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Dienstag, 20. Oktober 2015

Chinesen verringern Einsatz für AKW Hinkley Point

Chinesische Atomkonzerne verringern offenbar ihr finanzielles Engagement beim umstrittenen AKW-Projekt Hinkley Point C. Anders als geplant wird beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Großbritannien laut Medienberichten keine offizielle Investitionsvereinbarung zwischen der britischen Regierung und chinesischen Investoren für den Bau des Atomkraftwerks im Südwesten Englands unterzeichnet. 

Auch wollen die Staatskonzerne China National Nuclear Corporation (CNNC) und Chinese General Nuclear Power Group (CGN) deutlich weniger Geld in den Reaktorbau Hinkley Point C im Südwesten Englands stecken als angekündigt. Der Anteil soll statt der zuvor genannten 40 Prozent nur noch 30 Prozent betragen. Als Gründe dafür werden unter anderem rechtliche Unsicherheiten bei der Finanzierung des AKW-Projektes genannt. Greenpeace Energy aus Hamburg klagt mit weiteren Akteuren gegen die britischen Subventionen in Höhe von 100 Milliarden Euro für das AKW. Laut Studien verzerren diese den Wettbewerb auf dem europäischen Strommarkt und benachteiligen Anbieter erneuerbarer Energien. Ein heute von Greenpeace Energy veröffentlichtes Dossier belegt zudem, dass mindestens einer der chinesischen Staatskonzerne in Umwelt- und Bestechungsskandale verwickelt war.

„Die Investoren wissen, dass Hinkley Point C für sie zum milliardenschweren Risiko werden kann, solange die vom britischen Staat geplanten, üppigen Subventionen noch vor Gericht verhandelt werden“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Die beiden großen Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s hatten zuvor angekündigt, die Kreditwürdigkeit von Investoren herabzustufen, wenn diese in Hinkley Point C investieren. Grund sei vor allem die Gefahr von massiven Kostensteigerungen und einer unsicheren Finanzierungslage. „Dazu gehört auch die aus unserer Sicht unrechtmäßige und unfaire Beihilfe, die die EU-Kommission Großbritannien niemals hätte genehmigen dürfen“, sagt Tangermann.

Greenpeace Energy hat zusammen mit acht deutschen Stadtwerken und der oekostrom AG aus Österreich Mitte Juli vor dem Gericht der Europäischen Union in Luxemburg gegen die Subventions-Erlaubnis der Kommission geklagt. Auch die österreichische Bundesregierung geht gerichtlich gegen die von der EU-Kommission genehmigte Beihilfeentscheidung vor. Beide Klagen wurden vom Gericht entgegengenommen und in der vergangenen Woche im offiziellen EU-Amtsblatt veröffentlicht.
 

CNNC und CGN haben bereits 2013 von der britischen Regierung die Erlaubnis erhalten, sich finanziell an Hinkley Point C zu beteiligen. Teil des geplanten Investitions-Vertrages ist unter anderem, dass beide Unternehmen in Großbritannien mindestens ein weiteres Atomkraftwerk mit chinesischer Technik bauen dürfen. Derzeit wird auch in Großbritannien kontrovers über das Subventionspaket für Hinkley Point C diskutiert – und über die Rolle der chinesischen Partner. Britische Experten und Politiker befürchten Sicherheitsrisiken, mangelnde Transparenz und kritisieren immer stärker die hohen Kosten des Projektes.

„Wir begrüßen, dass die Debatte über dieses teure und riskante AKW-Projekt mit all seinen Folgen auch in der britischen Öffentlichkeit geführt wird“, sagt Sönke Tangermann, „denn nicht nur die staatlichen Subventionen und Garantien sind problematisch, sondern auch die möglichen Investoren.“ Dies zeigt ein Blick auf das neue Dossier mit den bisherigen Aktivitäten der chinesischen Staatskonzerne: Millionenschwere Korruption, ein ökologisch desaströser Uranabbau, Unregelmäßigkeiten bei Atomtransporten und niedrige Sicherheitsstandards bei chinesischen AKW prägen das Bild. Zudem ist über Störfälle in China und die Qualität des Krisenmanagements von CNNC und CGN viel zu wenig bekannt. „Vertrauenswürdige Partner für ein europäisches Energie-Projekt sehen anders aus“, so Tangermann.

Neben den chinesischen Unternehmen bleibt derzeit einzig der Betreiber von Hinkley Point C, der französische Staatskonzern Electricité de France (EDF), übrig, um die Investitionen zu stemmen. Diese belaufen sich auf umgerechnet mehr als 30 Milliarden Euro – sofern der aktuell geplante Kostenrahmen eingehalten wird. Der Kraftwerksbauer Areva hat aus finanziellen Gründen seine finanzielle Beteiligung von rund 15 Prozent an Hinkley Point C bereits aufgekündigt. Auch potenzielle Geldgeber aus Kuwait, Katar und Saudi-Arabien haben ihr Interesse an einer Beteiligung zurückgezogen. 


Quelle: Greenpeace Energy

Dienstag, 8. April 2014

10'000e gegen Atomsubventionen

Sollen hohe staatliche Subventionen für Atomkraft erlaubt sein? Darüber entscheidet derzeit die Europäische Kommission. Großbritannien hatte im Herbst um die Genehmigung von festgelegten Einspeisevergütungen für Strom aus dem in Planung befindlichen Atomkraftwerk Hinkley Point C im Süden des Landes angefragt. Damit sollen dem Betreiber Electricité de France (EdF) über 35 Jahre feste Einnahmen garantiert werden, umgerechnet 11 Ct/kWh plus Inflationsausgleich.

Normalerweise sind solche Beihilfen verboten, hier soll die EU aber eine Ausnahme machen. Gleichzeitig werden in einem anderen Prozedere staatliche Hilfen, auch für Erneuerbare Energien, grundsätzlich in Frage gestellt. Die Entscheidung der EU-Kommission wird richtungsentscheidend sein, weil auch andere AKW –wie etwa Temelin in Tschechien- Unterstützung brauchen. Bis 07.04.2014 hatten alle EU-Bürger die Möglichkeit, sich einen Monat lang dazu zu äußern. Umweltpreisträgerin und Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Ursula Sladek appelliert an die EU-Kommissare: „Dem Antrag Großbritanniens auf Förderung der Atomkraft darf auf keinen Fall stattgegeben werden. Die beantragten Subventionen für eine Technologie, die ohnehin seit mehr als 6 Dekaden mit staatlichen Subventionen gestützt wurde, stellen in Ausmaß und Dauer alles in den Schatten, was bisher an Anschub-Förderung für Sonnen- und Windstrom geflossen ist. Die Atomkraft behindert die Erneuerbaren Energien nicht nur durch Kapitalbindung, sondern auch durch Inkompatibilität. Die träge Technologie kann weder auf fluktuierende Nachfrage noch Einspeisung der Erneuerbaren flexibel reagieren.“

Dem Aufruf der EWS www.ews-schoenau.de/einspruch, gegen die geplanten Atomsubventionen zu protestieren, sind mehr als 16.000 Bürger gefolgt. Auch in Frankreich haben sich etwa 4600 Bürger beteiligt. Am größten ist der Widerspruch aus Österreich, wo über das Netzwerk GLOBAL 2000 mehr als 20000 Einsprüche gezählt wurden (derStandard.at: Breite Front gegen Briten-AKW) und wo auch die Regierung gegen jede Art der Förderung von Atomkraft auftritt (der Standard berichtete). Auch aus rein wettbewerblicher Sicht ist dieser Fall umstritten. Eine Studie der Universität Linz, Institut für Europarecht, kommt zu dem Schluss, dass eine Gewährung der Beihilfen mit dem EU-Recht unvereinbar sei. (siehe Medieninformation zur Pressekonferenz mit Univ.-Prof. Dr. Franz Leidenmühler Institut für Europarecht, JKU Linz).

