Im japanischen Atomkraftwerk Onagawa ist nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) der Grad der Radioaktivität wieder auf ein normales Niveau gesunken. Radioaktivität sei keine ausgetreten (siehe Eilmeldung vom gleichen Tag).
Die japanischen Behörden hätten die Internationale Atomenergiebehörde darüber informiert, dass in der Anlage wieder ein normales Level erreicht worden sei, erklärte die Behörde in Wien am späten Sonntagabend. Zuvor war für das AKW im Nordosten des Landes, in dem es nach dem schweren Erdbeben vom Freitag gebrannt hatte, wegen überhöhter Radioaktivität der atomare Notstand ausgerufen worden. Untersuchungen an der Anlage hätten nun aber ergeben, dass aus keinem Reaktor Radioaktivität ausgetreten sei, hiess es in der IAEA-Erklärung weiter.
Die japanischen Behörden vermuteten vielmehr, dass die gemessene erhöhte Radioaktivität rund um den Komplex von der Anlage in Fukushima stamme. Die IAEA versicherte, weiterhin mit den japanischen Behörden in Kontakt zu stehen und die Lage zu beobachten.
Quelle: Diverse Agenturen
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Sonntag, 13. März 2011
Sogar Büttiker macht kehrt
Wie in anderen Staaten ist in der Schweiz nach den Ereignissen in Japan der Atomstreit neu entbrandt – dabei war gerade erst die umstrittene Abstimmung über den Neubau eines AKW im bernischen Mühleberg, die konsultativ eine ganz knappe Befürwortung ergeben hatte. Die Stimmung dürfte unterdessen deutlich gekehrt haben.
Als die Berner SP am Samstag forderte, das zu Fukushima bauähnliche AKW Mühleberg sofort still zu legen, war der Berner FDP-Jungnationalrat Christian Wasserfallen wieder einmal schnell zur Stelle mit dem Vorwurf des Populismus. Da werde eine völlig andere Situation und ein in der Schweiz undenkbarer Erdbebenfall missbraucht, um Stimmung gegen die sicheren CH-AKW zu machen. Das ist die Masche des Berner Hardliners, der sich in jüngster Zeit als grosser Verfechter neue Atomanlagen in der Schweiz hervorgetan hat – deckte er doch auch in der Freitags-Arena von Fernsehen DRS die Gegenseite mehrfach mit dem Populismus-Vorwurf ein.
Doch Wasserfallen steht ziemlich einsam da. Das wird deutlich, schlägt man die Schweizer Sonntagspresse auf. Die NZZ mahnt noch vorsichtig, ein solcher Vorfall im eigentlich so sicheren Japan müsse schon dazu führen, auch die hiesigen Verhältnisse zu überdenken, auch wenn sie nicht deckungsgleich seien. Erstaunlicherweise viel forscher argumentiert da die aus dem Atomkanton Aargau stammende Sonntagszeitung «Sonntag»: Chefredaktor Patrik Müller überschreibt seinen Kommentar mit «Das ist unmöglich» - bezugnehmend auf die Äusserungen so vieler Energieexponenten in der Schweiz, die diesen japanischen Vorfall wohl bis zum Freitag für unmöglich erachtet hätten. Was für den Chefkommentator selbst galt, wie er eingesteht.
Nun war es natürlich gar nicht so unmöglich, hörte man nur auf eine andere Gruppe von Experten, die halt stets als Ideologen schlecht gemacht wurden. Sowohl Greenpeace-Exponenten wie auch der Darmstädter Öko-Institutsangehörige Michael Sailer wurden stets in diese Ecke verwiesen, obwohl sie genau auf solche Gefahren aufmerksam machten und den von aussen verursachten GAU eben nicht als unmöglich bezeichneten. Sie sind derzeit in den deutschen TV-Anstalten die gefragtesten Kommentatoren – das hiesige Fernsehen hält sich demgegenüber mit schon früher kritischen Stimmen zurück und lässt in erster Linie die Abwiegler zu Wort kommen, seien es jene der eidgenössischen Nuklearsicherheit oder auch ETH-Professoren, wie etwa Michael Prasser, der über Radio DRS am Samstagabend noch von einer geringen Gefährdung sprach.
Beurteilten den Beitrag der Atomenergie zur Lösung der Klimaproblematik an einer Diskussion im vergangenen Herbst unterschiedlich: ETH-Professor Horst-M. Prasser und Michael Sailer vom Oeko-Institut in Darmstadt/Berlin (Foto: Guntram Rehsche).
