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Donnerstag, 16. Januar 2014

AKW Olkiluoto erneut verspätet

Das finnische Atomkraftwerk Olkiluoto hätte 2009 nach fünf Jahren Bauzeit ans Netz angeschlossen werden sollen. Nun hat sich die Prognose für die Fertigstellung des fünften finnischen Atomkraftwerks ein weiteres Mal verzögert. Es werde "frühestens" 2017 ans Netz gehen, lauten die neuesten inoffiziellen Schätzungen von Experten.

Der Betreiber TVO hofft immer noch auf eine Inbetriebnahme 2016. Der französische Areva-Konzern, der mit dem Bau des neuen Reaktors seinerzeit beauftragt wurde und dafür nach wie verantwortlich ist, hatte im Dezember weitere Kündigungen auf der Baustelle angekündigt. Mittlerweile fragt man sich in Finnland hinter kaum noch vorgehaltener Hand, ob das Atomkraftwerk jemals fertig wird. Areva ließ den Veröffentlichungstermin für die Neuberechnung der Fertigstellungsprognose zu Jahresbeginn laut der Wirtschaftszeitung "Kauppalehti" ohne Angabe von Gründen verstreichen.

Bis heute ist unklar, wer für die Milliardenverluste, die durch die jahrelange Verzögerung entstanden sind und weiter in die Höhe klettern, aufkommen wird. Ursprünglich war das Projekt mit 3,5 Mrd. Euro veranschlagt worden. Mittlerweile werden die Gesamtkosten auf 8,5 Mrd. Euro geschätzt.
Der Neubau des AKW war 2002 vom finnischen Parlament nach langer Diskussion beschlossen worden. Mit der Entscheidung begann damals eine weltweite Renaissance der Atomenergie, nachdem davor seit der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 nirgends neue Atomkraftwerke gebaut worden waren. 

Quelle: Diverse Agenturen

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Mittwoch, 20. März 2013

Teures Uran macht AKW unrentabel

"Kernenergie kann zur langfristigen Stromversorgung und zum Klimaschutz kaum beitragen." So fasst Atomphysiker Wolfgang Kromp das Ergebnis einer mehrjährigen Studie zur Wirtschaftlichkeit und Klimafreundlichkeit der Atomkraft zusammen. 

Wie der ORF meldet, stellten Kromp und seine Kollegen die Studie in dieser Woche an der Wiener Universtität für Bodenkultur BOKU vor. Das Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität hatte dafür gemeinsam mit internationalen Partnern eine ausführliche "Evaluation einer hypothetischen nuklearen Renaissance" (EHNUR) durchgeführt. Die Forscher kamen zu dem Resultat, dass Atomkraft nach Lage der Dinge schon in wenigen Jahren die Grenze zur Unwirtschaftlichkeit überschreiten wird.

Als Grund für die negative Prognose sieht die Studie vor allem eine zunehmende Knappheit des Kernbrennstoffs: Der Abbau von Natur-Uran in Minen bleibe in den nächsten Jahrzehnten die vorrangige Brennstoffquelle – dieser Abbau sei aber in vielen Fördergebieten rückläufig und werde bald unrentabel sein. Voraussichtlich noch zehn bis 20 Jahre könnten die vorhandenen AKW zu bezahlbaren Bedingungen versorgt werden, so die Forscher.

Auch bei den erwarteten Neubauten sehen die Wissenschaftler große Risiken. Zwar sei eine neue Reaktorgeneration angekündigt, die nicht nur sicherer, sondern auch billiger sein soll. Doch der an der Studie beteiligte britische Energiemarktexperte Steve Thomas von der Universität Greenwich kam zu dem Ergebnis, dass die neuen Atomreaktoren der sogenannten Generation III+ rund siebenmal so viel kosten werden wie versprochen. Im Abnehmen begriffen seien dagegen die Zahl realisierbarer AKW-Standorte und die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Freitag, 14. September 2012

Auch Japan will raus - und rein!

Die japanische Regierung hat am Freitag den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2040 verkündet. Der Beschluss folgt anderthalb Jahre nach der verheerenden Reaktorkatastrophe von Fukushima. Bereits boomt die Solarenergie.


Das «Land der aufgehenden Sonne» wird endlich diesem Slogan gerecht: Die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda erklärte, es dürften keine neuen Atommeiler gebaut werden. Bestehende Reaktoren hingegen, welche die neue Regulierungsbehörde für sicher halte, sollten wieder hochgefahren werden können. Nach der Schweiz und Deutschland ist Japan damit das dritte Land, das nach der Katastrophe in Fukushima am 11. März 2011 den definitiven Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen hat (siehe auch Liste der Ausstiegswiligen auf atominfomedia.blogspot.com). Der japanische Ministerpräsident Noda hatte den Entscheid bereits am Mittwoch angedeutet.

Der Entscheid zum Atomausstieg markiert eine radikale Kehrtwende zur bisherigen japanischen Energiepolitik. Im Jahr 2010 hatte sich das Land zum Ziel gesetzt, den Anteil an Atomstrom an der gesamten Stromproduktion bis zum Jahr 2030 auf über 50 Prozent zu erhöhen. Wie die japanische Regierung nun bekannt gab, will sie den Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtversorgung bis 2030 auf 30 Prozent hochfahren. Zudem soll der Stromverbrauch insgesamt vom Niveau des Jahres 2010 bis 2030 um zehn Prozent gesenkt werden.

In Japan hat sich seit der Katastrophe von Fukushima zunehmend Widerstand gegen die Atomkraft formiert. Nach dem durch ein Erdbeben und anschließenden Tsunami ausgelösten Desaster waren alle AKW des Landes zur Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet worden. Derzeit sind nur zwei der 54 Reaktoren in Betrieb, weshalb Japan im großen Stil fossile Energie importieren muss. Ein Ausstieg hätte größere Ausmaße als in Deutschland, da die Atomkraft vor 2011 in Japan 30 Prozent der Energie lieferte.

Bereits boomt der Solarmarkt in Japan, wie das PV-Magazin gleichzeitig meldete. In nur einem Monat würden unterdessen zwei Milliarden US-$ im Solarbereich verbaut und Analysten gehen von einem weiteren starken Marktwachstum aus - dies nachdem die japanische Regierung auf ein Förderprogramm mit kostendeckenden Vergütungen gemäss deutschem oder Schweizer Muster geschwenkt war.