Die EWS Schönau sind ein unabhängiger Ökostromstromversorger mit rund 150.000 Kunden. Aus einer Elterninitiative gegen Atomkraft entstanden, setzen sie sich konsequent für den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ein und beteiligen sich auch an der politischen Diskussion. Zuletzt stellten sie gemeinsam mit Greenpeace Energy und naturstrom ein Modell zur Integration von Ökostrom vor, das Ökostrom-Markt-Modell.

Quelle: EWS Schönau 2014

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Dienstag, 25. Juni 2013

Polen verzichtet auf Bau neuer AKW

Wie Polens Regierungschef Donald Tusk bekannt gab, kann sich das Land den Bau zweier geplanter Atomkraftwerke nicht leisten. Die Deutsche Energie Agentur (Dena) reagierte positiv auf diese Entscheidung. Die Dena ist der Auffassung, dass Polen zur Deckung seines Energiebedarfs nicht auf Atomkraft angewiesen ist. 

Die Dena reagierte erleichtert auf die Ankündigung Polens (Landesumrisse und Nationalflagge siehe links) vorerst keine neuen Atomkraftwerke zu bauen. Für die beiden geplanten Atomkraftwerke würden Investitionen von rund 12,5 Milliarden Euro fällig werden, ein Betrag, den sich Polen laut Regierungschef Donald Tusk derzeit nicht leisten kann. Gebaut werden sollten beide AKWs nahe der Ostsee. Während das erste bereits 2024 fertiggestellt sein sollte, hätte ein zweiter Meiler einige Jahre später folgen sollen.

Die Deutsche Energieagentur (Dena) begrüßte die Entscheidung der polnischen Regierung. Neben einigen Sicherheitsbedenken ist die Dena der Auffassung, dass Polen nicht zwangsweise auf die Nutzung von Atomenergie angewiesen sei. Vielmehr habe Polen nun die Möglichkeit in moderne fossile Kraftwerke und den Ausbau der regenerativen Energien zu investieren.

In einer Pressemitteilung der Dena meinte Stephan Kohler, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie Agentur: „Die polnische Regierung hat eine sehr vernünftige Entscheidung getroffen, die bisherigen Pläne bezüglich des Baus neuer Atomkraftwerke auf Eis zu legen. Die Atomenergie ist nicht nur ökologisch und sicherheitstechnisch sehr problematisch. Die Errichtung von Atomkraftwerken ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Sie bindet sehr viel Kapital, und zwar auf lange Zeit. Diese Zeit können unsere polnischen Nachbarn jetzt nutzen, um den Bau moderner fossiler Kraftwerke und den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben.“

Quelle: energie-news.net

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Dienstag, 28. Mai 2013

Kein AKW im russischen Kaliningrad

Nach jahrelangen Vorbereitungen für ein Atomkraftwerk im russischen Kaliningrad hat Präsident Vladimir Putin das Projekt diese Woche endgültig ad acta gelegt, wie das österreichische Oekoportal oekonews.at meldet. Womit sich einmal mehr zeigt: Atomkraft rechnet sich nicht. 

Das russische Staatsunternehmen Rosatom wird die beiden geplanten 1200 Megawatt-Reaktoren nicht errichten, da sich keine europäischen Investoren finden lassen. Die Stromproduktion war für den europäischen Markt bestimmt. "Atomkraft ist nicht finanzierbar, selbst mit dieser starken politischen Unterstützung, wie sie der Atomkraft in Russland geboten wird", sagt Patricia Lorenz, Atomsprecherin von GLOBAL 2000. Damit fällt eines der meist strapazierten Argumente der Ausstiegsgegner in Europa, wonach der Strommarkt mit Strom aus den AKW  der EU-Nachbarländer geflutet und somit den eigenen Ausstieg konterkarieren würde.

Finanzierungsprobleme aufgrund der enormen Kosten und üblichen Bauverzögerungen gelten auch für weitere europäische Atomkraftwerke wie etwa Hinkley Point in Großbritannien oder Temelin 3 und 4 in der tschechische Republik. Kaliningrad ist ein weiterer Rückschlag für die internationale Atomindustrie, aber nicht das Ende: "Auch auf EU-Ebene müssen wir nun verhindern, dass neue Atomkraftwerke durch neue Förderungen ermöglicht werden", sagt Lorenz.


Im Rahmen des GLOBAL 2000 TOMORROW FESTIVALS (von 30.05.-02.06.2013) wird eine mehrtägige internationale Anti-Atom-Konferenz abgehalten, an der prominente AktivistInnen und ExpertInnen aus 18 Ländern teilnehmen. Im Mittelpunkt des Strategietreffens steht die Entwicklung neuer Vorgehensweisen für ein atomkraftfreies Europa. Die Ergebnisse und gemeinsamen Ziele der KonferenzteilnehmerInnen werden in der "Deklaration von Zwentendorf" Niederschlag finden.


Quelle: oekonews.at 

Siehe auch Eintrag in >>> nucleopedia.org

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Sonntag, 14. Oktober 2012

Baltenrepublik Litauen steigt aus

Jahrelang verwies die Atomlobby auf Osteuropa, wo Atomenergie bei den Völkern unbestritten und neue Werke im Anrollen seien, und jetzt das: Die Balten in Litauen wollen kein neues Atomkraftwerk und werden wohl auch keines bauen, da parallel zur Volksabstimmung Parlamentswahlen stattfanden, die nach neuesten Wahlergebnissen eine neue atomkritische Regierung an die Macht bringen.

Das ist ein Meilenstein im Kampf gegen die Atomenergie. Bislang wurde der Atomausstieg von Atombefürwortern als westeuropäische Schrulle gebrandmarkt, die gerade mal in Deutschland und langfristig in der Schweiz verfange. Abgesehen davon, dass weltweit bereits wesentlich mehr Staaten ausgestiegen sind (siehe auch das ABC der Ausstiegswilligen in der rechten Spalte), waren es ja stets die Bevölkerungen, die sich gegen die Dinosauriertechnologie wandten, ungeachtet von den Regierungen.

Aus jüngster Zeit stammt der Ausstiegsbeschluss von Belgien und auch ein vorerst zaghafter Anlaug der japanischen Regierung, einen solchen in die politische Diskussion einzubringen (zumal gerade die japanische Bevölkerung seit Fukushima strikte sowohl gegen Neubauten wie gegen das Hochfahren der bestehenden Anlagen eingestellt ist). 

In dem nicht bindenden Referendum stimmten die Litauer nun am Sonntag gegen den Bau eines neuen Atomkraftwerks. Laut von der Wahlkommission veröffentlichten Teilergebnissen lehnten 61,57 Prozent der Wähler die Baupläne in Visaginas ab, 34,76 Prozent waren dafür. Die Abstimmung ist aber nicht bindend für die Regierung; sie hat beratenden Charakter - insofern aber grosse Bedeutung, als auch die geforderte 50prozentige Stimmbeteiligung erreicht wurde. 

