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Dienstag, 30. Juni 2015
Montag, 15. Juni 2015
Greenpeace fordert Transparenz für Beznau
Die
Halbjahresergebnisse der Axpo zeigen gemäss der Umweltorganisation Greenpeace erneut, dass die Atomstrategie des
Konzerns in eine gefährliche Sackgasse führt. Die Zeche zahlen müssten
am Ende in den Eignerkantonen der Axpo die Steuerzahlerinnen und
Steuerzahler. Diese haben deshalb ein Recht darauf zu wissen, welche
Risiken mit dem Weiterbetrieb des AKW Beznau verbunden sind.
Im
Schatten der Diskussion um die Wirtschaftlichkeit der Wasserkraftwerke
geht eine unbequeme Wahrheit oft vergessen: Die Schweizer Atomkraftwerke
produzieren mit Verlust, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich
diese Situation verändern wird. Anstatt den Schaden zu
begrenzen und Beznau abzuschalten, investiert die Axpo zurzeit 700
Millionen Schweizer Franken in die Nachrüstung eines Atomkraftwerks, das
nie mehr wirtschaftlich sein wird. Und anders als unsere
Wasserkraftwerke wird das AKW Beznau auch auf dem europäischen
Strommarkt keinen Platz mehr haben. Diese Irrsinns-Strategie ist nur
möglich, weil die Axpo eine volle Risikodeckung von ihren Eigentümern
hat: den Steuerzahlern der Nordostschweizer Kantone, denen die Axpo
gehört – darunter Zürich, Aargau und Schaffhausen.
Greenpeace Schweiz fordert beim Steuergeld-Verdunster Beznau volle Transparenz. Die obskuren Entscheide des Verwaltungsrats müssen ein Ende nehmen. «Die Steuerzahler haben eine Anrecht darauf zu wissen, auf welcher Grundlage der Konzern seine strategischen Entscheide fällt. Es braucht endlich Klarheit, welche Risiken mit einem Weiterbetrieb von Beznau verbunden sind», fordert Florian Kasser, Leiter der Atom-Kampagne bei Greenpeace Schweiz.
Quelle: Greenpeace / Bild: Guntram Rehsche
Im
Schatten der Diskussion um die Wirtschaftlichkeit der Wasserkraftwerke
geht eine unbequeme Wahrheit oft vergessen: Die Schweizer Atomkraftwerke
produzieren mit Verlust, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich
diese Situation verändern wird. Anstatt den Schaden zu
begrenzen und Beznau abzuschalten, investiert die Axpo zurzeit 700
Millionen Schweizer Franken in die Nachrüstung eines Atomkraftwerks, das
nie mehr wirtschaftlich sein wird. Und anders als unsere
Wasserkraftwerke wird das AKW Beznau auch auf dem europäischen
Strommarkt keinen Platz mehr haben. Diese Irrsinns-Strategie ist nur
möglich, weil die Axpo eine volle Risikodeckung von ihren Eigentümern
hat: den Steuerzahlern der Nordostschweizer Kantone, denen die Axpo
gehört – darunter Zürich, Aargau und Schaffhausen.Greenpeace Schweiz fordert beim Steuergeld-Verdunster Beznau volle Transparenz. Die obskuren Entscheide des Verwaltungsrats müssen ein Ende nehmen. «Die Steuerzahler haben eine Anrecht darauf zu wissen, auf welcher Grundlage der Konzern seine strategischen Entscheide fällt. Es braucht endlich Klarheit, welche Risiken mit einem Weiterbetrieb von Beznau verbunden sind», fordert Florian Kasser, Leiter der Atom-Kampagne bei Greenpeace Schweiz.
Quelle: Greenpeace / Bild: Guntram Rehsche
Samstag, 11. April 2015
Probleme bei AKW Flamanville reichen weit - bis in die Schweiz
Schwerer
Schlag für französische Atomindustrie. Im Reaktorbehälter des
AKW-Neubaus Flamanville sind Risse aufgetaucht. Die französische Presse
mutmasst irreparable
Schäden, während sich die sonstige Atomwelt bedeckt hält. Möglicherweise
ist
das ein weiterer Sargnagel für die französische Atomsparte, die zuvor
schon von
massiven Finanzproblemen gebeutelt wurde. Einen Rückschlag stellt das
auch für
die Gegner des unweit von Basel gelegenen Uralt-Reaktors Fessenheim dar.
