Erneuerbare Energien und Batteriespeicher können durch ein
intelligentes Stromnetz so zusammenarbeiten, dass in einer definierten
Region auch langfristig eine sichere und stabile Stromversorgung allein
auf Basis von Wind und Sonne möglich ist (oder auf der Basis von Wasser und Wind für die Schweiz - fügt Solarmedia an).
So lautet das Ergebnis der
ersten Phase des Forschungsprojekts Smart Region Pellworm, in dem E.ON
zusammen mit dem Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG, den
Fraunhofer Instituten IOSB-AST und Umsicht, der Gustav Klein GmbH &
Co. KG, Saft Batterien GmbH, der Fachhochschule Westküste sowie der RWTH
Aachen das erste intelligente Stromnetz im Norden betrieben hat. Einer Mitteilung zufolge wird E.ON in der jetzt anschließenden
zweiten Phase des Projekts auf der Nordseeinsel gemeinsam mit den
Partnern an neuen Geschäftsmodellen erproben, wie man diese Art der
Stromversorgung auf Basis von Batterien auch wirtschaftlich zu einem
Erfolg bringen kann. Ziel sei es außerdem, die Technik in das bestehende
virtuelle Kraftwerk des E.ON Tochterunternehmens HanseWerk Natur zu
integrieren.
In der Vergangenheit sei auf Pellworm deutlich mehr Strom mittels
Windkraft und Photovoltaikanlagen produziert als verbraucht worden.
Trotzdem sei wegen der schwankenden Einspeisung der erneuerbaren
Energien häufig Strom vom Festland über zwei Seekabel importiert worden.
Wichtig war es E.ON zufolge daher, Lösungen zu finden, um die
schwankende Einspeisung Erneuerbarer abzufedern und deren Verwertung vor
Ort zu verbessern. Es wurde ein spezielles System aus zwei elektrischen
Großbatterien sowie thermischen Speichern errichtet, das über ein
neuartiges Energiemanagement mit den Stromanschlüssen der Kunden sowie
den Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf der Insel verbunden wurde.
Nachdem in der ersten Phase diese technische Umsetzung erfolgreich
getestet worden sei, gehe es zukünftig vor allem darum, die
Wirtschaftlichkeit zu optimieren, bei der sich in der ersten Phase noch
Defizite gezeigt hätten. Durch Leistungssteigerungen, Skaleneffekte und
Preisnachlässe sollen zukünftig die bisher noch sehr hohen
Investitionskosten für die Speichersysteme ausgeglichen werden können.
Die Meldung erscheint in der kommenden Ausgabe von EUWID Neue Energie. Den Inhalt der aktuellen Ausgabe können Sie hier
abrufen. Ein Testpaket mit den unterschiedlichen Informationsmodulen
(z.B. Printausgabe, E-Paper, Märkte und Preise, Premium News) kann hier angefordert werden.
Informationen zum Start von EUWID Neue Energie im vergangenen Jahr finden Sie hier.
Quelle: EUWID
... dokumentiert die Fallstricke der Atomindustrie; ... gehört zu «Media for Sustainability» des Ökonomen und Journalisten Guntram Rehsche (siehe auch http://guntram-rehsche.blogspot.com); ... Beiträge zeitlich geordnet, Stichwort- / Labelsuche in linker Spalte; ... Unterstützung mit Zahlung von 20 CHF auf Konto: Zürcher Kantonalbank / Guntram Rehsche / IBAN CH46 0070 0111 3009 63007 (für Zahlungen aus Ausland auch BIC (SWIFT-Code) angeben: ZKBKCHZZ80A) - Danke!
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Donnerstag, 13. Oktober 2016
Samstag, 7. November 2015
Klimaschutz geht ohne Atomenergie
Photovoltaik und Windkraft können Atomstrom ersetzen –
Energieexperten des DIW Berlin: Renaissance der Atomkraft ist weder
sinnvoll noch nötig – Finanzierung des Rückbaus der Atomkraftwerke und
der Endlagersuche sollte über öffentlich-rechtlichen Fonds gesichert
werden.
Die europäischen Klimaschutzziele sind nicht gefährdet, wenn bestehende Atomkraftwerke nach und nach abgeschaltet und keine neuen mehr gebaut werden. Das ergeben Fallstudien sowie Szenarioanalysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), denen zufolge die Emissionsminderungsziele in Europa bei einem deutlichen Ausbau erneuerbarer Energien auch gänzlich ohne Atomkraft erreicht werden können. „Europa braucht die Atomkraft nicht“, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin.
„Deutlich gestiegene Investitionskosten für neue Atomkraftwerke, zunehmende Betriebskosten und ungelöste Fragen des Rückbaus und der Endlagerung machen die Technologie auch wirtschaftlich derart unattraktiv, dass es eine Renaissance der Atomkraft nicht gibt und auch nicht mehr geben wird.“ Vor allem die immer günstigere Stromproduktion aus Windkraft und Photovoltaik könne die Rückgänge bei der Atomkraft kompensieren. Kemfert - siehe Bild - wird kommenden Freitag, 13. November, auch am AEE-Kongress in Basel auftreten.
Die Energieexperten des DIW Berlin sprechen sich dafür aus, die Finanzierung des Rückbaus der Atomkraftwerke und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle in Deutschland über einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu sichern. Dieser Atomfonds könnte die Rechtsform eines Sondervermögens des Bundes oder einer öffentlich-rechtlichen Stiftung haben. Die Einzahlung der Konzerne könnte in Anlehnung an die Aufbauphase des Bankenrestrukturierungsfonds über acht bis zehn Jahre gestreckt werden.
Die Atomkraft ist in der westlichen Welt ein Auslaufmodell: In vielen Ländern ist der Ausbau beinahe zum Erliegen gekommen, schon heute gehen mehr Kapazitäten vom Netz, als neue hinzukommen. Der Anteil der Atomkraft an der weltweiten Stromproduktion ist in den vergangenen 20 Jahren von 17 auf elf Prozent gesunken. Die meisten der weltweit betriebenen rund 400 Atomkraftwerke sind alt und müssen immer komplexere und teurere Sicherheitsanforderungen erfüllen. Neue Kraftwerke werden nur noch in wenigen Ländern gebaut, darunter China, Russland und Großbritannien (Hinkley Point). Die Projekte verzögern sich oftmals und sind letztlich teurer als geplant. „Noch nie ist auf der Welt auch nur ein einziges Atomkraftwerk ohne umfangreiche staatlichen Beihilfen gebaut worden“, erklärt DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen. Verschärfte Rahmenbedingungen belasten zunehmend die Bilanzen der Atomkonzerne, die vor teilweise existentiellen Herausforderungen stehen.
Angesichts des auch deshalb bereits stattfindenden Wandels hin zu erneuerbaren Energien hat das DIW Berlin mit einem Strommarktmodell verschiedene Entwicklungspfade der Stromwirtschaft in Europa berechnet. Das Ergebnis: Im Szenario „Keine neue Atomkraft“ könnten im Jahr 2050 alle Atomkraftwerke durch einen massiven Ausbau der Windkraft und Photovoltaik sowie der Speicherkapazitäten ersetzt werden – bei gleichzeitig stattfindender Dekarbonisierung. Würde zusätzlich die Energieeffizienz deutlich steigen, wäre der Speicherausbau sogar weitgehend verzichtbar. In diesem Szenario („Keine neue Atomkraft & Energieeffizienz“) wären die Gesamtkosten, die unter anderem aus den Investitionskosten in neue Stromerzeugungskapazitäten und Netze sowie den Betriebs- und Erzeugungskosten bestehen, mit Abstand die niedrigsten. Doch auch im Szenario „Keine neue Atomkraft“ sind die volkswirtschaftlichen Kosten niedriger als für den Fall einer Laufzeitverlängerung alter Atomkraftwerke in Europa.
Wenn Atomkraftwerke stillgelegt werden, kommen hohe Kosten für den Rückbau auf die Energiekonzerne zu. Zudem müssen sie die Finanzierung der Entsorgung und Endlagerung der radioaktiven Abfälle sicherstellen. Obwohl ein vom Bundeswirtschaftsministerium veranlasster Stresstest im August dieses Jahres ergab, dass E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW für die Entsorgungsverpflichtungen einstehen können, bleiben die Energieexperten des DIW Berlin skeptisch: Die Konzerne verlieren an der Börse an Wert, zudem könnten sich schwankende Strompreise und weitere technische Herausforderungen in den Bilanzen niederschlagen. „Mit der Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds sollte die Finanzierung dauerhaft gesichert werden“, sagt DIW-Forschungsdirektorin Dorothea Schäfer. Um die in Deutschland erwarteten Kosten bis zum Jahr 2099 decken zu können, wären zweistellige Milliardenbeträge nötig: Nimmt man einen – angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase realistischen – Zinssatz von 1,5 Prozent an, müssten bis zum Jahr 2024 insgesamt 82 Milliarden Euro zusammenkommen. Bei einem Zinssatz in Höhe von 4,58 Prozent, den die Konzerne bisher für ihre Rückstellungen verwendet haben, läge das Zielvolumen immer noch bei 35 Milliarden Euro.
„Alternativen wie eine privat-rechtliche Stiftungslösung sind im Falle der Atomwirtschaft nicht geeignet“, sagt Rechtsanwältin und Co-Autorin Cornelia Ziehm und verweist in diesem Zusammenhang auf die finanzkräftige RAG-Stiftung, die die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus tragen soll. Selbst bei ihr bestünden erhebliche Risiken für die öffentliche Hand, auf den Kosten sitzen zu bleiben – und die zu erwartenden Kosten im Atombereich seien noch wesentlich höher. Bei der derzeitigen Praxis der internen Rückstellungen der Atomkonzerne bestehe die Gefahr, dass sich diese ihrer finanziellen Verantwortung durch Umstrukturierungen zumindest teilweise entziehen.
DIW Wochenbericht 45/2015 als E-Book | EPUB, 2.48 MB
Interview mit Claudia Kemfert (Print | PDF, 102.93 KB und Audio) | MP3, 4.37 MB
Quelle: DIW
Die europäischen Klimaschutzziele sind nicht gefährdet, wenn bestehende Atomkraftwerke nach und nach abgeschaltet und keine neuen mehr gebaut werden. Das ergeben Fallstudien sowie Szenarioanalysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), denen zufolge die Emissionsminderungsziele in Europa bei einem deutlichen Ausbau erneuerbarer Energien auch gänzlich ohne Atomkraft erreicht werden können. „Europa braucht die Atomkraft nicht“, sagt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin.
„Deutlich gestiegene Investitionskosten für neue Atomkraftwerke, zunehmende Betriebskosten und ungelöste Fragen des Rückbaus und der Endlagerung machen die Technologie auch wirtschaftlich derart unattraktiv, dass es eine Renaissance der Atomkraft nicht gibt und auch nicht mehr geben wird.“ Vor allem die immer günstigere Stromproduktion aus Windkraft und Photovoltaik könne die Rückgänge bei der Atomkraft kompensieren. Kemfert - siehe Bild - wird kommenden Freitag, 13. November, auch am AEE-Kongress in Basel auftreten.
Die Energieexperten des DIW Berlin sprechen sich dafür aus, die Finanzierung des Rückbaus der Atomkraftwerke und der Entsorgung der radioaktiven Abfälle in Deutschland über einen öffentlich-rechtlichen Fonds zu sichern. Dieser Atomfonds könnte die Rechtsform eines Sondervermögens des Bundes oder einer öffentlich-rechtlichen Stiftung haben. Die Einzahlung der Konzerne könnte in Anlehnung an die Aufbauphase des Bankenrestrukturierungsfonds über acht bis zehn Jahre gestreckt werden.
Die Atomkraft ist in der westlichen Welt ein Auslaufmodell: In vielen Ländern ist der Ausbau beinahe zum Erliegen gekommen, schon heute gehen mehr Kapazitäten vom Netz, als neue hinzukommen. Der Anteil der Atomkraft an der weltweiten Stromproduktion ist in den vergangenen 20 Jahren von 17 auf elf Prozent gesunken. Die meisten der weltweit betriebenen rund 400 Atomkraftwerke sind alt und müssen immer komplexere und teurere Sicherheitsanforderungen erfüllen. Neue Kraftwerke werden nur noch in wenigen Ländern gebaut, darunter China, Russland und Großbritannien (Hinkley Point). Die Projekte verzögern sich oftmals und sind letztlich teurer als geplant. „Noch nie ist auf der Welt auch nur ein einziges Atomkraftwerk ohne umfangreiche staatlichen Beihilfen gebaut worden“, erklärt DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen. Verschärfte Rahmenbedingungen belasten zunehmend die Bilanzen der Atomkonzerne, die vor teilweise existentiellen Herausforderungen stehen.