Litauen zahlt gemäss dem österreichischen Nachhaltigkeitsportal oekonews.at immer noch für das Erbe der Atomkraft aus Sowjet-Zeiten: Zwei russische Reaktoren vom Typ des explodierten Tschernobyl-Reaktors (RMBK) wurden auf Druck der EU beim Beitritt Litauens zur Union stillgelegt. Der Rückbau der Reaktoren verzögert sich immer wieder und verschlingt Unsummen an EU-Steuergeldern. Nach neuesten Schätzungen sollen die Reaktoren bis 2030 rückgebaut sein, zu einem Preis von 2,9 Milliarden Euro, von dem die EU 95 Prozent übernimmt. „In dieser Situation über den Neubau eines weiteren Atom-Milliardengrabs auch nur nachzudenken, ist völlig absurd“, sagt Uhrig.  Für das Visagines-Projekt war im März ein Vorvertrag mit Hitachi in einer Höhe von sechs bis acht Milliarden Euro abgeschlossen worden, der nun hinfällig ist, so denn die neue Regierung Wort hält.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Widerstand in Indien

Die Menschen in Indien haben kein Vertrauen mehr in die Atomkraft - und dies lassen sie auch ihre "Dirigenten" wissen. Die Mobilisierung verhindert derzeit den Bau von acht Reaktoren.

Die indischen Behörden wollen den atomaren Anteil in der Energieproduktion des Landes signifikant erhöhen, indem sie in Zusammenarbeit mit Russland (Rosatom), Frankreich (AREVA) und den USA (Westinghouse) die Errichtung neuer Atomreaktoren planen. Diese Absicht könnte sich sehr verkomplizieren, weil die lokale Bevölkerung gegen einige der geplanten Bauprojekte massivsten Widerstand leistet.

Ein erstes Ergebnis davon ist die Einstellung der Arbeiten an den Standorten in Kudankulam (2 russische Reaktoren geplant) und in Jaitapur in einer seismischen Zone (6 ERP-Reaktoren geplant). Durch das kontinuierliche Multiplizieren ihrer Aktionen haben die indischen Atomgegner es geschafft, das Regierungsprogramm zum Ausbau der Atomkraft praktisch zu stoppen.

siehe auch: www.dianuke.org/koodankulam-struggle-25-years-of-sweat-and-toil

Quelle: oekonews.at

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Freitag, 13. Januar 2012

Umfrage ergibt wachsende Skepsis

Die Unterstützung für Atomkraft sinkt weltweit: Eine Umfrage der BBC zeigt, dass es rund um die Erde weit weniger Lust gibt, neue AKWs zu errichten als dies bisher der Fall war. In Ländern, in denen es Atomprogramme gibt, ist der Widerstand signifikant größer als 2005, nur in Großbritannien und die USA ist der Trend etwas anders.

In den meisten Ländern ist man der Meinung, dass Erneuerbare Energie und Energieeffizienz Atomkraft ersetzen könnten. Nur noch 22 % der Befragten meinen, dass Atomkraft eher sicher und eine wichtige Energiequelle sei und dass wir mehr Atomkraftwerke bauen sollten. 71 % der Befragten meinen, ihr Land könne Kohle und Atomkraft innerhalb von 20 Jahren fast völlig durch Energieeffizienz und erneuerbare Energien ersetzen. Global wollen 39 % die bestehenden Reaktoren weiter verwenden, aber keine neuen mehr bauen, und 30 % der Befragten wollen alle Reaktoren sofort abschalten.

Im Rahmen der Befragung wurden vom weltweit tätigen Meinungsforschungsinstitut GlobeScan, das von den BBC-News beauftragt wurde, vom Juli bis zum September 2011 insgesamt 23 231 Personen in 23 Ländern befragt. GlobeScan hatte bereits im Jahre 2005 acht Länder mit Atomprogrammen eine ähnliche Befragung durchgeführt. In den meisten dieser Ländern stieg der Widerstand gegen den Bau neuer Reaktoren seitdem deutlich an. In Deutschland von 73 % im Jahre 2005 auf 90 % derzeit. Noch interessanter ist, dass der Widerstand gegen Atomkraft auch im Pro-Atom geltenden Frankreich stieg, und zwar von 66 % auf 83 %, ähnlich wie in Russland von 61 % auf ebenfalls 83 %.

Im von Fukushima direkt betroffenen Japan stieg der Wert interessanterweise weniger rapid, von 76 % auf 84 %. Im Gegensatz dazu stieg in Großbritannien die Unterstützung für den Bau neuer Reaktoren von 33 % auf 37 %. In den USA blieb dieser Wert unverändert hoch, ähnlich wie in China und Pakistan, wo rund 40 % für neue Atomkraft waren. Die Unterstützung für eine Weiterbenutzung bestehender AKWs bei gleichzeitigem Nicht-Neubau weiterer Anlagen war in Frankreich und Japan am stärksten (58 % bzw. 57 %), während die Spanier und die Deutschen (55 % und 52 %) am ehesten bereit sind, auch bestehenden AKWs sofort und möglichst rasch zu schließen. In Ländern ohne Reaktoren war die Unterstützung für einen Neubau in Nigerien (41 %), Ghana (33 %) und Ägypten (31 %) am stärksten.

Quelle: oekonews.at / BBC und NUCLEAR Monitor

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Sonntag, 21. August 2011

Festnahmen bei Blockade

Im finnischen Olkiluoto haben am Samstag Atomkraftgegner versucht, den Betrieb des Atomkraftwerks durch Blockaden zu behindern. Einige hundert Menschen hatten Zufahrtsstraßen blockiert. Die Polizei nahm insgesamt 50 Menschen fest. Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine ähnliche Aktion in Olkiluoto gegeben.


In Olkiluoto stehen bereits zwei Atomkraftwerksblöcke, ein dritter wird seid 2005 gebaut. Es handelt sich um den ersten Versuch, den europäischen Druckwasserreaktor EPR zu bauen. Eigentlich sollte der Reaktor bereits 2009 ans Netz gehen, doch die Bauarbeiten verzögern sich und die Kosten, die ursprünglich auf drei Milliarden angesetzt waren, sind inzwischen fast um das Doppelte gestiegen. Gebaut wird der Reaktor vom französischen Konzern Areva.

Trotz der Katastrophe von Fukushima hält Finnland weiter am Ausbau der Atomenergie fest. Neben dem Neubau in Olkiluoto sind mehrere weitere Atomkraftwerks-Projekte geplant, während im Norden des Landes internationale Konzerne Probebohrungen für den Uranabbau durchführen (siehe auch Atominfomedia vom 29. November 2010).

Quelle: klimaretter.info

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Donnerstag, 21. Juli 2011

Flamanville erneut verzögert

Die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) im französischen Flamanville verzögert sich um weitere zwei Jahre bis 2016.

Als Grund für die Verzögerung gab der Stromkonzern EDF eine Fehleinschätzung über das Ausmaß der Bauarbeiten an. Zudem hatten zwei schwere Arbeitsunfälle und Sicherheitsüberprüfungen nach der AKW-Katastrophe in Fukushima die Lage verschlechtert. Ursprünglich sollte der EPR 2012 in Betrieb gehen, schon vor einem Jahr war dieser Termin nicht mehr zu halten und wurde auf 2014 verschoben. Gemäss der französischen Tageszeitung Le Monde hat Industrieminister Eric Besson die erneute Verzögerung als «rein technische Massnahme» bezeichnet. Es handle sich um eine einfache Aktualisierung des Terminplans aufgrund verschiedener unvorhergesehener Ereignisse auf dem Bauplatz.

