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Sonntag, 6. November 2016

Argumente für Ausstieg (7): Annahme schafft Arbeitsplätze

Eine neue Studie der ZHAW Wädenswil vergleicht die Beschäftigungseffekte der Atomausstiegsinitiative mit jenen der Energiestrategie 2050 und dem energiepolitischen Status quo. Resultat: Die Atomausstiegsinitiative schneidet am besten ab. Eine Annahme am 27. November 2016 generiert innert kürzester Zeit 5'000 bis 6'000 neue Arbeitsplätze. 
 

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In der öffentlichen Debatte um die Initiative für den geordneten Atomausstieg haben vor allem die Argumente der Atomlobby Gehör gefunden. Die volkswirtschaftlichen Chancen eines Ausstiegs wurden kaum erwähnt. Eine neue Studie der ZHAW Wädenswil im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung SES zeigt, dass mit einem geordneten Atomausstieg tausende neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

5'000 bis 6'000 neue Stellen
Diese Arbeitsplätze entstehen durch den Ersatz der AKW mit erneuerbaren Energien. Es zeigt sich, dass bereits der in der Energiestrategie 2050 angepeilte Ausbau ein klar positives Saldo von knapp 2000 neuen Stellen ergibt. Ein vollständiger Ersatz der AKW bis 2029 – wie es die Initiative vorsieht – würde 5'000 bis 6'000 neue Stellen bringen, je nachdem ob die allgemeine Teuerung, der Preiszerfall bei den Komponenten oder etwa der Einsatz von Speicherbatterien mitberücksichtigt werden oder nicht. «Dies entspricht etwa eineinhalb Mal der Anzahl Arbeitsplätze, welche die Axpo heute hat», sagt Studienleiter Prof. Jürg Rohrer. Die Substitution des AKW-Stroms durch erneuerbare Energien bis im Jahr 2030 ist machbar, halten die Autoren fest.

Photovoltaik wird zum Jobmotor
Der grösste Beschäftigungseffekt stammt vom Ausbau der Photovoltaik. Diese ist die erneuerbare Technologie, die am raschesten umgesetzt werden kann. Beim vollständigen Ersatz des Atomstroms werden gemäss Studie nur rund zwei Drittel des bestehenden Potentials an geeigneten Dachflächen in der Schweiz ausgenutzt.

Geordneter Atomausstieg ist eine grosse Chance
Die Cleantech-Branche, KMU und Unternehmen, die von dieser Entwicklung profitieren können, haben längst begriffen, dass die Annahme der Initiative für einen geordneten Atomausstieg eine grosse Chance für sie darstellt. «Der Atomausstieg bringt die nötige Planungssicherheit für den Ausbau der erneuerbaren Energien» stellt SES-Projektleiter Felix Nipkow fest.

Konservative Annahmen
Studienautor Prof. Jürg Rohrer betont, dass für die Berechnungen von konservativen Annahmen ausgegangen wurde. «Die in der Atombranche für die Stilllegung der Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls neu zu schaffenden Arbeitsplätze wurden in der Studie nicht berücksichtigt.»


Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Argumente für Ausstieg (3): Wind und Sonne können's alleine

Erneuerbare Energien und Batteriespeicher können durch ein intelligentes Stromnetz so zusammenarbeiten, dass in einer definierten Region auch langfristig eine sichere und stabile Stromversorgung allein auf Basis von Wind und Sonne möglich ist (oder auf der Basis von Wasser und Wind für die Schweiz - fügt Solarmedia an). 

So lautet das Ergebnis der ersten Phase des Forschungsprojekts Smart Region Pellworm, in dem E.ON zusammen mit dem Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG, den Fraunhofer Instituten IOSB-AST und Umsicht, der Gustav Klein GmbH & Co. KG, Saft Batterien GmbH, der Fachhochschule Westküste sowie der RWTH Aachen das erste intelligente Stromnetz im Norden betrieben hat. Einer Mitteilung zufolge wird E.ON in der jetzt anschließenden zweiten Phase des Projekts auf der Nordseeinsel gemeinsam mit den Partnern an neuen Geschäftsmodellen erproben, wie man diese Art der Stromversorgung auf Basis von Batterien auch wirtschaftlich zu einem Erfolg bringen kann. Ziel sei es außerdem, die Technik in das bestehende virtuelle Kraftwerk des E.ON Tochterunternehmens HanseWerk Natur zu integrieren. 

In der Vergangenheit sei auf Pellworm deutlich mehr Strom mittels Windkraft und Photovoltaikanlagen produziert als verbraucht worden. Trotzdem sei wegen der schwankenden Einspeisung der erneuerbaren Energien häufig Strom vom Festland über zwei Seekabel importiert worden. Wichtig war es E.ON zufolge daher, Lösungen zu finden, um die schwankende Einspeisung Erneuerbarer abzufedern und deren Verwertung vor Ort zu verbessern. Es wurde ein spezielles System aus zwei elektrischen Großbatterien sowie thermischen Speichern errichtet, das über ein neuartiges Energiemanagement mit den Stromanschlüssen der Kunden sowie den Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf der Insel verbunden wurde. 

Nachdem in der ersten Phase diese technische Umsetzung erfolgreich getestet worden sei, gehe es zukünftig vor allem darum, die Wirtschaftlichkeit zu optimieren, bei der sich in der ersten Phase noch Defizite gezeigt hätten. Durch Leistungssteigerungen, Skaleneffekte und Preisnachlässe sollen zukünftig die bisher noch sehr hohen Investitionskosten für die Speichersysteme ausgeglichen werden können. 

Die Meldung erscheint in der kommenden Ausgabe von EUWID Neue Energie. Den Inhalt der aktuellen Ausgabe können Sie hier abrufen. Ein Testpaket mit den unterschiedlichen Informationsmodulen (z.B. Printausgabe, E-Paper, Märkte und Preise, Premium News) kann hier angefordert werden.  
 