Angesichts des auch deshalb bereits stattfindenden Wandels hin zu erneuerbaren Energien hat das DIW Berlin mit einem Strommarktmodell verschiedene Entwicklungspfade der Stromwirtschaft in Europa berechnet. Das Ergebnis: Im Szenario „Keine neue Atomkraft“ könnten im Jahr 2050 alle Atomkraftwerke durch einen massiven Ausbau der Windkraft und Photovoltaik sowie der Speicherkapazitäten ersetzt werden – bei gleichzeitig stattfindender Dekarbonisierung. Würde zusätzlich die Energieeffizienz deutlich steigen, wäre der Speicherausbau sogar weitgehend verzichtbar. In diesem Szenario („Keine neue Atomkraft & Energieeffizienz“) wären die Gesamtkosten, die unter anderem aus den Investitionskosten in neue Stromerzeugungskapazitäten und Netze sowie den Betriebs- und Erzeugungskosten bestehen, mit Abstand die niedrigsten. Doch auch im Szenario „Keine neue Atomkraft“ sind die volkswirtschaftlichen Kosten niedriger als für den Fall einer Laufzeitverlängerung alter Atomkraftwerke in Europa.
Wenn Atomkraftwerke stillgelegt werden, kommen hohe Kosten für den Rückbau auf die Energiekonzerne zu. Zudem müssen sie die Finanzierung der Entsorgung und Endlagerung der radioaktiven Abfälle sicherstellen. Obwohl ein vom Bundeswirtschaftsministerium veranlasster Stresstest im August dieses Jahres ergab, dass E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW für die Entsorgungsverpflichtungen einstehen können, bleiben die Energieexperten des DIW Berlin skeptisch: Die Konzerne verlieren an der Börse an Wert, zudem könnten sich schwankende Strompreise und weitere technische Herausforderungen in den Bilanzen niederschlagen. „Mit der Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds sollte die Finanzierung dauerhaft gesichert werden“, sagt DIW-Forschungsdirektorin Dorothea Schäfer. Um die in Deutschland erwarteten Kosten bis zum Jahr 2099 decken zu können, wären zweistellige Milliardenbeträge nötig: Nimmt man einen – angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase realistischen – Zinssatz von 1,5 Prozent an, müssten bis zum Jahr 2024 insgesamt 82 Milliarden Euro zusammenkommen. Bei einem Zinssatz in Höhe von 4,58 Prozent, den die Konzerne bisher für ihre Rückstellungen verwendet haben, läge das Zielvolumen immer noch bei 35 Milliarden Euro.
„Alternativen wie eine privat-rechtliche Stiftungslösung sind im Falle der Atomwirtschaft nicht geeignet“, sagt Rechtsanwältin und Co-Autorin Cornelia Ziehm und verweist in diesem Zusammenhang auf die finanzkräftige RAG-Stiftung, die die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus tragen soll. Selbst bei ihr bestünden erhebliche Risiken für die öffentliche Hand, auf den Kosten sitzen zu bleiben – und die zu erwartenden Kosten im Atombereich seien noch wesentlich höher. Bei der derzeitigen Praxis der internen Rückstellungen der Atomkonzerne bestehe die Gefahr, dass sich diese ihrer finanziellen Verantwortung durch Umstrukturierungen zumindest teilweise entziehen.
DIW Wochenbericht 45/2015 | PDF, 1 MB
DIW Wochenbericht 45/2015 als E-Book | EPUB, 2.48 MB
Interview mit Claudia Kemfert (Print | PDF, 102.93 KB und Audio) | MP3, 4.37 MB
Quelle: DIW
Freitag, 26. Dezember 2014
Atomstrom doppelt so teuer
Der Bundesrat hat es im laufenden Jahr angetönt, der Experte für Rechnungsprüfung Kaspar Müller bringt es auf den Punkt. Bei den grössten - und am längsten laufenden - Schweizer AKW in Leibstadt und Gösgen wird falsch gerechnet. Sonst wäre deren Atomstrom schon heute mindestens doppelt so teuer. Eine Klage gegen die irreführenden Rechnungspraxen der Muttergesellschaften wurde aber abgeschmettert.
Ein Beitrag im Magazin der Umweltbewegung Greenpeace klärt auf: Kaspar Müller, unabhängiger Finanzmarktexperte, weist auf gravierende Mängel in der Bilanzierung der beiden AKW Leibstadt und Gösgen (siehe Bild) hin. Im Interview mit dem Wahlbasler, der auch Präsident der aktionärskritischen Pensionskassen-Stiftung Ethos ist, belegt Müller Löcher in Milliardenhöhe in den Bilanzen sowohl des AKW's in Leibstadt wie in Gösgen.
Wie ist so etwas überhaupt möglich? Müller, der betont, nichts über die technischen Sicherheitsfragen sagen zu können, weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren bei den Betreibern schlicht zu optimistisch gerechnet wurde. Zwar hat das unterdessen auch der Bund gemerkt, die erfolgten Anpassungen seien aber ungenügend. Noch immer geht man davon aus, dass eine Rendite der Mittel in den beiden Fonds für Sicherheit und Entsorgung von 3,5 Prozent möglich sei und die Inflation 1,5 Prozent betrage. Zu dieser unrealistischen Ausgangslage komme hinzu, dass vor allem in den Entsorgungsfonds erst nach der Jahrtausendwende eingezahlt wurde, also viel zu spät nach Beginn der Laufzeiten der beiden AKW in den mittleren 80er Jahren.
Allein schon eine Korrektur solch offensichtlicher Fehleinschätzungen (zu denen sich weitere falsche Bewertungsannahmen etwa bezüglich der vorhandenen Wertpapiere in den Fonds gesellten) würde die Produktionskosten mindestens verdoppeln. Eine Kilowattstunde Strom müsste demnach schon heute statt vier bis fünf deren zehn oder gar gegen 20 Rappen kosten. Müller unterlässt folgenden Hinweis, aber diesen Zahlen ist nachzureichen: Damit ist Atomstrom schon heute eigentlich so teuer wie die Produktion erneuerbarer Energie aus Wind- und Solaranlagen. Und längst nicht alle effektiven Kosten sind damit in der Berechnung der Atomkosten enthalten - so fehlen etwa die Versicherungsprämien, die eigentlich geschuldet wären, um das effektive Risiko des Atomstroms abzudecken.
Greenpeace und der so genannte Trinationale Atomschutzverband hatten Gösgen und Leibstadt vor zwei Jahren angezeigt. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat gemäss Müller daraufhin die monierten Zustände zwar nicht abgestritten. Dennoch berief sie sich darauf, dass es sich nur um Buchverluste handle in den Bilanzen der beiden AKW, diese also noch nicht realisiert und deshalb irrelevant seien. Gemäss Müller sei ein solcher Schluss aber weder nachvollziehbar noch mit den Richtlinien für die ordentliche Buchführung vereinbar. Müller wörtlich im Greenpeace-Interview: «Das ist unglaublich».
Quelle: Greenpeace Magazin 4/2014 - noch nicht verfügbar im Internet
© Solarmedia/ Text und Bild: Guntram Rehsche
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Ein Beitrag im Magazin der Umweltbewegung Greenpeace klärt auf: Kaspar Müller, unabhängiger Finanzmarktexperte, weist auf gravierende Mängel in der Bilanzierung der beiden AKW Leibstadt und Gösgen (siehe Bild) hin. Im Interview mit dem Wahlbasler, der auch Präsident der aktionärskritischen Pensionskassen-Stiftung Ethos ist, belegt Müller Löcher in Milliardenhöhe in den Bilanzen sowohl des AKW's in Leibstadt wie in Gösgen.
Wie ist so etwas überhaupt möglich? Müller, der betont, nichts über die technischen Sicherheitsfragen sagen zu können, weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren bei den Betreibern schlicht zu optimistisch gerechnet wurde. Zwar hat das unterdessen auch der Bund gemerkt, die erfolgten Anpassungen seien aber ungenügend. Noch immer geht man davon aus, dass eine Rendite der Mittel in den beiden Fonds für Sicherheit und Entsorgung von 3,5 Prozent möglich sei und die Inflation 1,5 Prozent betrage. Zu dieser unrealistischen Ausgangslage komme hinzu, dass vor allem in den Entsorgungsfonds erst nach der Jahrtausendwende eingezahlt wurde, also viel zu spät nach Beginn der Laufzeiten der beiden AKW in den mittleren 80er Jahren.
Allein schon eine Korrektur solch offensichtlicher Fehleinschätzungen (zu denen sich weitere falsche Bewertungsannahmen etwa bezüglich der vorhandenen Wertpapiere in den Fonds gesellten) würde die Produktionskosten mindestens verdoppeln. Eine Kilowattstunde Strom müsste demnach schon heute statt vier bis fünf deren zehn oder gar gegen 20 Rappen kosten. Müller unterlässt folgenden Hinweis, aber diesen Zahlen ist nachzureichen: Damit ist Atomstrom schon heute eigentlich so teuer wie die Produktion erneuerbarer Energie aus Wind- und Solaranlagen. Und längst nicht alle effektiven Kosten sind damit in der Berechnung der Atomkosten enthalten - so fehlen etwa die Versicherungsprämien, die eigentlich geschuldet wären, um das effektive Risiko des Atomstroms abzudecken.
Greenpeace und der so genannte Trinationale Atomschutzverband hatten Gösgen und Leibstadt vor zwei Jahren angezeigt. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat gemäss Müller daraufhin die monierten Zustände zwar nicht abgestritten. Dennoch berief sie sich darauf, dass es sich nur um Buchverluste handle in den Bilanzen der beiden AKW, diese also noch nicht realisiert und deshalb irrelevant seien. Gemäss Müller sei ein solcher Schluss aber weder nachvollziehbar noch mit den Richtlinien für die ordentliche Buchführung vereinbar. Müller wörtlich im Greenpeace-Interview: «Das ist unglaublich».
Quelle: Greenpeace Magazin 4/2014 - noch nicht verfügbar im Internet
© Solarmedia/ Text und Bild: Guntram Rehsche
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Dienstag, 8. April 2014
10'000e gegen Atomsubventionen
Sollen hohe staatliche Subventionen für Atomkraft erlaubt sein? Darüber entscheidet derzeit die Europäische Kommission.
Großbritannien hatte im Herbst um die Genehmigung von festgelegten
Einspeisevergütungen für Strom aus dem in Planung befindlichen
Atomkraftwerk Hinkley Point C im Süden des Landes angefragt. Damit
sollen dem Betreiber Electricité de France (EdF) über 35 Jahre
feste Einnahmen garantiert werden, umgerechnet 11 Ct/kWh plus
Inflationsausgleich.
Normalerweise sind solche Beihilfen verboten, hier soll die EU aber eine Ausnahme machen. Gleichzeitig werden in einem anderen Prozedere staatliche Hilfen, auch für Erneuerbare Energien, grundsätzlich in Frage gestellt. Die Entscheidung der EU-Kommission wird richtungsentscheidend sein, weil auch andere AKW –wie etwa Temelin in Tschechien- Unterstützung brauchen. Bis 07.04.2014 hatten alle EU-Bürger die Möglichkeit, sich einen Monat lang dazu zu äußern. Umweltpreisträgerin und Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Ursula Sladek appelliert an die EU-Kommissare: „Dem Antrag Großbritanniens auf Förderung der Atomkraft darf auf keinen Fall stattgegeben werden. Die beantragten Subventionen für eine Technologie, die ohnehin seit mehr als 6 Dekaden mit staatlichen Subventionen gestützt wurde, stellen in Ausmaß und Dauer alles in den Schatten, was bisher an Anschub-Förderung für Sonnen- und Windstrom geflossen ist. Die Atomkraft behindert die Erneuerbaren Energien nicht nur durch Kapitalbindung, sondern auch durch Inkompatibilität. Die träge Technologie kann weder auf fluktuierende Nachfrage noch Einspeisung der Erneuerbaren flexibel reagieren.“
Dem Aufruf der EWS www.ews-schoenau.de/einspruch, gegen die geplanten Atomsubventionen zu protestieren, sind mehr als 16.000 Bürger gefolgt. Auch in Frankreich haben sich etwa 4600 Bürger beteiligt. Am größten ist der Widerspruch aus Österreich, wo über das Netzwerk GLOBAL 2000 mehr als 20000 Einsprüche gezählt wurden (derStandard.at: Breite Front gegen Briten-AKW) und wo auch die Regierung gegen jede Art der Förderung von Atomkraft auftritt (der Standard berichtete). Auch aus rein wettbewerblicher Sicht ist dieser Fall umstritten. Eine Studie der Universität Linz, Institut für Europarecht, kommt zu dem Schluss, dass eine Gewährung der Beihilfen mit dem EU-Recht unvereinbar sei. (siehe Medieninformation zur Pressekonferenz mit Univ.-Prof. Dr. Franz Leidenmühler Institut für Europarecht, JKU Linz).
Die EWS Schönau sind ein unabhängiger Ökostromstromversorger mit rund 150.000 Kunden. Aus einer Elterninitiative gegen Atomkraft entstanden, setzen sie sich konsequent für den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ein und beteiligen sich auch an der politischen Diskussion. Zuletzt stellten sie gemeinsam mit Greenpeace Energy und naturstrom ein Modell zur Integration von Ökostrom vor, das Ökostrom-Markt-Modell.