Seitens der grünen Opposition zeigte sich gemäss der gleichen Zeitung Noël Mamère, Europa-Abgeordneter der grünen Partei Ecologie-Les Verts, sehr kritisch. Er forderte einen sofortigen Baustopp wegen der Kostenüberschreitungen und der Probleme mit den Unterakkordanten. Und für Mamère stellt sich - für französische PolitikerInnen höchst ungewöhnlich - sogar die Frage des Ausstiegs aus der Atomtechnologie als unausweichlich.

Auch die Kosten für das EPR-Projekt explodieren im Übrigen. Statt wie ursprünglich geplant 3,3 Milliarden Euro soll Flamanville nun sechs Milliarden kosten - nochmal einmal eine Milliarde mehr als 2011 veranschlagt. Die französische Regierung will mit der Druckwasser-Technologie alte AKW ersetzen. Ein zweiter EPR ist derzeit im nordwestfranzösischen Penly geplant. Der erste europäische EPR-Reaktor soll 2012 in Finnland ans Netz gehen. Ursprünglich war die Inbetriebnahme hier für 2009 vorgesehen.

Quellen: klimaretter.info sowie LeMonde

© Atominfomedia

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Dienstag, 14. Juni 2011

Europas Anti-Atom-Allianz

Die ItalienerInnen haben sich am Pfingstwochenende für eine sichere Zukunft ohne Atomkraft entschieden und setzten damit ein wichtiges Zeichen für eine gemeinsame atomfreie Zukunft. Vorbei also auch das Gerede von einer Antiatomhysterie, die sich nur im deutschsprachigen Raum breit mache.

Nach dem Entscheid der Schweizer und deutschen Regierungen aus der Atomenergie auszusteigen hat nun die Bevölkerung Italiens klar zum Ausdruck gebracht, dass eine Energiegewinnung und -versorgung auch ohne Atomenergie möglich ist. Vor wenigen Wochen hatte der österreichische Umweltminister Berlakovich gemeinsam mit atomkraftfreien Staaten Europas in Wien die "Anti-Atom-Allianz" gegründet. Deren Credo: "Raus aus Atom - rein in erneuerbare" greift mehr und mehr um sich und leitet Schritt für Schritt eine Energiewende ein.

"Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass die Bevölkerungen verschiedener Länder die Verantwortung unserer Generation für eine gemeinsame atomfreie Zukunft erkannt und übernommen haben.", so der Umweltminister. Er begrüßt den Ausgang des Anti-Atom-Referendums in Italien: "Das italienische Volk hat heute für eine sichere Zukunft in der Energiegewinnung gestimmt. Ein wichtiges und deutliches Zeichen für uns alle!"

Die Umweltorganisation Greenpeace zeigt sich angesichts des bevorstehenden erneuten Atomausstiegs Italiens hoch erfreut. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hatten sich die Italiener in Umfragen mehrheitlich gegen das vorliegende Gesetz zum Wiedereinstieg Italiens in die Atomkraft ausgesprochen. Der Atomexperte Niklas Schinerl von Greenpeace in Österreich, derzeit mit seinem Team in Rom vor Ort zeigt sich optimistisch: "Das ist eine historische energiepolitische Weichenstellung nicht nur für den Stiefelstaat, sondern auch für ganz Europa ab. Nach dem deutschen und dem Schweizer Atomausstieg gewinnt Österreich mit Italien zudem einen potenziellen Verbündeten im europaweiten Kampf gegen die gefährliche Atomkraft."

Quelle: oekonews.at / Greenpeace Österreich 2011

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Montag, 30. Mai 2011

Deutschland nagelt Ausstieg

Der Fahrplan für den Atomausstieg im nördlichen Nachbarland steht: Nach mehr als sieben Stunden Beratung einigten sich die Spitzen von CDU, CSU und FDP in der Nacht zum Montag, die letzten deutschen Meiler spätestens Ende 2022 vom Netz zu nehmen. Greenpeace zeigt sich not amused.

Das teilte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU - siehe Bild) nach Ende der Gespräche im Kanzleramt mit. Nach Röttgens Angaben sollen die sieben im Zuge des dreimonatigen Atommoratoriums abgeschalteten Meiler sowie der Pannenreaktor Krümmel für immer stillgelegt werden. Sechs weitere Meiler sollen bis spätestens Ende 2021 abgeschaltet werden. Die drei modernsten Meiler sollen bis Ende 2022 laufen dürfen. Damit bekämen die AKW eine Strommenge zugeteilt, die einer Gesamtlaufzeit von 32 Jahren entspreche, sagte Röttgen. FDP-Chef Philipp Rösler hatte sich vor den Gesprächen gegen ein festes Ausstiegsdatum gewandt. CSU-Chef Horst Seehofer dagegen beharrte auf einem endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft innerhalb von zehn Jahren. Die CSU hatte sich auf ihrer Vorstandsklausur vor rund zehn Tagen auf das Jahr 2022 als Enddatum festgelegt. Die FDP hatte zudem gefordert, zwei AKW als so genannte Kaltreserve zunächst nicht zurückzubauen, sondern für ein erneutes Wiederanfahren im Falle von Stromknappheit bereit zu halten. Röttgen äusserte sich dazu ausweichend: Es werde alles dafür getan, «dass die Versorgungssicherheit zu jeder Stunde und zu jeder Nachfrage gewährleistet sei», sagte er. Über die Einzelmassnahmen habe aber die Bundesnetzagentur zu entscheiden.

Ausserdem bestätigte der Umweltminister, dass die umstrittene Brennelementesteuer nicht abgeschafft wird. Die bis 2016 geltende Abgabe wurde geschaffen, um jährlich 2,3 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt zu spülen. Ihr Ertrag wird aber ohnehin dadurch geschmälert, dass die meisten der im Zuge des Moratoriums abgeschalteten sieben Alt-Meiler endgültig vom Netz bleiben und die Steuer nur auf neue Brennstäbe erhoben wird.

Nach Angaben von Röttgen orientierte sich die Koalition bei ihrer Entscheidung an dem Bericht der Ethikkommission, die einen Ausstieg innerhalb eines Jahrzehnts oder schneller vorgeschlagen hatte. Die Opposition zeigte sich nach einer zwischenzeitlichen Unterrichtung über den Stand der Verhandlungen durch Kanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt unzufrieden. Sowohl SPD-Chef Sigmar Gabriel als auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin lehnten die Idee ab, Atomkraftwerke als Reserven für die Stromerzeugung einzusetzen. Die Regierung hatte nach der Atomkatastrophe in Japan die sieben ältesten deutschen AKW sowie Krümmel für drei Monate vom Netz genommen und eine Sicherheitsüberprüfung aller Atomkraftwerke angeordnet.

Greenpeace reagierte derweil bestürzt auf den "Atomdeal" zwischen den Koalitionsparteien in der Nacht vom 29. Auf den 30.05.2011. Entgegen dem Versprechen von Bundeskanzlerin Merkel, aus der Atomkraft "so schnell wie möglich" auszusteigen, sollen die letzten deutschen Atomreaktoren frühestens im Jahre 2022 vom Netz gehen. Auch bleibe unklar, ob ein Parlamentarischer Beauftragter für die Energiewende eingesetzt werden soll. Damit könnte den Atomkonzernen Tür und Tor geöffnet werden, den Atomausstieg noch weiter zu verzögern, warnt Greenpeace.