Quelle: Div. Agenturen

Mittwoch, 7. März 2012

Verzögerung bei US-AKW

Alle Zeit- und Kostenpläne überschritten - so die Schlagzeile zum AKW Watts Bar 2. Die "Tennessee Valley Authority" (TVA) teilte vor kurzem mit, dass sie mit den Kosten und Zeitplänen bezüglich der Fertigstellung ihres Atomkraftwerks Watts Bar 2 "Herausforderungen erlebt".

Das bereits revidierte Fertigstellungsdatum für die Anlage wird demnach über das Jahr 2013 hinausreichen und die erwarteten Kosten überschreiten die ursprünglichen Kostenschätzungen der TVA, die bei 2,5 Milliarden Dollar lagen, signifikant. TVA, die 3 AKWs betreibt (Browns Ferry, Sequoyah und Watts Bar) beschloss 2007 den eingestellten Bau von Watts Bar 2 wieder auzunehmen. Der Bau, der bereits zu etwa 55 % fertig war, sollte innerhalb von 5 Jahren beendet werden. Nun wurde der Fertigstellungstermin aber auf 2013 verschoben und die TVA führt Ursachenanalysen durch, um die Faktoren, die zur Verzögerung des Baufortschrittes und zu den Kostensteigerungen beitragen, besser zu erheben. Laut TVA könnten die Verzögerungen bei der Fertigstellung von Watts Bar 2 auch den Zeitplan von Bellefonte 1 beeinflussen. Dort sollen die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden, nachdem Watts 2 erstmals mit Brennstäben
beladen sein wird.

Quelle: oekonews.at / Übersetzung aus Nuclear Monitor Nr. 742

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Freitag, 25. November 2011

Atomkraft nicht klimafreundlich

Das Österreichische Ökologie-Institut und die Österreichische Energieagentur präsentieren ihre Studie zur Energiebilanz und den CO2-Emissionen der Kernkraft und kommen zum Schlus: "Atomkraft ist weder klimafreundlich noch wirtschaftlich," so fasst Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur das Ergebnis zusammen.

Und weiter: "Eine Kilowattstunde Atomstrom verursacht mehr CO2-Emissionen als Strom aus erneuerbaren Energieträgern," so Traupmann. "Der Uranerzgehalt wird in Zukunft sinken - dadurch wird der Abbau mehr Energie benötigen. Ab einem Erzgehalt von ca. 0,01 % wird der Energieaufwand für den Abbau so hoch, dass die Gesamtenergiebilanz negativ wird," erläutert Andrea Wallner vom Österreichischen Ökologie-Institut, Gesamtleiterin des Projektes. Zum Vergleich: Der weltweit durchschnittliche Erzgehalt lag in den letzten fünf Jahrzehnten zwischen 0,05 % und 0,15 %.

Die Studie "Energiebilanz der Nuklearindustrie" zeigt rechtzeitig zur Weltklimakonferenz in Durban auf, dass neben den bekannten Problemen der Sicherheit von Kraftwerken und dem Umgang mit radioaktivem Abfall die Kernenergie auch keine Lösung für den Klimaschutz bietet. "Da der Rohstoff Uran ebenso wie Erdöl nur begrenzt vorhanden ist, fehlt dem Atomstrom die Zukunftsfähigkeit. Jede Investition in Atomkraft hemmt darüber hinaus den Ausbau der Erneuerbaren und den Umbau des Energiesystems als Ganzes," so Traupmann.

Ein Kernkraftwerk, das jetzt gebaut wird, könnte unter Annahme des niedrigen Ausbauszenarios der World Nuclear Association nicht bis zum Ende seiner Nutzungsdauer mit Uran versorgt werden. Auch wenn bei einem derzeit noch verfügbaren Uranerzgehalt von 0,1 % die CO2-Emissionen der Kernenergie bei nur 26 g CO2 pro Kilowattstunde liegen, ist der Einsatz der Kernenergie als Mittel zur Verringerung von Treibhausgasen teuer und langsam. Es dauert Jahrzehnte, bis eine Netto-Reduktion der Treibhausgase eintreten könnte.

"Bei den schlechter werdenden Erzgehalten um 0,01 % steigen die CO2-Emissionen bis auf 210 g CO2/kWhel an – im Vergleich: jene von Erneuerbaren befinden sich im Bereich von ca. 3 – 60 g kWh," erklärt Andrea Wallner. Die CO2-Vermeidungskosten von Kernenergie sind zudem höher als die jeder anderen möglichen Technologie mit Ausnahme traditioneller Kohlekraftwerke. Windkraftanlagen und KWK-Anlagen sind 1,5 mal so kosteneffektiv bei der Reduktion von CO2 wie Kernenergie, Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bis zu 10 mal so kosteneffektiv.

"Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Kernenergie billig CO2-armen Strom liefere. Dieses Argument ist nur dann gültig, wenn sämtliche direkten und indirekten Subventionen in diese Energiequelle nicht berücksichtigt werden," erläutert Stephan Renner, Experte der Österreichischen Energieagentur. "Wenn die Kernenergie tatsächlich billigen Strom produziere, gäbe es in einem funktionierenden Markt keine Probleme, neue Reaktoren privat zu finanzieren. Dies ist aber nicht der Fall. Weltweit gibt es keinen einzigen Reaktor, bei dessen Bau das finanzielle Risiko einzig von privaten Akteuren getragen wurde. Es ist daher erstaunlich, dass eine Technologie, die über 60 Jahre alt ist und angeblich den billigsten Strom liefert, noch immer massiv Subventionen erhält," so Renner abschließend.

Auch der aktuelle World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur zeigt, dass Energieeffizienz und Energiesparen den größten Beitrag zu Energiesicherheit und Erreichung der Klimaziele leisten. "Es mag wohl für manche Profit aus der Atomkraft geben, aber der Weg in eine klimafreundliche Zukunft führt in eine andere Richtung," ist Traupmann überzeugt. Die Studie "Energiebilanz der Nuklearindustrie. Eine Analyse von Energiebilanz und CO2-Emissionen der Nuklearindustrie über den Lebenszyklus" erstellt im Auftrag des Klima- und Energiefonds steht zum Download als PDF zur Verfügung.

Quelle: oekonews.at

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Donnerstag, 7. Juli 2011

Schweden gibt AKW-Neubau auf

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat ein vor zwei Jahren angekündigten AKW-Neubau ad acta gelegt. Der Grund: Es fehlen die "kommerziellen Voraussetzungen". Wegen der Ausbaus der Erneuerbaren wird der Stromüberschuss 2020 vermutlich 23 Terawattstunden - die Hälfte der derzeitigen Atomstromproduktion.