Quelle: EWS Schönau 2014
^^^ Nach oben
Normalerweise sind solche Beihilfen verboten, hier soll die EU aber eine Ausnahme machen. Gleichzeitig werden in einem anderen Prozedere staatliche Hilfen, auch für Erneuerbare Energien, grundsätzlich in Frage gestellt. Die Entscheidung der EU-Kommission wird richtungsentscheidend sein, weil auch andere AKW –wie etwa Temelin in Tschechien- Unterstützung brauchen. Bis 07.04.2014 hatten alle EU-Bürger die Möglichkeit, sich einen Monat lang dazu zu äußern. Umweltpreisträgerin und Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Ursula Sladek appelliert an die EU-Kommissare: „Dem Antrag Großbritanniens auf Förderung der Atomkraft darf auf keinen Fall stattgegeben werden. Die beantragten Subventionen für eine Technologie, die ohnehin seit mehr als 6 Dekaden mit staatlichen Subventionen gestützt wurde, stellen in Ausmaß und Dauer alles in den Schatten, was bisher an Anschub-Förderung für Sonnen- und Windstrom geflossen ist. Die Atomkraft behindert die Erneuerbaren Energien nicht nur durch Kapitalbindung, sondern auch durch Inkompatibilität. Die träge Technologie kann weder auf fluktuierende Nachfrage noch Einspeisung der Erneuerbaren flexibel reagieren.“
Dem Aufruf der EWS www.ews-schoenau.de/einspruch, gegen die geplanten Atomsubventionen zu protestieren, sind mehr als 16.000 Bürger gefolgt. Auch in Frankreich haben sich etwa 4600 Bürger beteiligt. Am größten ist der Widerspruch aus Österreich, wo über das Netzwerk GLOBAL 2000 mehr als 20000 Einsprüche gezählt wurden (derStandard.at: Breite Front gegen Briten-AKW) und wo auch die Regierung gegen jede Art der Förderung von Atomkraft auftritt (der Standard berichtete). Auch aus rein wettbewerblicher Sicht ist dieser Fall umstritten. Eine Studie der Universität Linz, Institut für Europarecht, kommt zu dem Schluss, dass eine Gewährung der Beihilfen mit dem EU-Recht unvereinbar sei. (siehe Medieninformation zur Pressekonferenz mit Univ.-Prof. Dr. Franz Leidenmühler Institut für Europarecht, JKU Linz).
Die EWS Schönau sind ein unabhängiger Ökostromstromversorger mit rund 150.000 Kunden. Aus einer Elterninitiative gegen Atomkraft entstanden, setzen sie sich konsequent für den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ein und beteiligen sich auch an der politischen Diskussion. Zuletzt stellten sie gemeinsam mit Greenpeace Energy und naturstrom ein Modell zur Integration von Ökostrom vor, das Ökostrom-Markt-Modell.
Quelle: EWS Schönau 2014
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Dienstag, 11. März 2014
11. März: Fukushima und kein Ende
- Jeden Tag fließen noch immer mehr als 200.000 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifischen Ozean.
- Kontaminierte Böden finden sich auch weit entfernt vom Ort der Katastrophe.
- Bis jetzt mussten 33 Kinder aus der Fukushima-Region gegen Schilddrüsen-Krebs operiert werden, 41 weitere Kinder stehen unter Krebsverdacht. Bei 55.000 Kindern wurden bei Untersuchungen Schilddrüsenzysten oder –Knoten festgestellt. Sie müssen nicht zu Krebs führen, aber sie können.
- Die Ärzteorganisation IPPNW erwartet zwischen 22.000 und 66.000 Krebsfälle aufgrund der Erfahrungen in Tschernobyl. Diese Schätzungen basieren auf Daten der Weltgesundheitsorganisation.
- Die radioaktive Verstrahlung ist zehnmal höher als bislang von der Betreiber-Firma Tepco angegeben.
- Noch immer sind 140.000 Einwohner der Präfektur Fukushima evakuiert.
- Mehr als 50 US-Soldaten, die im März 2011 auf einem Marineschiff in der Nähe von Fukushima im Einsatz waren, sind in der Zwischenzeit schwer erkrankt. Sie leiden an Leukämie und verklagen Tepco auf Schadenersatz.
Die Fukushima-Opfer leben bis heute in temporären Behausungen und wurden bisher nicht angemessen entschädigt.
Ein Beweis für die hilflose Reaktion der japanischen Regierung auf die Katastrophe ist die Politik der Grenzwerterhöhung. Und die ging so: Bis März 2011 galt ein Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm als gefährlich. Nach der Katastrophe wurden die Grenzwerte jedoch auf 8.000 angehoben. So wollte man die verängstigte Bevölkerung in Sicherheit wiegen.
Nach dem Unfall wurden alle 52 japanischen AKW vorübergehend abgeschaltet. Doch in der Zwischenzeit wollte die japanische Regierung die ersten Kraftwerke wieder ans Netz bringen, scheiterte aber überall am Widerstand der regionalen Bevölkerung. Über 65% der Japaner sprechen sich jetzt bei Umfragen gegen Atomenergie aus. Vor der Katastrophe waren es weniger als 40%.
Es gab Anti-AKW-Demos mit über 100.000 Teilnehmern. Die Bewegung „Sayonara genpatu“ („Tschüss Atomkraft“) sammelte über 7,5 Millionen Unterschriften gegen Atomenergie. Jede Woche gibt es „Freitagsdemonstrationen“. Die Reaktorkatastrophe hat Japan verändert. Aber noch nicht ausreichend, um einen dauerhaften Atomausstieg wie in Deutschland politisch durchzusetzen.
Wie ist das möglich?
Der Hauptgrund ist das sogenannte „Atom-Dorf“ in Japan: So wird die Verfilzung von Stromkonzernen, Politik, Bürokratie, Medien, Wissenschaft und Kraftwerksbauern genannt. Hinzu kommen die Interessen der Kapitalanleger, die mehr an ihrer Rendite als an der Sicherheit ihres Landes interessiert sind. Die japanische Atomindustrie dient nicht in erster Linie der Erzeugung von Strom, sondern primär den Interessen des Kapitals. Und solange die Allgemeinheit die Folgekosten wie Unfälle oder gar die Entsorgung des Atommülls trägt, ist Atomstrom billiger als Erneuerbare Energie. Noch. Deshalb sind AKW unter dem vorherrschenden kapitalistischen Wachstumszwang ein attraktives Investitionsziel.
Greenpeace Japan hat herausgefunden, warum im Sommer 2012 das bis dahin abgeschaltete Kernkraftwerk Oi an der Japansee wieder ans Netz ging. Es war der Druck der 18 Großaktionäre, darunter 15 Großbanken, die allesamt nicht auf ihre Rendite verzichten wollten. Aber noch stärker war dann der Druck der Bevölkerung. Auch Oi musste inzwischen wieder abgeschaltet werden. Auch in Japan verstehen immer mehr Menschen, dass der Kampf gegen die Atomkraft ein Kampf für das Leben ist. Auch in Japan verwandelt sich Wut in Protest gegen die alte Energiewirtschaft. Deshalb boomen in Japan seit drei Jahren die Solarenergie und die Windbranche.
Verdrängen, vertuschen, verleugnen: diese Politik der Regierung geht auch im obrigkeitsorientierten Japan heute nicht mehr auf. Täuschen, tricksen, drohen aus Profitinteressen: auch in Japan durchschauen viele Menschen die Machenschaften der Profiteure. Auch wenn die Regierung wieder auf Atomkurs ist oder vielleicht gerade deshalb: Die Menschen haben gelernt, dass atomares Restrisiko exakt jenes Risiko ist, das uns jeden Tag den “Rest“ geben kann. Deshalb heißt es nämlich genau so.
Diese Entwicklung in Fernost ist ein Symbol für die weltweite Entwicklung der Atomenergie. Sie hat ihren Zenit überschritten. Die auch hierzulande oft zu hörende Mär von der „Renaissance der Atomenergie“ ist leicht durchschaubares Wunschdenken der Atomlobby und der Ewiggestrigen. Weltweit wurde die größte Menge Atomstrom 2006 erzeugt, die meisten Atomkraftwerke wurden 2002 betrieben und bereits 1993 war der höchste relative Anteil der Atomenergie an der kommerziellen Stromerzeugung mit 17% erreicht. Heute beträgt er unter zehn Prozent.
Es lohnt sich jetzt rein wirtschaftlich nicht mehr, neue AKW zu bauen. Die englische Regierung versucht es gerade, braucht aber höhere Einspeise-Vergütungen für Atomstrom als für Sonnen- oder Windkraft, damit sich AKWs noch rechnen. Die Europäische Kommission hat Einspruch angemeldet. In Finnland verzögert sich der Bau eines neuen AKW seit vielen Jahren, weil private Betreiber die Kosten scheuen und der Staat vor zu hohen Subventionen zurückschreckt.
Weltweit steigt der Anteil der Erneuerbaren und der Anteil der atomaren Stromversorgung sinkt. An dieser Entwicklung wird aus Gründen der Sicherheit, aber auch aus ökonomischen und ökologischen Gründen mittel- und langfristig kein Weg vorbeiführen. Denn die Erneuerbaren werden von Jahr zu Jahr preiswerter, während wegen der zu Ende gehenden Ressourcen die alten fossil-atomaren Energieträger immer teurer werden müssen. Selbst die atomfreundliche Regierung in Tokio hat nach Fukushima die Sicherheitsauflagen für japanische AKW so erhöhen müssen, dass auch dort die Betreiber wegen der immer höher werdenden Kosten stöhnen.
Ich habe einmal in einer Fernsehsendung ironisch gefragt: „Was kostet es, einen Pförtner zu bezahlen, der eine Million Jahre lang ein Atommülllager bewachen muss?“. Ein kluger deutscher Mathematik-Professor hat mir dann diese Rechnung aufgemacht: Wenn dieser Pförtner eine Million Jahre pro Monat 2.500 Euro verdient und mit einer Inflationsrate von nur zwei Prozent gerechnet wird, dann kostet dieser Pförtner mehr Geld als alle Menschen der ganzen Welt heute insgesamt zur Verfügung haben. Billiger Atomstrom? Es darf gelacht werden. Auch in tausend Jahren schicken Sonne und Wind noch immer keine Rechnung. Die Erneuerbaren sind ein Geschenk des Himmels - Energie von ganz, ganz oben. Energie vom Chef selbst.
In Ländern wie China, Russland oder Großbritannien werden zwar noch neue AKW angekündigt, aber kaum noch gebaut. China hat 2013 erstmals mehr Geld in erneuerbare Energieanlagen investiert als in alle fossil-atomare Energieträger zusammen. Nicht nur Deutschland, auch Indien, Japan und Spanien produzieren inzwischen mehr Strom aus erneuerbaren Quellen als mit Hilfe atomarer Spaltung.
Ein elftes Gebot scheint sich jetzt weltweit durchzusetzen: du sollst den Kern nicht spalten!
Montag, 4. November 2013
EE statt Mühleberg und Beznau
Seit der Bekanntgabe der BKW, das
AKW Mühleberg 2019 stilllegen zu wollen, geistert wieder der Begriff der
«Stromlücke» durch die Schweizer Medienlandschaft. Woher soll der Strom
kommen, der heute in Mühleberg produziert wird? Selbstverständlich aus
erneuerbaren Energien (EE)!
Das ist ganz im Sinne der Energiestrategie des
Bundes und absolut realistisch. In Europa herrscht auf absehbare Zeit
ein Strom-Überangebot, also wäre eine Substitution versorgungstechnisch
noch nicht einmal nötig. Es wäre aber aus Sicherheitsgründen sinnvoll
und problemlos möglich, auch die beiden Uraltreaktoren in Beznau vor
2020 abzuschalten - so eine Stellungnahme der Schweizerischen Energie Stiftung SES. Kaum
hat die BKW ihren Entscheid kommuniziert, sind schon erste Stimmen laut
geworden, die sich fragen, woher denn dereinst der Strom kommen soll.
So sagte FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen gegenüber dem
Tagesanzeiger (1): «Um das Kernkraftwerk Mühleberg zu ersetzen, bräuchte
es etwa 740 Windturbinen». Er fragt sich, was die Alternativen seien.
Davon abgesehen, dass bereits 500 moderne Windräder genügend Strom
produzieren würden, vergisst Wasserfallen unter anderem die Photovoltaik
– die Alternative mit dem grössten Potenzial. Das ist sicher Absicht,
weil die Photovoltaik erstens kein Konfliktpotenzial mit dem
Landschaftsschutz birgt und zweitens für die grossen Stromunternehmen
offenbar nicht interessant ist.
