Ende August hat die Abteilung für Gesundheitstests der Präfektur
Fukushima die neuesten Ergebnisse der Schilddrüsenuntersuchungen bei
Kindern und Jugendlichen bekanntgegeben. Bis Ende Juni sind 300‘000 von
insgesamt 370‘000 betroffenen jungen Menschen untersucht worden. Davon
sind 57 an Schilddrüsenkrebs erkrankt, bei 46 besteht Verdacht.
Die japanische Regierung hat im August in allen grossen Zeitungen unter
dem Titel «Richtige Informationen über Strahlung» Inserate geschaltet.
Darin werden offensichtlich einseitige, verharmlosende Meinungen
verbreitet – etwa: «Auch bei 100 Millisievert pro Jahr werden die
Krebsfälle nicht zunehmen» oder «Eine Strahlung von 100-200 Millisievert
pro Jahr erzeugt etwa dieselbe Krebsrate wie eine Ernährung mit zu
wenig Gemüse.» Mit Tricks versucht gleichzeitig das japanische Umweltministerium die Kosten für die
Dekontamination der verstrahlten Gebiete zu senken – leidtragend ist die
Bevölkerung. Der finanzielle Aufwand für die staatliche
Dekontaminierungsarbeit ist für 2015 mit 300 Milliarden Yen (rund 2,6
Milliarden Franken) budgetiert.
Noch immer wächst derweilen die Mengen radioaktiv verseuchten Wassers weiter. Der
Versuch, im Boden um die Reaktoren eine gefrorene Erdmauer zu errichten,
um den Grundwasserstrom zu stoppen, war bisher nicht erfolgreich. Das japanische Amt für Energie plant nun den Bau der weiteren Wassertanks
mit einem Fassungsvermögen von 100‘000 Tonnen (insgesamt 1 Million
Tonnen). Nach Angabe von Tepco ist während der letzten 10 Monate (August
2013 bis Mai 2014) Strahlung von 2000 Milliarden Becquerel zusammen mit
dem verseuchten Wasser ins Meer geflossen.
Im Herbst 2013 wurde in Reis von der Gemeinde Minamisoma – 20 Kilometer
von Fukushima-Daiichi entfernt – über 100 Becquerel Cäsium gemessen.
Erst in diesem Sommer wurde die vermutliche Ursache für die erhöhte
Strahlung festgestellt: radioaktiver Staub von den Aufräumarbeiten im
Reaktor 3. Tepco gibt jetzt zu, dass bei diesen Arbeiten im Sommer 2013
280 Milliarden Becquerel pro Stunde entwichen seien. Die betroffene
Bevölkerung wurde damals nicht informiert. Der Staub hat bis zu 50
Kilometer entfernte Gebiete erreicht.
Demnächst sollen die Trümmerteile von Reaktor 1 entfernt werden. Eine weitere Verbreitung radioaktiven Staubs wird befürchtet. Ende August wurde in Fischen aus zwei Seen in der Präfektur Gumma
radioaktive Strahlung über dem Grenzwert festgestellt. Die Seen liegen
mehr als 200 Kilometer von Fukushima-Daiichi entfernt.
Quellen: CNIC, Tokyo-Shinbun / Präfektur Fukushima, www.gov-online.go.jp, Kahoku Zeitung, 47 news / Schweizerische Energie-Stiftung
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... dokumentiert die Fallstricke der Atomindustrie; ... gehört zu «Media for Sustainability» des Ökonomen und Journalisten Guntram Rehsche (siehe auch http://guntram-rehsche.blogspot.com); ... Beiträge zeitlich geordnet, Stichwort- / Labelsuche in linker Spalte; ... Unterstützung mit Zahlung von 20 CHF auf Konto: Zürcher Kantonalbank / Guntram Rehsche / IBAN CH46 0070 0111 3009 63007 (für Zahlungen aus Ausland auch BIC (SWIFT-Code) angeben: ZKBKCHZZ80A) - Danke!
Mittwoch, 24. September 2014
Mittwoch, 27. August 2014
NR-Kommission verpasst Ausstieg
Die
Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates hat am Dienstag im Rahmen ihrer Beratungen der Energiestrategie 2050 das
Kernenergie-Gesetz revidiert. Sie
hat es verpasst, eine längst hinfällige Laufzeitbeschränkung für die
Schweizer Altreaktoren zu beschliessen. Damit würde das Atomexperiment
bis im Jahr 2050 und noch länger fortgesetzt - so eine Stellungnahme von Greenpeace.
Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz, sagt dazu:«Die Perspektive, in der Schweiz 60-jährige oder noch ältere Atomkraftwerke zu haben, ist nicht akzeptabel. Diese Vorlage setzt die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel». Damit der Atomausstieg endlich seinen Namen verdient, fordert Greenpeace Schweiz vom Nationalrat eine Kehrtwende: «Die Laufzeit jedes Atomkraftwerks muss unbedingt verbindlich begrenzt werden; Beznau und Mühleberg gehören sofort abgeschaltet».
Der präsentierte Vorschlag ist für Greenpeace aus folgenden Gründen klar unzureichend:
- Das Langzeitbetriebskonzept ist zu unkonkret. Die Sicherheit soll zwar steigen, aber es bleibt völlig offen, wie dies umgesetzt werden soll. Dies könnte weiterhin dazu führen, dass notwendige Nachrüstungen nicht in Angriff genommen werden, wie dies zurzeit im AKW Mühleberg der Fall ist.
- Der unbefristete Weiterbetrieb zementiert das Sicherheitsproblem. Die Anlagen wurden für 40 Jahre Betrieb konzipiert. Der Bundesrat hat seine Strategie auf einen 50-jährigen Betrieb entworfen und auch die UREK-N hatte im letzten Jahr diese Forderung unterstützt. Die Vorlage ermöglicht nun einen unbefristeten und riskanten Weiterbetrieb bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.
- Die Energiekommission behandelt alle fünf Atomkraftwerke gleich. Damit verkennt sie, dass die Atomkraftwerke Beznau I+II und Mühleberg auf einem deutlich tieferen Sicherheitsniveau liegen als Gösgen und Leibstadt und dass die Nachrüstungen altersbedingte Defizite niemals beheben werden. Die Altreaktoren in Beznau und Mühleberg erhalten sogar einen Freibrief bis zur ihrem 50. Betriebsjahr. Beznau wird am 1. September 45 Jahre alt sein und ist bereits die dienstälteste Anlage der Welt.
- Die Planungssicherheit fehlt. Eine Strategie ohne Atomausstieg schafft keine Planungssicherheit. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz brauchen aber klare, langfristige Rahmenbedingungen, um den Durchbruch zu schaffen.
Quelle: Greenpeace
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Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz, sagt dazu:«Die Perspektive, in der Schweiz 60-jährige oder noch ältere Atomkraftwerke zu haben, ist nicht akzeptabel. Diese Vorlage setzt die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel». Damit der Atomausstieg endlich seinen Namen verdient, fordert Greenpeace Schweiz vom Nationalrat eine Kehrtwende: «Die Laufzeit jedes Atomkraftwerks muss unbedingt verbindlich begrenzt werden; Beznau und Mühleberg gehören sofort abgeschaltet».
Der präsentierte Vorschlag ist für Greenpeace aus folgenden Gründen klar unzureichend:
- Das Langzeitbetriebskonzept ist zu unkonkret. Die Sicherheit soll zwar steigen, aber es bleibt völlig offen, wie dies umgesetzt werden soll. Dies könnte weiterhin dazu führen, dass notwendige Nachrüstungen nicht in Angriff genommen werden, wie dies zurzeit im AKW Mühleberg der Fall ist.
- Der unbefristete Weiterbetrieb zementiert das Sicherheitsproblem. Die Anlagen wurden für 40 Jahre Betrieb konzipiert. Der Bundesrat hat seine Strategie auf einen 50-jährigen Betrieb entworfen und auch die UREK-N hatte im letzten Jahr diese Forderung unterstützt. Die Vorlage ermöglicht nun einen unbefristeten und riskanten Weiterbetrieb bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.
- Die Energiekommission behandelt alle fünf Atomkraftwerke gleich. Damit verkennt sie, dass die Atomkraftwerke Beznau I+II und Mühleberg auf einem deutlich tieferen Sicherheitsniveau liegen als Gösgen und Leibstadt und dass die Nachrüstungen altersbedingte Defizite niemals beheben werden. Die Altreaktoren in Beznau und Mühleberg erhalten sogar einen Freibrief bis zur ihrem 50. Betriebsjahr. Beznau wird am 1. September 45 Jahre alt sein und ist bereits die dienstälteste Anlage der Welt.