Und plötzlich machen in
Frankreich Studien die Runde, die die Erneuerbaren Energien kostenmässig im
Vorteil gegenüber der Atomkraft sehen (siehe LeMonde vom 9. April 2015). Dort heisst es unter anderem, dass Frankreich bis zum Jahr 2050 seinen Strom
vollumfänglich aus erneuerbaren Quellen beziehen könnte. Der wäre dann zwar um
rund ein Drittel teurer gegenüber heute – nur dass diese Verteuerung auch zu
gewärtigen sei, wenn das Land weiterhin auf die Atomkraft setzte – die extreme
Kostensteigerung von Flamanville lässt grüssen.
© Solarmedia
Es ist nicht der erste Schlag, den die französische
Atomindustrie in diesen Monaten zu verkraften hat – aber vielleicht ist es der
folgenschwerste. Mit Auswirkungen auf die Entwicklung des künftigen
Atomkomplexes insgesamt, zumindest in der westlichen Welt. Für Frankreich selbst kommt
erschwerend hinzu, dass plötzlich der Nutzen, ja schon die Überlegenheit, der
erneuerbaren Energien wahrgenommen wird. Doch alles der Reihe nach – und gemäss
dem aktuellen Kenntnisstand zu einer Branche, die sich nicht durch Transparenz
auszeichnet. Zahlreiche Berichte vor allem in französischen Medien erlauben
eine schemenhafte Beurteilung.
Vier Tage ist es her, dass Meldungen auftauchten über Risse
im Kernmantel des noch in Bau befindlichen AKW Flamanville (siehe Luftbild links mit dem noch offenen Reaktorbehälter). Flamanville wird eh
schon der teuerste Meiler aller Zeiten – Baudauer und Baukosten sind
geradezu explodiert. Letztere machen unterdessen mindestens 8,5 Milliarden Euro
aus – eine Inbetriebnahme steht nicht vor 2017 zu erwarten, dabei sollte das
Werk schon seit 2011 Strom liefern. Und nun also dies: Die französische
Atomaufsicht ASN gab am Dienstag eine "Anomalie" beim Reaktorbehälter
des sogenannten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) bekannt. Die Newsplattformformat.at schreibt dazu: «Ein
Behördenverantwortlicher sagte, das Problem liege in der Zusammensetzung des
Stahls in bestimmten Bereichen des Behälterdeckels und des Bodens.» Nun sollen
bis Oktober Ergebnisse einer von Umweltministerin Segolene Royal veranlassten
Untersuchung vorliegen.
Die französische Presse überschlägt sich mit Mutmassungen
und sieht teils schon das Ende dieser wichtigen, aber auch arg strapazierten
Industriesparte gekommen. Vor Monatsfrist hatte der AKW-Bauer Areva einen
Jahresverlust von nahezu fünf Milliarden Euro kommuniziert. Seither reissen
auch die Spekulationen nicht ab, wonach der staatliche Energieversorger
Electricité de France (EDF) sich zumindest teilweise am ebenfalls staatlichen
Areva-Konzern beteiligen solle. Die Schlagzeilen zu den neuesten Problemen in
Flamanville, die in erster Linie auf Areva zurückfallen, lauten unter anderem:
- Un chantier décidément problématique – siehe HuffingtonpostFrance
- Le réacteur EPR de Flamanville n’en finit pas d’accumuler
les problèmes techniques: l’Autorité de sûreté nucléaire (ASN) a annoncé mardi
une nouvelle «anomalie» sur la cuve, un «élément particulièrement important
pour la sûreté» siehe Liberation
- Le réacteur EPR de Flamanville touché au cœur - siehe Le Monde
Fatal erscheint eine gewisse
Verknüpfung mit dem maroden AKW Fessenheim unweit der Schweizer Grenze gelegen,
wie die Tageswoche schreibt: «Vieles hängt dabei vom neuen Druckwasserreaktor beim
Kernkraftwerk Flamanville in der Normandie ab. Kommt dieser in Betrieb, wird als
Kompensation ein anderes geschlossen. » Und dieses ist höchstwahrscheinlich
Fessenheim. Umgekehrt heisst das auch – wenn Flamanville noch lange nicht oder
vielleicht nie in Betrieb geht, dann wird Fessenheim um so länger laufe.