Informationen zum Start von EUWID Neue Energie im vergangenen Jahr finden Sie hier.

Quelle: EUWID

Dienstag, 20. Oktober 2015

Chinesen verringern Einsatz für AKW Hinkley Point

Chinesische Atomkonzerne verringern offenbar ihr finanzielles Engagement beim umstrittenen AKW-Projekt Hinkley Point C. Anders als geplant wird beim Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Großbritannien laut Medienberichten keine offizielle Investitionsvereinbarung zwischen der britischen Regierung und chinesischen Investoren für den Bau des Atomkraftwerks im Südwesten Englands unterzeichnet. 

Auch wollen die Staatskonzerne China National Nuclear Corporation (CNNC) und Chinese General Nuclear Power Group (CGN) deutlich weniger Geld in den Reaktorbau Hinkley Point C im Südwesten Englands stecken als angekündigt. Der Anteil soll statt der zuvor genannten 40 Prozent nur noch 30 Prozent betragen. Als Gründe dafür werden unter anderem rechtliche Unsicherheiten bei der Finanzierung des AKW-Projektes genannt. Greenpeace Energy aus Hamburg klagt mit weiteren Akteuren gegen die britischen Subventionen in Höhe von 100 Milliarden Euro für das AKW. Laut Studien verzerren diese den Wettbewerb auf dem europäischen Strommarkt und benachteiligen Anbieter erneuerbarer Energien. Ein heute von Greenpeace Energy veröffentlichtes Dossier belegt zudem, dass mindestens einer der chinesischen Staatskonzerne in Umwelt- und Bestechungsskandale verwickelt war.

„Die Investoren wissen, dass Hinkley Point C für sie zum milliardenschweren Risiko werden kann, solange die vom britischen Staat geplanten, üppigen Subventionen noch vor Gericht verhandelt werden“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Die beiden großen Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s hatten zuvor angekündigt, die Kreditwürdigkeit von Investoren herabzustufen, wenn diese in Hinkley Point C investieren. Grund sei vor allem die Gefahr von massiven Kostensteigerungen und einer unsicheren Finanzierungslage. „Dazu gehört auch die aus unserer Sicht unrechtmäßige und unfaire Beihilfe, die die EU-Kommission Großbritannien niemals hätte genehmigen dürfen“, sagt Tangermann.

Greenpeace Energy hat zusammen mit acht deutschen Stadtwerken und der oekostrom AG aus Österreich Mitte Juli vor dem Gericht der Europäischen Union in Luxemburg gegen die Subventions-Erlaubnis der Kommission geklagt. Auch die österreichische Bundesregierung geht gerichtlich gegen die von der EU-Kommission genehmigte Beihilfeentscheidung vor. Beide Klagen wurden vom Gericht entgegengenommen und in der vergangenen Woche im offiziellen EU-Amtsblatt veröffentlicht.
 

CNNC und CGN haben bereits 2013 von der britischen Regierung die Erlaubnis erhalten, sich finanziell an Hinkley Point C zu beteiligen. Teil des geplanten Investitions-Vertrages ist unter anderem, dass beide Unternehmen in Großbritannien mindestens ein weiteres Atomkraftwerk mit chinesischer Technik bauen dürfen. Derzeit wird auch in Großbritannien kontrovers über das Subventionspaket für Hinkley Point C diskutiert – und über die Rolle der chinesischen Partner. Britische Experten und Politiker befürchten Sicherheitsrisiken, mangelnde Transparenz und kritisieren immer stärker die hohen Kosten des Projektes.

„Wir begrüßen, dass die Debatte über dieses teure und riskante AKW-Projekt mit all seinen Folgen auch in der britischen Öffentlichkeit geführt wird“, sagt Sönke Tangermann, „denn nicht nur die staatlichen Subventionen und Garantien sind problematisch, sondern auch die möglichen Investoren.“ Dies zeigt ein Blick auf das neue Dossier mit den bisherigen Aktivitäten der chinesischen Staatskonzerne: Millionenschwere Korruption, ein ökologisch desaströser Uranabbau, Unregelmäßigkeiten bei Atomtransporten und niedrige Sicherheitsstandards bei chinesischen AKW prägen das Bild. Zudem ist über Störfälle in China und die Qualität des Krisenmanagements von CNNC und CGN viel zu wenig bekannt. „Vertrauenswürdige Partner für ein europäisches Energie-Projekt sehen anders aus“, so Tangermann.

Neben den chinesischen Unternehmen bleibt derzeit einzig der Betreiber von Hinkley Point C, der französische Staatskonzern Electricité de France (EDF), übrig, um die Investitionen zu stemmen. Diese belaufen sich auf umgerechnet mehr als 30 Milliarden Euro – sofern der aktuell geplante Kostenrahmen eingehalten wird. Der Kraftwerksbauer Areva hat aus finanziellen Gründen seine finanzielle Beteiligung von rund 15 Prozent an Hinkley Point C bereits aufgekündigt. Auch potenzielle Geldgeber aus Kuwait, Katar und Saudi-Arabien haben ihr Interesse an einer Beteiligung zurückgezogen. 


Quelle: Greenpeace Energy

Dienstag, 18. August 2015

So entwickelt sich die Atomindustrie

Vor kurzem wurde der World Nuclear Industry Status Report 2015 (WNISR) veröffentlicht. Die seit 1992 erscheinenden Jahresberichte enthalten viele brauchbare Informationen über die weltweit aktive Atomindustrie sowie eine Zusammenfassung der Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier einige der Hauptpunkte: 

Inbetriebnahme und Abschaltungen

2014 wurden fünf Atomreaktoren in Betrieb genommen (drei davon in China, einer in Argentinien und einer in Russland). Ein Atomreaktor wurde abgeschaltet (in Vermont Yankee in den Vereinigten Staaten). Während der ersten Jahreshälfte von 2015 wurden in China vier und in Südkorea ein Reaktor in Betrieb genommen. Zwei weitere wurden abgeschaltet, einer davon in Belgien (Doel-1) und einer in Deutschland (Grafenrheinfeld).

