Reaktoren. Heute sind noch zwei Reaktoren in Betrieb. Majak produziert Isotope für Medizin und Wissenschaft, vor allem aber werden dort abgebrannte Brennstäbe und Atommüll aufbereitet. Länder wie die Ukraine, Bulgarien und Ungarn exportieren ihren Atommüll in den Ural.
Im September hatte der Schweizer Energiekonzern Axpo erklärt, dass ein Teil des Urans in den Brennstäben für Schweizer Atomkraftwerke ebenfalls aus den russischen Wiederaufbereitungsanlagen in Majak stammt. Axpo verteidigte sich gegen Kritik mit dem Argument, dass die russische Aufbereitungsanlage «heute internationale Umweltstandards erfüllt». Umweltorganisationen wie Greenpeace und auch örtliche Organisationen aus Tscheljabinsk sind hingegen davon überzeugt, dass weiterhin flüssiger radioaktiver Restmüll aus der Aufbereitung in den Fluss Tetscha eingeleitet werde. «Bis zu fünf Millionen Kubikmeter solchen flüssigen Mülles werden jährlich eingeleitet», sagt Wladimir Tschuprow, Energieexperte von Greenpeace Russland. Wissenschafter hätten nachgewiesen, dass die Radioaktivität im Fluss seit 2001 angestiegen sei.
Die Technik der Anlage entspreche zwar im Grunde westlichen Standards, so der Umweltschützer, es fehle aber an der Sorgfalt der Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen. So komme es regelmässig zu Zwischenfällen, bei denen radioaktiver Müll austrete. Im Jahr 2000 sei das Werk nur knapp einem Unglück entronnen. Wegen eines Stromausfalls in der gesamten Anlage setzte die Kühlung aus. Erst nach 25 Minuten sei es den Technikern gelungen, den Dieselgenerator für solche Notfälle in Gang zu setzen. «Hätte es zehn Minuten länger gedauert, hätte sich das Unglück von 1957 wiederholt», sagt Tschuprow.
Die Leiterin der Tschaljabinsker Organisation Bewegung für Atomsicherheit, Natalja Mironowa, beklagt die unzumutbaren Lebensumstände der Anwohner. Viele lebten in den verstrahlten Regionen und nähmen regelmässig verseuchte Lebensmittel zu sich. Im Jahr 2008, so die Umweltschützerin, hätten die Neuerkrankungen an Krebs bei Kindern um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Staaten, die gleichwohl ihren Atommüll dorthin exportierten, so ist Mironowa überzeugt, trügen eine moralische Verantwortung.
Umweltorganisationen fordern die sofortige Schliessung der Anlage in Majak. Auch in Deutschland hatten Opposition und Atomkraftgegner die Ausführung der Castoren nach Russland als billige Lösung auf Kosten der Sicherheit kritisiert. Die Bundesregierung teilte daraufhin mit, die Sicherheitsvorkehrungen an Ort und Stelle selbst noch einmal gründlich prüfen zu wollen. Der Physiker Peter Jacob vom Helmholtz-Zentrum München teilt die Sorge der russischen Umweltaktivisten nicht ganz. Er hat in einer Langzeitstudie die Spätschäden der Strahlenbelastung in den fünfziger und sechziger Jahren untersucht und zu diesem Zweck die Gesundheitsdaten von 30 000 Einwohnern von 41 Orten entlang des Flusses Tetscha ausgewertet. Bis zum Jahr 2003 wurden bei ihnen insgesamt 2000 Fälle von Krebserkrankungen diagnostiziert. Auf die Strahlenbelastung waren 50 Fälle zurückzuführen. Die heutige Belastung sei mit der früheren nicht zu vergleichen. «Ich gehe davon aus, dass die Exposition für die Anwohner heute gering ist», sagt Jacob. Auch für die Arbeiter gälten heute dieselben Grenzwerte wie in Westeuropa.