Für die Atomwirtschaft in
Frankreich läuft es auch sonst nicht optimal. Das mit französischer Beteiligung
und Extrem-Subventionen in Grossbritannien geplante Hinkley Point ist noch
nicht in trockenen Tüchern – die dort engagierte Areva geht derzeit über die
Finanzbücher, mit ungewissem Ausgang (siehe dazu Figaro vom 2. April 2015).
© Solarmedia
Donnerstag, 9. April 2015
Risse im Druckbehälter des neuen AKW Flamanville
Wie die französische Nuklearaufsicht Autorité
de Sûreté Nucléaire ASN auf ihrer Website veröffentlichte, sind
im Reaktordruckbehälter des Atom-Neubaus Flamanville-3 Risse und
Kohlenstoff-Einschlüsse gefunden worden, wie sie zuletzt bei den
mittlerweile zur Sicherheit vom Netz genommenen belgischen Reaktoren
Doel-3 und Tihange-2 festgestellt wurden.
Das französische Flamanville-3-AKW (siehe Bild der Baustelle) ist neben dem finnischen Projekt Olkiluoto-3 das „Vorzeigeprojekt“ für den Europäischen Druckwasserreaktor EPR des französischen Reaktorbauers Areva, das von Anbeginn an in massive technische und finanzielle Schwierigkeiten geriet – und jetzt trotzdem für das britische Atom-Projekt Hinkley Point C vorgesehen ist. Der französische Reaktor sollte 2012 zum Preis von 3,3 Milliarden Euro fertig gestellt werden – derzeit wird jedoch schon mit einer Verzögerung von 5 Jahren und einer Kostenüberschreitung von 5,2 Milliarden auf insgesamt 8,5 Milliarden Euro gerechnet. Eine Vielzahl von Baumängeln wurden am Projekt festgestellt: So hatten tragende Betonpfeiler Löcher, die Wände des Abklingbeckens für die Brennelemente waren fehlerhaft, mindestens ein Viertel der Verbindungen der Stahlauskleidung des äußeren Containments entsprach nicht dem vorgeschriebenen Standard und Risse im Beton-Fundament der Anlage führten zu einem mehrmonatigen Baustopp.
„Die französische Atomaufsicht berichtet von einer Anomalie in der Zusammensetzung des Stahls in Teilen des Deckels und dem unteren Bereich des Reaktorbehälters des Flamanville-AKW. Nun sollen mit Vergleichstests die genaue Lage der Anomalie und die mechanische Stärke des Stahles analysiert werden. Der Reaktordruckbehälter eines Druckwasserreaktors ist besonders wichtig für die Sicherheit des Atomkraftwerks: Er enthält den Nuklearbrennstoff und hält als erste Barriere den Austritt von radioaktiver Spaltprodukten auf – was beim Versagen eines Druckbehälters passiert, hat sich bei den Kernschmelzen im japanischen Fukushima gezeigt“, so Dr. Reinhard Uhrig, Atomsprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Es ist unverantwortlich, Reaktoren mit Rissen im Druckbehälter weiterzubetreiben – und es ist völliger Wahnsinn, neue Reaktoren mit erwiesenen Rissen in Betrieb zu nehmen.“
In den beiden belgischen Reaktoren Doel-3 und Tihange-2 wurden erstmals 2012 bei Ultraschall-Untersuchungen Risse im Reaktordruckbehälter festgestellt, die auf Baumängel hinweisen. Aufgrund von neuen Tests im Jahr 2014 stellte die belgische Nuklearaufsicht FANC sogar noch mehr Risse fest, 13.047 Risse im Druckbehälter von Doel-3, 3.149 Risse in Tihange 2. Diese wurden in Folge vorsorglich vom Netz genommen. „Wir fordern die sofortige Überprüfung der Reaktordruckbehälter aller in der EU laufenden Atomreaktoren auf Risse und Kohlenstoff-Einschlüsse im Stahl. Ohne diese Analyse und eine fundierte Studie zu Auswirkungen auf die Festigkeit des unter höchstem Druck und thermischer Belastung stehenden Druckbehälters Atomkraftwerke weiter zu betreiben, ist ein fahrlässiges Spiel mit dem Super-GAU“, so Uhrig abschließend.
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert seit Jahren ein Ende des Atomzeitalters für die Stromerzeugung, unter anderem in der von 650.000 Menschen europaweit unterstützten Kampagne „Abschalten! Jetzt!“, und ein Umschalten auf Effizienz und erneuerbare Energieträger.