- Die Planungssicherheit fehlt. Eine Strategie ohne Atomausstieg schafft keine Planungssicherheit. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz brauchen aber klare, langfristige Rahmenbedingungen, um den Durchbruch zu schaffen.
Quelle: Greenpeace
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Mittwoch, 6. August 2014
Du sollst den Kern nicht spalten!
Die
Atomlobby träumt von einer „Renaissance der Atomkraft“. Doch die
Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Das bestätigt der neue World Nuclear
Industry Status Report. Demnach fließen seit dem Jahr 2.000 nur noch
drei Prozent der gesamten Energie-Investitionen der Welt in die
Atomenergie – und zugleich boomen die Erneuerbaren Energien weltweit.
Dieser Trend gilt auch für die EU. 1988 waren in den heutigen 28
EU-Staaten noch 177 AKW in Betrieb, heute sind es noch 131. Ein Kommentar von Franz Alt.
Noch eindrucksvoller sind die Investitionen in die Erneuerbaren, in
die fossile und in die nukleare Energie seit der Jahrtausendwende: 57%
aller Energie-Investitionen flossen in die Erneuerbaren, 40% in die
fossilen und nur noch 3% in die Atomkraft.
In China, dem größten Energieverbraucher der Welt, haben 2014 alle Photovoltaik-Anlagen zusammen die Gesamtleistung der AKW bereits überholt. Und im Reich der Mitte begann der PV-Boom so richtig erst 2013. Weltweit gilt jetzt: Atom flopp – Erneuerbare top!
Es gibt zwar in einigen Ländern wie China, Indien oder England noch Neubaupläne für AKW, aber überall zugleich heftige Widerstände aus der Bevölkerung. Die Regierung Abe in Japan will zwar alle 52 nach Fukushima stillgelegten AKW wieder ans Netz bringen, doch überall haben Bürgerinitiativen dies bisher verhindert.
Und weltweit müssen in den nächsten 15 Jahren über die Hälfte aller AKW alters- oder sicherheitsbedingt abgeschaltet werden. Neubauten wird es kaum noch geben. Der Hauptgrund für den unaufhaltsamen Siegeszug der Erneuerbaren: Sie sind sicher, umweltfreundlich, ewig vorhanden, werden immer preiswerter und verursachen wenige Folgekosten.
Kurz: Sie sind den alten Energien gesellschaftlich weit überlegen und liefern die wertvollere Energie für alle Zeit auf allen Kontinenten.
Dieser weltweite Trend wird soeben durch eine Meldung aus Taiwan bestätigt. Die Kuomintang-Regierung wollte ein fertiggestelltes AKW in Betrieb nehmen. Doch die Bevölkerung hat einen dreijährigen Aufschub und einen Volksentscheid über das Projekt erzwungen. Für diese Zeit fallen Instandhaltungskosten von 100 Millionen Euro an, was beweist, dass Atomenergie nicht nur gefährlich für Mensch und Umwelt ist, sondern auch absurd teuer.
Da der Atommüll aus jedem AKW dieser Welt etwa eine Million Jahre strahlt, ist Atomenergie praktisch unbezahlbar. Daran ändert auch die schönste Kampagne der Atomlobby nichts. Die Menschen sind aufgewacht.
Es gilt jetzt eine Art elftes Gebot: Du sollst den Kern nicht spalten!
Quelle: sonnenseite.com © Franz Alt
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In China, dem größten Energieverbraucher der Welt, haben 2014 alle Photovoltaik-Anlagen zusammen die Gesamtleistung der AKW bereits überholt. Und im Reich der Mitte begann der PV-Boom so richtig erst 2013. Weltweit gilt jetzt: Atom flopp – Erneuerbare top!
Es gibt zwar in einigen Ländern wie China, Indien oder England noch Neubaupläne für AKW, aber überall zugleich heftige Widerstände aus der Bevölkerung. Die Regierung Abe in Japan will zwar alle 52 nach Fukushima stillgelegten AKW wieder ans Netz bringen, doch überall haben Bürgerinitiativen dies bisher verhindert.
Und weltweit müssen in den nächsten 15 Jahren über die Hälfte aller AKW alters- oder sicherheitsbedingt abgeschaltet werden. Neubauten wird es kaum noch geben. Der Hauptgrund für den unaufhaltsamen Siegeszug der Erneuerbaren: Sie sind sicher, umweltfreundlich, ewig vorhanden, werden immer preiswerter und verursachen wenige Folgekosten.