Seit 2009 werden erneuerbare Energien in der Schweiz mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gefördert. Ein Blick in die Statistik(2) zeigt, dass die KEV-geförderten Anlagen, die bereits in Betrieb sind, jährlich rund 1700 Gigawattstunden (GWh) Strom produzieren. Dazu kommen Anlagen mit einer Zusage im Umfang von 3448 GWh und die, die auf der Warteliste stehen und noch auf Bescheid warten, mit 5255 GWh. Total sind das 10'387 GWh erneuerbaren Strom aus konkreten Projekten, der mit dem entsprechenden politischen Willen bis 2019 ins Netz eingespiesen werden könnte. Damit könnte man Mühleberg (Produktion 2012: 3117 GWh) rund drei Mal ersetzen. Oder noch besser Beznau I und II gleich dazu: Diese drei Uraltreaktoren haben 2012 zusammen 8870 GWh produziert – ein Ersatz wäre also auch möglich, wenn man davon ausgeht, dass das eine oder andere Windprojekt nicht schnell genug realisiert werden kann. Insbesondere Windprojekte sind häufig von Einsprachen von Nachbarn blockiert. Alle Windprojekte (mit bereits realisierten) machen weniger als einen Drittel der KEV-Projekte aus.
BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma hat gegenüber der NZZ erklärt (3), es werde rund 10 Jahre dauern, bis der Wegfall von Mühleberg mit einheimischem Strom ersetzt sei. Dies liege an den langen Verfahren, welche Wasserkraftprojekte über Jahre blockieren können. Das ist eine stark verkürzte Aussage: Es mag sein, dass die BKW so lange braucht, um genügend erneuerbare Kapazitäten aufzubauen, weil sie fast ausschliesslich auf den Ausbau der Wasserkraft setzt. Schweizweit und damit versorgungstechnisch gedacht, ist das eine unrealistisch lange Zeit, denn:
Jürg Buri, Geschäftsleiter der SES, sieht aber auch eine verfehlte Geschäftspolitik bei der BKW als Grund für den langsamen Zubau einheimischer Kraftwerke: Die BKW habe 2011 und 2012 insgesamt 334 Mio. Franken in fossilen Kraftwerken im Ausland abgeschrieben, weil diese nicht rentabel laufen. «Hätte man dieses Geld in der Schweiz in Solarstrom investiert, könnte man dafür 300 GWh Strom produzieren», rechnet er vor. Dass die BKW erneut in ein Kohlekraftwerk in Deutschland investiert, kann vor diesem Hintergrund nur erstaunen. Bei den heutigen europäischen Strompreisen sind deswegen wohl die nächsten BKW-Abschreiber nötig.
Die Schweiz ist traditionell ein Stromexportland, 2012 wurden 2200 GWh exportiert. Wer rechnet, sieht also: Mühleberg und Beznau können deutlich vor 2019 vom Netz, die «Stromlücke» ist (immer noch) ein Hirngespinst. Die Schweiz hat zwei traurige Rekorde zu verzeichnen: Wir haben das älteste AKW der Welt (4) und sind im Vergleich mit den umliegenden Ländern das Schlusslicht, was den Zubau von Photovoltaik und Windkraft angeht (5). Wir fordern die Schweizer Stromkonzerne und die Politik auf, diese Rekorde umzukehren: Wir wollen Weltmeister sein im Zubau erneuerbarer Energien und im Abstellen von gefährlichen AKW.
Quellen:
(1) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Muehleberg-ist-fuer-die-Versorgungssicherheit-irrelevant/story/22365379
(2) http://www.swissgrid.ch/swissgrid/de/home/experts/topics/renewable_energies/crf/registration_to_implementation/waiting_list.html
(3) http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/atomkraft-und-kohle-liefern-strom-fuer-muehleberg-1.18177439
(4) http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2013/01/28/beznau-und-muehleberg-vom-netz-jetzt.html
(5) http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2013/05/02/die-schweiz-bleibt-das-schlusslicht.html
Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES
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Das ist ganz im Sinne der Energiestrategie des
Bundes und absolut realistisch. In Europa herrscht auf absehbare Zeit
ein Strom-Überangebot, also wäre eine Substitution versorgungstechnisch
noch nicht einmal nötig. Es wäre aber aus Sicherheitsgründen sinnvoll
und problemlos möglich, auch die beiden Uraltreaktoren in Beznau vor
2020 abzuschalten - so eine Stellungnahme der Schweizerischen Energie Stiftung SES. Kaum
hat die BKW ihren Entscheid kommuniziert, sind schon erste Stimmen laut
geworden, die sich fragen, woher denn dereinst der Strom kommen soll.
So sagte FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen gegenüber dem
Tagesanzeiger (1): «Um das Kernkraftwerk Mühleberg zu ersetzen, bräuchte
es etwa 740 Windturbinen». Er fragt sich, was die Alternativen seien.
Davon abgesehen, dass bereits 500 moderne Windräder genügend Strom
produzieren würden, vergisst Wasserfallen unter anderem die Photovoltaik
– die Alternative mit dem grössten Potenzial. Das ist sicher Absicht,
weil die Photovoltaik erstens kein Konfliktpotenzial mit dem
Landschaftsschutz birgt und zweitens für die grossen Stromunternehmen
offenbar nicht interessant ist.Seit 2009 werden erneuerbare Energien in der Schweiz mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gefördert. Ein Blick in die Statistik(2) zeigt, dass die KEV-geförderten Anlagen, die bereits in Betrieb sind, jährlich rund 1700 Gigawattstunden (GWh) Strom produzieren. Dazu kommen Anlagen mit einer Zusage im Umfang von 3448 GWh und die, die auf der Warteliste stehen und noch auf Bescheid warten, mit 5255 GWh. Total sind das 10'387 GWh erneuerbaren Strom aus konkreten Projekten, der mit dem entsprechenden politischen Willen bis 2019 ins Netz eingespiesen werden könnte. Damit könnte man Mühleberg (Produktion 2012: 3117 GWh) rund drei Mal ersetzen. Oder noch besser Beznau I und II gleich dazu: Diese drei Uraltreaktoren haben 2012 zusammen 8870 GWh produziert – ein Ersatz wäre also auch möglich, wenn man davon ausgeht, dass das eine oder andere Windprojekt nicht schnell genug realisiert werden kann. Insbesondere Windprojekte sind häufig von Einsprachen von Nachbarn blockiert. Alle Windprojekte (mit bereits realisierten) machen weniger als einen Drittel der KEV-Projekte aus.
BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma hat gegenüber der NZZ erklärt (3), es werde rund 10 Jahre dauern, bis der Wegfall von Mühleberg mit einheimischem Strom ersetzt sei. Dies liege an den langen Verfahren, welche Wasserkraftprojekte über Jahre blockieren können. Das ist eine stark verkürzte Aussage: Es mag sein, dass die BKW so lange braucht, um genügend erneuerbare Kapazitäten aufzubauen, weil sie fast ausschliesslich auf den Ausbau der Wasserkraft setzt. Schweizweit und damit versorgungstechnisch gedacht, ist das eine unrealistisch lange Zeit, denn:
- Die Photovoltaik wächst viel schneller als erwartet: Die Zuwachsraten lagen zwischen 2009 und 2010 bei 65%, zwischen 2010 und 2011 bei 77%, zwischen 2011 und 2012 bei 67%. Ende 2013 werden gemäss Swissolar 720 MW Leistung installiert sein. Damit werden 1,2% des Stromverbrauchs der Schweiz aus Solarstrom stammen. Wenn man zwischen 2014 und 2019 von einem Wachstum von 50% pro Jahr ausgeht, wären es Ende 2019 8200 MW installierte Leistung, sprich rund 8200 GWh oder 14% des Stromverbrauchs. Selbstverständlich wird es je länger je schwieriger, die Wachstumsraten beizubehalten – das ist auf längere Frist auch nicht sinnvoll. Aber in den nächsten Jahren ist eine konstante Wachstumsrate durchaus realistisch.
- Die Wasserkraft in der Schweiz ist in den letzten Jahren viel stärker gewachsen als erwartet. Seit 2009 wurden 620 GWh zugebaut, seit 2003 insgesamt 880 GWh. Im Schnitt der letzten Jahre entspricht das jährlich über 150 GWh – bei gleichbleibendem Zubau bis 2019 rund 1000 GWh.
- Die Produktion in Biomassekraftwerken entspricht heute schon der Produktion des AKW Mühleberg: Die Stromproduktion aus Biomasse und Abfall setzte sich 2012 wie folgt zusammen: Holz – 410 GWh; Abfall (erneuerbarer Anteil) – 2‘020 GWh; Kläranlagen (erneuerbarer Anteil) – 123 GWh; Biogas – 64 GWh. Das sind insgesamt 2617 GWh und entspricht damit fast Mühleberg 2012 (3117 GWh) und liegt sogar über der Produktion des AKW 2011 (2605 GWh).
Jürg Buri, Geschäftsleiter der SES, sieht aber auch eine verfehlte Geschäftspolitik bei der BKW als Grund für den langsamen Zubau einheimischer Kraftwerke: Die BKW habe 2011 und 2012 insgesamt 334 Mio. Franken in fossilen Kraftwerken im Ausland abgeschrieben, weil diese nicht rentabel laufen. «Hätte man dieses Geld in der Schweiz in Solarstrom investiert, könnte man dafür 300 GWh Strom produzieren», rechnet er vor. Dass die BKW erneut in ein Kohlekraftwerk in Deutschland investiert, kann vor diesem Hintergrund nur erstaunen. Bei den heutigen europäischen Strompreisen sind deswegen wohl die nächsten BKW-Abschreiber nötig.
Die Schweiz ist traditionell ein Stromexportland, 2012 wurden 2200 GWh exportiert. Wer rechnet, sieht also: Mühleberg und Beznau können deutlich vor 2019 vom Netz, die «Stromlücke» ist (immer noch) ein Hirngespinst. Die Schweiz hat zwei traurige Rekorde zu verzeichnen: Wir haben das älteste AKW der Welt (4) und sind im Vergleich mit den umliegenden Ländern das Schlusslicht, was den Zubau von Photovoltaik und Windkraft angeht (5). Wir fordern die Schweizer Stromkonzerne und die Politik auf, diese Rekorde umzukehren: Wir wollen Weltmeister sein im Zubau erneuerbarer Energien und im Abstellen von gefährlichen AKW.
Quellen:
(1) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Muehleberg-ist-fuer-die-Versorgungssicherheit-irrelevant/story/22365379
(2) http://www.swissgrid.ch/swissgrid/de/home/experts/topics/renewable_energies/crf/registration_to_implementation/waiting_list.html
(3) http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/atomkraft-und-kohle-liefern-strom-fuer-muehleberg-1.18177439
(4) http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2013/01/28/beznau-und-muehleberg-vom-netz-jetzt.html
(5) http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2013/05/02/die-schweiz-bleibt-das-schlusslicht.html
Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES
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Montag, 16. September 2013
Brasilien verzichtet auf neue AKW
Mehrere Schweizer Medien berichten relativ prominent über den Ausstieg Brasiliens aus der Atomkraft - die grossen Zeitungen bleiben allerdings kleinlaut - hier ein Querschnitt aus der Schweizer Presse.
In Folge der Katastrophe im japanischen AKW Fukushima kehrt auch Brasilien der Atomenergie den Rücken und will stattdessen auf Windenergie setzen. Es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung an ihren bisherigen Plänen festhalte und bis 2030 vier neue Atomreaktoren bauen werde, sagte Mauricio Tolmasquim, Chef der staatlichen Energieplanungsbehörde, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.
In Deutschland war Kritik an der Exportförderung zugunsten eines brasilianischen AKW aufgekommen.
Wie viele AKW in Brasilien stattdessen entstehen sollen, wollte er jedoch nicht sagen. Derzeit ist in Brasilien ein Atomkraftwerk im Bau - ausgestattet mit Technologie von Siemens -KWU. Nach dem Zwischenfall in Japan seien die Pläne für den Bau von AKW zunächst auf Eis gelegt worden, erklärte Tolmasquim. "Dies ist der grosse Moment der Windenergie", fügte er hinzu. Der Erfolg dieser Technologie führe derzeit dazu, dass auch die Ambitionen für Solarenergie gestutzt würden. Wind-Strom koste in Brasilien nur etwa ein Viertel von Solar-Strom.
Das rasante Wirtschaftswachstum in Brasilien hat den Bedarf an Energie in den vergangenen Jahren drastisch erhöht. Derzeit deckt das Land noch rund 75 Prozent der Nachfrage mit Wasserkraft. Dadurch ist die Wirtschaft jedoch verwundbar für Trockenperioden geworden.
Quellen: SDA / Luzerner Zeitung / Blick
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In Folge der Katastrophe im japanischen AKW Fukushima kehrt auch Brasilien der Atomenergie den Rücken und will stattdessen auf Windenergie setzen. Es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung an ihren bisherigen Plänen festhalte und bis 2030 vier neue Atomreaktoren bauen werde, sagte Mauricio Tolmasquim, Chef der staatlichen Energieplanungsbehörde, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.
In Deutschland war Kritik an der Exportförderung zugunsten eines brasilianischen AKW aufgekommen.