Quelle: sonnenseite.com / Global 2000
Das französische Flamanville-3-AKW (siehe Bild der Baustelle) ist neben dem finnischen Projekt Olkiluoto-3 das „Vorzeigeprojekt“ für den Europäischen Druckwasserreaktor EPR des französischen Reaktorbauers Areva, das von Anbeginn an in massive technische und finanzielle Schwierigkeiten geriet – und jetzt trotzdem für das britische Atom-Projekt Hinkley Point C vorgesehen ist. Der französische Reaktor sollte 2012 zum Preis von 3,3 Milliarden Euro fertig gestellt werden – derzeit wird jedoch schon mit einer Verzögerung von 5 Jahren und einer Kostenüberschreitung von 5,2 Milliarden auf insgesamt 8,5 Milliarden Euro gerechnet. Eine Vielzahl von Baumängeln wurden am Projekt festgestellt: So hatten tragende Betonpfeiler Löcher, die Wände des Abklingbeckens für die Brennelemente waren fehlerhaft, mindestens ein Viertel der Verbindungen der Stahlauskleidung des äußeren Containments entsprach nicht dem vorgeschriebenen Standard und Risse im Beton-Fundament der Anlage führten zu einem mehrmonatigen Baustopp.
„Die französische Atomaufsicht berichtet von einer Anomalie in der Zusammensetzung des Stahls in Teilen des Deckels und dem unteren Bereich des Reaktorbehälters des Flamanville-AKW. Nun sollen mit Vergleichstests die genaue Lage der Anomalie und die mechanische Stärke des Stahles analysiert werden. Der Reaktordruckbehälter eines Druckwasserreaktors ist besonders wichtig für die Sicherheit des Atomkraftwerks: Er enthält den Nuklearbrennstoff und hält als erste Barriere den Austritt von radioaktiver Spaltprodukten auf – was beim Versagen eines Druckbehälters passiert, hat sich bei den Kernschmelzen im japanischen Fukushima gezeigt“, so Dr. Reinhard Uhrig, Atomsprecher der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Es ist unverantwortlich, Reaktoren mit Rissen im Druckbehälter weiterzubetreiben – und es ist völliger Wahnsinn, neue Reaktoren mit erwiesenen Rissen in Betrieb zu nehmen.“
In den beiden belgischen Reaktoren Doel-3 und Tihange-2 wurden erstmals 2012 bei Ultraschall-Untersuchungen Risse im Reaktordruckbehälter festgestellt, die auf Baumängel hinweisen. Aufgrund von neuen Tests im Jahr 2014 stellte die belgische Nuklearaufsicht FANC sogar noch mehr Risse fest, 13.047 Risse im Druckbehälter von Doel-3, 3.149 Risse in Tihange 2. Diese wurden in Folge vorsorglich vom Netz genommen. „Wir fordern die sofortige Überprüfung der Reaktordruckbehälter aller in der EU laufenden Atomreaktoren auf Risse und Kohlenstoff-Einschlüsse im Stahl. Ohne diese Analyse und eine fundierte Studie zu Auswirkungen auf die Festigkeit des unter höchstem Druck und thermischer Belastung stehenden Druckbehälters Atomkraftwerke weiter zu betreiben, ist ein fahrlässiges Spiel mit dem Super-GAU“, so Uhrig abschließend.
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert seit Jahren ein Ende des Atomzeitalters für die Stromerzeugung, unter anderem in der von 650.000 Menschen europaweit unterstützten Kampagne „Abschalten! Jetzt!“, und ein Umschalten auf Effizienz und erneuerbare Energieträger.
Quelle: sonnenseite.com / Global 2000
Donnerstag, 26. März 2015
Samstag, 7. März 2015
4 Jahre nach Fukushima - billiger Atomstrom?
Vor vier Jahren, am 11.
März 2011, hat die Dreifach-Katastrophe in Nordost-Japan (Erdbeben,
Tsunami und Atomunfall) weite Teile der Region verwüstet. Am
nachhaltigsten sind die Folgen des Reaktorunfalls.
Die Strahlenbilanz ist inzwischen stark zurückgegangen. Aber: noch leben die meisten der 160.000 Flüchtlinge in der 20-Kilometer-Zone um den Reaktor in Notunterkünften. Der AKW-Betreiber Tepco hat erst Ende Februar 2015 zugegeben, dass seit einem Jahr hochverstrahltes Regenwasser vom Dach des Reaktors 2 ins Meer fließt. 300 Tonnen Grundwasser strömen täglich in die verseuchte Anlage und treten verstrahlt wieder aus. 7.000 Arbeiter sind mit den Problemen an den drei havarierten Reaktoren beschäftigt.