Quelle: Agenturen / SDA / Greenpeace

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Mittwoch, 25. Mai 2011

AKW-Betreibern nicht zu trauen

AKW-Betreibern ist nicht zu trauen. Die nun beschlossenen Europäische AKW-Stresstests wären nur unter breiter Einbindung unabhängiger Experten glaubwürdig, hält Greenpeace gemäss einer Meldung des Nachhaltigkeitsportals oekonews.at fest.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace übt heftige Kritik an der Informationspolitik des japanischen AKW-Betreibers TEPCO. Monate nach dem Reaktorunfall im AKW Fukushima räumt die Betreiberfirma nun ein, dass es schon kurz nach dem Erdbeben Kernschmelzen in den Reaktoren 2 und 3 gegeben hat. Schon kurze Zeit nach dem Ausfall der Kühlsysteme haben Greenpeace-Atomphysiker eine teilweise Kernschmelze in den Reaktoren 1 bis 3 prognostiziert. Ein Umstand der lange Zeit geleugnet wurde.

Endgültig zerstörtes Vertrauen in die Atomwirtschaft: Unmittelbar nach Erdbeben und Flut kam es in Fukushima bereits zur Kernschmelze. Was im Innern des Reaktors geschah und Betreiber Tepco bereits wusste, blieb der Welt noch Monate verborgen.


"TEPCO hat die Weltöffentlichkeit wochenlang an der Nase herumgeführt, um das wahre Ausmaß der Reaktorkatastrophe zu vertuschen und herunterzuspielen. TEPCO hat damit bewusst mögliche Schäden für die japanische Bevölkerung in Kauf genommen", ärgert sich Niklas Schinerl, Atomsprecher von Greenpeace. "Diese Vorgehensweise reiht sich nahtlos ein in eine lange Reihe von Lügen der Atomindustrie. Das hat auch in Europa System. Die Atomlobby vertuscht auch hier lieber Störfälle, anstatt die Menschen über die wahren Gefahren der Atomkraft zu informieren."

Greenpeace warnt angesichts der in Europa anstehenden AKW-Stresstests eindringlich davor, den AKW-Betreibern blind zu vertrauen. Für die Umweltorganisation steht fest, wenn die europäischen AKW-Stresstests glaubwürdig sein sollen, müssen hier möglichst breit unabhängige Experten eingebunden werden, die auch einen Zugang zu Teilen der Atomkraftwerke bekommen. "Die Überprüfung der Atomkraftwerke den Betreibern und den Atombehörden zu überlassen, bedeutet den Bock zum Gärtner zu machen. Das Interesse der Atomindustrie ist es, möglichst wenig verändern zu müssen. Die Sicherheit bleibt dabei meist auf der Strecke und das Risiko haben wir Europäerinnen zu tragen", fasst Schinerl zusammen.

Bericht zu Fukushima Daiichi 1 unter www.greenpeace.at/fukushima-reaktor1.

Quelle: oekonews.at / Greenpeace Österreich

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Sonntag, 22. Mai 2011

25'000 im Menschenstrom

Nach Beobachtungen von Solarmedia haben mindestens 25'000 Personen an der Anti-Atomdemonstration rund um das AKW Beznau teilgenommen. Schon am frühen Morgen hatten sich Tausende auf den Weg von Würenlingen aus gemacht, später kamen Tausende weiterer DemonstrantInnen aus dem nahe gelegenen Döttingen hinzu.

Die Aargauer Kantonspolizei meldete gemäss Radio DRS Mitte Nachmittag eine Zahl von 20'000 TeilnehmerInnen der Veranstaltung «Menschenstrom gegen Atom», zu welcher rund 150 Organisationen aufgerufen hatten. 10'000 erwarteten diese, was ohne Zweifel deutlich übertroffen wurde. Getreu der Devise, wonach polizeiliche Schätzungen sich stets am unteren Rand der effektiven Zahl von DemonstrantInnen bewegt, dürften es weit mehr gewesen sein. Der Solarmedia-Redaktor war am 10-Kilometer-Marsch beteiligt und liess sich vom endlos langen Zug durch die Aargauer Dörfer bis zum Demo-Platz nahe Döttigen treiben. Unterdessen hat auch NZZ Online zumindest die Zahl von 20'000 TeilnehmerInnen bestätigt, die sich bei Kleindöttingen zusammen fanden. Die Rede ist dabei auch von der grössten Kundgebung gegen Atomenergie seit 25 Jahren.Auffällig viele junge TeilnehmerInnen waren dabei, doch wie schon im vergangenen Jahr mochte die grosse Atom-Demo auch wiederum viele Ältere mobilisieren. Und deutlich war neben der Anti-Atom-Haltung überall auch der Hinweis auf die Alternativen Energien präsent: «Die Zukunft ist erneuerbar», lautete der passende Slogan. Anders als in den 70er und 80er Jahren während der ersten grossen Anti-Atom-Welle ist unterdessen die Einsicht weit verbreitet, dass Erneuerbare Energien sehr wohl eine Alternative zur fossilen und eben auch zur nuklearen Energiewirtschaft darstellen.Nach Grussbotschaften aus dem japanischen Fukushima, Bern, Deutschland und Österreich trat der Liedermacher Aernschd Born auf die Bühne. Born war bereits bei den Protesten gegen das AKW Kaiseraugst in den 1970er-Jahren gegen Atomkraft aufgetreten. Unter den angekündigten Rednern in Kleindöttingen sind auch Veteranen der Anti-AKW-Bewegung wie der Kabarettist Franz Hohler. Er zeigte sich «berührt» wegen des grossen Aufmarsches, wie er der Nachrichtenagentur SDA sagte: «Ich hoffe, dass es nicht zu rasch wieder verfliegt.» Die eindrückliche Demonstration, die damit den letztjährigen Anti-Atom-Marsch von Aarau nach Olten (über das AKW Gösgen) mit damals rund 4000 TeilnehmerInnen bei weitem in den Schatten stellte, dürfte und muss ein deutliches Zeichen an die Schweizer Regierung sein. Der Bundesrat wird am kommenden Mittwoch die weitere Marschrichtung der hiesigen Energiepolitik festlegen. Selbst Bundesrätin Leuthard, bekannt als Aargauer Verfechterin des atomaren Wegs, rückt offenbar unterdessen von einer strikten Atomlinie ab, wie die NZZ am Sonntag berichtet.

© Solarmedia / Bilder Guntram Rehsche

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Donnerstag, 19. Mai 2011

Philippinen motten ein

Die Katastrophe von Fukushima gab den Ausschlag: Die Regierung der Philippinen wird das nie in Betrieb genommene Atomkraftwerk auf Bataan einmotten, wie Spiegel Online meldet. Künftig sollen Touristengruppen durch die Anlage geführt werden - als Warnung vor den Gefahren der Kernenergie.

Das einzige AKW der Philippinen, das Bataan Nuclear Power Plant (BNPP), ist nie hochgefahren worden, hat nie einen Watt Strom produziert - und wird es auch nicht mehr. Vielmehr soll die Anlage auf der Halbinsel Bataan laut bald Ziel von Touristen sein, die die über ein Vierteljahrhundert alten Kontrollräume und den Reaktor besichtigen können. Das Bild (AFP) zeigt einen Fischer vor der nie in Betrieb genommenen Anlage. In Zeiten der Ölkrise hatte der berüchtigte Präsident Ferdinand Marcos 1976 den Bau, nur 60 Kilometer von der Hauptstadt Manila entfernt, veranlasst. 1984 war der Meiler für rund 2,3 Milliarden Dollar fast vollendet, seine Fertigstellung allerdings wurde nach Marcos' Sturz von seiner Nachfolgerin Corazon Aquino 1986 gestoppt. Der Grund: die große Erdbebengefahr, aktive Vulkane in der Nähe wie der 1991 ausgebrochene Pinatubo und Sicherheitsbedenken in Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal.

