Freitag, 17. Juni 2011

Atomkraft ist undemokratisch

In Italien und in der Schweiz haben sich bei Volksabstimmungen klare Mehrheiten gegen Atomenergie ausgesprochen. In Österreich hat das Volk schon vor über 30 Jahren der Atomkraft das Stoppschild gezeigt. In Deutschland sagen bei Umfragen inzwischen über 80% und in Frankreich über 60% der Bevölkerung Nein zu AKW. Ein Kommentar des deutschen Publizisten Franz Alt.


Die nukleare Stromerzeugung wird in der ganzen Welt kritisch gesehen. Der japanische Multimilliardär Masayoshi Son hat in dieser Woche - belehrt durch die Fukushima-Katastrophe - bekanntgegeben, er wolle jetzt den Großteil seines Geldes in riesige Solarkraftwerke investieren, um den raschen Umstieg von Atom- zu Solarenergie auch in Japan zu organisieren (siehe Solarmedia vom 15. Juni 2011).

Der reichste Japaner ist davon überzeugt, dass schon in wenigen Jahren Solarstrom die billigste Energiequelle auf unserem Globus sein wird. Den Stoff gebe es umsonst als Geschenk des Himmels. Die Sonne schickt uns keine Rechnung. In den USA wurde seit beinahe vier Jahrzehnten kein einziges neues AKW mehr installiert. Neue AKW werden heute fast ausschließlich von diktatorischen Regimes gebaut. Also dort wo der Staat mit riesigen Steuer-Milliarden seine für richtig gehaltene Energiepolitik unterstützen und beeinflussen kann.

Selbst im Atom-Land Nr. eins in Europa, in Frankreich, ist lediglich noch ein AKW im Bau. Die USA und England haben zwar massive Ausbaupläne angekündigt. Aber durch Bürgerproteste bleiben die Absichten Makulatur. In Demokratien ist die Atomenergie faktisch am Ende. Auch aus finanziellen Gründen. Es ist kein Zufall, dass keine Versicherung der Welt ein AKW realistisch versichert.

Preiswert war Atomstrom noch nie – er musste immer und überall staatlich hochsubventioniert werden. Nur in Diktaturen kann Atomenergie noch eine Zukunft haben – vielleicht bis zum nächsten Unfall. Robert Jungk hat es schon vor 40 Jahren prophezeit: Atomkraft ist totalitär und undemokratisch. Wo Bürger wirklich mitzubestimmen haben, ist Atomenergie Vergangenheit. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren. Aber ohne erneuerbare Regierungen keine erneuerbare Zukunft.

Quelle: © Franz Alt / Sonnenseite

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Dienstag, 14. Juni 2011

Europas Anti-Atom-Allianz

Die ItalienerInnen haben sich am Pfingstwochenende für eine sichere Zukunft ohne Atomkraft entschieden und setzten damit ein wichtiges Zeichen für eine gemeinsame atomfreie Zukunft. Vorbei also auch das Gerede von einer Antiatomhysterie, die sich nur im deutschsprachigen Raum breit mache.

Nach dem Entscheid der Schweizer und deutschen Regierungen aus der Atomenergie auszusteigen hat nun die Bevölkerung Italiens klar zum Ausdruck gebracht, dass eine Energiegewinnung und -versorgung auch ohne Atomenergie möglich ist. Vor wenigen Wochen hatte der österreichische Umweltminister Berlakovich gemeinsam mit atomkraftfreien Staaten Europas in Wien die "Anti-Atom-Allianz" gegründet. Deren Credo: "Raus aus Atom - rein in erneuerbare" greift mehr und mehr um sich und leitet Schritt für Schritt eine Energiewende ein.

"Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass die Bevölkerungen verschiedener Länder die Verantwortung unserer Generation für eine gemeinsame atomfreie Zukunft erkannt und übernommen haben.", so der Umweltminister. Er begrüßt den Ausgang des Anti-Atom-Referendums in Italien: "Das italienische Volk hat heute für eine sichere Zukunft in der Energiegewinnung gestimmt. Ein wichtiges und deutliches Zeichen für uns alle!"