"Vattenfall will ein neues Kernkraftwerk bauen", schlagzeilten schwedische Medien Ende Oktober 2009. Da hatte der Staatskonzern ein Übereinkommen mit einer Gruppe industrieller Stromgroßverbraucher der Papier- und Stahlbranche geschlossen, die sich unter dem Namen "Industrikraft" zusammengetan hatten. Gemeinsam wollte man mindestens ein neues AKW bauen, "da die Sicherung von Arbeitsplätzen auf konkurrenzkräftigen Strompreisen beruht". Eine Inbetriebnahme in den 2020-er Jahren wurde ins Auge gefasst, als Standort war einer der aktuellen AKW-Standorte vorgesehen.

Gerade noch wollte Vattenfall ein neues Atomkraftwerk in Schweden bauen, als möglicher Standort war auch Forsmark im Gespräch wo seit den 80er Jahren drei Reaktoren arbeiten. (Foto: Anders Sandberg/Wikipedia)






20 Monate später wird das Abkommen mit "Industrikraft" – vom damaligen "Vattenfall"-CEO Lars Josefsson als "wegweisend" gefeiert – nun von Vattenfall nicht verlängert und das Projekt begraben. In einer knappen Presseerklärung informiert der Konzern über den Grund: Die kommerziellen Rahmenbedingungen stimmen nicht. Kein Neubau also, stattdessen werde Vattenfall sich auf Investitionen "in vorhandene Kern- und Wasserkraft" konzentrieren. Unerwartet ist dieser Beschluss nicht, meint Isadora Wronski von Greenpeace Schweden: "Mit der laufenden Nuklearkatastrophe in Japan, einer wachsenden Zahl von Ländern, die sich auf den Weg der Erneuerbaren schlagen und den bekannten Problemen mit den beiden AKW-Neubauten in der Europäischen Union, Olkiluoto und Flamanville, ist es wohl schwierig AKW-Neuinvestitionen zu rechtfertigen."

Die Kalkulation ging nicht auf, vermutet Lise Nordin, energiepolitische Sprecherin der schwedischen Grünen: Schweden, das an seinen AKWs nicht nur festhalte, sondern mit milliardenschweren Investitionen aus diesen Alt-Reaktoren mehr Leistung herauspressen wolle, sei nämlich aufgrund des Ausbau erneuerbarer Stromproduktion auf dem Weg zu einem Stromüberschuss. Dieser werde 2020 vermutlich 23 Terawattstunden betragen oder die Hälfte der gesamten letztjährigen Atomstromproduktion. Wenn also tatsächlich noch jemand Pläne für AKW-Neubauten in Schweden habe, so könnten diese nur auf den Exportmarkt zielen, meint Nordin. Und fordert, auch die schwedische Regierung müsse endlich Farbe bekennen, wie sie es in Zukunft mit der Atomkraft halte.

Quelle: Klimaretter.info / Reinhard Wolff

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Sonntag, 26. Juni 2011

AKW europaweit unterversichert

Ein erster Schritt hin zum Ausstieg wäre: Ende für Milliardensubvention durch neue europaweit einheitliche Haftungsregeln für Atomreaktoren.

Nächste Woche wird der deutsche Atomausstieg in einem breiten Konsens beschlossen. Dieser Ausstieg wird Nachahmer finden. Und er bringt für Österreich nicht nur mehr Sicherheit, sondern bietet auch die Chance, dass die Anti-Atom-Staaten innerhalb der EU mehr Gewicht erhalten. Oberösterreichs Energie-Landesrat Rudi Anschober meint: "Österreich muss daher die deutsche Regierung für eine Allianz für einen europaweiten Atomausstieg zu gewinnen versuchen. Ein erster entscheidender Schritt sollte eine Initiative für ein Ende der derzeitigen Milliardensubventionen für den Atomstrom sein."

Eine aktuelle Studie des Versicherungsforums Leibzig
hatte gezeigt, dass sogar deutsche AKW um das bis zu zehnfache unterversichert sind, reale Preise von Atomstrom je nach Versicherungsform beim bis zu zehnfachen Preis liegen müssten. In anderen Staaten ist die Unterversicherung jedoch noch viel dramatischer: liegt die Haftungssumme pro AKW in Deutschland bei 2,5 Milliarden Euro, so beträgt sie in Temelin lediglich 250 Millionen Euro, wovon 150 vom Staat getragen werden. Höchstsubventioniert ist Atomstrom in Frankreich mit einer Gesamthaftungssumme von 90 Millionen Euro für ALLE 58 AKW. Anschober: "Das ist skandalöse Wettbewerbsverzerrung im großen Stil, ohne den die Kernenergie nicht überleben könnte. Es muss daher das Ziel sein, einheitliche hohe Haftungssummen für Kernreaktoren in der EU durchzusetzen. Das wäre der Anfang vom Ende der Kernenergie in Europa, weil sie dann nicht mehr konkurrenzfähig wäre. Nun müsste auch Deutschland ein politisches und wirtschaftliches Interesse an einem derartigen Subventionsabbau haben."

Quelle: oekonnews.at

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Montag, 30. Mai 2011

Deutschland nagelt Ausstieg

Der Fahrplan für den Atomausstieg im nördlichen Nachbarland steht: Nach mehr als sieben Stunden Beratung einigten sich die Spitzen von CDU, CSU und FDP in der Nacht zum Montag, die letzten deutschen Meiler spätestens Ende 2022 vom Netz zu nehmen. Greenpeace zeigt sich not amused.

Das teilte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU - siehe Bild) nach Ende der Gespräche im Kanzleramt mit. Nach Röttgens Angaben sollen die sieben im Zuge des dreimonatigen Atommoratoriums abgeschalteten Meiler sowie der Pannenreaktor Krümmel für immer stillgelegt werden. Sechs weitere Meiler sollen bis spätestens Ende 2021 abgeschaltet werden. Die drei modernsten Meiler sollen bis Ende 2022 laufen dürfen. Damit bekämen die AKW eine Strommenge zugeteilt, die einer Gesamtlaufzeit von 32 Jahren entspreche, sagte Röttgen. FDP-Chef Philipp Rösler hatte sich vor den Gesprächen gegen ein festes Ausstiegsdatum gewandt. CSU-Chef Horst Seehofer dagegen beharrte auf einem endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft innerhalb von zehn Jahren. Die CSU hatte sich auf ihrer Vorstandsklausur vor rund zehn Tagen auf das Jahr 2022 als Enddatum festgelegt. Die FDP hatte zudem gefordert, zwei AKW als so genannte Kaltreserve zunächst nicht zurückzubauen, sondern für ein erneutes Wiederanfahren im Falle von Stromknappheit bereit zu halten. Röttgen äusserte sich dazu ausweichend: Es werde alles dafür getan, «dass die Versorgungssicherheit zu jeder Stunde und zu jeder Nachfrage gewährleistet sei», sagte er. Über die Einzelmassnahmen habe aber die Bundesnetzagentur zu entscheiden.