Wie viele AKW in Brasilien stattdessen entstehen sollen, wollte er jedoch nicht sagen. Derzeit ist in Brasilien ein Atomkraftwerk im Bau - ausgestattet mit Technologie von Siemens -KWU. Nach dem Zwischenfall in Japan seien die Pläne für den Bau von AKW zunächst auf Eis gelegt worden, erklärte Tolmasquim. "Dies ist der grosse Moment der Windenergie", fügte er hinzu. Der Erfolg dieser Technologie führe derzeit dazu, dass auch die Ambitionen für Solarenergie gestutzt würden. Wind-Strom koste in Brasilien nur etwa ein Viertel von Solar-Strom.
Das rasante Wirtschaftswachstum in Brasilien hat den Bedarf an Energie in den vergangenen Jahren drastisch erhöht. Derzeit deckt das Land noch rund 75 Prozent der Nachfrage mit Wasserkraft. Dadurch ist die Wirtschaft jedoch verwundbar für Trockenperioden geworden.
Quellen: SDA / Luzerner Zeitung / Blick
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Sonntag, 4. August 2013
Atom kontra Solar
Es sind zwar ein paar saure
Gurken darunter, aber von Ereignislosigkeit lässt sich diesen Sommer in der
Energiebranche nicht sprechen. Da bringt zum Beispiel ein Erdbeben einen der Pfeiler der
Energiewende ins Wanken – diese selbst wankt aber kaum. Denn Wind- und
Solarenergie machen unaufhörliche Kostenfortschritte, wenn das auch hierzulande
auf wenig Resonanz stösst. Aber dass sich bisherige Atombefürworter nun von der
Kernenergie aus Kostengründen abwenden, lässt aufhorchen. Ein sommerlicher Kommentar des Solarmedia-Autors Guntram Rehsche.
© Solarmedia / Bild Charlie Shailer
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Was die tschechische Regierung anfangs vergangener Woche
verlauten liess, kommt einer Sensation nahe (siehe Artikel Solid vom 26.7.13). Zumal sich die polnische
Administration zuvor schon ähnlich geäussert hatte. Hingehört haben
allerdings nur wenige – darum sei es hier eingangs klar fest gehalten: Beide
Länder verabschieden sich von ihren atomaren Ausbauplänen, nachdem sie zuvor
als wichtige Pfeiler der (vermeintlichen) Atom-Renaissance galten. Der Grund
für die Abkehr liegt in den aktuell tiefen Strompreisen sowie in der Aussicht,
dass sich unter anderem auch durch das schnelle und heftige Aufkommen der
Erneuerbaren Energien dieser Preiszerfall kaum so schnell ins Gegenteil
verwandelt.
Es
ist schon so: Während in den USA die Fracking- oder
Schiefersandwunder zumindest vorderhand zusätzliche Energien mit
preisdämpfender Wirkung über den Strommarkt ergiessen, ist es in anderen
Weltgegenden, vor allem natürlich in Europa, der Wind- und Solarstrom,
der
plötzlich als Strommarktsäule erkannt wird. Erkannt werden muss, sei
hier
gesagt, denn noch vor wenigen Jahren war deren Ergiebigkeit durch die
herkömmliche Stromlobby bestritten. Ein deutscher Strom-CEO
versteifte sich einst gar zur Aussage, Erneuerbare seien etwa so
ergiebig wie
Ananas-Plantagen in Grönland. Und ein Schweizer Pendant meinte, mehr als
wenige
Prozent gäben die Erneuerbaren hierzulande niemals her. Der erste
(Grossmann
von RWE) wurde unterdessen aus dem Amt gedrängt. Der zweite (Karrer von
der
Axpo) ist noch der letzte Mohikaner unter den CEO der grossen vier in
der
Schweiz, der seine Haut bislang retten konnte. Jede Wette – auch er
macht es
nicht mehr allzulange, zumal noch Gefahr droht von der Gasfront, hat
Karrer doch das Axpo-Engagement in der so genannten TAP-Leitung zu
verantworten.
Ein
anderer Schweizer Spitzen-Stromer ist zwar noch
Verbandschef, doch seinen operationellen Posten bei der BKW ist er los.
Trotzdem durfte er in der Sendung 10vor10 wieder einmal sein
altes Credo vertreten, beflügelt durch das vermeintliche Desaster beim
St.Galler Geothermie-Projekt. Die Schätzungen zu den Potentialen der
Erneuerbaren auf Grundlage des hiesigen Projekts Energiewende 2050 seien
weit überrissen, meinte Kurt Rohrbach – und blieb fast
unwidersprochen. Immerhin – das Potential der Sonnenenergie fand
Erwähnung
aufgrund des unterdessen auf 0,6 Prozent angestiegenen solaren
Stromanteils am
Schweizer Gesamtmarkt. Wohl schon zu Ende des laufenden Jahres dürfte
hierzulande die Ein-Prozent-Hürde überschritten werden. Andere Staaten
machen vor, wie auch das Zehnfache möglich und Realität ist
(Deutschland,
Italien, Spanien und Belgien) oder demnächst sein wird (Japan, China,
USA).
Da kommt nun einer – und das ist sein gutes demokratisches
Recht – und ergreift das Referendum gegen das neue Energiegesetz. Basierend
wiederum auf der Annahme geringer Ergiebigkeit und hoher Kosten der
Erneuerbaren. Vielleicht gar nicht so schlecht, käme dieses Referendum
zustande – dann würde die Sache endlich in der Breite diskutiert und kämen
endlich auch die aktuellen Fakten auf den Tisch. Angefangen bei der zu teuren
Atomkraft (siehe oben, aber auch die chinesische Regierung, die den Preis für
Atomstrom ab neuem Werk unterdessen bei rund sieben Rappen je Kilowattstunde
sieht), der keinesfalls vorhandenen Alternative – bis hin zu den stark
gesunkenen Preisen für Solaranlagen, aber auch den Möglichkeiten von
Kleinwasserkraft, Windenergie und Biomasse – die Geothermie mal beiseite
gelassen.
Eine Gefahr droht den Erneuerbaren allerdings wirklich –
dieser allgemeine Strompreiszerfall, der die Konkurrenzfähigkeit in die weitere
Ferne rücken liesse. Aber so weit ist es noch nicht, und so weit wird es
vielleicht auch gar nicht kommen. Wenn klar wird, auf welcher Ebene sich
gerade in der Schweiz der Kampf abspielen wird – atomarer Strom (auch aus dem
Ausland) versus solarer Energieerzeugung, die wahrlich das Zeugs hat, zusammen
mit einer klugen Effizienzstrategie den Atomstrom aus dem Markt zu drängen.
Eingedenk dessen, dass dieser Markt immer ein politisch stark beeinflusster
sein wird, also die rein wirtschaftliche Überlegung sich allein kaum
durchsetzen kann. Das Referndum ist dann der erste, aber sicher nicht der
letzte Kampf um die Energiezukunft der Schweiz.
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Donnerstag, 20. Juni 2013
Donnerstag, 31. Januar 2013
Atomausstieg braucht Datum
Die Allianz «Nein zu neuen AKW» hat beim Bundesamt für Energie (BfE) ihre
Stellungnahme zur Energiestrategie 2050 eingereicht. Die Allianz
begrüsst, dass keine Rahmenbewilligungen für neue AKW erteilt werden
dürfen, und fordert eine Ausstiegsregelung für bestehende Atomkraftwerke.
Die Allianz unterstützt im Grundsatz die Stossrichtung der neuen Energiepolitik. Sie begrüsst, dass gemäss Art. 12, Abs. 4 neu keine Rahmenbewilligungen für die Erstellung von Kernkraftwerken erteilt werden dürfen. Damit ist gewährleistet, dass in der Schweiz in Zukunft keine neuen AKW gebaut und betrieben werden. Allerdings fehlt in der Vorlage eine klare Regelung für die bestehenden Atomkraftwerke. So wird die Sicherheit der Schweizer Bevölkerung weiterhin gefährdet, die Energiewende auf Jahre hinaus behindert.
Zählen zu den ältesten AKW der Welt: Die beiden Axpo-Reaktorblöcke in Beznau - aber haben immer noch kein Abschaltdatum (Bild: Guntram Rehsche).
Eine Laufzeitbeschränkung bedeutet Planungssicherheit für alle betroffenen Akteure: Für die AKW-Betreiber, die Eigentümerkantone, die Aufsichtsbehörden, Investoren und die Politik. Ebenso wichtig ist die Verbesserung der Atomaufsicht – strukturell, personell und kulturell. Denn sie trägt die Verantwortung für den «sicheren» Ausstieg.
Gebaut wurden unsere AKW für 30 Jahre Laufzeit, schreibt die Allianz. Mit jedem Jahr steigt das Unfallrisiko im Altreaktor. Deshalb muss die Lebensdauer der Schweizer AKW auf maximal 40 Jahre beschränkt werden. Sicherheitsaspekte haben selbstverständlich weiterhin Vorrang. Die Sicherheit der bestehenden Atomkraftwerke muss bis zum letzten Betriebstag gewährleistet sein. Ansonsten muss ein AKW jederzeit abgeschaltet und vom Netz genommen werden können. Deshalb müssen die Oldtimer-AKW Mühleberg, Beznau I und Beznau II unverzüglich vom Netz! Ihre Mängellisten sind zu lang und das Reaktordesign entspricht heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr.
Quelle: Die-Zukunft-ist-erneuerbar
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Die Allianz unterstützt im Grundsatz die Stossrichtung der neuen Energiepolitik. Sie begrüsst, dass gemäss Art. 12, Abs. 4 neu keine Rahmenbewilligungen für die Erstellung von Kernkraftwerken erteilt werden dürfen. Damit ist gewährleistet, dass in der Schweiz in Zukunft keine neuen AKW gebaut und betrieben werden. Allerdings fehlt in der Vorlage eine klare Regelung für die bestehenden Atomkraftwerke. So wird die Sicherheit der Schweizer Bevölkerung weiterhin gefährdet, die Energiewende auf Jahre hinaus behindert.
Zählen zu den ältesten AKW der Welt: Die beiden Axpo-Reaktorblöcke in Beznau - aber haben immer noch kein Abschaltdatum (Bild: Guntram Rehsche).
Eine Laufzeitbeschränkung bedeutet Planungssicherheit für alle betroffenen Akteure: Für die AKW-Betreiber, die Eigentümerkantone, die Aufsichtsbehörden, Investoren und die Politik. Ebenso wichtig ist die Verbesserung der Atomaufsicht – strukturell, personell und kulturell. Denn sie trägt die Verantwortung für den «sicheren» Ausstieg.
Gebaut wurden unsere AKW für 30 Jahre Laufzeit, schreibt die Allianz. Mit jedem Jahr steigt das Unfallrisiko im Altreaktor. Deshalb muss die Lebensdauer der Schweizer AKW auf maximal 40 Jahre beschränkt werden. Sicherheitsaspekte haben selbstverständlich weiterhin Vorrang. Die Sicherheit der bestehenden Atomkraftwerke muss bis zum letzten Betriebstag gewährleistet sein. Ansonsten muss ein AKW jederzeit abgeschaltet und vom Netz genommen werden können. Deshalb müssen die Oldtimer-AKW Mühleberg, Beznau I und Beznau II unverzüglich vom Netz! Ihre Mängellisten sind zu lang und das Reaktordesign entspricht heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr.
Quelle: Die-Zukunft-ist-erneuerbar
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Freitag, 23. November 2012
Selbst IEA sieht Zukunft «ungewisser»
Die Stromerzeugung aus
Kernenergie in absoluten Zahlen nimmt laut Hochrechnungen der
Internationalen Energieagentur (IEA) der OECD bis 2035 weiterhin zu,
jedoch verringert sich ihr Anteil am weltweiten Strommix im Zeitverlauf
von 13% auf 12%. Dies besagt der World Energy Outlook 2012 (WEO) der IEA
der OECD, der vor Wochenfrist in London vorgestellt wurde (siehe Solarmedia vom 14. November 2012).
Die Experten der IEA halten im WEO
fest, dass mehrere Länder den Ausbau ihrer Kernkraftwerkskapazität nach
dem Reaktorunfall im japanischen Fukushima-Daiichi im März 2011
zurückgestuft haben und sich dies auf die künftige weltweit installierte
Kernkraftwerkskapazität auswirkt. Die IEA erwarte, dass die
installierte Kernkraftwerkskapazität 2035 im Vergleich zur Schätzung in
der letztjährigen Ausgabe des Outlook um 50’000 MW tiefer liege und nur
580’000 MW erreiche, sagte Fatih Birol, Chefökonom der IEA, an der
Vorstellung des WEO in London. Dies sei rund 200’000 MW mehr als heute,
wobei die Länder, die nicht zur OECD gehörten, etwa 94% der Zunahme
ausmachten. China erfahre den grössten Zuwachs der Nuklearkapazität: von
gegenwärtig rund 12’000 MW auf 128’000 MW 2035. Es folgten Südkorea,
Indien und Russland.