Die Umweltorganisation Greenpeace zeigt sich angesichts des bevorstehenden erneuten Atomausstiegs Italiens hoch erfreut. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hatten sich die Italiener in Umfragen mehrheitlich gegen das vorliegende Gesetz zum Wiedereinstieg Italiens in die Atomkraft ausgesprochen. Der Atomexperte Niklas Schinerl von Greenpeace in Österreich, derzeit mit seinem Team in Rom vor Ort zeigt sich optimistisch: "Das ist eine historische energiepolitische Weichenstellung nicht nur für den Stiefelstaat, sondern auch für ganz Europa ab. Nach dem deutschen und dem Schweizer Atomausstieg gewinnt Österreich mit Italien zudem einen potenziellen Verbündeten im europaweiten Kampf gegen die gefährliche Atomkraft."

Quelle: oekonews.at / Greenpeace Österreich 2011

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Montag, 13. Juni 2011

Immer mehr Verstrahlte

Die Atomkatastrophe in Fukushima fordert immer mehr Opfer: Am Montag hat Tepco bekanntgegeben, dass möglicherweise noch mehr Arbeiter im AKW einer Überdosis an radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren - und auch im Grundwasser wurde jetzt radioaktives Strontium entdeckt, wie Spiegel Online schreibt.

Was sind die Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima für Menschen und Umwelt? Auf den Tag ist es drei Monate her, dass die Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Jahrhundert-Tsunami und Atomunfall ihren Lauf nahm - vollständig wird man die Frage nach den Folgen aber wohl erst in Wochen wenn nicht gar Monaten beantworten können. Denn noch immer kämpfen die Arbeiter des AKW-Betreiber Tepco auf der Atomruine gegen das Austreten von radioaktivem Material an und versuchen unermüdlich die Kühlung der Reaktoren zu stabilisieren. Klar ist, dass noch viel Zeit vergehen wird, bis der Stromkonzern die Anlage unter Kontrolle haben wird.

Rund 3700 Männer waren allein im März auf der Dauerbaustelle im Einsatz, die Arbeit, die sie verrichten müssen, ist nicht nur anstrengend sondern auch gefährlich: Täglich müssen sich die Mitarbeiter der radioaktiven Belastung aussetzen, die vor Ort herrscht. Wie Tepco am Montag bekanntgab, wurden möglicherweise sechs weitere Arbeiter in dem AKW einer Überdosis an radioaktiven Strahlen ausgesetzt.

Zuvor hatte der Betreiber mitgeteilt, dass zwei von ihnen einer Strahlenmenge ausgesetzt waren, die mehr als das Doppelte über dem erlaubten Grenzwert von 250 Millisievert liegt. Sie gehören neben den sechs anderen Kollegen ebenfalls zu den Arbeitern, die im März zu Reparaturarbeiten im Einsatz waren. Bisher hatte Tepco der Regierung die vorläufigen Messergebnisse von rund 2400 Männern mitgeteilt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde wurde zudem erstmals auch in Grundwasser radioaktives Strontium entdeckt, und zwar bei den beschädigten Reaktoren 1 und 2. Auch nahe der Meerwasseraufnahme des AKW Fukushima wurde die radioaktive Substanz gefunden. Deren Konzentration liege bis zum 240fachen über der erlaubten Höchstgrenze, hieß es. Wissenschaftler sprechen bei Strontium von einem "Knochenkiller". Es schädige das Knochenmark und könne Leukämie (Blutkrebs) auslösen.

Quelle: Spiegel Online

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Samstag, 11. Juni 2011

Lebensmittel radioaktiv

Grüner Tee aus Japan ist radioaktiv belastet. Die Havarie der Atomanlage Fukushima-1 wirkt sich auf Umwelt und Nahrung aus. In Teeblättern und Lebensmitteln sind erhöhte Strahlenwerte gemessen worden.

Japans größtes Tee-Anbaugebiet in der Präfektur Shizuoka, ist möglicherweise teilweise radioaktiv kontaminiert. Die lokalen Behörden gaben bekannt, dass in getrockneten Teeblättern aus Warashina 679 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm festgestellt wurden. Das Gebiet liegt 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima-1. Der offiziell erlaubte Grenzwert für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln liegt bei 500 Becquerel. Grüner Tee aus Japan wird in alle Welt exportiert.

Die Regierung hatte zuvor bereits Auslieferungen von grünem Tee aus einigen Anbaugebieten in den näher an Fukushima gelegenen Provinzen Ibaraki und Chiba sowie Kanagawa und Tochigi gestoppt. Anlass waren auch hier Messwerte in Proben, die Werte überschritten mehr als 500 Becquerel. Japanische Erzeuger haben im vergangenen Jahr 83.000 Tonnen getrocknete Teeblätter produziert. Davon entfielen 40 Prozent auf nun auch betroffenen Anbaugebiete in Shizuoka.