Die Atomkraftgegner aus Tscheljabinsk allerdings fürchten, dass die Castoren aus Deutschland nur ein erster Versuchsballon sein sollen und dass Majak demnächst zur atomaren Müllkippe Europas werden könnte. Bis anhin ist es in Russland gesetzlich verboten, radioaktive Abfälle aus dem Ausland zu importieren. Diese Bestimmung umgeht die russische Atomenergiebehörde, indem sie die Abfälle als wertvollen Rohstoff deklariert und für einen symbolischen Preis einkauft. In Bezug auf den Umgang mit Atommüll ist die Gesetzeslage widersprüchlich und unklar. Derzeit berät das russische Parlament, die Duma, über einen Gesetzentwurf zur Handhabung von Atommüll, welcher der russischen Atombehörde Rosatom freie Hand für Import und Endlagerung gäbe. Da das Problem der Endlagerung von abgebrannten atomaren Brennstoffen in keinem Land der Welt gelöst sei, so Umweltschützerin Mironowa, seien auf Kosten der Bevölkerung rund um Majak grosse Geschäfte zu machen.
Quelle: NZZ
Die Gegend um Majak ist eines der am stärksten radioaktiv verstrahlten Gebiete der Welt. Die Plutoniumfabrik Majak (zu Deutsch: Leuchtturm) zwischen den heutigen Millionenstädten Tscheljabinsk und Jekaterinburg wurde in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg regelrecht aus dem Boden gestampft. Ohne die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen produzierten dort Tausende Arbeiter, unter ihnen viele Frauen, das Material für Stalins Atombomben. Von Beginn an wurden flüssige radioaktive Abfälle in die umliegenden Gewässer, auch in den Fluss Tetscha, geleitet (im Bild die Sperrzone um die Plutioniumfabrik - Foto: Greenpeace).Im September 1957 kam es auf dem Gelände zum bis dahin grössten Unfall der Geschichte in einer kerntechnischen Anlage. Ein Betontank mit hochradioaktiver Flüssigkeit explodierte. Sein Kühlsystem war ausgefallen, ein schadhaftes Kontrollgerät hatte nicht rechtzeitig vor der Katastrophe gewarnt. Die freigesetzte radioaktive Wolke stieg in bis zu 1000 Meter Höhe und verseuchte einen etwa 8 Kilometer breiten und 110 Kilometer langen Streifen Land östlich des Betriebsgeländes.
Auf Waldboden und Äckern verblieben Strontium-90, ein Radionuklid, das sich in Knochen und Zähnen des Menschen einlagert, und Cäsium-137, ein radioaktives Isotop mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren. Die Bewohner der umliegenden Dörfer und Siedlungen, die ohnehin jahrelang radioaktiv verseuchtes Wasser getrunken hatten, wurden, wenn auch nicht unbedingt systematisch, umgesiedelt. Bis in die siebziger Jahre hinein konnte die Sowjetunion den Fall vertuschen, offiziell wurde er erst 1989 bekanntgemacht. Das Gebiet, einschliesslich der 80 000-Einwohner-Stadt Osjorsk, in der vor allem die Mitarbeiter der Anlage leben, ist bis heute geschlossen und nur mit einer Sondergenehmigung zugänglich.
Trotz dem Zwischenfall läuft die Anlage Majak bis heute fast ohne Unterbrechung weiter. Auf dem Höhepunkt arbeiteten dort 25 000 Menschen an zehn Reaktoren. Heute sind noch zwei Reaktoren in Betrieb. Majak produziert Isotope für Medizin und Wissenschaft, vor allem aber werden dort abgebrannte Brennstäbe und Atommüll aufbereitet. Länder wie die Ukraine, Bulgarien und Ungarn exportieren ihren Atommüll in den Ural.
Im September hatte der Schweizer Energiekonzern Axpo erklärt, dass ein Teil des Urans in den Brennstäben für Schweizer Atomkraftwerke ebenfalls aus den russischen Wiederaufbereitungsanlagen in Majak stammt. Axpo verteidigte sich gegen Kritik mit dem Argument, dass die russische Aufbereitungsanlage «heute internationale Umweltstandards erfüllt». Umweltorganisationen wie Greenpeace und auch örtliche Organisationen aus Tscheljabinsk sind hingegen davon überzeugt, dass weiterhin flüssiger radioaktiver Restmüll aus der Aufbereitung in den Fluss Tetscha eingeleitet werde. «Bis zu fünf Millionen Kubikmeter solchen flüssigen Mülles werden jährlich eingeleitet», sagt Wladimir Tschuprow, Energieexperte von Greenpeace Russland. Wissenschafter hätten nachgewiesen, dass die Radioaktivität im Fluss seit 2001 angestiegen sei.