Betriebene Atomreaktoren

In 31 Ländern werden Atomkraftwerke betrieben. Insgesamt 391 Reaktoren (drei mehr als noch im vorigen Jahr) haben zusammengenommen eine Kapazität von 337 GW (fünf GW mehr als noch im Vorjahr). Von diesen Reaktoren erzeugte in Japan kein einziger Strom. Der weltweite Report über Aktivitäten in der Atomindustrie 2015 stuft 40 Reaktoren als „sich in einem Langzeit- Stromausfall befindlich“ (LTO-Long-Term Outage)ein. Neben den japanischen gibt es einen schwedischen Reaktor, der zur Kategorie gehört.

Industrie im Abwärtstrend

Diese 391 Atomreaktoren, die erwähnten ausgenommen (LTO), belaufen sich auf 47 weniger als im Jahr 2002, wo sie einen Höhepunkt von 438 erreicht hatten. Die gesamt erzeugte Stromkapazität erreichte 2010 ihren Gipfel mit 367 GW; danach sank sie um 8% auf 337 GW, vergleichbar mit Werten, die vor zwei Jahrzehnten das letzte Mal registriert wurden. 2014 erreichte die jährliche Stromerzeugung 2.410 TWh, ein Anstieg von 2.2% im Verlauf des letzten Jahres, aber 9.4 % unter dem historischen Höchststand, erreicht 2006.

Anteile bei gemischter Stromerzeugung

Der Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung blieb über die letzten drei Jahre hinweg stabil. 10.8% wurden 2014 erreicht; danach sanken die Werte beständig, ausgehend von einem Höchstwert im Jahr 1996 von 17.6 %. Der Anteil der Atomkraft an weltweit kommerziell genutzter Primärenergie blieb mit 4.4 % stabil. Dies war der niedrigste Wert seit 1984.

Das Alter der Atomreaktoren

Es gibt noch keine neuen Bauprogramme – außer in China. Daher steigt das Alter der weltweit sich in Betrieb befindlichen Atomreaktoren weiterhin. Zur Jahresmitte 2015 lag es bei 28.8 Jahren. Das Durchschnittsalter der 41 Reaktoren (LTO-Typen) liegt bei 26.4 Jahren. Mehr als die Hälfte aller Reaktoren – 199 an der Zahl – waren über 30 Jahre lang in Betrieb. Das schließt auch die 54 Reaktoren ein, die bereits über 40 Jahre lang aktiv sind. Ein Drittel - 33 Kraftwerke in den Vereinigten Staaten sind ebenfalls schon 40 Jahre lang am Netz.

Voraussagen über die Lebensdauer von Atomkraftwerken

Wenn man alle derzeit in Betrieb befindlichen Reaktoren nach ihrer 40-jährigen Ablaufzeit schließen würde, so läge bis zum Jahr 2020 die Anzahl der Reaktoren um 19 Einheiten unterhalb derer aus dem Jahr 2014. Im folgenden Jahrzehnt – also bis 2030 – müssten 188 Einheiten (178 GW) ersetzt werden. Das heißt also, fünf Mal mehr als die Zahl der neu in Betrieb genommenen Kraftwerke aus der vorherigen Dekade.

Verzögerungen beim Bau

Wie bereits in den vorigen Jahren errichten derzeit 14 Länder Atomkraftwerke. Beinahe 40% (24) der Projekte befinden sich in China. Alle der im Bau befindlichen Reaktoren (in 10 der 14 Länder) müssen sich mit Verzögerungen herumschlagen, meistens bereits jahrelang. Weltweit sind mindestens ¾ (47) der sich noch im Bauprozess befindlichen Atomreaktoren im Verzug. Fünf Kraftwerke wurden über 30 Jahre lang als „im Bau befindlich“ bezeichnet.

Bauzeiten

Die durchschnittliche Bauzeit der letzten 40 Reaktoren (in neun Ländern), die seit 2005 in Betrieb genommen wurden, alle mit einer Ausnahme (Argentinien) in Asien und Osteuropa – lag bei 9.4 Jahren (rangierend von vier bis 36 Jahren).

Baubeginn

Im Jahr 2014 begann der Bau dreier Atomkraftwerke: einer in Argentinien, einer in Weißrussland, und einer in den Vereinigten Emiraten. Dies steht im Vergleich zu 15 Bauanfängen – (10 davon alleine in China im Jahr 2010) und 10 weiteren im Jahr 2013. China begann kein einziges Bauprojekt im Jahr 2014, aber zwei in der ersten Jahreshälfte 2015. Dies waren die einzigen beiden in dieser Zeitperiode. Eine historische Analyse ergibt, dass die Zahl der Baustarts weltweit ihren Höhepunkt 1976 mit 44 Atomreaktoren erreicht hatte. In den viereinhalb Jahren vom ersten Jänner 2011 bis zum ersten Juli 2015 wurde der erste Beton für nur 26 neue Atomkraftwerke ausgebracht – das sind weniger Bauprojekte als in einem einzigen Jahr in den 70-er Jahren.

Baustornierungen

Zwischen 1977 und 2015 wurde eine Gesamtzahl von 92 Baugrundstücken (eines von 8 in 18 Ländern) in unterschiedlichen Entwicklungsstadien entweder aufgegeben oder das Projekt unterbrochen oder abgebrochen.