Ausserdem bestätigte der Umweltminister, dass die umstrittene Brennelementesteuer nicht abgeschafft wird. Die bis 2016 geltende Abgabe wurde geschaffen, um jährlich 2,3 Milliarden Euro in den Bundeshaushalt zu spülen. Ihr Ertrag wird aber ohnehin dadurch geschmälert, dass die meisten der im Zuge des Moratoriums abgeschalteten sieben Alt-Meiler endgültig vom Netz bleiben und die Steuer nur auf neue Brennstäbe erhoben wird.

Nach Angaben von Röttgen orientierte sich die Koalition bei ihrer Entscheidung an dem Bericht der Ethikkommission, die einen Ausstieg innerhalb eines Jahrzehnts oder schneller vorgeschlagen hatte. Die Opposition zeigte sich nach einer zwischenzeitlichen Unterrichtung über den Stand der Verhandlungen durch Kanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt unzufrieden. Sowohl SPD-Chef Sigmar Gabriel als auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin lehnten die Idee ab, Atomkraftwerke als Reserven für die Stromerzeugung einzusetzen. Die Regierung hatte nach der Atomkatastrophe in Japan die sieben ältesten deutschen AKW sowie Krümmel für drei Monate vom Netz genommen und eine Sicherheitsüberprüfung aller Atomkraftwerke angeordnet.

Greenpeace reagierte derweil bestürzt auf den "Atomdeal" zwischen den Koalitionsparteien in der Nacht vom 29. Auf den 30.05.2011. Entgegen dem Versprechen von Bundeskanzlerin Merkel, aus der Atomkraft "so schnell wie möglich" auszusteigen, sollen die letzten deutschen Atomreaktoren frühestens im Jahre 2022 vom Netz gehen. Auch bleibe unklar, ob ein Parlamentarischer Beauftragter für die Energiewende eingesetzt werden soll. Damit könnte den Atomkonzernen Tür und Tor geöffnet werden, den Atomausstieg noch weiter zu verzögern, warnt Greenpeace.

Quelle: Agenturen / SDA / Greenpeace

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Dienstag, 17. Mai 2011

Niedergang längst am Laufen

Im April 2011 veröffentlichte das WorldWatch Institute (WWI - Washington D.C., USA) einen Bericht, laut dem der Niedergang der weltweiten Atomwirtschaft begonnen hat, dauerhaft anhalten könnte - und begleitet ist von einem Aufstieg der Erneuerbaren Energien, der bereits eingesetzt hat.

In dem Bericht "Nuclear Power in a Post-Fukushima World" heißt es auch, dass die weltweit installierte Leistung von Windkraftanlagen, Biomasseanlagen, Müllheizkraftwerken, Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen 2010 zusammen größer war als die Kapazität der Atomkraftwerke. „Da neue Atomkraftwerke unwirtschaftlich und unnötig sind, brauchen wir nicht darüber zu diskutieren, ob sie die Verbreitung von Atomwaffen fördern oder gefährlich sind“, schreibt Amory Lovins vom Rocky Mountain Institute im Vorwort. „In einer Welt voller fehlbarer, bösartiger Menschen und mangelhafter Institutionen sind sie sogar beides.“ „Aber selbst nach 60 Jahren gewaltiger Investitionen und stetigen Bemühens kann Atomkraft die beiden größten Hürden nicht überwinden: Wettbewerbsfähigeit und Bedarf. Das war's dann.“ Und weiter: “Der allmähliche Niedergang” der Branche begann schon vor der Katastrophe in Fukushima." Der Bericht stellt die Situation der weltweiten Atomwirtschaft 2010-2011 dar und liefert quantitative und qualitative Informationen über verschiedene Aspekte der Branche.

Das WorldWatch Institute nahm auch die ersten Reaktionen auf die Katastrophe im Reaktorgebäude 1 in Fukushima in den Bericht auf. Die Atomwirtschaft habe sich jedoch aus verschiedenen Gründen bereits in einem Stadium des “allmählichen Niedergangs” befunden, zum Beispiel weil es nicht möglich war, die Kosten zu kontrollieren. Zwischen 2008 und März 2011 wurden weltweit neun Atomkraftwerke gebaut und elf abgeschaltet.

Der Report kann kostenlos heruntergeladen werden unter worldwatch.org

Quelle: WorldWatch Institute | solarserver.de

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Samstag, 23. April 2011

Wie teuer ist der Ausstieg?

Ist der Atomausstieg überhaupt finanzierbar? – so fragen jetzt viele Bedenkenträger und natürlich die unverbesserlichen Atomfreunde. Fest steht: Keine Energiequelle ist so teuer wie die Atomenergie. Ein Kommentar des deutschen Energie-Publizisten Franz Alt zur Atomdiskussion im nördlichen Nachbarland - der sinngemäss für die hiesige Auseinandersetzung gilt.


Das Frauenhofer-Institut in Karlsruhe hat für eine meiner Fernsehsendungen schon vor 15 Jahren errechnet, dass die Kilowattstunde aus einem Kernkraftwerk realistisch zwei Euro kosten müsste. Aber AKW sind weder realistisch versichert noch stehen die Folgekosten auf der Stromrechnung.

An das Märchen vom billigen Atomstrom glauben immer weniger Menschen, wenn sie erfahren, dass wir als Steuerzahler in den letzten 30 Jahren in Deutschland knapp 200 Milliarden Steuergelder in die Nuklearenergie investieren mussten. Seit 1990 haben die Erneuerbaren Energien die Steuerzahler nur mit 36 Milliarden Euro belastet.

Noch entscheidender sind jedoch die künftigen finanziellen Vorteile der Erneuerbaren Energien. Diese Investitionen von heute sind eingesparte Kosten von morgen. Ich habe Michail Gorbatschow mal gefragt, was die Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl die russische Volkswirtschaft gekostet hat. Seine Antwort: „500 Milliarden US-Dollar“ Billiger Atomstrom?