Auch in Milch, Gemüse und Fisch entdecken japanische Behörden derzeit radioaktive Partikel. Dabei wird auf radioaktive Cäsium-Isotope besonders geschaut. Sie haben eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Damit sind sie für die Landwirtschaft in Japan der größte Risikofaktor nach dem Atomunfall in Fukushima. Seit Beginn der Katastrophe untersuchen die Behörden Lebensmittel. In der Präfektur Fukushima, in der die beschädigten Kernreaktoren stehen, wurden die Werte bei Brokkoli überschritten, in der Nachbarregion Ibaraki bei Rohmilch. In der Vergangenheit wies auch Spinat zum Teil doppelt soviel Becquerel wie zulässig auf.

Der japanische Fernsehsender NHK berichtete zudem über radioaktives Cäsium in Fischen aus dem Meer vor Fukushima. Bei zwei Proben seien Werte fünf- bis sechsmal höher gewesen als erlaubt. Seit Anfang Mai haben die Behörden und das Wissenschaftsministerium zudem die Messprogramme für Fisch und Meerestiere deutlich ausgeweitet. So werden regelmäßig Proben genommen, in Abständen von einigen Hundert Kilometern von der Küste entlang des Japanischen Ostens. Auch die Binnengewässer werden kontrolliert.

Quelle: Die Zeit

Mittwoch, 8. Juni 2011

CH: Nationalrat will aussteigen

Die Schweiz soll aus der Atomenergie aussteigen. Nach dem Bundesrat hat sich auch der Nationalrat am Mittwochmorgen dafür ausgesprochen. Er heissst mit grosser Mehrheit drei parlamentarische Vorstösse gut, die den Ausstieg fordern.

Mit dem Ja zu den Vorstössen hat sich der Nationalrat gegen den Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz ausgesprochen. Die bestehenden Atomkraftwerke sollen nach seinem Willen aber nicht vorzeitig abgeschaltet werden: Vorstösse für einen vorzeitige Stilllegung blieben chancenlos. Ja sagt der Nationalrat zu Motionen der Grünen, der CVP und der BDP. Als erstes stimmte er einer Motion der Grünen zu, mit 108 zu 76 Stimmen bei 9 Enthaltungen. Diese fordert, dass die Schweiz «so bald wie möglich» auf die Atomenergienutzung verzichtet. Einen zweiten Punkt der Motion lehnte der Rat ab. Gemäss diesem Punkt hätte der Bundesrat bereits bis Ende Jahr aufzeigen sollen, welche Massnahmen zu ergreifen sind.

Ja sagte der Nationalrat anschliessend auch zu jenen Motionen, die in den vergangenen Wochen im Zentrum der Aufmerksamkeit standen. Mit 101 zu 54 Stimmen bei 36 Enthaltungen (siehe Bild vom Abstimmungsausgang) hiess er die Motion der CVP gut, mit 99 zu 54 Stimmen bei 37 Enthaltungen jene der BDP. Die Motion der BDP fordert, dass keine Bewilligungen mehr für neue Atomkraftwerke erteilt werden. Jene der CVP beinhaltet darüber hinaus den Auftrag an den Bundesrat, die erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz zu fördern.

CVP-Motionär Roberto Schmidt (VS) hatte zunächst auch noch verlangen wollen, dass der Zeitpunkt der Stilllegung bestehender Atomkraftwerke unter Berücksichtigung des Strombedarfs und der Möglichkeiten alternativer Energiequellen festgelegt werden muss. Diesen Punkt strich er aber, um die Zustimmung zur Motion nicht zu gefährden.
Für den Atomausstieg machten sich vor der Abstimmung Grüne, SP, CVP und BDP stark,
dagegen die SVP und die FDP. Die FDP-Vertreter hatten allerdings beschlossen, sich der Stimme zu enthalten.

Quelle: Agenturen

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Dienstag, 7. Juni 2011

Italien stimmt doch ab

Nächste politische Schlappe für Silvio Berlusconi: Die Italiener können wie geplant am kommenden Wochenende über die Nutzung der Atomkraft abstimmen. Wie die italienische Tageszeitung la republicca berichtet, lehnte dasVerfassungsgericht am Dienstag einen Einspruch von Berlusconis Regierung zu dem geplanten Rerendum ab.