Verzögerungen bei Neustart-Projekten

Nur zwei Länder, in denen neue Programme geplant sind, bauen tatsächlich Reaktoren – und zwar Weißrussland und die Vereinigten Arabischen Emirate. Weitere Verzögerungen ergaben sich im Verlauf eines Jahres bei der Entwicklung neuer Programme. Hierbei handelt es sich unter anderem um Bangladesch, Ägypten, Jordanien, Polen, Saudi Arabien und Vietnam.

Verzögerungen bei „Reaktoren der dritten Generation“

29 Jahre nach der Katastrophe in Tschernobyl wurde keiner der Atomreaktoren der nächsten oder sogenannten dritten Generation in Betrieb genommen. Bauprojekte in Finnland und England sind viele Jahre im Verzug. Von den 18 Reaktoren des Dritte-Generation-Modells (acht Westinghouse AP 1000, sechs Rosatom AES-2006 und vier AREVA/EPR Projekte) liegen 16 zwischen zwei und neun Jahre im Rückstand. Es gibt dafür viele Gründe: Schwierigkeiten mit den Projktentwürfen, Mangel an qualifiziertem Personal und Probleme mit der Qualitätskontrolle, Komplikationen bei der Anlieferung des benötigten Materials, schlechte Planung und finanzielle Engpässe. Es fand auch keine einheitliche Normierung statt; die Einführung von Entwurfs-Modulen hat das Thema Qualitätskontrolle von den AKW-Baustellen auf die Modul-Fabriken verlagert.

Steigende Betriebskosten

In einigen Ländern (einschließlich Belgien, Frankreich, Deutschland, Schweden und der Vereinigten Staaten) sind die inflationsangepassten Betriebskosten pro Reaktor so stark eskaliert, dass sie im Durchschnitt bereits die allgemein für solche Unternehmen üblichen Energieverkaufspreise knapp erreichen oder sogar überschreiten. Dies führte zu einer Reihe von negativen Rückmeldungen von Seiten der Atomkraftwerks-Betreiber.

Atomkraft versus erneuerbare Energien

Nach zwei Jahren eines Abwärtstrends hat das weltweite Investment in erneuerbare Energien im Jahr 2014 wieder um 270 Milliarden US $ (+17%) zugenommen. Dieses Ergebnis kommt dem Gesamtrekord von 2011 nahe (278 Milliarden US $) und liegt viermal so hoch wie noch im Jahr 2004. Das Ausmaß, in dem in neue Atomkraftwerke investiert wurde, blieb indessen eine ganze Magnitude unterhalb dieses Niveaus.

In Betrieb genommene erneuerbare Energiequellen

Im Jahr 2014 waren fast die Hälfte (49%) der zusätzlichen stromproduzierenden Energiequellen erneuerbaren Ursprungs. Dazu gehören 49 GW von durch Windräder und 46 GW mittels Photovoltaik erzeugten Stroms. Seit dem Jahr 2000 hat die Windenergie global betrachtet 355 GW und Sonnenenergie 179 GW zusätzlich geliefert – jeweils 18 und 9mal mehr als Nuklearenergie mit insgesamt 20 GW Kapazitätszuwach.

Elektrizitäts-Generation

Folgende Länder produzieren mehr Elektrizität mithilfe erneuerbarer Energiequellen, als durch Atomkraftwerke (darunter drei der vier größten Wirtschaftsmächte): Brasilien, China, Deutschland, Indien, Japan, die Niederlande und Spanien. Diese acht Länder repräsentieren mehr als drei Milliarden Menschen oder 48 % der Weltbevölkerung.


Quelle: Mycle Schneider, Antony Froggatt et al., Juli 2015 (World Nuclear Industry Status Report 2015)

Quelle   oekonews.at | holler 2015 | Übersetzung aus dem Nuclear Monitor 807 |  Übersetzung: Ina Conneally | Bernhard Riepl

Sonntag, 3. Februar 2013

Erneut Kritik an Mühleberg

Experten der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) orten Mängel beim Atomkraftwerk Mühleberg. Die Organisation empfiehlt der Betreiberin BKW Verbesserungsmassnahmen.  

Die IAEA stellte gewisse Mängel unter anderem im Anlagebetrieb, im Management und in der Überwachung fest. Eine internationale Expertenmission hatte das Atomkraftwerk vor den Toren Berns (siehe Bild) im vergangenen Oktober während drei Wochen unter die Lupe genommen. Die Experten bewerteten das AKW als sicher, wiesen aber schon im Anschluss an die Untersuchung auf Verbesserungspotenzial. 

Der detaillierte Bericht wurde nun vor wenigen Tagen veröffentlicht, wie aus Artikeln in der "SonntagsZeitung" und "Der Sonntag" hervorgeht. Gemäss dem IAEA-Bericht verbringt beispielsweise das BKW-Management nicht genug Zeit auf der Anlage, um die Arbeiten zu beobachten und das Werkspersonal zu betreuen. Die Experten halten weiter fest, dass die Betriebsfeuerwehr nicht zu jedem Zeitpunkt wie vorgesehen zur Verfügung gestanden sei. Beim Werkspersonal sei der Strahlenschutz zu optimieren. Verbesserungspotenzial gebe es ausserdem bei der Notfallplanung. 

BKW-Sprecher Antonio Sommavilla bezeichnete auf Anfrage die Empfehlungen als üblichen Prozess zur Verbesserung der betrieblichen Sicherheit. Die BKW prüfe die Anregungen der IAEA-Delegation und wolle entsprechende, geeignete Massnahmen ableiten. Deren Umsetzung solle in rund 18 Monaten beim nächsten Besuch der internationalen Experten präsentiert werden. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) erwartet seinerseits, dass die BKW die Empfehlungen umsetzt. Diese seien zum Teil bereits durch Forderungen des ENSI zum Langzeitbetrieb abgedeckt, wie es auf der Internetseite der Behörde heisst. 