Kurz: Sie sind den alten Energien gesellschaftlich weit überlegen und liefern die wertvollere Energie für alle Zeit auf allen Kontinenten.
Dieser weltweite Trend wird soeben durch eine Meldung aus Taiwan bestätigt. Die Kuomintang-Regierung wollte ein fertiggestelltes AKW in Betrieb nehmen. Doch die Bevölkerung hat einen dreijährigen Aufschub und einen Volksentscheid über das Projekt erzwungen. Für diese Zeit fallen Instandhaltungskosten von 100 Millionen Euro an, was beweist, dass Atomenergie nicht nur gefährlich für Mensch und Umwelt ist, sondern auch absurd teuer.
Da der Atommüll aus jedem AKW dieser Welt etwa eine Million Jahre strahlt, ist Atomenergie praktisch unbezahlbar. Daran ändert auch die schönste Kampagne der Atomlobby nichts. Die Menschen sind aufgewacht.
Es gilt jetzt eine Art elftes Gebot: Du sollst den Kern nicht spalten!
Quelle: sonnenseite.com © Franz Alt
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Freitag, 1. August 2014
Atomstrom verliert an Bedeutung
Der Anteil der Atomkraft an der gesamten Stromproduktion nimmt weltweit ab. Dies dokumentiert der World Nuclear Industry Status Report 2014, der diese Woche in Washington publiziert wurde.
Der Bericht zeigt auch: Mit Beznau I (siehe Bild, zusammen mit Beznau II) steht in der Schweiz das älteste AKW der Welt. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in der Schweiz keine Abschaltdaten für bestehende AKW. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, fordert die SES das Parlament auf, Laufzeitbeschränkungen für die bestehenden AKW und klare Sicherheitsstandards im Kernenergiegesetz festzulegen.
Die offiziellen Statistiken zur weltweiten Atomindustrie sind verzerrt. Auch drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima am 21. März 2011 wird in jeder offiziellen Quelle der gesamte japanische Reaktorpark, mit Ausnahme der sechs Meiler in Fukushima Daiichi, als
“in Betrieb” bezeichnet – obwohl nur gerade zwei von ursprünglich 54
Reaktoren im letzten Jahr Strom produziert haben. Aktuell ist nicht mal
ein einziges japanisches AKW in
Betrieb. Der World Nuclear Industry Status Report 2014 (WNISR), der in
Washington von unabhängigen Fachexperten veröffentlicht worden ist,
zeichnet mit der Einführung der Kategorie „langfristige Abschaltung“ (1) ein adäquateres Bild der Situation: Statt der offiziellen 434 AKW listet der WNISR nur 388 stromproduzierende AKW (Stand Juli 2014) (2). Die wichtigsten Kennzahlen des World Nuclear Industry Status Report 2014 :
•
Abnehmende Bedeutung von Atomkraft. Der Anteil der Atomkraft an der
globalen, kommerziellen Energieproduktion hat weiter abgenommen. Nur
noch 4.4 % der Energie werden weltweit aus Atomkraft produziert, so
wenig wie zuletzt 1984.
•
Schweiz betreibt ältestes AKW der Welt. Die AKW werden immer älter. Das
globale Durchschnittsalter ist auf 28.5 Jahre gestiegen (Stand Mitte
2014). Die Schweiz liegt mit durchschnittlich 39.2 Jahren weit darüber. Beznau I ist mit 45 Jahren das älteste AKW der Welt.
•
Steigende Betriebskosten. Die Kosten für die Atomstromerzeugung sind in
Frankreich in den letzten drei Jahren um 16 % gestiegen (inflationsbereinigt). In
den USA sind mehrere AKW abgeschaltet worden, da die Einnahmen die
horrenden Betriebskosten nicht mehr decken konnten. Und auch in Belgien, Deutschland und Schweden ist das wirtschaftliche Überleben von Atomkraftwerken in Frage gestellt.
• Erneuerbare überholen die Atomkraft. Im Jahr 2013 sind weltweit 32 Gigawatt Wind und 27 Gigawatt solare Stromproduktionskapazitäten an die Netze angeschlossen worden. Die globalen Investitionen von 214 Milliarden Dollar in neue erneuerbare Energien lagen weit über den rund 50 Milliarden für Atomkraft. Brasilien, China, Deutschland, Indien, Japan und neu auch Spanien produzieren bereits heute mehr Strom aus erneuerbaren Energien als aus Atomkraft (exklusive Grossswasserkraft).