Als Folge des Reaktorunfalls in Fukushima-Daiichi sei die Zukunft der Kernenergie «ungewisser» geworden, so die IEA. Der letztjährige Outlook habe zwar die unmittelbaren Reaktionen wie den beschleunigten Kernenergieausstieg Deutschlands und den Neubauverzicht Italiens bereits berücksichtigt. Der WEO 2012 habe nun auch die jüngeren Entwicklungen wie die neue Energiestrategie Japans, die eine verringerte Abhängigkeit von der Kernenergie anstrebe, einkalkuliert. Diese Faktoren hätten dazu beigetragen, dass die IEA ihre Schätzung der weltweiten nuklearen Stromproduktion 2035 um knapp 300 TWh oder rund 6% nach unten korrigiert habe. Entsprechend werde der Anteil am Strommix dannzumal nur 12% statt den 2011 prognostizierten 13% erreichen.
Quelle: Nuklearforum
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Als Folge des Reaktorunfalls in Fukushima-Daiichi sei die Zukunft der Kernenergie «ungewisser» geworden, so die IEA. Der letztjährige Outlook habe zwar die unmittelbaren Reaktionen wie den beschleunigten Kernenergieausstieg Deutschlands und den Neubauverzicht Italiens bereits berücksichtigt. Der WEO 2012 habe nun auch die jüngeren Entwicklungen wie die neue Energiestrategie Japans, die eine verringerte Abhängigkeit von der Kernenergie anstrebe, einkalkuliert. Diese Faktoren hätten dazu beigetragen, dass die IEA ihre Schätzung der weltweiten nuklearen Stromproduktion 2035 um knapp 300 TWh oder rund 6% nach unten korrigiert habe. Entsprechend werde der Anteil am Strommix dannzumal nur 12% statt den 2011 prognostizierten 13% erreichen.
Quelle: Nuklearforum
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Montag, 8. Oktober 2012
Die CO2-Lüge
Mit der Aussage „Null CO2“ warb die Atomindustrie immer wieder auf Plakaten und in Anzeigen, in Deutschland wie auch hierzulande. Dies ist,
gelinde gesagt, stark irreführend. Denn es gilt allenfalls für den
Betrieb von AKW, keineswegs aber für die der Stromerzeugung vorgelagerte
Prozesskette. Ein Artikel des deutschen Magazins «focus», der hierzulande vergessen ging.
Der ganze Prozess der Erzeugung von Atomstrom umfasst den Bau der Meiler, die Produktion der Baustoffe sowie des Brennstoffs Uran. Die Kernkraft hat somit durchaus Klimaauswirkungen. Im Zuge der Bereitstellung von Atomstrom, so errechnete das Öko-Institut 2007, fallen für deutsche AKW 31 Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) pro Kilowattstunde (kWh) an, in russischen sogar über 60 Gramm. Der Block C des AKW Gundremmingen mit einer Stromproduktion von elf Milliarden kWh pro Jahr ist demnach für den Ausstoß von 352 000 Tonnen CO2 verantwortlich.
Überdies reichen die Vorräte von wirtschaftlich gewinnbarem Uran weltweit gerade noch etwa 65 Jahre. Die Erze mit hohem Urangehalt sind schon heute weitgehend erschöpft. Zwar lässt sich mit mehr Aufwand und Kosteneinsatz Uran auch aus minderwertigem Erz gewinnen, zur Not sogar aus Meerwasser. Doch dies treibt nicht nur den Preis für die Brennelemente in schwindelnde Höhen, sondern hat auch gravierende ökologische Folgen. So steigen die CO2-Emissionen bei der Aufbereitung niedriger konzentrierter Erze. Eine weitere Studie – sie beruht auf Daten der Konferenz für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – weist nach, dass die Uranvorkommen weltweit auch bei reduziertem Bedarf spätestens 2070 ausgebeutet sein werden. Derzeit deckt die Atomkraft nur rund sieben Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Würde dieser Anteil erhöht, wären die Uranressourcen in kurzer Zeit erschöpft.
Europas AKW beziehen das Uran überwiegend aus Russland, Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan und Niger. Seine Konzentration im Erz ist meist sehr gering (ca. 0,1 Prozent), deshalb müssen große Gesteinsmengen abgebaut werden (meist in offenen Gruben), von denen über 99 Prozent Abfall sind. Dabei fallen große Mengen radioaktiv und chemisch verseuchter Abwässer an, die in der Regel in nahe Flüsse und Seen gepumpt werden und auch ins Grundwasser gelangen. Weltweit lagern bereits über eine Milliarde Tonnen Uranerzschlämme, jährlich kommen weitere 20 Millionen hinzu. Nachdem sie getrocknet sind, treibt der Wind den giftigen Staub übers Land.
Meist findet die weitere Aufbereitung gleich bei den Gruben statt. Das Uranerz wird zu gelbem Pulver – dem „Yellowcake” – umgesetzt. Dabei löst sich, wie auch schon beim Erzabbau, radioaktives Radongas aus dem Gestein. Von den beim früheren DDR-Uranproduzenten Wismut AG beschäftigten Bergleuten starben von 1946 bis zum Betriebsende 1990 über 7160 an Lungenkrebs, hervorgerufen durch Radon.
In Niger untersuchte das unabhängige Institut CRIIRA zwischen 2003 und 2005 die Umweltfolgen des Uranabbaus und konstatierte überhöhte Strahlenwerte im Trinkwasser sowie eine hohe Belastung der Minenarbeiter und Bevölkerung in der Region durch Radon. Im Jahr 2007 lehnte die finnische Regierung aufgrund des Widerstands der Bevölkerung einen Antrag der französischen Atomfirma Areva ab, im Land nach Uran zu suchen. Am ostfinnischen See Kitkajärvi etwa fürchten Fischer eine Verschmutzung des Gewässers.
Der ganze Prozess der Erzeugung von Atomstrom umfasst den Bau der Meiler, die Produktion der Baustoffe sowie des Brennstoffs Uran. Die Kernkraft hat somit durchaus Klimaauswirkungen. Im Zuge der Bereitstellung von Atomstrom, so errechnete das Öko-Institut 2007, fallen für deutsche AKW 31 Gramm des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) pro Kilowattstunde (kWh) an, in russischen sogar über 60 Gramm. Der Block C des AKW Gundremmingen mit einer Stromproduktion von elf Milliarden kWh pro Jahr ist demnach für den Ausstoß von 352 000 Tonnen CO2 verantwortlich.
Überdies reichen die Vorräte von wirtschaftlich gewinnbarem Uran weltweit gerade noch etwa 65 Jahre. Die Erze mit hohem Urangehalt sind schon heute weitgehend erschöpft. Zwar lässt sich mit mehr Aufwand und Kosteneinsatz Uran auch aus minderwertigem Erz gewinnen, zur Not sogar aus Meerwasser. Doch dies treibt nicht nur den Preis für die Brennelemente in schwindelnde Höhen, sondern hat auch gravierende ökologische Folgen. So steigen die CO2-Emissionen bei der Aufbereitung niedriger konzentrierter Erze. Eine weitere Studie – sie beruht auf Daten der Konferenz für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – weist nach, dass die Uranvorkommen weltweit auch bei reduziertem Bedarf spätestens 2070 ausgebeutet sein werden. Derzeit deckt die Atomkraft nur rund sieben Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Würde dieser Anteil erhöht, wären die Uranressourcen in kurzer Zeit erschöpft.
Europas AKW beziehen das Uran überwiegend aus Russland, Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan und Niger. Seine Konzentration im Erz ist meist sehr gering (ca. 0,1 Prozent), deshalb müssen große Gesteinsmengen abgebaut werden (meist in offenen Gruben), von denen über 99 Prozent Abfall sind. Dabei fallen große Mengen radioaktiv und chemisch verseuchter Abwässer an, die in der Regel in nahe Flüsse und Seen gepumpt werden und auch ins Grundwasser gelangen. Weltweit lagern bereits über eine Milliarde Tonnen Uranerzschlämme, jährlich kommen weitere 20 Millionen hinzu. Nachdem sie getrocknet sind, treibt der Wind den giftigen Staub übers Land.
Meist findet die weitere Aufbereitung gleich bei den Gruben statt. Das Uranerz wird zu gelbem Pulver – dem „Yellowcake” – umgesetzt. Dabei löst sich, wie auch schon beim Erzabbau, radioaktives Radongas aus dem Gestein. Von den beim früheren DDR-Uranproduzenten Wismut AG beschäftigten Bergleuten starben von 1946 bis zum Betriebsende 1990 über 7160 an Lungenkrebs, hervorgerufen durch Radon.
In Niger untersuchte das unabhängige Institut CRIIRA zwischen 2003 und 2005 die Umweltfolgen des Uranabbaus und konstatierte überhöhte Strahlenwerte im Trinkwasser sowie eine hohe Belastung der Minenarbeiter und Bevölkerung in der Region durch Radon. Im Jahr 2007 lehnte die finnische Regierung aufgrund des Widerstands der Bevölkerung einen Antrag der französischen Atomfirma Areva ab, im Land nach Uran zu suchen. Am ostfinnischen See Kitkajärvi etwa fürchten Fischer eine Verschmutzung des Gewässers.
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Atomkraft: Die CO2-Lüge - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/wissen/klima/tid-13427/atomkraft-die-co2-luege_aid_372528.html
Atomkraft: Die CO2-Lüge - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/wissen/klima/tid-13427/atomkraft-die-co2-luege_aid_372528.html
Donnerstag, 30. August 2012
Zwei AKW sofort ersetzbar
In der Schweiz fehlen die Fördergelder für alternative Energie-Projekte. Die Liste der Ökostrom-Projekte, die nicht finanziert werden können, wird länger und länger. Rund 21‘000 Anträge liegen auf Eis. Würden all diese Projekte verwirklicht, könnte damit der Strom von zwei Atomkraftwerken produziert werden.
Quelle: SF 10vor 10
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Montag, 9. Juli 2012
Atomenergie ist Verbrechen
Was
der Bericht des japanischen Parlaments über
die Fukushima-Katastrophe enthüllt, ist erschütternd: Nicht der Tsunami
hat die Nuklear-Katastrophe ausgelöst, sondern menschliches Versagen.
Viele Meiler in Japan sind in dem von Erdbeben geplagten Land nicht
gegen Erdbeben geschützt, sondern auf Erdbeben-Gebieten errichtet.
Bislang hatte der japanische Atombetreiber Tepco immer behauptet, der
Tsunami sei die eigentliche Ursache gewesen. Jetzt wissen wir es
amtlich: Es waren die Erdbeben. Und die gibt es nicht nur in Japan. Ein
Kommentar des deutschen Umweltpublizisten Franz Alt, der angesichts der
Unbedenklichkeitserklärung für die Schweizer AKW durch die
AKW-Aufstichtsbehörde ENSI besondere Aktualität erfährt.
Auch in Europa stehen genug alte Schrottmeiler, die nicht gegen
Erdbebengefahren gesichert werden können. Zum Beispiel in Fessenheim im
Elsass, 70 Kilometer vom Schreibtisch entfernt, an dem diese Zeilen
geschrieben werden. Auch deutsche Atomreaktoren sind nicht gegen Flugzeugabstürze
gesichert. Es gibt also bekannte Mängel, die natürlich auch den
„Verantwortlichen“ bekannt sind wie die Mängel in Japan bekannt waren.
Und dennoch laufen die Reaktoren weiter. Nichts gelernt aus Tschernobyl
und Fukushima. Das ist ein Verbrechen an der Menschheit und an der
gesamten Schöpfung. Das Problem, so wissen wir jetzt, ist also nicht nur
die sprichwörtliche japanische Hörigkeit gegenüber den Autoritäten.
Auch deutsche Ingenieure und französische Staatsräson sind anfällig für
atomare Verbrechen.
Der ICE zum Beispiel hätte nie entgleisen dürfen, aber er ist
entgleist – und zwar mehrfach. Danach heißt es immer: Eigentlich hätte
es nicht passieren dürfen. Ja, eigentlich! Wo Menschen sind, wird es
immer wieder menschliches Versagen geben. Oder technisches Versagen.
Alles andere Denken ist schlicht menschlicher Größenwahn. Und dieser ist
das eigentliche Problem hinter der Atompolitik. Noch erschütternder ist, dass in Japan just in der Woche, in welcher
der Fukushima-Bericht veröffentlicht wurde, die ersten AKW nach der
Fukushima-Katastrophe wieder ans Netz gingen.
Wie viele Tschernobyls und Fukushimas brauchen wir eigentlich noch, um aus den Katastrophen etwas zu lernen? Es ist kein Fehler, wenn Menschen Fehler machen. Aber es ist ein besonders großer Fehler, wenn wir aus Fehlern nichts lernen.
In Japan hat der Untersuchungsbericht dieser Woche das Totalversagen von Regierung und Atomindustrie enthüllt. Jetzt endlich fordern auch immer mehr Japaner den Totalausstieg. Nur die Bürgergesellschaft vermag die Verrücktheiten ihrer Regierungen und die Verbrechen ihrer Atomindustriellen noch in die Schranken zu weisen.
Wie viele Tschernobyls und Fukushimas brauchen wir eigentlich noch, um aus den Katastrophen etwas zu lernen? Es ist kein Fehler, wenn Menschen Fehler machen. Aber es ist ein besonders großer Fehler, wenn wir aus Fehlern nichts lernen.