Quelle: SDA und Agenturen

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Dienstag, 2. Oktober 2012

Atomausstieg belastet Klima kaum

Ein weltweiter Ausstieg aus der Kernenergie erhöht die Kosten für Klimaschutz nur geringfügig. Mit einer Computersimulation von Energiesystem und Wirtschaft, die den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Technologien zur Energieerzeugung umfassend abbildet, haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Universität von Dayton, Ohio, Wechselwirkungen zwischen Kernkraft- und Klimapolitiken analysiert.

„Oft wird gefragt, ob eine Beschränkung der Kernenergie – wie sie seit dem Unfall im japanischen Fukushima von manchen Ländern erwogen wird – in Kombination mit Klimapolitik nicht extrem teuer werden könnte. Unsere Studie ist die erste, die die Folgen einer großen Bandbreite von Kombinationen von Klima- und Atompolitik untersucht“, sagt Leitautor Nico Bauer. Einschränkungen der Kernkraft könnten von der Politik beschlossen werden, aber auch auf Bestimmungen von Sicherheitsbehörden zurückgehen. Dann müssten die nuklearen Kapazitäten zur Energieerzeugung ersetzt werden – fossile Brennstoffe aber könnten sich verteuern, wenn zugleich CO2-Emissionen aus Gründen des Klimaschutzes einen Preis bekommen, das ist der Kern der Bedenken. 

„Im Falle einer beschränkten Nutzung von Kernkraft würde ein flexibles Budget für CO2-Emmissionen kurzfristig einen höheren Ausstoß von Treibhausgasen erlauben, der aus einem Anstieg der Energieerzeugung aus Erdgas statt Kernkraft resultiert“, sagt Bauer. Zusammen mit einer Verringerung des Energiebedarfs und der Verbesserung der Energieeffizienz könnte dies helfen, die Lücke in der Stromerzeugung zu füllen. Der Gaspreis wird sich der Studie zufolge durch einen Rückgang des Bedarfs vermindern. Die Stilllegung bereits existierender Kernkraftwerke würde zudem Instandhaltungs- und Modernisierungskosten vermeiden, die zur Verlängerung der Betriebszeiten älterer Kernkraftwerke entstehen würden. Verluste der Weltwirtschaftsleistung durch das vorzeitige Stilllegen von Kernkraftwerken entsprechen etwa 10 Prozent der Kosten für Klimaschutz, so die Autoren. Werden zusätzlich keine neuen Kernkraftwerke zugelassen, würden sich die Kosten auf bis zu 20 Prozent belaufen. 

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler verschiedene Optionen der Atompolitik analysiert. Die Bandbreite der untersuchten Szenarien reicht von der „Renaissance“, mit einer vollen Ausnutzung bereits bestehender Kraftwerke und ihrer Modernisierung zur Laufzeitverlängerung plus Investitionen in neue Kernkraftwerke, bis zu „Kompletter Ausstieg“, bei dem bestehende Kraftwerke stillgelegt werden und es keine Investitionen in neue Kernkraft gibt. Jedem Szenario wurde eine Klimapolitik gegenübergestellt, die ein flexibles globales CO2-Budget mit einbezieht. Mit diesem Budget wird ein Preis für Kohlendioxid-Emissionen festgesetzt. Insgesamt sind die Kohlendioxid-Emissionen des globalen Energiesektors dabei von 2005 bis Ende des Jahrhunderts auf 300 Gigatonnen Kohlenstoff begrenzt. Dies repräsentiert eine Klimaschutzpolitik, die dem Zwei-Grad-Ziel entspricht. 

„Ein überraschendes Ergebnis unserer Studie ist, dass es im Hinblick auf Verluste der Weltwirtschaftsleistung kaum einen Unterschied zwischen einer ‚Renaissance’ und einem ‚Kompletten Ausstieg’ gibt“, sagt Bauer. Während der stufenweise Ausstieg aus der Kernkraft ohne Klimaschutz mit CO2-Budget nur sehr geringe Effekte auf die Weltwirtschaftsleistung hätte, würde ein verbindliches CO2-Budget ohne gleichzeitige Einschränkung der Kernkraft eine Verringerung des Welt-Bruttoinlandsprodukts um 2,1 Prozent bis 2050 bedeuten. Durch einen zusätzlichen stufenweisen Ausstieg aus der Kernkraft stiege dieser Verlust den Berechnungen zufolge bis 2050 um etwa 0,2 Prozentpunkte. Er hätte also nur wenig zusätzliche Folgen für die Wirtschaft, da der Beitrag der Atomkraft zur Energieerzeugung relativ leicht durch alternative Technologien – darunter auch der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien – aufgefangen werden kann.

Artikel: Bauer, N., Brecha, R.J., Luderer, G. (2012): Economics of nuclear power and climate change mitigation policies. Proceedings of the National Academy of Sciences (Early Edition) [DOI: 10.1073/pnas.1201264109] 

Weblink zum Artikel: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1201264109. 

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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Donnerstag, 24. Mai 2012

Fachkräftemangel droht

Bewerber sind Mangelware, Studenten und Schüler haben kaum noch Interesse: Nach Fukushima und dem geplanten Atomausstieg der Bundesregierung gehen der Nuklearwirtschaft die Fachkräfte aus. Dabei gibt es in den nächsten 30 Jahren eine Menge zu tun - vor allem in der Stilllegung.