Was aber kostet die Verbraucher der Atomausstieg bis etwa zum Jahr 2020? Nach jüngsten Berechnungen der Industrie werden die Verbraucher dann pro Kilowattstunde Strom ein bis eineinhalb Cent mehr bezahlen müssen. Das wären im Monat pro Haushalt vier bis fünf Euro mehr als bisher. Greenpeace hat schon 2006 errechnet, dass durch die Katastrophe in Tschernobyl 93.000 Menschen gestorben sind. Die Zahl der Todesopfer, die Fukushima langfristig fordern wird, mag man sich gar nicht vorstellen.

Wie viele Tschernobyls wollen wir uns noch leisten bis die ganze Welt endlich begriffen hat, dass Atomenergie ein Verbrechen an der Schöpfung und an der Menschheit ist? Und die teuerste Energiequelle dazu? Umweltminister Röttgen sagt im jüngsten „Spiegel“, es sei bezeichnend, dass keine Versicherung der Welt bereit sei, ein Atomkraftwerk realistisch zu versichern. Je länger wir an der Atomkraft festhalten, desto teurer wird die Rechnung für die uns Nachfolgenden.

Quelle: Sonnenseite / © Franz Alt 2011

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Montag, 20. Dezember 2010

Zentral oder dezentral?

Noch ist offen, auf welchem Weg die Schweiz das prognostizierte Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in der Stromversorgung längerfristig ausgleichen will - mit neuen Grosskraftwerken oder mit dezentralen Anlagen. Trotz wirtschaftlicher und ökologischer Vorteile, stösst die dezentrale Strategie nach wie vor auf Widerstand. Dieses Spannungsfeld thematisiert die neueste Ausgabe von «Thema Umwelt».

Eines der Vorurteile ist, die Übertragungs- und Verteilnetze seien gar nicht in der Lage, mit dezentral produziertem Strom aus meist erneuerbaren Quellen umzugehen, weil dieser sehr unregelmässig anfällt. Doch das trifft nicht zu: Moderne Netze können ohne wesentliche Kostennachteile damit umgehen. Die grössere Nähe zwischen Produktion und Verbrauch kann den Bedarf an Netzkapazität sogar reduzieren und damit kostensenkend wirken. Zudem verringern sich die Transportverluste und die Abwärme aus dezentralen Kleinkraftwerken kann direkt vor Ort eingesetzt werden, statt ungenutzt zu verpuffen.



Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht haben erneuerbare Energien gepaart mit Massnahmen zur Stromeffizienz trotz höherer Investitionen die Nase vorn: Sie tragen massgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei und schaffen Arbeitsplätze in einer zukunftsfähigen Branche. Zudem senken sie die Treibhausgasemissionen erheblich. Damit die nötigen Investitionen tatsächlich getätigt werden, braucht es allerdings die entsprechenden politischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Aus Sicht von Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch ist es deshalb unumgänglich, die externen Kosten im Energiebereich konsequent zu internalisieren und Subventionen abzubauen. Die Ausnahme bilden zeitlich befristete Subventionen zur Förderung neuer Technologien. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift «Thema Umwelt» zeigt, wie der Umstieg auf eine dezentrale Stromversorgung gelingen kann. Sie erläutert die technischen Möglichkeiten, die wirtschaftlichen und ökologischen Chancen sowie die dafür nötigen Voraussetzungen.

«Thema Umwelt» 4/2010 kann für CHF 15.– plus Porto bezogen werden bei Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch, Hottingerstrasse 4, Postfach 211, 8024 Zürich, 044 267 44 11, mail@umweltschutz.ch, www.umweltschutz.ch/themaumwelt. Das Jahresabonnement (4 Ausgaben) kostet CHF 50.–.

Montag, 29. November 2010

Olkiluoto weiter verspätet

Der finnische Krisenreaktor in Olkiluoto erleidet eine weitere Verspätung - vier Jahre sind es unterdessen, und die Verluste steigen ins Unermessliche. Im Folgenden die Originalmeldung von «Le Figaro» zur neuerlichen Verzögerung und zu einem Vergleich mit dem ähnlichen Projekt in Frankreich - der Aktualität halber in der Originalsprache.

Le démarrage du réacteur nucléaire de troisième génération EPR, construit en Finlande par le groupe nucléaire français Areva et l'allemand Siemens, ne commencera son "fonctionnement normal" qu'au deuxième semestre 2013, soit avec plus de quatre ans de retard. "Le fournisseur indique que la mise en service prendra huit mois, ce qui signifie que le fonctionnement normal commencera au second semestre de 2013", a annoncé aujourd'hui le groupe finlandais d'électricité TVO, commanditaire de l'EPR. Le groupe nucléaire Areva, qui entretient des relations souvent conflictuelles avec son client TVO, a réfuté tout retard qui lui serait directement imputable. "Sur notre périmètre, il n'y a pas de retard par rapport au dernier calendrier de 86 mois de construction entre le premier béton et le chargement du combustible nucléaire", a déclaré une porte-parole d'Areva ce soir. TVO précise que le consortium Areva-Siemens, qui construit le réacteur Olkiluoto 3, lui a indiqué que "la plupart des travaux seraient terminés en 2012" avec un fonctionnement prévu "durant 2013".

Entamé en septembre 2005, le chantier d'Olkiluoto, dans le sud-ouest de la Finlande, devait initialement se terminer en avril 2009. Mais la date de démarrage de ce réacteur de dernière génération a été reportée à 5 reprises. Le dernier calendrier fourni par le groupe nucléaire Areva à son client TVO faisait état jusque-là d'une "exploitation nucléaire caractérisée par le chargement du combustible dans le réacteur" à la fin de l'année 2012.

Les retards accumulés sur le chantier ont déjà amené Areva à enregistrer pour 2,7 milliards d'euros de provisions alors que le coût de l'EPR était initialement évalué à 3 milliards d'euros. Areva et TVO se rejettent régulièrement la responsabilité du retard du chantier de l'EPR et ont entamé une procédure d'arbitrage pour trancher leur différend. Ils se réclament des milliards d'euros de dédommagements. "Nous n'avons pas des relations commerciales normales" avec Areva, avait dénoncé en septembre 2009 Timo Rajala, alors vice-président du conseil de surveillance de TVO.