Dennoch wurde das AKW aufwendig und unter Millionen-Einsatz erhalten. Und immer wieder erwog die Regierung seine Inbetriebnahme: "Wir erleben eine Renaissance der Kernenergie, viele Länder der Region setzen auf Atomstrom", sagte der zuständige philippinische Minister Angelo Reyes etwa 2009 den Medien. Er habe keine Bedenken wegen drohender Erdbeben, denn die Anlage habe ja in den vergangenen 20 Jahren allen Beben und Taifunen widerstanden.

Seit dem Störfall von Fukushima im März sieht die Welt anders aus - und das BNPP wird endgültig stillgelegt. "Das AKW Bataan soll die weltweite Gemeinschaft vor der Atomkatastrophe warnen, die die Menschen in Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima getroffen hat", sagte Ronald Tiotuico, ein regionaler Tourismusamtdirektor, der Zeitung "Philippine Star". Touristen sollten nun das AKW besichtigen können und sehen, "wie die Atomenergie auf der ganzen Welt die Lebensqualität der Menschen bedroht, wenn sie unsachgemäß eingesetzt wird."

"Es ist ein Lernexperiment", sagte Tiotuico der Nachrichtenagentur AFP, "Sie können all die Maschinen, all die Ausrüstung sehen und lernen, was in Fukushima passiert ist und was in Bataan nicht mehr passieren wird." Der Besuch sei ungefährlich, meint der Tourismusdirektor, denn die Brennstäbe seien schon seit langer Zeit entfernt. Der Bataan-Aufenthalt soll allerdings laut dem "Philippine Star" nur im Rahmen von Touren möglich sein, auf denen Touristengruppen auch historische Sehenswürdigkeiten und Strände ansteuern.

Quelle: Spiegel Online

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Mittwoch, 18. Mai 2011

D: Stresstest heisst Abschalten

Nach Ansicht von Greenpeace rechtfertigt der vorgelegte Bericht der deutschen Reaktorsicherheitskommission (RSK) die sofortige Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke und des Pannenreaktors Krümmel. Diese Meiler sind nach den Ergebnissen der RSK nicht gegen Flugzeugabstürze geschützt, denn die dünnen Hüllen der Alt-Reaktoren würden einem Absturz nicht standhalten.

Die Folgen des Misstands skizziert Greenpeace in einer Verlautbarung: katastrophale Freisetzungen von Radioaktivität. Kein deutsches AKW sei laut RSK-Bericht gegen den Absturz sehr großer Flugzeuge geschützt. Daher muss der schnellstmögliche Ausstieg auch für die neueren Reaktoren gelten. Greenpeace fordert von der Bundesregierung: die sieben ältesten Reaktoren Brunsbüttel, Unterweser, Biblis A und B, Philippsburg 1, Neckarwestheim 1 (siehe Bild), Isar 1 sowie das AKWKrümmel sofort endgültig stilllegen und bis zum Jahr 2015 vollständig aus der Atomkraft aussteigen.

Jetzt muss, so Greeenpeace weiter, die Bundesregierung ihre Ankündigungen der vergangenen Wochen in die Tat umsetzen. Sicherheit kennt keine Kompromisse, sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. Selbst die Reaktorsicherheitskommission sieht gerade bei den alten Schrottmeilern gefährliche Risiken. Fukushima hat gezeigt, welche Folgen es haben kann, solche Risiken unterzubewerten. Ein Weiterbetrieb wäre unverantwortlich. Zuletzt hatte Greenpeace einen nicht gemeldeten Vorfall im Atomkraftwerk Biblis A offengelegt: Interne, Greenpeace zugespielte Protokolle beschreiben, wie die innereReaktordruckbehälter-Dichtung beim Anfahren des Reaktors am 20. Oktober 2010 undicht wurde und zu hohem Druck im Reaktordruckbehälter, dem Herzstück des Atomreaktors, führte.

Zwar gibt die RSK keine explizite Empfehlung für die Abschaltung von Atomkraftwerken. Dennoch ergibt sich ein klares Bild: Die sieben ältesten Meiler können nicht gegen den Absturz einer Passagiermaschine nachgerüstet werden. Die bestehenden Fundamente würden eine Verstärkung der Betonhülle nicht tragen. Seit 2001 ist dieses Problem bekannt, eine Lösung ist bis heute nicht in Sicht. Die RSK hat zudem vor allem einen theoretischen, fehlerfreien und damit stark idealisierten Zustand der Reaktoren betrachtet. Tatsächliche schwere Mängel, wie sie in den Pannenreaktoren Brunsbüttel und Krümmel auftraten, wurden ignoriert.

Die Gefahr eines Station-Blackouts - eines Ausfalls der Notstromversorgung, was in Fukushima zur Katastrophe geführt hat - wird differenzierter betrachtet. Klar ist: Auch an jedem deutschen Atomkraftwerk kann es zu einem solchen Ausfall kommen. Ein Unfall vom Fukushima-Typ braucht weder Erdbeben noch Tsunami. Es kann jeden Reaktor treffen, so Smital. Die RSK räumte selbst einen Mangel an Zeit für die gründliche Überprüfung der deutschen Atomreaktoren ein. Verschiedene Kriterien wie der Schutz vor Terroranschlägen sollen in einem zweiten Schritt untersucht werden.

Jetzt sind die Ethik-Kommission und dann Bundeskanzlerin Merkel am Zug. Die Ethikkommission soll der Bundesregierung bis zum 27. Mai einen Bericht vorlegen, in dem sie die Risiken der Energieversorgung bewertet und einordnet. Wesentliche Grundlage dieser Bewertung wird der heute veröffentlichte RSK-Bericht sein. Wir brauchen Klarheit und feste Abschalttermine. Wie ein Atomausstieg bis 2015 technisch und wirtschaftlich machbar ist, zeigt das Greenpeace-Energieszenario Der Plan, so Smital.

Quelle: Greenpeace | Lena Küpper 2011

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Freitag, 13. Mai 2011

Gefährliche Bauten in Indien

Ungeachtet der Reaktorkatastrophe in Fukushima will Indien in einem Erdbebengebiet an der Küste neue Atomkraftwerke bauen. Der Komplex Jaitapur soll mit sechs Reaktoren der weltweit grösste Atomkomplex werden. Angesichts der Grösse des Projekts will die indische Regierung die Druckwasserreaktoren der französischen Firma Areva mit Hilfe von Banken wie BNP Paribas und HSBC finanzieren.

Greenpeace hat sich jetzt mit einem Brief an die Geschäftsleitungen der Schweizer Sitze von BNP Paribas und HSBC gewandt und sie aufgefordert, von der Finanzierung der hochriskanten Anlage Abstand zu nehmen. Jaitapur wird regelmässig von Erdbeben heimgesucht und liegt im einzigen Abschnitt der indischen Westküste, der offiziell als Hochrisikozone eingestuft ist. Greenpeace hat die Banken auch auf das Risiko von Überflutungen des Reaktorgeländes im Falle eines Tsunami hingewiesen. Proteste gegen den geplanten Atomkomplex gibt es rund um Jaitapur im Bundesstaat Maharashtra schon seit Bekanntwerden des Projekts vor vier Jahren. Bislang protestierten vor allem Bauern und Fischer, die von ihrem Land verdrängt werden und ihre Lebensgrundlage verlieren, gegen die geplante Anlage. Seit der Katastrophe in Fukushima wenden sich aber auch zahlreiche Wissenschaftler, Umweltverbände, Parteienvertreter, Richter und Militärangehörige gegen das Projekt. Bei einer Demonstration im April 2011 wurde eine Person von der Polizei getötet, mehr als 1500 Demonstrierende nahm die Polizei in Haft.