40 Jahre, so Tepco, werde es dauern bis die zerstörten Reaktoren abgewrackt sind. Ausgerechnet am 4. Jahrestag, so berichten japanische Medien, soll ein Zwischenlager für den Strahlenschrott aus den Meilern wie für das verstrahlte Erdreich um Fukushima eröffnet werden. Dieser strahlende Müll war bisher an 75.000 Orten vorläufig gelagert. Das Zwischenlager soll den gefährlichen Abfall 30 Jahre behalten. Was danach damit geschehen soll, weiß niemand so wenig wie es weltweit auch nur ein einziges atomares Endlager, das diesen Namen verdient.
Auch die UNO geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten in Fukushima noch etwa 40 Jahre andauern und zwischen 250 und 500 Milliarden Dollar kosten, die natürlich nicht die Betreiber, sondern die Steuerzahler aufbringen müssen. So war das auch in Tschernobyl 1986. Auch für diese Atomkatastrophe schätzte Michail Gorbatschow die Kosten auf circa 500 Milliarden Dollar.
Dieses Märchen ist bei zwei großen Atomunfällen bereits zweimal widerlegt worden. Dennoch will die liberalkonservative japanische Regierung Abe die seit 2011 stillgelegten 48 AKW in Japan wieder ans Netz bringen. Nur die japanische Bevölkerung hat dies bisher verhindert. Muss erst der nächste Unfall passieren bis auch die Regierung in Tokio zur Vernunft kommt?
Demonstration zu Fukushima: Ja! Haltlose Vorwürfe an die Landesregierung: Nein!
Anlässlich des vierten Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima und der Demo in Neckarwestheim erklärt die Karlsruher Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Quelle: sonnenseite.com / Franz Alt / Bild: Digital Globe
Die Strahlenbilanz ist inzwischen stark zurückgegangen. Aber: noch leben die meisten der 160.000 Flüchtlinge in der 20-Kilometer-Zone um den Reaktor in Notunterkünften. Der AKW-Betreiber Tepco hat erst Ende Februar 2015 zugegeben, dass seit einem Jahr hochverstrahltes Regenwasser vom Dach des Reaktors 2 ins Meer fließt. 300 Tonnen Grundwasser strömen täglich in die verseuchte Anlage und treten verstrahlt wieder aus. 7.000 Arbeiter sind mit den Problemen an den drei havarierten Reaktoren beschäftigt.
40 Jahre, so Tepco, werde es dauern bis die zerstörten Reaktoren abgewrackt sind. Ausgerechnet am 4. Jahrestag, so berichten japanische Medien, soll ein Zwischenlager für den Strahlenschrott aus den Meilern wie für das verstrahlte Erdreich um Fukushima eröffnet werden. Dieser strahlende Müll war bisher an 75.000 Orten vorläufig gelagert. Das Zwischenlager soll den gefährlichen Abfall 30 Jahre behalten. Was danach damit geschehen soll, weiß niemand so wenig wie es weltweit auch nur ein einziges atomares Endlager, das diesen Namen verdient.
Auch die UNO geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten in Fukushima noch etwa 40 Jahre andauern und zwischen 250 und 500 Milliarden Dollar kosten, die natürlich nicht die Betreiber, sondern die Steuerzahler aufbringen müssen. So war das auch in Tschernobyl 1986. Auch für diese Atomkatastrophe schätzte Michail Gorbatschow die Kosten auf circa 500 Milliarden Dollar.
Dieses Märchen ist bei zwei großen Atomunfällen bereits zweimal widerlegt worden. Dennoch will die liberalkonservative japanische Regierung Abe die seit 2011 stillgelegten 48 AKW in Japan wieder ans Netz bringen. Nur die japanische Bevölkerung hat dies bisher verhindert. Muss erst der nächste Unfall passieren bis auch die Regierung in Tokio zur Vernunft kommt?
Demonstration zu Fukushima: Ja! Haltlose Vorwürfe an die Landesregierung: Nein!