Der so genannte "Kernenergie Campus" ist eigentlich seit Langem ein fester Bestandteil des jährlichen Treffens der Atombranche in Stuttgart. Da können sich Oberstufenschüler an Infoständen und in einer interaktiven Ausstellung aus erster Hand über Ausbildungswege und Berufsbilder in den Bereichen Kerntechnik und Strahlenschutz informieren. Doch in diesem Jahr wurde der "Campus" kurzfristig abgesagt: Zu wenige Schüler hatten ihr Interesse angemeldet. Der Nuklearwirtschaft gehen nach Fukushima und Atomausstieg allmählich die Fachkräfte aus. "Im Zuge der Energiewende sehen viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Kerntechnik in Deutschland ein Auslaufmodell", sagt Ralf Güldner, Präsident des Deutschen Atomforums, zum Auftakt der Jahrestagung Kerntechnik in Stuttgart. "Auf die Frage, wo sie in zehn Jahren stehen, fällt da nur wenigen die Kerntechnikbranche ein."

Und viele Unternehmen können diesen Eindruck bestätigen - allen voran AREVA, der größte europäische AKW-Hersteller: "Wir haben einen Rückgang an Bewerbungen verzeichnen können", erklärt Unternehmenssprecherin Cordula Ressing. "Allerdings haben wir in den Jahren 2009 und 2010 sehr stark eingestellt, so dass wir 2011 dann auch einen geringeren Bedarf hatten." Von ähnlichen Problemen berichtet Norbert Haspel, Deutschland-Sprecher des AKW-Herstellers Westinghouse: "Wir sehen Probleme, direkt fachspezifisch Leute mit Reaktorbackground zu bekommen. Aber wir stellen auch Verfahrenstechniker und Maschinenbauer ein, auch Physiker. Und wir qualifizieren entsprechend in der Firma auf die jeweilige Aufgabenstellung."

Ob dieser Umweg über die Nachqualifizierung ausreicht, um den drohenden Fachkräftemangel in der Nuklearindustrie zu verhindern, ist fraglich. Denn umgekehrt gibt es wohl auch nicht wenige Studenten im Bereich Kerntechnik, von denen keineswegs sicher ist, ob sie je in dieser Branche arbeiten werden. "Wir haben in diesem Jahr 150 Doktoranden, die in kerntechnischen Themen ihre Arbeiten schreiben", sagt Astrid Petersen, Vorsitzende der Kerntechnischen Gesellschaft. "Aber es zeichnet sich durchaus ab, dass nicht klar ist, ob die hinterher auch in der Kerntechnik zur Verfügung stehen." Folgen könnten dramatisch sein Atomkraftwerk Arbeit gibt es genug: Die Atomindustrie spricht vom "Stilllegungsmarkt".

Die Folgen könnten dramatisch sein. Denn trotz des deutschen Atomausstiegs und der weltweit wachsenden Zweifel an der Kernenergie werden Nuklearexperten noch lange gebraucht - ob für den Betrieb bestehender Meiler, die Lagerung von Atommüll oder den Abriss stillgelegter AKW. "In Deutschland gibt es mit dem Stilllegungsmarkt sicherlich in den nächsten 20-30 Jahren auch noch genug zu tun für junge Menschen, die in diese Branche einsteigen", sagt Beate Scheffler, Sprecherin der auf Stilllegung von AKW spezialisierten Firma Nukem. Die Zahlen geben ihr recht. Auf jeden neuen Kerntechnik-Absolventen kommen derzeit im Schnitt drei Stellenangebote aus der Industrie. Da aber in der nächsten Zeit rund ein Drittel der Fachkräfte in Rente gehen, dürfte es eng werden. Der Aachener Physiker Bruno Thomauske warnte deshalb schon im vergangenen Jahr vor "einer bedenklichen Situation für die nukleare Sicherheitslage in Deutschland".

 Quelle: Westdeutscher Rundfunk WDR

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Mittwoch, 18. Mai 2011

Komponenten-Fabrik gestoppt

Die Fertigstellung einer Fabrik in den USA zur Herstellung von Schwerkomponenten für Reaktoren ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dies gab die Bauherrin Areva Newport News LLC bekannt.

Die Areva Newport News LLC ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Areva NP Inc. und der Northrop Grumman Shipbuilding. Am 22. Juli legte sie den Grundstein für die neue Fabrikationsstätte für Reaktor-Schwerkomponenten – auf dem Gelände der Northrop Grumman in Newport News im Bundesstaat Virginia. Die Fabrik soll alle Schwerkomponenten anfertigen, die zum Bau einer Reaktoreinheit vom Typ US-EPR benötigt werden. Geplant war die Betriebsaufnahme Mitte 2012. Sie wurde jedoch bereits im August 2010 auf 2013 verschoben. Nun hat die Areva Newport News die Bauarbeiten gestoppt und will mit dem Weiterbau abwarten, bis sich die «Marktumstände wieder gebessert» haben. Die Fertigstellung wird nach der Wiederaufnahme der Bauarbeiten rund zwei Jahre dauern.

Quelle: Nuklearforum

Mittwoch, 9. Februar 2011

Bauern für EE / gegen AKW

Eine Umfrage der landwirtschaftlichen Zeitung «Schweizer Bauer» hat ein deutliches Votum zugunsten Erneuerbarer Energien und in Zusmmenhang mit der Abstimmung über das AKW Mühleberg eine ebenso heftige Ablehnung neuer AKW ergeben. Auch zeigen sich die Landwirte bereit, für Erneuerbare höhere Preise zu zahlen.