Die geplanten EPR-Reaktoren der neuen Generation (European Pressurized Reactor) sind vom selben Typ wie die zur Zeit im Bau befindlichen Reaktoren in französischen Flamanville und im finnischen Olkiluoto. Die finnische Atomaufsichtsbehörde STUK hat bis heute beim Bau von Olkiluoto 3 mehr als 3000 Qualitäts- und Sicherheitsmängel aufgedeckt, die unter anderem durch die Vielzahl an Subunternehmen verursacht wurden.

In Bezug auf die Sicherheitskultur in Indien sind erst recht Zweifel angebracht. Schon beim Bau und Betrieb kleinerer Reaktoren gibt es immer wieder technische Mängel und Sicherheitsprobleme. Einer der eindrücklichsten Fälle war 1994 der Einsturz des Reaktor-Containments im Atomkraftwerk Kaiga.

Schicken Sie eine Mail an HSBC und BNP Paribas und protestieren Sie gegen die Finanzierung des Atomkomplexes. Die Protestmail ist auf Englisch.

Quelle: Greenpeace | Beate Steffens

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Donnerstag, 12. Mai 2011

Japan stoppt AKW-Ausbau

Kein weiterer Ausbau der Nuklearenergie im Katastrophenland Japan. Hingegen sollen Erneuerbare Energien wichtiges Element der zukünftigen japanischen Energiepolitik werden. Das berichtet die englischsprachige Tageszeitung The Guardian.

Die japanische Regierung macht eine 180-Grad Wende in ihrer Energiepolitik, berichtet die britische Tageszeitung Guardian in einem Artikel über den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima. Premierminister Naoto Ken verlautbarte, dass Japan in Zukunft keine weiteren Atomkraftwerke mehr bauen und das Land stattdessen stark in erneuerbare Energien investieren würde.

Der Premierminister ordnete vor wenigen Tagen die temporäre Schließung des Hamaoka-Atomkraftwerkes an, das auf einer aktiven Erdbeben-Bruchlinie liegt. Es soll heute, Donnerstag, heruntergefahren und erst wieder in Betrieb genommen werden, wenn eine Reihe von zusätzlichen Schutzmaßnahmen installiert wurden. Zurzeit liefern 54 Atomkraftwerke rund 30% des japanischen Energiebedarfs, und der Bau von weiteren 14 Atomkraftwerken während der nächsten 20 Jahre war ursprünglich fix eingeplant.

Originaltext: Guardian (en)

Quelle: EU Umweltbüro 2011

Donnerstag, 28. April 2011

4 deutsche AKW sehr gefährlich

Deutsche Atomkraftwerke verfügen nach Recherchen von Greenpeace zum Teil über einen geringeren Sicherheitsstandard als das in Japan havarierte Atomkraftwerk Fukushima 1. Die Sicherheitsbehälter der vier ältesten Siedewasserreaktoren sind schlechter gegen die Folgen einer Kernschmelze geschützt als die der japanischen Katastrophenreaktoren.

Zudem liegen die Abklingbecken mit stark strahlenden abgebrannten Brennelementen, ebenso wie in Japan, in allen sechs deutschen Siedewasserreaktoren außerhalb der Sicherheitsbehälter. Die unabhängige Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die sieben ältesten Reaktoren, sowie den Pannenmeiler in Krümmel und das erdbebengefährdete Neckarwestheim 2 sofort und endgültig abzuschalten. Das letzte Atomkraftwerk soll spätestens 2015 vom Netz gehen.

„Kanzlerin Merkel lügt, wenn sie behauptet, die deutschen AKW seien die sichersten der Welt“, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. „Seit Jahrzehnten werden Sicherheitskriterien so hingebogen, dass selbst die ältesten deutschen AKW sie erfüllen. Teure Nachrüstungen wurden verschleppt. Alle Schwachstellen der Reaktoren müssen nun schonungslos offen gelegt werden. Die AKW, die sich nicht nachrüsten lassen, müssen sofort stillgelegt werden.“

Die alten Siedewasserreaktoren Philippsburg 1, Isar 1 (siehe Bild), Brunsbüttel und Krümmel der so genannten Baulinie 69 (Planungsjahr 1969) leiden unter einem folgenschweren Konstruktionsfehler: Die Sicherheitsbehälter, die den inneren Reaktordruckbehälter mit den Brennstäben umschließen, bestehen nicht aus einer mehrere Meter starken Betonhülle wie im AKW Fukushima. Sie verfügen lediglich über eine leicht schmelzende Stahlhülle mit einer Wandstärke von wenigen Zentimetern. So könnte es bei einem Unfall schneller zu radioaktiven Freisetzungen kommen und die Freisetzungsmengen wären größer. Diese Sicherheitslücke der Siedewasserreaktoren ist nicht nachrüstbar.

Die Abklingbecken
mit stark strahlenden, abgebrannten Brennelementen liegen bei den vier Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 und bei den beiden neueren Siedewasserreaktoren Gundremmingen B und C außerhalb des Sicherheitsbehälters, im oberen Stockwerk des Reaktorgebäudes. Wie in Fukushima lagern hier sogar mehr radioaktive Brennelemente als im Reaktorkern. Im AKW Gundremmingen B und C liegen normalerweise pro Block über 200 Tonnen an Brennelementen. Bei einem Wasserverlust in den Abklingbecken wäre auch bei den deutschen Reaktoren die Strahlung derart hoch, dass sie Not- und Rettungsmaßnahmen unmöglich machen könnte.

Quelle: Sonnenseite / Greenpeace e.V. 2011

Sonntag, 24. April 2011

Auch Bulgarien wankt

Der Reaktor in Kosloduj wurde in der Nacht auf Ostersonntag vom Netz genommen. Im Herbst sind Wahlen in Bulgarien, die Atompolitik um das Projekt Belene läßt die Parteien vorsichtiger werden.

Bulgarien hat sein Atomreaktor Kosloduj in der Nacht zum Ostersonntag für einen so genannten Stresstest vom Netz genommen. Der 1000-Megawatt-Block sowjetischer Bauart solle binnen der kommenden Monate modernisiert werden, erklärte die Betreibergesellschaft. Der andere Block des 150 Kilometer nördlich von Sofia an der Donau gelegenen Atomkraftwerk solle Anfang Juni folgen.

Auch der deutsche Atomkonzern RWE war wegen seiner Beteiligung an der bulgarischen Atomwirtschaft unter Beschuss gekommen - und zog sich 2009 zurück.







In der vergangenen Woche hatte Bulgarien mit dem französischen Atomkonzern Areva eine Vereinbarung unterzeichnetet, die eine engere Zusammenarbeit vorsieht. In der Anlage in Kosloduj, dem bisher einzigen AKW Bulgariens, sind zwei Reaktoren in Betrieb; vor dem EU-Beitritt 2007 musste Bulgarien vier Reaktoren sowjetischer Bauart wegen Sicherheitsbedenken stilllegen. Vor der Abschaltung der Blöcke 1 bis 4 deckte das Atomkraftwerk 44 Prozent des bulgarischen Strombedarfs, die Abschaltung hat die Stromerzeugung ungefähr halbiert.