In Japan hat der Untersuchungsbericht dieser Woche das Totalversagen von Regierung und Atomindustrie enthüllt. Jetzt endlich fordern auch immer mehr Japaner den Totalausstieg. Nur die Bürgergesellschaft vermag die Verrücktheiten ihrer Regierungen und die Verbrechen ihrer Atomindustriellen noch in die Schranken zu weisen.
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The National Diet of Japan - The official report of"The Fukushima Nuclear Accident Independent Investigation Commission"
- Executive summary (2.4MB)
- Appendices
- Main report (Coming soon)
Dienstag, 3. Juli 2012
Sonne & Wind überflügeln Atom
Weltweit hält die Zurückhaltung bei der Atomkraft an. Im
ersten Halbjahr 2012 wurde nur mit dem Bau eines einzigen AKW in
Russland begonnen. Zwei seit Jahrzehnten betriebene Baustellen in
Bulgarien wurden endgültig eingestellt. Zwei AKW begannen den Betrieb
und zwei AKW wurden endgültig abgeschaltet.
Das
Umdenken nach Beginn der Katastrophe in Fukushima hält an. Waren bis
dahin mehrere Jahre lang immer mehr AKW-Baustellen begonnen worden,
halten sich jetzt auch Länder wie China und Südkorea bei der Atomkraft
zurück. Nur die alte Atommacht Russland hat im ersten
Halbjahr 2012 mit dem Bau eines neuen AKW begonnen. In dieser früheren
Weltmacht, die die meisten Staatseinnahmen aus Gas- und Ölförderung
erzielt und die für die Katastrophe von Tschernobyl verantwortlich ist,
sind jetzt elf AKW in Bau.
Kürzlich wurden von den Verbänden der Solar- und Windindustrie ihre Zahlen für das Jahr 2011 veröffentlicht. Bemerkenswert ist ein Vergleich der weltweiten Kapazitätsänderungen von Atom-, Solar und Windkraft: Im Jahr 2011 schrumpfte die Atomkraft um 7,4 GW (Gigawatt = 1 Million Kilowatt). Die Windkraft wuchs um 41 GW und der neue Star Solarkraft nahm um 28 GW zu.
Quelle: Raimund Kamm / FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. 2012
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Das
Umdenken nach Beginn der Katastrophe in Fukushima hält an. Waren bis
dahin mehrere Jahre lang immer mehr AKW-Baustellen begonnen worden,
halten sich jetzt auch Länder wie China und Südkorea bei der Atomkraft
zurück. Nur die alte Atommacht Russland hat im ersten
Halbjahr 2012 mit dem Bau eines neuen AKW begonnen. In dieser früheren
Weltmacht, die die meisten Staatseinnahmen aus Gas- und Ölförderung
erzielt und die für die Katastrophe von Tschernobyl verantwortlich ist,
sind jetzt elf AKW in Bau.Kürzlich wurden von den Verbänden der Solar- und Windindustrie ihre Zahlen für das Jahr 2011 veröffentlicht. Bemerkenswert ist ein Vergleich der weltweiten Kapazitätsänderungen von Atom-, Solar und Windkraft: Im Jahr 2011 schrumpfte die Atomkraft um 7,4 GW (Gigawatt = 1 Million Kilowatt). Die Windkraft wuchs um 41 GW und der neue Star Solarkraft nahm um 28 GW zu.
Quelle: Raimund Kamm / FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V. 2012
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Donnerstag, 21. Juni 2012
Atomkonzern Toshiba goes solar
Nur
einen Tag nach Veröffentlichung der Fördertarife für erneuerbare
Energien in Japan gab mit Toshiba einer der grössten Atomkonzerne seinen
Einstieg in den Bau von Solaranlagen bekannt. Gemäss Reuters will Toshiba gar eines der weltgrössten
Photovoltaik-Projekte realisieren.
Noch hält in Japan die Auseinandersetzung um die Wiederinbetriebnahme der still gelegten Atomkraftwerke (AKW) an - erst deren zwei von über 50 haben kürzlich eine entsprechende Bewilligung erhalten. Es hält aber auch der Widerstand der Bevölkerung an gegen die mit den Erfahrungen von Fukushima im Hintergrund als verheerend erachtete Atomtechnologie. Diesem Atomunwillen erweist nun offenbar mit Toshiba sogar einer der grössten Atomkonzerne die Referenz - und steigt gross ins Solargeschäft ein.

Schon weit verbreitet sind in Japan PV-Dachanlagen - jetzt kommen Solarkraftwerke grossen Stils hinzu (Bild: Solar-Frontier).
Für das Projekt hat Toshiba die von Tsunami und Kernschmelze verheerend getroffenen Region rund um Fukushima an der nordöstlichen Küste Japans gewählt. Gemäss einer Mitteilung von Toshiba vom Mittwoch sollen Solaranlagen mit einer Leistung von insgesamt 100 Megawatt erstellt werden. Die Gesamtkosten werden sich auf rund 350 Millionen Franken belaufen. Mit dem Vorhaben übertrifft Toshiba auch seinen ewigen Rivalen Kyocera, der die Erstellung eines 70-Megawatt-Solarkomplexes angekündigt hatte (siehe Solarmedia vom 13. April 2012). Die Bauten für das Toshiba-Projekt sollen noch im laufenden Jahr begonnen und 2014 abgeschlossen werden.
Die Absichtserklärung des Elektrokonzerns fällt zusammen mit den konkreten Beschlüssen der japanischen Regierung, neue Einspeisetarife für die erneuerbaren Energien und insbesondere für Solarstrom einzuführen - die bereit mit Beginn des Monats Juli in Kraft treten (siehe Solarmedia vom 20. Juni 2012).
Quelle: Reuters / © Text: Solarmedia
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Samstag, 14. April 2012
Keine AKW-Subventionen!
Zur Forderung von vier EU-Staaten nach Subventionen für Atomkraft erklärt Oliver Krischer, MdB, Vorstand EUROSOLAR-Deutschland: "Das Eingeständnis der atomfreundlichen Regierungen von Frankreich, Großbritannien, Tschechien, Polen mit ihrer Initiative in der EU ist: Neue Atomkraftwerke sind nicht wirtschaftlich zu betreiben. Und das trotz aller, seit Jahrzehnten vorhandenen Privilegien und Subventionen."
Damit bestätigen diese Staaten nun auch offiziell, was Experten seit langem wissen: Atomkraft hat in einem marktwirtschaftlichen System kein Chance. Die Investitionskosten sind viel zu hoch und unkalkulierbar. Sie können in einem immer flexibleren werdenden, europäischen Strommarkt nicht mehr refinanziert werden. Und dabei sind die Kosten für die Risiken eines GAU, der Endlagerung des Atommülls und vieles mehr noch nicht einmal eingerechnet.Die Frage ist, warum sollte man Atomkraft noch mehr - als heute schon - subventionieren? Doch nur, weil man der Ansicht ist, dass Atomkraft
- nachhaltig ist, also nachfolgenden Generationen keine Altlasten welcher Art auch immer hinterlässt, und
- durch die zusätzlichen Subventionen irgendwann wirtschaftlicher wird.
Bundeskanzlerin Merkel und Bundesumweltminister Röttgen müssen dem Ansinnen aus den vier EU-Staaten ein unmissverständliches "NO!" entgegensetzen. Ansonsten stellen sie den deutschen Atomausstieg und die Energiewende in Frage. Es würde zudem der Eindruck vieler verfestigt werden, dass diese Bundesregierung sich in Wahrheit noch längst nicht von der Atomkraft verabschiedet hat."
Freitag, 25. November 2011
Atomkraft nicht klimafreundlich
Das Österreichische Ökologie-Institut und die Österreichische Energieagentur präsentieren ihre Studie zur Energiebilanz und den CO2-Emissionen der Kernkraft und kommen zum Schlus: "Atomkraft ist weder klimafreundlich noch wirtschaftlich," so fasst Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur das Ergebnis zusammen.
Und weiter: "Eine Kilowattstunde Atomstrom verursacht mehr CO2-Emissionen als Strom aus erneuerbaren Energieträgern," so Traupmann. "Der Uranerzgehalt wird in Zukunft sinken - dadurch wird der Abbau mehr Energie benötigen. Ab einem Erzgehalt von ca. 0,01 % wird der Energieaufwand für den Abbau so hoch, dass die Gesamtenergiebilanz negativ wird," erläutert Andrea Wallner vom Österreichischen Ökologie-Institut, Gesamtleiterin des Projektes. Zum Vergleich: Der weltweit durchschnittliche Erzgehalt lag in den letzten fünf Jahrzehnten zwischen 0,05 % und 0,15 %.
Die Studie "Energiebilanz der Nuklearindustrie" zeigt rechtzeitig zur Weltklimakonferenz in Durban auf, dass neben den bekannten Problemen der Sicherheit von Kraftwerken und dem Umgang mit radioaktivem Abfall die Kernenergie auch keine Lösung für den Klimaschutz bietet. "Da der Rohstoff Uran ebenso wie Erdöl nur begrenzt vorhanden ist, fehlt dem Atomstrom die Zukunftsfähigkeit. Jede Investition in Atomkraft hemmt darüber hinaus den Ausbau der Erneuerbaren und den Umbau des Energiesystems als Ganzes," so Traupmann.
Ein Kernkraftwerk, das jetzt gebaut wird, könnte unter Annahme des niedrigen Ausbauszenarios der World Nuclear Association nicht bis zum Ende seiner Nutzungsdauer mit Uran versorgt werden. Auch wenn bei einem derzeit noch verfügbaren Uranerzgehalt von 0,1 % die CO2-Emissionen der Kernenergie bei nur 26 g CO2 pro Kilowattstunde liegen, ist der Einsatz der Kernenergie als Mittel zur Verringerung von Treibhausgasen teuer und langsam. Es dauert Jahrzehnte, bis eine Netto-Reduktion der Treibhausgase eintreten könnte.
"Bei den schlechter werdenden Erzgehalten um 0,01 % steigen die CO2-Emissionen bis auf 210 g CO2/kWhel an – im Vergleich: jene von Erneuerbaren befinden sich im Bereich von ca. 3 – 60 g kWh," erklärt Andrea Wallner. Die CO2-Vermeidungskosten von Kernenergie sind zudem höher als die jeder anderen möglichen Technologie mit Ausnahme traditioneller Kohlekraftwerke. Windkraftanlagen und KWK-Anlagen sind 1,5 mal so kosteneffektiv bei der Reduktion von CO2 wie Kernenergie, Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bis zu 10 mal so kosteneffektiv.
"Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Kernenergie billig CO2-armen Strom liefere. Dieses Argument ist nur dann gültig, wenn sämtliche direkten und indirekten Subventionen in diese Energiequelle nicht berücksichtigt werden," erläutert Stephan Renner, Experte der Österreichischen Energieagentur. "Wenn die Kernenergie tatsächlich billigen Strom produziere, gäbe es in einem funktionierenden Markt keine Probleme, neue Reaktoren privat zu finanzieren. Dies ist aber nicht der Fall. Weltweit gibt es keinen einzigen Reaktor, bei dessen Bau das finanzielle Risiko einzig von privaten Akteuren getragen wurde. Es ist daher erstaunlich, dass eine Technologie, die über 60 Jahre alt ist und angeblich den billigsten Strom liefert, noch immer massiv Subventionen erhält," so Renner abschließend.
Auch der aktuelle World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur zeigt, dass Energieeffizienz und Energiesparen den größten Beitrag zu Energiesicherheit und Erreichung der Klimaziele leisten. "Es mag wohl für manche Profit aus der Atomkraft geben, aber der Weg in eine klimafreundliche Zukunft führt in eine andere Richtung," ist Traupmann überzeugt. Die Studie "Energiebilanz der Nuklearindustrie. Eine Analyse von Energiebilanz und CO2-Emissionen der Nuklearindustrie über den Lebenszyklus" erstellt im Auftrag des Klima- und Energiefonds steht zum Download als PDF zur Verfügung.
Quelle: oekonews.at
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Und weiter: "Eine Kilowattstunde Atomstrom verursacht mehr CO2-Emissionen als Strom aus erneuerbaren Energieträgern," so Traupmann. "Der Uranerzgehalt wird in Zukunft sinken - dadurch wird der Abbau mehr Energie benötigen. Ab einem Erzgehalt von ca. 0,01 % wird der Energieaufwand für den Abbau so hoch, dass die Gesamtenergiebilanz negativ wird," erläutert Andrea Wallner vom Österreichischen Ökologie-Institut, Gesamtleiterin des Projektes. Zum Vergleich: Der weltweit durchschnittliche Erzgehalt lag in den letzten fünf Jahrzehnten zwischen 0,05 % und 0,15 %.