Die Umfrageergebnisse im Einzelnen, die die Redaktion der Zeitung mit folgender Einschränkung versieht: «Achtung: Diese Umfrage ist nicht repräsentativ! Sie zeigt nur die Meinung der BenutzerInnen von schweizerbauer.ch, welche sich für diese Umfrage interessieren. Die breite Öffentlichkeit kann eine ganz andere Meinung vertreten.» Die Umfrage ist unterdessen abgeschlossen und zeigt folgende Antworten auf fünf Fragen:



Quelle: Schweizer Bauer

Montag, 24. Januar 2011

Mühleberg: Solar statt atomar

Die Debatte um den AKW-Ersatz in Mühleberg geht in eine neue Runde: Der Berner Solarhersteller Megasol offeriert der BKW eine Solarlösung, als vollwertigen Ersatz für den geplanten AKW-Neubau und warnt vor milliardenschwerer Fehlinvestition in AKWs.

Die Megasol Energie AG offeriert gemäss einer Medienmitteilung der BKW ein dezentral installiertes Solarsystem mit einer Gesamtleistung von 8'906 MWp. Das Solarsystem wird gemäss Offerte in den kommenden 15 Jahren schrittweise und mit einer progressiven Zubaurate installiert und wäre im Jahr 2025 fertig gestellt. Ab 2025 würde die gesamte Installation gut 8 TWh elektrischen Strom jährlich produzieren. Somit würde es einen von der BKW geplanten Atom-Meiler in Mühleberg komplett und rechtzeitig ersetzten. Mit den Systemgesamtkosten von 13.64 Mia. CHF ist die nötige Investition nicht grösser als bei einem AKW-Neubau. Mit durchschnittlich 10.89 Rp/kWh sind die Stromgestehungskosten mit denen des neuen Meilers vergleichbar.

Im Interview mit der Sonntagszeitung bestätigte Kurt Rohrbach, Chef der
Unternehmensleitung der BKW den Eingang der Offerte. Für Ihn sei jedoch noch unklar wie unregelmässig anfallende Sonnenenergie ohne Zusatzkosten Bandenergie ersetzen kann. Swissolar Präsident und SP-Nationalrat Roger Nordmann lässt dieses Argument nicht gelten: „Solaranlagen produzieren im Gegensatz zu AKWs dann am meisten Strom, wenn auch der Bedarf am grössten ist. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass Pumpspeicherkraftwerke in Zukunft nicht in erster Linie für den Stromhandel verwendet werden, sondern für die Netzintegration der erneuerbaren Energien.“

Das PV-System würde primär auf grösseren Bauten wie Schulhäuser, Lärmschutzwänden, Lawinenverbauungen, Firmengebäuden, Turnhallen etc. installiert. Zusätzlich zu öffentlichen Bauten können Privatbesitzer Ihre Dächer auf www.solarzukunft.ch registrieren und gegen eine finanzielle Entschädigung zur Verfügung stellen. Die Hausbesitzer dürfen nach Amortisation die Solaranlage behalten und damit gratis den eigenen Strom produzieren. Es werden insgesamt ca. 16'000 Gebäude mit einem Solardach versehen. Die bestückte Fläche entspricht nur 1.7 % der total überbauten Fläche in der Schweiz. Es werden keine zusätzlichen heute ungenutzten Flächen bebaut.

Im Vergleich gegenüber einem Atomkraftwerk befindet sich die Megasol-Solarlösung gemäss der Darstellung im Netz unter www.solarzukunft.ch entschieden im Vorteil:
* Der Strom wird dort produziert wo er gebraucht wird - dezentral. Damit wird das öffentliche Verteilnetz entlastet.
* Solarenergie fördert die lokale Wirtschaft, insbesondere die KMU.
* Ein Grossteil der Wertschöpfung bleibt im Inland – Keine Milliarden-Investition in ausländische Grosskonzerne.
* Kein Klumpenrisiko wie bei Grosskraftwerken. Bei Wartung oder Ausfall geht nicht gigawattweise Kraftwerkleistung vom Netz.
* Dank kontinuierlichem Teilzubau kann das veraltete Atomkraftwerk Mühleberg bereits 2021 oder noch früher vom Netz genommen werden, statt erst bei Inbetriebnahme des neuen Meilers zwischen 2025 und 2030.
* Das Solarkraftwerk ist ökologisch unbedenklich: kein Uran-Abbau, keine radioaktive Abfälle, keine gefährlichen Zwischenlager.
* Ein Solarkraftwerk rentiert und schreibt nicht wie ein AKW über die gesamte Lebensdauer Verluste.
* Chance für die BKW: Die BKW hat jetzt noch die Möglichkeit dieses Solarkraftwerk selber zu bauen. In Zukunft werden ähnliche Preise auch privaten Investoren angeboten werden können. Gerade mit der Strommarktliberalisierung kann damit für die BKW ein neuer Konkurrenz-Kampf entstehen, der mit teurem und noch dazu unbeliebtem Atom-Strom nicht zu gewinnen ist.

Markus Gisler, Geschäftsführer der Megasol Energie AG erhofft sich eine positive Reaktion der BKW. Für Ihn ist ganz klar, dass ein AKW-Neubau eine milliardenschwere Fehlinvestition wäre, die schlussendlich vom Volk bezahlt werden muss. „Solarstrom werden wir in 15 Jahren günstiger herstellen können als Atomstrom.“

Ausführlichere Informationen zur dezentralen Solaranlage: www.solarzukunft.ch

Donnerstag, 20. Januar 2011

Erneuerbare schaffen Arbeit

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind nicht nur Basis für eine sichere und unabhängige Energieversorgung, sondern sie schaffen auch Arbeit und Wohlstand für den ganzen Kanton Bern. In jedem Fall mehr Arbeit als neue Atomkraftwerke, wie die Gruppe Neue Energie festhält.