Anlässlich des vierten Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima und der Demo in Neckarwestheim erklärt die Karlsruher Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl, Sprecherin für Atompolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Quelle: sonnenseite.com / Franz Alt / Bild: Digital Globe
Donnerstag, 5. März 2015
Britische Atombeihilfen verklagt
Der deutsche Ökostromanbieter Greenpeace Energy verklagt die Europäische Kommission, weil diese milliardenschwere Beihilfen für den Bau des britischen AKW Hinkley Point C genehmigt hat.
„Der hoch subventionierte Atomstrom von dort wird den europäischen Wettbewerb spürbar verzerren. Auch in Deutschland werden die Börsenpreise für Strom beeinflusst“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy: „Weil dieser Effekt engagierte Ökostromanbieter wie uns wirtschaftlich benachteiligt, ziehen wir vor Gericht.“ Sobald die Beihilfegenehmigung der Kommission im offiziellen EU-Amtsblatt erschienen ist und die Klagefrist beginnt, wird Greenpeace Energy eine so genannte Nichtigkeitsklage beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg einreichen.Die von der EU-Kommission im vergangenen Oktober genehmigten Staatsbeihilfen für den Bau der zwei Druckwasserreaktoren im Südwesten Englands belaufen sich auf umgerechnet rund 22 Milliarden Euro. Sie beinhalten unter anderem eine garantierte Einspeisevergütung in Höhe von rund elf Cent pro Kilowattstunde für den in Hinkley Point C produzierten Atomstrom. Hinzu kommen staatliche Kreditgarantien sowie ein Inflationsausgleich. Die daraus resultierende Vergütung liegt weit über der für Wind- oder Solarstrom in Deutschland.
Ein von Greenpeace Energy in Auftrag gegebenes Gutachten des Analysehauses Energy Brainpool zeigt, dass Hinkley Point C zu einer Verschiebung des Preisniveaus auf dem europäischen Strommarkt führen wird. Demnach benachteiligt ein sinkender Börsenstrompreis in Deutschland vor allem jene Versorger, die Ökostrom in der so genannten „Sonstigen Direktvermarktung“ einkaufen, also zu fixen Preisen direkt bei den Anlagenbetreibern. „Anders als Premier Cameron behauptet, ist ein mit vielen Steuermilliarden gepäppelter Reaktorneubau in Hinkley Point eben keine rein britische Angelegenheit“, sagt Sönke Tangermann, „sondern benachteiligt ganz direkt uns als deutsches Unternehmen, das am Strombinnenmarkt agiert.“
Daneben führt der AKW-Neubau in Großbritannien laut der Analyse von Energy Brainpool zu höheren Stromkosten bei den Verbrauchern. Aufgrund der Preiseffekte durch Hinkley Point C dürften hierzulande die Kosten für das EEG-System steigen, weil den Betreibern von EEG-Anlagen mit fester Vergütung künftig eine größere Differenz zum Börsenstrompreis gezahlt werden muss. Dadurch stiege auch die EEG-Umlage leicht. Auch wenn dies nicht zwangsläufig zu höheren Strompreisen führe, sei die Belastung des EEG-Systems ein Skandal, so Tangermann.
Die schädlichen Effekte für Binnenmarkt und Wettbewerb werden sich aus Sicht von Greenpeace Energy sogar noch vervielfachen, wenn der von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgestellte europäische Investitionsfonds in Kraft tritt. Der geplante Fonds mit 315 Milliarden Euro hat in Großbritannien und mehreren anderen EU-Staaten bereits Begehrlichkeiten geweckt, Beihilfen für weitere geplante Atomkraftwerke zu erhalten. Zudem sollen nach dem Willen der EU die grenzübergreifenden Stromleitungen massiv ausgebaut werden, was die im Energy-Brainpool-Gutachten berechneten negativen Effekte noch einmal massiv verstärken würde.
Greenpeace Energy sieht in der Beihilferegelung für Hinkley Point C einen Präzedenzfall für andere Reaktorprojekte, die zu noch stärkeren Verwerfungen auf dem europäischen Energiemarkt führen dürften. „Wenn es bei der Genehmigung durch die Kommission bleibt, ist Hinkley Point nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Sönke Tangermann, „deshalb rufen wir die deutsche Bundesregierung auf, ebenfalls rechtliche Schritte gegen die unfairen Beihilfen für Hinkley Point C einzuleiten. Sie muss diesen Türöffner für weitere riskante und absurd teure Atomkraftprojekte in Europa verhindern.“
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