Berlusconis Kabinett hatte argumentiert, dass das einjährige Planungsmoratorium, welches als Reaktion auf das Atomunglück in Fukushima verabschiedet wurde, ein Referendum erübrige. Jetzt also auch Italien: Der Anti-Atom-Protest hat eine Volksabstimmung erzwungen. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte sich im Vorfeld wiederholt für den Ausbau der Atomkraft stark gemacht. Das Kabinett hatte dagegen im April einen Ausstieg aus der Atomenergie verlauten lassen. Auch Oppositionsvertreter sowie Umweltschutzorganisationen streben danach, der Atomenergie den Rücken zu kehren. Das bevorstehende Referendum wird daher als Chance gesehen.

Italien hatte nach dem GAU von Tschernobyl 1986 seine vier Atomkraftwerke mit einer Bruttogesamtleistung von 1.472 Megawatt vorzeitig stillgelegt. Im Mai 2008 kündigte Berlusconi allerdings an, wieder in die Atomverstromung einsteigen zu wollen.

Quelle: klimaretter.info

Montag, 6. Juni 2011

Japan bestätigt Kernschmelze

Drei Monate nach Beginn der Natur- und Atomkatastrophe in Japan ist die Lage im Atomkraftwerk Fukushima weiterhin außer Kontrolle. Im Atomkraftwerk Fukushima hat es Kernschmelzen nicht nur in Reaktor 1, sondern auch in 2 und 3 gegeben. Die Regierung nannte außerdem neue Strahlenwerte.

Die Regierung bestätigte am Montag, dass es bereits kurz nach Beginn der Katastrophe in den Reaktoren 1 bis 3 des AKW zu Kernschmelzen gekommen war. Die in den ersten fünf Tagen seit dem Beben und dem Tsunami in Fukushima am 11. März freigesetzte Radioaktivität sei mit 770.000 Terabecquerel doppelt so hoch gewesen wie zunächst geschätzt. Das gab die Atomaufsichtsbehörde bekannt. Die Regierung erwägt, wegen der langfristigen Strahlenbelastung noch mehr Menschen außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone zum Verlassen ihrer Häuser aufzufordern.

Der Betreiber der Atomruine, Tepco, hatte bereits im Mai bekannt gegeben, dass die Kernbrennstäbe in Reaktor 1 zum größten Teil geschmolzen sind. Zu dem Zeitpunkt hatte Tepco erklärt, dass dies möglicherweise auch in den beiden anderen Reaktoren passiert sei. Das wurde von der Behörde jetzt bestätigt. Die Atomanlage war durch das Erdbeben und dem folgenden Tsunami schwer zerstört worden. Sollten noch mehr Menschen außerhalb der Sperrzone der Gefahr einer Strahlenmenge von mehr als 20 Millisievert im Jahr ausgesetzt sein, könnte die Regierung auch sie laut Medien auffordern, die Region zu verlassen.

Die Reparaturtrupps in der Atomruine arbeiten weiter. Berichte, wonach zwei Vertragsarbeiter wegen Dehydration in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, zwangen den Betreiberkonzern Tepco zu der Zusage, sich mehr um die Gesundheit der Arbeiter zu kümmern. Neun der Arbeiter mussten wegen Hitzebelastung behandelt werden. Da es mit dem nahenden Sommer allmählich immer wärmer und schwüler wird, wird es für die Arbeiter in Fukushima in ihren Schutzanzügen immer anstrengender.

Der Chef der Tokyoter Börse hat eine geordnete Insolvenz für den AKW-Betreiber Tepco ins Gespräch gebracht. Eine vorübergehende Verstaatlichung sollte in Erwägung gezogen werden, zitierte das Online-Magazin Asahi Judiciary den Börsenchef Atsushi Saito. Er forderte die Regierung auf, über die geplanten Stützen für Tepco in Form von Staatshilfen hinaus zu gehen.

Obwohl die Regierung den Äußerungen Saitos entgegentrat und bekräftigte, es werde keine solche Restrukturierung für Tepco geben, reagierten die Aktien des Unternehmens deutlich. Die Titel verloren bis Börsenschluss 27 Prozent und markierten zeitweise ein Rekordtief. Seit der Atomkatastrophe haben die Papiere 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Tokyoter Börse teilte mit, sie habe keine Ermächtigung, die Titel vom Handel zu nehmen, so lange die Finanzmitteilungen in Ordnung seien und Saito nur seine persönliche Meinung äußere.

Quelle: Die Zeit

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