Eine Umfrage unter den Mitgliedern der Gruppe NEUE ENERGIE Bern hat ergeben, dass im Jahre 2010 insgesamt 162 neue Arbeitsplätze, verteilt über den gesamten Kanton Bern und alle beteiligten Branchen, geschaffen werden konnten. Auch für das kommende Jahr zeigen sich die Unternehmer optimistisch und erwarten eine ähnlich dynamische Entwicklung. Die Auftragsbücher der im Bereich der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz tätigen Unternehmungen sind gut gefüllt und lassen weiteres Wachstum zu. Weil erneuerbare Energien und Energieeffizienz hier vor Ort entwickelt, gefertigt, installiert und betrieben werden, bleibt die damit erzielte Wertschöpfung im Kanton Bern.

Josef Jenny aus Oberdorf bei Burgdorf ist einer der Berner Unternehmer, die in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien geschaffen haben.

Die von Mitgliedern der GNEB geschaffenen 162 Arbeitsplätze sind ein Ausschnitt der gesamten Branche. Es darf davon ausgegangen werden, dass die erneuerbare Berner Energiewirtschaft im Jahr 2010 insgesamt mehrere hundert Arbeitsplätze neu schaffen konnte. Die Berner zahlen bestätigen die Ergebnisse der Studie des Planungsbüro Infras, die letztes Jahr publiziert wurde. Die Fachleute kommen darin zum Schluss, dass Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz deutlich wirtschaftlicher sind als jene in Grosskrafttechnologien. Zudem hätten sie positivere Effekte auf den Arbeitsmarkt und eine stärkere dynamische Wirkung auf die Märkte als eine in der Höhe vergleichbare Investition beim Neubau zweier Atomkraftwerke.

Von den rund 20 Mrd. CHF, die für den Bau der geplanten zwei Atomkraftwerke nötig sind – der Berner Regierungsrat rechnet sogar mit bis zu knapp CHF 16 Mrd pro Kraftwerk –, blieben auch einige Millionen in der Schweiz. Der Löwenanteil ginge jedoch ins Ausland an Firmen wie Areva, General Electric/Hitachi und Westinghouse.

Ganz anders bei den erneuerbaren Energien. Hier profitieren bei der Entwicklung, bei der Errichtung und auch beim Betrieb Schweizer Unternehmen und Arbeitnehmende. Das ist kein Wunschdenken, sondern bewährte Realität: Deutschland hat in den letzten zehn Jahren 22 AKW Mühleberg an neuem erneuerbarem Strom zugebaut und damit 250'000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Rechnet man demgegenüber dieselbe Menge an Arbeitsplätzen, müsste das AKW Mühleberg über 11`000 Menschen Arbeit geben statt der 1`300, die es heute nach Bekunden des Betreibers BKW direkt und indirekt beschäftigt.

Quelle: Gruppe NEUE ENERGIE Bern, Stefan Batzli, 079 420 46 66 >>>> Website Aber sicher!

Montag, 20. Dezember 2010

Zentral oder dezentral?

Noch ist offen, auf welchem Weg die Schweiz das prognostizierte Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in der Stromversorgung längerfristig ausgleichen will - mit neuen Grosskraftwerken oder mit dezentralen Anlagen. Trotz wirtschaftlicher und ökologischer Vorteile, stösst die dezentrale Strategie nach wie vor auf Widerstand. Dieses Spannungsfeld thematisiert die neueste Ausgabe von «Thema Umwelt».

Eines der Vorurteile ist, die Übertragungs- und Verteilnetze seien gar nicht in der Lage, mit dezentral produziertem Strom aus meist erneuerbaren Quellen umzugehen, weil dieser sehr unregelmässig anfällt. Doch das trifft nicht zu: Moderne Netze können ohne wesentliche Kostennachteile damit umgehen. Die grössere Nähe zwischen Produktion und Verbrauch kann den Bedarf an Netzkapazität sogar reduzieren und damit kostensenkend wirken. Zudem verringern sich die Transportverluste und die Abwärme aus dezentralen Kleinkraftwerken kann direkt vor Ort eingesetzt werden, statt ungenutzt zu verpuffen.



Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht haben erneuerbare Energien gepaart mit Massnahmen zur Stromeffizienz trotz höherer Investitionen die Nase vorn: Sie tragen massgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei und schaffen Arbeitsplätze in einer zukunftsfähigen Branche. Zudem senken sie die Treibhausgasemissionen erheblich. Damit die nötigen Investitionen tatsächlich getätigt werden, braucht es allerdings die entsprechenden politischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Aus Sicht von Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch ist es deshalb unumgänglich, die externen Kosten im Energiebereich konsequent zu internalisieren und Subventionen abzubauen. Die Ausnahme bilden zeitlich befristete Subventionen zur Förderung neuer Technologien. Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift «Thema Umwelt» zeigt, wie der Umstieg auf eine dezentrale Stromversorgung gelingen kann. Sie erläutert die technischen Möglichkeiten, die wirtschaftlichen und ökologischen Chancen sowie die dafür nötigen Voraussetzungen.

«Thema Umwelt» 4/2010 kann für CHF 15.– plus Porto bezogen werden bei Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch, Hottingerstrasse 4, Postfach 211, 8024 Zürich, 044 267 44 11, mail@umweltschutz.ch, www.umweltschutz.ch/themaumwelt. Das Jahresabonnement (4 Ausgaben) kostet CHF 50.–.

Dienstag, 2. November 2010

CSU-Abgeordneter gegen AKW



„Die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke wird nicht Realität werden“ – ECOreporterTV-Interview mit Josef Göppel (CSU) zum schwarz-gelben Energiekonzept

Josef Göppel ist einer von 24 Bundestagsabgeordneten der Regierungfraktionen, die gegen das neue schwarz-gelbe Energiekonzept und der Atompolitik der Bundesregierung gestimmt haben. Im ECOreporterTV-Interview begründet der CSU-Politiker sein Nein zur Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke und spricht über Potenziale, die der weitere Ausbau der regenerativen Energien bringen könnte.

Quelle: Youtube / Ecoreporter