In den letzten Tagen sind die Pläne der bulgarischen Regierung für den Bau eines zweiten AKW im erdbebengefährdeten Belene an der Donau ins Wanken geraten. Energieminister Trajtscho Trajkov erklärte, dass er vom russischen Hersteller Atomstroyexport weitere Garantien für die beiden bestellten Reaktoren verlangt hat. Das Belene-Projekt soll für drei Monate auf Eis gelegt werden, um - wie Bulgariens Premier Bojko Borissov begründete - " alle technischen Fragen in Bezug auf die Erdbebengefährdung und die Kosten" zu klären (siehe Atominfomedia vom 2. April 2011).

In Bulgarien gibt es in diesem Herbst Präsidentschafts- und Kommunalwahlen. Staatspräsident Georgi Parwanow hatte nach dem Atomunglück in Japan eine Volksbefragung über den Bau des Atomkraftwerks Belene angekündigt. Das erste von Russen in der EU gebaute AKW soll 2017 in Belene fertig sein. Sozialist Parwanow ist ein Befürworter der Atomenergie. Bulgariens konservative Regierung unter Borissow - ebenfalls Befürworter - war durch eine von Russland geforderte Nachzahlung für das Projekt-Belene unter Druck geraten. 2,4 Milliarden Euro forderten die Russen, damit beliefe sich der Gesamtpreis auf rund 6,4 Milliarden Euro. "Unter den jetzigen Bedingungen kann das Kraftwerk nicht zustande kommen", erklärte Borissow, akzeptierte jedoch die Forderung nach einem "Inflations.-Aussgleich": Sofia sei bereit, einen Zuschlag von einer Milliarde Euro zu bezahlen. Wegen der unklaren Finanzierung war RWE 2009 aus dem Projekt ausgestiegen.

Umweltschützer hatten mit der Campagne "AKW Belene stoppen! Jetzt abseilen!" RWE gehörig zugesetzt. Die bulgarische Regierung denkt mittlerweile über Alternativen zum Belene-Projekt nach. So könnte das bestehende AKW Kosloduj um jene beiden bei Atomstroyexport bestellten Reaktoren ausgebaut werden. Das Belene-Projekt wird seit langer Zeit von Umweltschützern kritisiert. Die Mehrheit der Bulgaren unterstützt jedoch bisher die Atomenergie. Nach dem Unglück in Japan befürworten immerhin noch etwa 51 Prozent den Ausbau der Atomkraft, 45 Prozent sind dagegen.

Quelle: klimaretter.info

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Sonntag, 10. April 2011

Atomstrom wirtschaftlich out

Ganz neu ist die These nicht, aber sie erfährt durch die Atomkatastrophe in Fukushima deutlichen Support – Atomstrom ist nicht nur gesellschaftspolitisch nahe dem Absturz, sondern auch wirtschaftlich. Darauf weisen ein Bericht des Zürcher Tages-Anzeigers hin sowie viele weitere Erkenntnisse.

Derzeit wogt die Debatte im gesellschaftspolitischen Feld. Kaum eine Politdiskussion kommt an der Energiefrage vorbei, und zuvorderst ist diese Frage immer auch eine Atomdiskussion. Mit klaren Stellungnahmen lassen sich - derzeit zumindest - gar Wahlen gewinnen, wie in der Schweiz mit dem Einzug der Grünen in die Regierungsräte der Kantone Baselland und Zürich deutlich wurde. Extremer die politischen Auswirkungen gar in Deutschland, wo in Baden-Württemberg, dem Stammland der Konservativen, die Grünen die Macht übernahmen. Eine Entwicklung, die derzeit gar einen grünen Bundeskanzler oder eine ebenso eingefärbte Kanzlerin nicht mehr als utopisch erscheinen lässt.

In der Schweiz etwa ist das AKW Mühleberg höchst umstritten - seine Erdbebensicherheit ist auf Beben der Stärke 5 ausgelegt - die Gegend gilt aber als anfällig für Ereignisse der Stärke 6,8. Höhere Sicherheit würde hier auch heissen, sehr viel höhere Kosten und damit teurerer Atomstrom.




Atomstrom gilt je länger je mehr als unwirtschaftlich.
Die Artikel von Solarmedia (zuletzt 28. Juli 2010) und Atominfomedia haben seit längerem darauf hingewiesen. Denn die wenigen aktuellen Bauprojekte für neue Atommeiler in Europa weisen sich nicht etwa durch tolle neue Sicherheitsstandards oder rasant verbesserte Atomtechnologien aus. Vielmehr «glänzen» sowohl das finnische Olkiluoto wie auch das französische Flammanville durch jahrelange Verzögerungen und Kostenüberschreitungen, die unterdessen ans Doppelte reichen, also statt deren drei bereits über fünf Milliarden Euro erreichen.

Dabei sind vor allem die Probleme in Frankreich von Interesse, anders als dies der Artikel des Tages-Anzeigers vom 9. April 2011 (leider nicht im Internet zugänglich) suggeriert. Denn das im nordfranzösischen Flamanville angesiedelte Projekt wird schliesslich im Stammland der Atomtechnologie erbaut (Frankreich bezieht rund 80 Prozent des Stromverbrauchs aus eigenen AKW). Auch ist der staatliche Konzern Areva einer der Bigplayer im Atomgeschäft, der überall mitbietet, gelegentlich wie unlängst in den Vereinigten Arabischen Emiraten aber auch unterliegt bei der Ausschreibung neuer Projekte – wegen zu hoher Kosten.

Das japanische Atomdesaster hat das Geschäft insofern verändert, als nun die Risikoprämien verstärkt ins Licht rücken. Bisher galt zumindest in Wirtschaftskreisen als ausgemacht, dass es derartige Katastrophen erstens nicht gibt. Und sich zweitens die Folgekosten auf den Staat abwälzen lassen. Denn versichern liessen die hundertmilliardenfachen Schadenskosten gar nicht. Und gleichzeitig hatten die meist zumindest halbstaatlichen Energiekonzerne günstigen Zugang zu den Kapitalmärkten. Konnten also die für viele Jahrzehnte benötigte hohe Investitionssumme auf den Kapitalmärkten günstig beschaffen. Das aber ist Vergangenheit, wie der Tages-Anzeiger schreibt – und diese These belegt mit Aussagen verschiedenster Finanzanalysten. Die holländische Deixa ebenso wie die Schweizer Bank Sarasin kommen zu klaren Aussagen: Die Kosten für Atomstrom dürften sich gar verdreifachen in Zukunft – und tragen müssten gemäss Nachhaltigkeitsrearchteam von Infras diese Kosten die Betreiber selbst. In der Folge dann auch die StromkundInnen.

Das ist der entscheidende Punkt: Während Atomstrom deutlich teurer wird – derzeit kostet er ab Werk rund sechs Rappen – sinken die Kosten für erneuerbare Energien beständig. Ein um Faktor drei teurerer Atomstrom liegt also nahe bei 20 Rappen. Windstrom lässt sich derzeit an günstigen Orten bereits billiger erzeugen. Und die viel versprechendste erneuerbare Energie auch für die Schweiz, der direkt über Photovoltaik erzeugte Solarstrom hat sich in der Produktion in den vergangenen zwölf Jahren von 1.20 Franken pro Kilowattstunde bereits auf unter 40 Rappen verbilligt. Mit ungebrochener Tendenz zur weiteren Vergünstigung. Der Zeitpunkt rückt also näher, zu dem die StromkonsumentInnen selbst den Atomstrom nur schon aus Kostengründen abstellen werden. Das sollten sich all jene in ihre Geschäftsbücher schreiben, die doch noch mit der Errichtung neuer Atomkomplexe liebäugeln.

© Solarmedia

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