Zurück zur Zeitung «Sonntag». Denn da äussert sich nicht nur der Chefredaktor selbstkritisch. Es kommen auch bislang uneingeschränkte AKW-Befürworter zu Wort wie der Solothurner Ständerat Rolf Büttiker, seines Zeichens auch Verwaltungsrat des AKW Leibstadt, seine erstaunlichen Einschätzungen seien hier wortwörtlich wiedergegeben: «Ich habe ein solches Ereignis nicht für möglich gehalten. Es stellt eine völlig neue Dimension dar und muss auch in der Schweiz zu einer Neubeurteilung der Risiken führen.» Es sei falsch zu sagen, so etwas könne in der Schweiz nicht passieren, so Büttiker weiter, der sich damit nicht nur dem Berner Nationalrat Wasserfallen entgegenstellt, sondern auch Bundesrätin Leuthardt, die in der Sonntagstagesschau das genaue Gegenteil behauptete. Und Büttiker schliesst gemäss «Sonntag» mit der Aussage, «wenn wir zum Schluss kommen sollten, dass die Risiken der Kernkraft zu gross geworden sind, müssen wir auf den Neubau eines Schweizer Werks verzichten».
© Solarmedia
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Als die Berner SP am Samstag forderte, das zu Fukushima bauähnliche AKW Mühleberg sofort still zu legen, war der Berner FDP-Jungnationalrat Christian Wasserfallen wieder einmal schnell zur Stelle mit dem Vorwurf des Populismus. Da werde eine völlig andere Situation und ein in der Schweiz undenkbarer Erdbebenfall missbraucht, um Stimmung gegen die sicheren CH-AKW zu machen. Das ist die Masche des Berner Hardliners, der sich in jüngster Zeit als grosser Verfechter neue Atomanlagen in der Schweiz hervorgetan hat – deckte er doch auch in der Freitags-Arena von Fernsehen DRS die Gegenseite mehrfach mit dem Populismus-Vorwurf ein.
Doch Wasserfallen steht ziemlich einsam da. Das wird deutlich, schlägt man die Schweizer Sonntagspresse auf. Die NZZ mahnt noch vorsichtig, ein solcher Vorfall im eigentlich so sicheren Japan müsse schon dazu führen, auch die hiesigen Verhältnisse zu überdenken, auch wenn sie nicht deckungsgleich seien. Erstaunlicherweise viel forscher argumentiert da die aus dem Atomkanton Aargau stammende Sonntagszeitung «Sonntag»: Chefredaktor Patrik Müller überschreibt seinen Kommentar mit «Das ist unmöglich» - bezugnehmend auf die Äusserungen so vieler Energieexponenten in der Schweiz, die diesen japanischen Vorfall wohl bis zum Freitag für unmöglich erachtet hätten. Was für den Chefkommentator selbst galt, wie er eingesteht.
Nun war es natürlich gar nicht so unmöglich, hörte man nur auf eine andere Gruppe von Experten, die halt stets als Ideologen schlecht gemacht wurden. Sowohl Greenpeace-Exponenten wie auch der Darmstädter Öko-Institutsangehörige Michael Sailer wurden stets in diese Ecke verwiesen, obwohl sie genau auf solche Gefahren aufmerksam machten und den von aussen verursachten GAU eben nicht als unmöglich bezeichneten. Sie sind derzeit in den deutschen TV-Anstalten die gefragtesten Kommentatoren – das hiesige Fernsehen hält sich demgegenüber mit schon früher kritischen Stimmen zurück und lässt in erster Linie die Abwiegler zu Wort kommen, seien es jene der eidgenössischen Nuklearsicherheit oder auch ETH-Professoren, wie etwa Michael Prasser, der über Radio DRS am Samstagabend noch von einer geringen Gefährdung sprach.
Beurteilten den Beitrag der Atomenergie zur Lösung der Klimaproblematik an einer Diskussion im vergangenen Herbst unterschiedlich: ETH-Professor Horst-M. Prasser und Michael Sailer vom Oeko-Institut in Darmstadt/Berlin (Foto: Guntram Rehsche).Zurück zur Zeitung «Sonntag». Denn da äussert sich nicht nur der Chefredaktor selbstkritisch. Es kommen auch bislang uneingeschränkte AKW-Befürworter zu Wort wie der Solothurner Ständerat Rolf Büttiker, seines Zeichens auch Verwaltungsrat des AKW Leibstadt, seine erstaunlichen Einschätzungen seien hier wortwörtlich wiedergegeben: «Ich habe ein solches Ereignis nicht für möglich gehalten. Es stellt eine völlig neue Dimension dar und muss auch in der Schweiz zu einer Neubeurteilung der Risiken führen.» Es sei falsch zu sagen, so etwas könne in der Schweiz nicht passieren, so Büttiker weiter, der sich damit nicht nur dem Berner Nationalrat Wasserfallen entgegenstellt, sondern auch Bundesrätin Leuthardt, die in der Sonntagstagesschau das genaue Gegenteil behauptete. Und Büttiker schliesst gemäss «Sonntag» mit der Aussage, «wenn wir zum Schluss kommen sollten, dass die Risiken der Kernkraft zu gross geworden sind, müssen wir auf den Neubau eines Schweizer Werks verzichten».