SCHWEIZ REGELT ABSCHALTDATEN NICHT
In
den USA betragen die Betriebsbewilligungen für AKW 40 Jahre, mit der
Option diese per Gesuch um weitere 20 Jahre zu verlängern. Entsprechende
Gesuche wurden seit Mai 2012 jedoch keine mehr bewilligt. In Frankreich
werden Betriebsbewilligungen jeweils für zehn Jahre erteilt und
ebenfalls per Gesuch verlängert - jedoch nur, wenn die entsprechenden
AKW zum Zeitpunkt des Gesuches den jeweils aktuellsten
Sicherheitsstandards entsprechen.
Demgegenüber
gibt es in der Schweiz keine solchen Laufzeitbeschränkungen. Laut
Kernenergiegesetz dürfen AKW betrieben werden „so lange sie sicher
sind“. Was "sicher" jedoch bedeutet, ist nicht definiert. Es ist dafür
nicht etwa wie in Frankreich der aktuelle Sicherheitsstandard
entscheidend, sondern für bestehende AKW der sogenannte „Stand der
Nachrüsttechnik“. Ein solcher "Stand der Nachrüsttechnik" ist jedoch
weder in der Schweiz noch irgendwo sonst auf der Welt definiert.
|
Fazit und Forderungen der SES: Der Report bestätigt den globalen Rückgang der Atomstromproduktion und bekräftigt damit den in der Schweiz beschlossenen Atomausstieg. In der aktuellen Vorlage der Energiestrategie 2050 ist jedoch nur das Verbot von neuen Atomkraftwerken vorgesehen. Klare Sicherheitskriterien und Abschaltdaten für bestehende AKW fehlen. "Das heutige Gesetz könnte für die Bevölkerung fatale Folgen haben", kritisiert Sabine von Stockar, Projektleiterin Atom&Strom der SES . Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert das Parlament auf, den beschlossenen Atomausstieg ernst zu nehmen und vollständig umzusetzen. Hierzu müssen im Kernenergiegesetz eine Laufzeitbeschränkung für die bestehenden AKW und klare Sicherheitskriterien festgelegt werden.
(1) Ein Atomreaktor wird im WNISR als langfristig abgeschaltet bezeichnet, wenn er im vorangehenden Kalenderjahr
und in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres keinen Strom produziert hat.
(2) Nuclear Technology Report 2014, IAEA
Weitere Informationen
zum World Nuclear Industry Status Report:
Mycle Schneider
Internationaler Energie- und Atompolitikberater und Hauptautor des WNISR
Mobil: +33 (620) 63 47 37
Email: mycle@orange.fr
zur Situation in der Schweiz:
Sabine von Stockar, Projektleiterin Schweizerische Energie-Stiftung
Mobil: 079 223 56 86
Dienstag, 29. Juli 2014
«Im Kern bestätigt ENSI Risiken»
Dieter
Majer, ehemaliger Leiter der deutschen Atomaufsicht, weist die Kritik
des ENSI an seiner Studie „Risiko Altreaktoren Schweiz“ entschieden
zurück: Die Stellungnahme des ENSI widerlege die Studie nicht. Die
Schweizerische Energie-Stiftung SES und Greenpeace Schweiz, die diese
Studie in Auftrag gegeben haben, fordern nun einen kritischen Dialog mit
den Aufsichtsbehörden.
Am
13. Februar 2014 haben die Schweizerische Energie-Stiftung SES und
Greenpeace Schweiz die Studie "Risiko Altreaktoren Schweiz" von Dieter
Majer veröffentlicht. Am 23. Juni 2014 hat das Eidgenössische
Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI mit einer Stellungnahme (Aktennotiz
ENSI-AN-8874) auf die Studie reagiert: Die darin geäusserten Zweifel an
der AKW-Sicherheit seien „technisch nicht haltbar“, schreibt das ENSI.