Die Technik der Anlage entspreche zwar im Grunde westlichen Standards, so der Umweltschützer, es fehle aber an der Sorgfalt der Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen. So komme es regelmässig zu Zwischenfällen, bei denen radioaktiver Müll austrete. Im Jahr 2000 sei das Werk nur knapp einem Unglück entronnen. Wegen eines Stromausfalls in der gesamten Anlage setzte die Kühlung aus. Erst nach 25 Minuten sei es den Technikern gelungen, den Dieselgenerator für solche Notfälle in Gang zu setzen. «Hätte es zehn Minuten länger gedauert, hätte sich das Unglück von 1957 wiederholt», sagt Tschuprow.
Die Leiterin der Tschaljabinsker Organisation Bewegung für Atomsicherheit, Natalja Mironowa, beklagt die unzumutbaren Lebensumstände der Anwohner. Viele lebten in den verstrahlten Regionen und nähmen regelmässig verseuchte Lebensmittel zu sich. Im Jahr 2008, so die Umweltschützerin, hätten die Neuerkrankungen an Krebs bei Kindern um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Staaten, die gleichwohl ihren Atommüll dorthin exportierten, so ist Mironowa überzeugt, trügen eine moralische Verantwortung.
Umweltorganisationen fordern die sofortige Schliessung der Anlage in Majak. Auch in Deutschland hatten Opposition und Atomkraftgegner die Ausführung der Castoren nach Russland als billige Lösung auf Kosten der Sicherheit kritisiert. Die Bundesregierung teilte daraufhin mit, die Sicherheitsvorkehrungen an Ort und Stelle selbst noch einmal gründlich prüfen zu wollen. Der Physiker Peter Jacob vom Helmholtz-Zentrum München teilt die Sorge der russischen Umweltaktivisten nicht ganz. Er hat in einer Langzeitstudie die Spätschäden der Strahlenbelastung in den fünfziger und sechziger Jahren untersucht und zu diesem Zweck die Gesundheitsdaten von 30 000 Einwohnern von 41 Orten entlang des Flusses Tetscha ausgewertet. Bis zum Jahr 2003 wurden bei ihnen insgesamt 2000 Fälle von Krebserkrankungen diagnostiziert. Auf die Strahlenbelastung waren 50 Fälle zurückzuführen. Die heutige Belastung sei mit der früheren nicht zu vergleichen. «Ich gehe davon aus, dass die Exposition für die Anwohner heute gering ist», sagt Jacob. Auch für die Arbeiter gälten heute dieselben Grenzwerte wie in Westeuropa.
Die Atomkraftgegner aus Tscheljabinsk allerdings fürchten, dass die Castoren aus Deutschland nur ein erster Versuchsballon sein sollen und dass Majak demnächst zur atomaren Müllkippe Europas werden könnte. Bis anhin ist es in Russland gesetzlich verboten, radioaktive Abfälle aus dem Ausland zu importieren. Diese Bestimmung umgeht die russische Atomenergiebehörde, indem sie die Abfälle als wertvollen Rohstoff deklariert und für einen symbolischen Preis einkauft. In Bezug auf den Umgang mit Atommüll ist die Gesetzeslage widersprüchlich und unklar. Derzeit berät das russische Parlament, die Duma, über einen Gesetzentwurf zur Handhabung von Atommüll, welcher der russischen Atombehörde Rosatom freie Hand für Import und Endlagerung gäbe. Da das Problem der Endlagerung von abgebrannten atomaren Brennstoffen in keinem Land der Welt gelöst sei, so Umweltschützerin Mironowa, seien auf Kosten der Bevölkerung rund um Majak grosse Geschäfte zu machen.
Quelle: NZZ
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