Le réacteur de 3e génération (EPR) d'Olkiluoto est le premier chantier de ce type lancé dans le monde, avec celui de Flamanville (Manche), et les deux EPR de Taishan en Chine. Le démarrage du réacteur de Flamanville, construit par EDF accuse lui deux ans de retard sur son calendrier initial et son coût a été réévalué à 5 milliards d’euros, contre 3,3 milliards initialement. La présidente d'Areva, Anne Lauvergeon, a assuré mercredi lors d'une audition au Sénat que la construction des EPR chinois se ferait en moins de 4 ans (46 mois) contre plus de 7 ans en Finlande.

Quelle: Le Figaro 26. November 2010

Montag, 22. November 2010

Neue AKW in Finanzklemme

In der Schweiz sollen neue AKW gebaut werden. Investoren und Experten sehen die Nuklearenergie jedoch zunehmend als finanzielles Risiko, wie die Sonntags-Zeitung berichtet.

Bis vor kurzem sah es nach einer Renaissance der Atomenergie aus. 400 neue Meiler sollen bis 2030 weltweit gebaut werden, sagte Siemens-Chef Peter Löscher vor einem Jahr. Doch wirklich Aufwind hat die Industrie nur in China, Indien und Korea. Dort wird die Atomkraft systematisch ausgebaut. Im Westen ist sie im Rückgang. Heute sind weltweit 436 Atomreaktoren in Betrieb, acht weniger als 2002. 48 AKW sind «in Bau», 13 davon schon seit 20 Jahren.

Der Grund für die Flaute: Investoren und Energiekonzerne trauen den Gewinnaussichten immer weniger. Bauernsohn John Rowe, CEO von Exelon, einem der grössten US-Energiekonzerne mit 17 AKW, formuliert es nüchtern: «Mein Vater hielt es mit seinen Kühen wie ich mit den Kernkraftwerken. Sie sind ein Geschäft und keine Passion.» 2008 ging Rowe davon aus, dass Investitionen in neue Reaktoren zwar teuer, aber gewinnbringend seien. Heute rechnet er anders: «Wegen des tiefen Erdgaspreises sehen neue AKW in der Analyse extrem teuer aus. Deshalb haben wir unsere Pläne für ein AKW in Texas zurückgestellt», sagte Rowe kürzlich an einer Tagung des US-Hauseigentümerverbandes.

Dasselbe hat der Staat Ontario in Kanada vor einem Jahr getan. Umweltminister George Smitherman hat das Projekt für zwei neue Reaktoren sistiert. Ontario hätte 26 Milliarden Franken bezahlen müssen. «Der Preis ist um Milliarden zu hoch», so der Umweltminister. Die Notbremse gezogen hat vor einem Monat auch der US-Konzern Constellation Energy. Er wollte in Maryland drei neue Reaktoren aufstellen. Zu teuer, entschied der Konzern nun zur Überraschung aller. Immerhin hatte die Obama-Administration für das Projekt 7,5 Milliarden Dollar Kreditgarantien gesprochen. Die «Washington Post» schrieb von einem harten Schlag für die viel beschworene Renaissance der Atomenergie: «Die hohen Baukosten bringen selbst Giganten wie Constellation ans Limit.» Hart ist die Entscheidung auch für den französischen Stromkonzern Electricité de France (EDF), der die Reaktoren hätte bauen sollen. «Wir sind enttäuscht und schockiert», so EDF.

Schlechte Nachrichten auch aus Europa: Der grösste tschechische Elektrizitätskonzern CEZ hat vor drei Wochen seine Pläne für zwei neue Reaktoren in Temelin vorläufig schubladisiert. «Wir sind nicht mehr die Lieblinge des Finanzmarktes. Wir erhielten kürzlich erste negative Signale der Ratingagenturen», zitiert «Bloomberg News» eine anonyme Quelle im Konzern. Die Ratingagentur Moody's hat ihre Einschätzung der Atomindustrie in einer Studie bereits 2009 revidiert: «Moodys erwägt, jene Konzerne, die neue AKW planen, negativ zu bewerten. Auch Analysten der Grossbank Citigroup empfehlen Investitionen in neue AKW nur, wenn der Staat weitreichende Kreditgarantien übernimmt. Die finanziellen Risiken seien sonst zu gross.

Staatliche Kreditgarantien für neue AKW gibt es in der Schweiz nicht. Die Energiekonzerne müssen rund 60 Prozent der 8 bis 10 Milliarden Franken pro Werk auf dem internationalen Finanzmarkt beschaffen. Ein schwieriges Un- terfangen, meint der Schweizer Finanzexperte Kaspar Müller: «Kernkraftwerke sind aufgrund der heute verfügbaren Informationen ohne staatliche Unterstützung nicht kapitalmarktfähig und somit auch nicht in der Lage, in einem subventionsfreien Markt zu bestehen.» Müller ist unter anderem Präsident der Stiftung Ethos. Auch der ETH-Professor Massimo Filippini ist skeptisch: «Läuft die Marktöffnung in der Schweiz nach Plan, können ab 2014 nicht nur die Grossverbraucher, sondern auch die Haushalte ihre Lieferanten frei wählen.» Das verstärke das finanzielle Risiko von Investitionen in Atomstrom, denn die alternativen Energien würden kontinuierlich wettbewerbsfähiger.

Kurt Rohrbach, CEO des Energiekonzerns BKW, widerspricht: Die Finanzierung zweier neuer AKW in der Schweiz sei «kein Spaziergang», aber möglich (siehe Seite 15). Die Grossbanken CS und UBS halten sich mit Einschätzungen zurück. Sie wollen erst den AKW-Volksentscheid abwarten. «Erst dann wird es möglich, sich mit Finanzierungsfragen auseinanderzusetzen», sagt UBS-Spre- cher Andreas Kern. Ein Hauptproblem sind die langen Zeiträume. Ein neues AKW würde nach 40 Jahren Laufzeit schwarze Zahlen schreiben, sagte Giovanni Leonardi, Chef der Gösgen-Besitzerin Alpiq, kürzlich an der ETH Zürich. Ein neues AKW käme frühestens 2025 ans Netz. Gewinn brächte es ab 2065 - in 55 Jahren. Experten wagen aber nicht einmal vorauszusagen, wie der Markt 2020 aussehen wird.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat berechnet, dass in den nächsten 20 Jahren weltweit 2Billionen Franken in Kraftwerke investiert werden müssen - das sind 100 Milliarden Franken pro Jahr. «Es entsteht eine ganz neue Energiewelt», sagte Josef Auer im Frühling in der Zeitung «Die Zeit». Auer ist bei der Deutschen Bank für die Analyse der Trends in der Energiewirtschaft zuständig. Das viele Geld werde kaum noch in die Wahrzeichen der alten Welt gesteckt werden, also in Schornsteine und Kühltürme. Nach IEA-Szenarien werden vier Fünftel der künftigen Investitionen in Ökostrom aus Wind- und Sonnenenergie sowie neue Stromnetze fliessen.