© Solarmedia
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EILMELDUNG
Notstand auch für Onagawa: Nach einer 400fach erhöhten Radioaktivität haben die Behörden den nuklearen Notstand in einem weiteren Atomkraftwerk ausgerufen (Sonntagabend Ortszeit). Für das Kraftwerk Onagawa sei wegen überhöhter Werte von Radioaktivität die niedrigste Notstandsstufe erklärt worden, teilte die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien mit. Die Karte zeigt die Lage der Atomanlagen in Fukushima (A) und Onagawa (B)
Samstag, 12. März 2011
Atomrenaissance am Ende
Die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe hat unabsehbare Ausmasse. Sie hat aber auch die weiterhin vorhandene Störanfälligkeit von Atomkraftwerken in unserer Welt klar gemacht - und damit das Ende aller Atomphantastereien eingeleitet. Ein Kommentar des Solarmedia-Autors Guntram Rehsche.Der 11. März 2011 wird sich nicht nur einprägen als Ende vom Mythos des Schutzes gegen Erdbeben oder Tsunami-Wellen. Der dramatische Freitag in Japan bedeutet vor allem eines, das Ende vom Mythos der Sicherheit von Atomkraftwerken. Wer seit dem tragischen Ereignis die Berichte aus dem Nordosten Japans verfolgt, kann nur zu einem Schluss kommen. So kann, so darf es mit AKW nicht weiter gehen – vielmehr sind sie niemals sicher.... Die deutsche Wochenzeitschrift Der Spiegel titelt für ihre neueste Ausgabe bereits «Das Ende des Atomzeitalters».
Fünf Reaktorblöcke an zwei Standorten für AKW sind unterdessen von Störfällen betroffen, das Kabinett ist zu einer Atomkrisensitzung zusammen getreten, geht also von einer grossen Gefährdung aus. Die Brennstoffstäbe können nicht mehr gekühlt werden, warum auch immer – es fehlt an Kühlwasser und Notstrom. Das Risiko einer atomaren Verstrahlung ist zumindest gegeben – 50'000 Menschen sollen evakuiert werden.
Ein Atomkraftwerk muss permanent gekühlt werden, da ansonsten sofort die Hitze der Kernreaktion den Reaktor zerstören würde. Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung in Fukushima unterbrochen. Normalerweise stehen Dieselgeneratoren bereit, die den Kühlkreislauf im Notfall weiterbetreiben - doch diese wurden in Fukushima durch das Erdbeben ebenfalls zerstört, zur Zeit wird die Kühlung von einer Notbatterie betrieben, deren Kapazität jedoch nach einigen Stunden erschöpft ist. Das Kraftwerk wurde zwar abgeschaltet, jedoch besteht weiterhin Gefahr: Auch Stunden nach einer Abschaltung sind die Brennstäbe noch so heiß, dass ein Ausfall des Kühlsystems fatal wäre. Unterdessen hat sich die Radioaktivität im Kontrollraum des Kraftwerks die Radioaktivität nach Regierungsangaben um das tausendfache erhöht – und das deute auf eine zumindest partielle Kernschmelze hin, erklärt Heinz Smital, Kernphysiker und Greenpeace-Experte gemäss dem Nachhaltigkeitsportal.
Wie auch immer diese neue Atomgeschichte ausgeht – sie kann nur das Ende aller weit fliegenden atomaren Ausbaupläne bedeuten. Sie zeigt, dass es eine auch nur ausreichende, nicht einmal eine absolute Sicherheit dieser Nuklearanlagen nicht geben kann und niemals geben wird. Genauso wenig wie die Sicherheit gegen Erdbeben oder Tsunami-Wellen, die ja gerade in Japan zur Perfektion getrieben wurden.
Die Alternative allerdings steht bereit, kurzfristig vielleicht mit höheren Kosten belastet – was angesichts der zu erwartenden atomaren Schäden in Japan nicht einmal mehr sicher ist. Anlässlich der konsultativen Abstimmung um die Wünschbarkeit eines Neubaus im bernischen Mühleberg gab es noch eine knappe befürwortende Mehrheit. Diese dürfte unterdessen schlagartig dahin sein. Wer Atomgegnern jetzt einfach billige Schadenfreude unterstellt, liegt daneben. Genau solche Vorfälle wie jetzt in Fukushima waren ja befürchtet worden. Irgendetwas ist am Ende immer unkontrollierbar oder der unerwartete Auslöser. Das ist nun ebenso klar wie die Tatsache, dass die Erneuerbaren Energien als brauchbare Ersatzlösung bereit stehen.
© Solarmedia
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