Die Studie "Energiebilanz der Nuklearindustrie" zeigt rechtzeitig zur Weltklimakonferenz in Durban auf, dass neben den bekannten Problemen der Sicherheit von Kraftwerken und dem Umgang mit radioaktivem Abfall die Kernenergie auch keine Lösung für den Klimaschutz bietet. "Da der Rohstoff Uran ebenso wie Erdöl nur begrenzt vorhanden ist, fehlt dem Atomstrom die Zukunftsfähigkeit. Jede Investition in Atomkraft hemmt darüber hinaus den Ausbau der Erneuerbaren und den Umbau des Energiesystems als Ganzes," so Traupmann.
Ein Kernkraftwerk, das jetzt gebaut wird, könnte unter Annahme des niedrigen Ausbauszenarios der World Nuclear Association nicht bis zum Ende seiner Nutzungsdauer mit Uran versorgt werden. Auch wenn bei einem derzeit noch verfügbaren Uranerzgehalt von 0,1 % die CO2-Emissionen der Kernenergie bei nur 26 g CO2 pro Kilowattstunde liegen, ist der Einsatz der Kernenergie als Mittel zur Verringerung von Treibhausgasen teuer und langsam. Es dauert Jahrzehnte, bis eine Netto-Reduktion der Treibhausgase eintreten könnte.
"Bei den schlechter werdenden Erzgehalten um 0,01 % steigen die CO2-Emissionen bis auf 210 g CO2/kWhel an – im Vergleich: jene von Erneuerbaren befinden sich im Bereich von ca. 3 – 60 g kWh," erklärt Andrea Wallner. Die CO2-Vermeidungskosten von Kernenergie sind zudem höher als die jeder anderen möglichen Technologie mit Ausnahme traditioneller Kohlekraftwerke. Windkraftanlagen und KWK-Anlagen sind 1,5 mal so kosteneffektiv bei der Reduktion von CO2 wie Kernenergie, Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz bis zu 10 mal so kosteneffektiv.
"Hartnäckig hält sich die Meinung, dass Kernenergie billig CO2-armen Strom liefere. Dieses Argument ist nur dann gültig, wenn sämtliche direkten und indirekten Subventionen in diese Energiequelle nicht berücksichtigt werden," erläutert Stephan Renner, Experte der Österreichischen Energieagentur. "Wenn die Kernenergie tatsächlich billigen Strom produziere, gäbe es in einem funktionierenden Markt keine Probleme, neue Reaktoren privat zu finanzieren. Dies ist aber nicht der Fall. Weltweit gibt es keinen einzigen Reaktor, bei dessen Bau das finanzielle Risiko einzig von privaten Akteuren getragen wurde. Es ist daher erstaunlich, dass eine Technologie, die über 60 Jahre alt ist und angeblich den billigsten Strom liefert, noch immer massiv Subventionen erhält," so Renner abschließend.
Auch der aktuelle World Energy Outlook der Internationalen Energieagentur zeigt, dass Energieeffizienz und Energiesparen den größten Beitrag zu Energiesicherheit und Erreichung der Klimaziele leisten. "Es mag wohl für manche Profit aus der Atomkraft geben, aber der Weg in eine klimafreundliche Zukunft führt in eine andere Richtung," ist Traupmann überzeugt. Die Studie "Energiebilanz der Nuklearindustrie. Eine Analyse von Energiebilanz und CO2-Emissionen der Nuklearindustrie über den Lebenszyklus" erstellt im Auftrag des Klima- und Energiefonds steht zum Download als PDF zur Verfügung.
Quelle: oekonews.at
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Dienstag, 13. September 2011
Japan: Kein Atomstrom nötig
Japan braucht keinen Atomstrom: Das belegt ein neuer Greenpeace-Report. Ein schneller Ausbau der Erneuerbaren Energien und eine höhere Energieeffizienz könnten demnach den gesamten Energiebedarf des Landes sichern.
Der Report Energy [R]Evolution (Japan) wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) sowie dem japanischen Institut für nachhaltige Energiepolitik (ISEP) für Greenpeace erarbeitet. Er zeigt, dass Sonnen- und Windkraft in Japan bis 2015 von derzeit 3.500 Megawatt- auf 47.200 Megawattleistung schnellen könnten. Dafür müssten pro Jahr 1.000 neue Windturbinen installiert und der Solarmarkt um den Faktor 5 ausgebaut werden.
Sechs Monate Fukushima. Tausende demonstrieren in Tokio gegen Atomkraft und für Erneuerbare Energien © Jeremy Sutton-Hibbert / Greenpeace
"Japans Erneuerbare-Energien-Industrie hat ein immenses Potenzial", erklärt Sven Teske, Energiekampagnenleiter bei Greenpeace International. "Sie ermöglicht, nicht nur die Atomkraftwerke abzuschalten, sondern birgt auch eine Riesenchance, die Wirtschaft anzukurbeln und tausende grüne Arbeitsplätze zu schaffen."
In Japan liefern derzeit nur 11 von 54 Reaktoren Strom. Alle anderen wurden nach der vorgeschriebenen jährlichen Revision nicht mehr hochgefahren. Der Grund ist, dass die lokalen Behörden das Wiederanfahren genehmigen müssen. Die Katastrophe von Fukushima hat aber zu einem enormen Misstrauen gegenüber der Atomkraft geführt. Die Betriebsgenehmigungen werden nicht erteilt. "Es wirkt sich kaum auf das tägliche Leben aus, dass so viele Reaktoren stillstehen. Damit hat Japan schon bewiesen, dass es die Atomkraft nicht braucht. Der Kapazitätsverlust wird jetzt im Sommer allein durch Stromsparen ausgeglichen", sagt Hisayo Takada, die japanische Greenpeace-Energieexpertin. "Der Greenpeace-Plan ist ehrgeizig, aber genau das braucht Japan - ehrgeizige Lösungen, die Jobs schaffen und Unabhängigkeit bieten und die eine sichere, saubere und nachhaltige Zukunft für die Menschen in Japan sicherstellen."
Quelle: Sonnenseite / Greenpeace | Sigrid Totz
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Der Report Energy [R]Evolution (Japan) wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) sowie dem japanischen Institut für nachhaltige Energiepolitik (ISEP) für Greenpeace erarbeitet. Er zeigt, dass Sonnen- und Windkraft in Japan bis 2015 von derzeit 3.500 Megawatt- auf 47.200 Megawattleistung schnellen könnten. Dafür müssten pro Jahr 1.000 neue Windturbinen installiert und der Solarmarkt um den Faktor 5 ausgebaut werden.
Sechs Monate Fukushima. Tausende demonstrieren in Tokio gegen Atomkraft und für Erneuerbare Energien © Jeremy Sutton-Hibbert / Greenpeace"Japans Erneuerbare-Energien-Industrie hat ein immenses Potenzial", erklärt Sven Teske, Energiekampagnenleiter bei Greenpeace International. "Sie ermöglicht, nicht nur die Atomkraftwerke abzuschalten, sondern birgt auch eine Riesenchance, die Wirtschaft anzukurbeln und tausende grüne Arbeitsplätze zu schaffen."
In Japan liefern derzeit nur 11 von 54 Reaktoren Strom. Alle anderen wurden nach der vorgeschriebenen jährlichen Revision nicht mehr hochgefahren. Der Grund ist, dass die lokalen Behörden das Wiederanfahren genehmigen müssen. Die Katastrophe von Fukushima hat aber zu einem enormen Misstrauen gegenüber der Atomkraft geführt. Die Betriebsgenehmigungen werden nicht erteilt. "Es wirkt sich kaum auf das tägliche Leben aus, dass so viele Reaktoren stillstehen. Damit hat Japan schon bewiesen, dass es die Atomkraft nicht braucht. Der Kapazitätsverlust wird jetzt im Sommer allein durch Stromsparen ausgeglichen", sagt Hisayo Takada, die japanische Greenpeace-Energieexpertin. "Der Greenpeace-Plan ist ehrgeizig, aber genau das braucht Japan - ehrgeizige Lösungen, die Jobs schaffen und Unabhängigkeit bieten und die eine sichere, saubere und nachhaltige Zukunft für die Menschen in Japan sicherstellen."
Quelle: Sonnenseite / Greenpeace | Sigrid Totz
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Mittwoch, 31. August 2011
Der Ausstieg vom Ausstieg
Ob des Entscheids der ständerätlichen Kommission zur Frage des Atomausstiegs müssen die Verfechter Erneuerbarer Energien beunruhigt sein. Unter dem Eindruck von Fukushima waren einst selbst der Bundesrat und der Nationalrat deutlich von der künftigen Nutzung der Atomenergie abgerückt . Jetzt aber soll wieder alles anders sein, unglücklicherweise erst noch mit Zustimmung der sonst atomkritischen Parteien. Ein Kommentar des Solarmedia-Autors Guntram Rehsche.
Deutliche Ablehnung des neuerlichen Zickzack-Kurses zeigt immerhin Jürg Buri, Geschäftsführer Schweizerische Energie-Stiftung SES und Präsident der Allianz «Nein zu neuen AKW» «Die Atomlobby hat sich in der Umweltkommission des Ständerates durchgesetzt. Mit dem Entscheid, die Atomoption offen zu halten und auf neue Atomreaktoren zu warten, erweist sie unserem Land einen Bärendienst. Erstens, weil es nie neue AKW geben wird, die keinen radioaktiven Müll mehr produzieren, und zweitens, weil die Stromwirtschaft jetzt klare Signale und Planungssicherheit braucht. Das Plenum des Ständerates muss diesen Fehlentscheid dringend korrigieren und dem Ausstiegsbeschluss von Bundes-und Nationalrat folgen.»
Die Zustimmung aller Partei-Vertreter in der Ständeratskommission (mit Ausnahme der sich enthaltenden SVP-Vertreter!), irritiert hingegen. Soweit von aussen beurteilbar wurde beim Entscheid der ständerätlichen Kommission die Abfallproblematik – denn die drängt aktuell am meisten – kaum beachtet. Wird doch mit jedem Tag Laufzeit der alten und allenfalls neuen AKW zusätzli strahlender Abfall produziert. Wohin damit? Problem Nr.1 ungelöst.
Sodann verhinderte ein Entscheid im Sinne der ständerätlichen Kommission ganz sicher die volle Konzentration auf den Umstieg hin zu Erneuerbaren – und zu einer 100prozentigen Versorgung der Schweiz mit eben diesen (siehe dazu Solarmedia vom ). Problem Nr. 2 ungelöst. Illustriert wurde das Problem mit dem ausdrücklichen Wunsch der StänderätInnen, künftig weiterhin in der Atomforschung von Staates wegen aktiv zu sein. Und weil vollends ungeklärt bleibt, was eine neue akzeptable Atomtechnologie denn heissen müsste - Verena Diener definierte diese mit beschränktem Strahlungspotential bei Unfall und Strahlungsabbau der Abfälle innert 50-70 Jahren – wird die Atomlobby schon bald mit der kleinsten technologischen Veränderung als grossen Schritt hausieren.
Problem Nr. 3: Das Volk wird, man entschuldige den Ausdruck, erneut verarscht! Die atomkritische Stimmung war schon vor Fukushima virulent – so erzielten die Befürworter eines Ersatz-Neubaus in Mühleberg bei einer Konsultativ-Abstimmung im Februar nur einen hauchdünnen Sieg – trotz der bekanntermassen vergleichsweise atomunkritischen Haltung der Berner Bevölkerung. Und jedem/jeder war eigentlich klar, wie diese Abstimmung nach Fukushima ausgefallen wäre – schweizweit erst recht.
Parteipolitisch sorgt die höchst zweifelhafte Entscheidung zwar für Klärung: Weder die Grünliberalen noch die vermeintlich grüne Rote Partei verfolgen eine klare Linie in der Atompolitik, lassen sich auf Händel ein und gebärden sich äusserst naiv: Denn was bürgerliche Versprechen wert sind, zeigten zuletzt deren Missachtung bei der Off-Roader-Initiative zum Verbot grosser Benzinschlucker wie bei der Kampfjet-Inititaive der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee: Beide wurden unter dem Eindruck eines erzielten Kompromisses zurückgezogen. Und nach den gebrochenen Versprechen stehen die Initianten mit leeren Händen dar. Das darf, das wird in der Atomfrage nicht geschehen, notfalls auch ohne Parteien.
Ein weiteres Problem: Was der Atomwirtschaft Versprechen, Abmachungen, ja gar Verordnungen und Gesetze wert sind, zeigte der gleichentags erfolgte Entscheid der BKW, die das alte AKW Mühleberg betreibt. Sie will gänzlich neben allen politischen Sensibilität schon in vier Wochen wieder zur Normalität zurückkehren – will heissen Mühleberg trotz aller Sicherheitsmängel (Hochwasserschutz nicht erfüllt, Risse im Mantel weiterhin ungeklärt) wieder in Betreib nehmen.
Einzig tröstlich, was am Dienstag auch bekannt wurde: Selbst die Internationale Energieagentur (IEA) sieht den wichtigsten Part der Energieversorgung bis ins Jahr 2060 bei den Erneuerbaren Energien, mit starker Vormachtstellung der Solarenergie (siehe Solarmedia vom 31. August 2011). Aber in der Schweiz träumt man / frau zumindest unter PolitikerInnen schon wieder weit verbreitet atomar....
© Solarmedia
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