Die Entwicklung hat bereits eingesetzt: In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden weltweit Windenergiekapazitäten in der Höhe von 16 Gigawatt installiert. Das entspricht zwölf grossen, neuen AKW (Anmerkung Atominfomedia: Das stimmt so nicht, weil Windräder nicht dauernd in Betrieb stehen, entsprechen 16 GW Windkapazitäten etwa 5 grossen AKW). Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schätzt, dass in 20 Jahren die Offshore-Windparks in der Nordsee die grösste Energiequelle Deutschlands sein werden. Selbst der bisher horrend teure Solarstrom wird konkurrenzfähiger. Der Bau neuer AKW dagegen wird ständig teurer - um jährlich 15 Prozent, wie Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) berechnet haben.

Investoren dürfte ein weiterer Befund der MIT-Forscher interessieren. Die jetzigen Reaktortypen seien unausgereift, meinen sie, es brauche massiv mehr Forschung. Die Wissenschafter sehen Möglichkeiten für effizientere Reaktoren, eine solche Reaktor-Generation wäre frühestens 2030 baufähig. Sie soll den Brennstoff effizienter nutzen und die Menge der langlebigen Bestandteile im hochaktiven Abfall reduzieren - ein Plus für die spätere Atommüll-Entsorgung.

Die jetzt baufähige Generation - z. B. der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) - steckt in der Krise. Der EPR wird zurzeit von den französischen Firmen Areva und EDF (die an Alpiq beteiligt ist) im finnischen Olkiluoto und im französischen Flammanville gebaut. Diese Vorzeigeprojekte sind bisher ein Reinfall. In Finnland betragen die Kostenüberschreitungen 77 Prozent. An beiden Orten sind sicherheitsrelevante technische Probleme ungelöst.

Steve Thomas von der Londoner Greenwich-Universität zieht den Schluss: «Der einzige richtige Weg für Areva und Electricité de France scheint klar: Um ihre Verluste zu minimieren, müssten sie das Projekt EPR abbrechen», schreibt der Ökonom in einer neuen Studie. Atomstrom aus einem EPR sei viel zu teuer. «Es ist unwahrscheinlich, dass sich ein Energiekonzern dies leisten kann, ausser er erhält immense staatliche Subventionen und könnte alle Risiken auf die Konsumenten abwälzen.»

Der EPR ist auch für die Schweiz die wahrscheinlichste Option. Hierzulande gehören die Energiekonzerne mehrheitlich den Kantonen. Dies kommt einer Staatsgarantie gleich - das Risiko tragen am Schluss die Steuerzahler.

Quelle: Sonntagszeitung 21.11.2010 / Catherine Boss

Freitag, 22. Oktober 2010

Verzerrte Preisrelationen

Die Preisrelationen stimmen einfach nicht - immer wieder wird vom gegenüber der Solarenergie viel tieferen AKW-Strom-Preisniveau fabuliert, in einer Kurzdarstellung gilt jedochdoch:

Solarstrom aus grösseren Anlagen kostet heute unter 40 Rp. / kWh (Angebote an Solarstrombörse EW Zürich) - nur diesen vergleichen wir sinnvollerweise mit dem AKW-Strom aus Grösstanlagen. Preise von PV-Strom sinken nicht wenig, sondern 10-20% jährlich.

Neue AKW werden Strom nie für 6/7 Rp / kWh produzieren, siehe Kostenexplosion in Oikiluoto und Flamanville sowie Projektrückzug in USA (Atominfomedia vom 16. Oktober 2010).

Auch alte AKW decken mit 6/7 Rp. niemals alle Kosten (minimale Haftpflicht, Umweltschäden Uranabbau, unabsehbare Entsorgungskosten).

Solarstrom braucht nicht grössere Speicher, als mit den heute vorhandenen und geplanten Pumpspeicherkraftwerken verfügbar sind.

Wäre schön, es würde hierzulande endlich auch vom deutschen Zwischenlager Asse Kenntnis genommen - allein dessen Sanierung kostet mindestens 4 Mrd € - die aber nicht auf Strompreis geschlagen werden, sondern die deutschen SteuerzahlerInnen berappen.

© Atominfomedia

Samstag, 9. Oktober 2010

Von wegen Renaissance

Atomkraft - nein danke. Diese Auffassung teilt mittlerweile anscheinend auch Umweltminister Röttgen und entfacht eine neue Debatte. Dabei gibt es auch einen interessanten ökonomischen Aspekt. Immer mehr Investmentbanker winken beim Thema Kernkraft ab: Die Meiler sind zu teuer. Eine Analyse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ.












Der Bau des einstigen Referenzprojekts Olkiluoto 3 wächst sich zu einem finanziellen Desaster ausLänger als geplant: Der Bau des einstigen Referenzprojekts Olkiluoto 3 wächst sich zu einem finanziellen Desaster aus. Als Finnland sich entschloss, ein Kernkraftwerk der neuen Generation auf einer Insel namens Olkiluoto zu errichten, spürte die Atomindustrie frischen Mut. Jahrelang war man in der Defensive gewesen, belagert von Kernkraftgegnern, die Betriebsunterbrechungen zu Störfällen aufbauschten und die Öffentlichkeit erfolgreich verunsicherten.

Dann kam die Angst vor dem Klimawandel, und die Welt rief nach sauberer CO2-freier Energie. Die Atomindustrie konnte liefern, selbst Anhänger grüner Parteien (zumindest außerhalb Deutschlands) erwärmten sich für die Idee der Kernkraft. Nie standen die Zeichen für eine Renaissance der Reaktoren besser. Und Olkiluoto 3, das größte Kraftwerk der Welt, hätte das betonierte Symbol eines einzigartigen Comebacks werden sollen. Alles war gut bis zu dem Tag, an dem klar wurde, dass sich das Referenzprojekt Olkiluoto 3 zu einem finanziellen Desaster auswächst. Das Kraftwerk wird wahrscheinlich doppelt so teuer wie geplant. Es sollte drei Milliarden kosten, jetzt sind schon mindestens 5,3 Milliarden Euro im Gespräch. Und die Fertigstellung verzögert sich um einige Jahre. Bei einem Projekt wie in Finnland kostet jeder verlorene Tag Millionen Euro, dazu kommen die entgangenen Stromerlöse.

Probleme werden inzwischen auch vom neuen Atomkraftwerk im nordfranzösischen Flamanville gemeldet, das nach Informationen der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ frühestens 2014 statt 2012 Strom produzieren wird - mit gravierenden Folgen für die Kalkulation. Die Bauverzögerungen verderben den beteiligten Firmen wie Areva und Siemens die Bilanzen, die Münchner allein haben rund eine halbe Milliarde für den finnischen Meiler zurückgestellt. Gravierender noch ist, dass die Fehlkalulationen die AKW-Planer zwingen, neu zu rechnen. Das zeigt das Beispiel Großbritannien. Neben Finnland waren die Britischen Inseln zum zweiten Sehnsuchtsort der Atomindustrie geworden. Zehn neue Reaktoren wünscht sich die britische Regierung immer noch, um eine Versorgungskrise abzuwenden und ihr Versprechen zur CO2-Reduzierung zu halten.

Die beiden deutschen Energieriesen RWE und Eon - voller Aufbruchsstimmung - gründeten deshalb vor einem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen, das in England sechs Kernkraftwerke errichten und betreiben soll, falls es den Zuschlag bekommt. Doch inzwischen haben die Kaufleute der Konzerne einmal nachgerechnet, ob sich so ein Kernkraftwerk überhaupt bezahlt macht. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sind die Controller jetzt zu einem Ergebnis gekommen, das sich in dürren Worten so zusammenfassen lässt: ökonomisch nicht darstellbar.

Die schärfste Analyse liefert die Citibank, die nicht im Verdacht steht, Teil der Anti-AKW-Bewegung zu sein. Im November des vergangenen Jahres veröffentlichten Analysten der Citibank eine Studie unter dem knackigen Titel „New Nuclear - The Economics say no“ (Neue Kernkraft - Die Ökonomie sagt nein). Die Banker spießen unter anderem das finnische Projekt auf, um dann grundsätzlich zu werden: „Wenn bei Investitionssummen in dieser Höhe ein Bauprojekt aufs Schlimmste falsch läuft, kann es die Finanzkraft selbst der größten Energieversorger beschädigen.“

Zwei Risiken lasten besonders schwer auf geplanten Meilern: Der Baupreis und der Strompreis. Der Baupreis hängt von der Baudauer und den Materialkosten ab. Zeitverluste wie in Finnland wirken gravierend. Auf der Baustelle in Olkiluoto sind 4000 bis 5000 Leute beschäftigt, die rund 400 Euro pro Kopf und Tag kosten. So kostet jeder verlorene Tag zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro, rechnet ein deutscher Energiemanager vor. Zeitverzögerungen sind Standard, selbst in Ländern mit weniger Auflagen und weniger sensibilisierter Öffentlichkeit.

Die globale Kostenexplosion wird von einer interdisziplinären Wissenschaftlergruppe der amerikanischen Eliteuniversität MIT bestätigt. Die Forscher sprechen von einer dramatischen Eskalation der Kosten sämtlicher großen Industrieprojekte, bei denen Ingenieurleistungen gefragt sind. Aber besonders schlimm sind die Kostenentwicklungen bei Atommeilern. Schwer kalkulierbare Kosten sind aber nur die eine Seite der Investitionsrechnung für Kernkraftwerke, die Erlösrisiken stehen auf der anderen Seite. In Märkten mit freier Strompreisbildung können die Betreiber von Reaktoren schlecht kalkulieren, was sie verdienen werden. Die Profitabilität hängt unter anderem stark von den künftigen CO2-Preisen ab - je teurer das Abgas, desto besser rentiert sich ein abgasfreies Kernkraftwerk in Konkurrenz zu Kohlekraftwerken. Billige Emissionsrechte stellen die Rentabilität der teuren Meiler dagegen in Frage. Das Hauptproblem bleibt, dass die Preise so schwer prognostizierbar sind. Börsennotierte Energieversorger scheuen das Risiko nahezu zwangsweise. Sie haben eines gelernt: Zuverlässig Geld bringen die Reaktoren erst nach 30 Jahren, wenn sie weitgehend abgeschrieben sind.

Das ist auch das geradezu groteske Ergebnis der Befreiung der Energiemärkte: Die Privatisierung der Branche und die Liberalisierung des Stromwettbewerbs verhindern den Bau aufwendiger Kraftwerke, vor allem aber von Atomkraftwerken. „Alle Modelle, bei denen ein privater Betreiber das komplette Risiko des Kernkraftprojektes übernimmt, sind zum Scheitern verurteilt“, verrät ein hoher Eon-Manager, der flapsig ergänzt: „Ohne Staatskohle keine Kernkraft.“ Kein Wunder, dass RWE jüngst aus dem Bauprojekt im bulgarischen Belene ausgestiegen ist, der deutsche Stromversorger wollte das finanzielle Risiko nicht aushalten.

Für die Atomindustrie sind die Erkenntnisse so neu nicht, weil noch nie in der Geschichte der Branche ein privates Unternehmen das komplette kommerzielle Risiko für Bau und Betrieb eines Atommeilers übernommen hat. Allerdings favorisieren gerade jetzt viele Regierungen, einschließlich der britischen, private Lösungen, weil ihnen spätestens nach der Finanzkrise das Geld für Kraftwerksinvestitionen ausgegangen ist. So beschränkt sich die Renaissance der Kernkraft auf Länder, in denen staatliche Betreiber oder Geldgeber das Risiko tragen. Die amerikanische Regierung hat jetzt Kreditgarantien in Höhe von 54 Milliarden Dollar für neue Atomkraftwerke budgetiert. Allerdings sind dort erste Pläne auf Eis gelegt worden wegen befürchteter Kostenexplosionen.

China, mit 20 Meilern im Bau, Vietnam und die Vereinigten Arabischen Emirate sind am weitesten mit ihren neuen Kraftwerksplänen. Viele andere Kraftwerke sind über das Blaupausenstadium noch nicht hinausgekommen. In Europa haben die Kraftwerksplanungen nach den Erfahrungen und Rückschlägen in Frankreich, Finnland und Bulgarien einen Dämpfer bekommen mit durchaus brisanten Folgen. Wie jetzt noch die versprochenen CO2-Einsparungen realisiert werden sollen, wird langsam rätselhaft.

Quelle: Winand von Petersdorff - F.A.Z.