SES
und Greenpeace haben diese Stellungnahme dem Autor vorgelegt. Nach
gründlichem Studium kommt der ehemalige Leiter der Abteilung „Sicherheit
kerntechnischer Einrichtungen“ des deutschen Bundesumweltministeriums
zum Schluss, dass die wesentlichen Aussagen der Studie durch die
Aktennotiz des ENSI nicht widerlegt werden. Aus der ausführlichen Stellungnahme von Dieter Majer möchten die beiden Organisationen folgende Punkte zusammenfassend herausheben:
• In
vier Fällen verweist das ENSI auf die Schweizerische Gesetzgebung.
Gemäss Majer entspricht diese zum Teil allerdings nicht dem aktuellen
Stand von Wissenschaft und Technik. Die in der Studie erwähnten
Anforderungen würden hingegen den internationalen Stand von Wissenschaft
und Technik darstellen (betrifft 4.3, 4.4, 4.7, 4.11 der Aktennotiz).
• In
zwei Fällen hat der Autor während der Erarbeitung der Studie versucht,
sich beim ENSI über den genauen Sachverhalt zu informieren. Jedoch war
das ENSI nicht bereit, Auskunft zu erteilen. Folglich sah sich der Autor
gezwungen, Annahmen zu treffen. Dies ist in der Studie auch
ausdrücklich so dargelegt (betrifft 4.1 und 4.5).
• In
zwei Fällen kritisiert das ENSI, dass die Aussagen auf einem
„unsinnigen“ Stand von Wissenschaft und Technik beruhen. Eine
Feststellung, die der Autor nicht nachvollziehen kann. Der Vorwurf
„unsinnig“ sei unsachlich und werde deshalb nicht weiter kommentiert
(betrifft 4.8 und 4.12).
• In
zehn Fällen widerlegt die Stellungnahme die Faktendarstellung des
Autors inhaltlich nicht (betrifft 2.1, 2.2, 2.3, 3.3, 4.1, 4.3, 4.5,
4.8, 4.10 und 4.11).
• In sieben Fällen bestätigt die ENSI-Stellungnahme die Studie (3.1, 4.2, 4.4, 4.6, 4.9, 5.1 und 5.2).
Ausserdem
lässt das ENSI von insgesamt 30 angesprochenen Einzelpunkten in der
Studie 18 Punkte unkommentiert. Es ist daher davon auszugehen, dass das
ENSI diese Aussagen gutheisst.
Der Autor Dieter Majer hält in seiner Empfehlung fest, dass die in der Studie problematisierten Themen, unter anderem Alterung, Nachrüstung sowie Abweichungen der Schweizer Atomkraftwerke vom internationalen Standard in einem kritischen Dialog behandelt werden sollen. Das Fazit seiner Studie: Die beiden Atomkraftwerke Mühleberg und Beznau sollten aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen werden.
Die
Schweizerische Energie-Stiftung und Greenpeace stellen fest, dass das
ENSI in seiner Stellungnahme zwar die Studie kritisiert, diese aber
nicht widerlegt. Majer kommt zum Schluss: „Im Kern hat das ENSI die
AKW-Risiken bestätigt“. Die beiden Organisationen werden deshalb den
kritischen Dialog mit dem ENSI-Rat suchen. Denn diese eine Tatsache
bleibt sicher unwiderlegt: Unsere uralten AKW weisen ernst zu nehmende
Sicherheitsmängel auf.
Donnerstag, 24. Juli 2014
Was Atomstrom wirklich kostet
Der deutsche Publizist Franz Alt (Autor von sonnenseite.com) ist mit seinen Kommentaren auch immer wieder bei Solarmedia zu Gast - im Video ist er für einmal (fast) persönlich zu erleben. Er diskutiert gegen unverbesserliche Gegner der Energiewende und zeigt, dass es ohne diese noch viel teurer wird und die Atomenergie den teuersten Strom produziert.
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Mittwoch, 25. Juni 2014
Betreiber ungenügend zur Kasse
Jetzt
ist zumindest teilweise Schluss mit der Atomstromproduktion auf
Staatskosten: Am Mittwoch hat der Bundesrat die revidierte Stilllegungs- und
Entsorgungsfondsverordnung verabschiedet und macht gemäss einer Stellungnahme der Schweizerischen Energie Stiftung einen Schritt in
Richtung Kostenwahrheit.
Ein Sicherheitszuschlag von 30% soll die
Fehlfinanzierung verringern. Damit wird der Atomstrom teurer – würden
allerdings alle Atomstromkosten internalisiert, würde sich der
Atomstrompreis auf 36 Rappen pro Kilowattstunde erhöhen. Die
Schweizerische Energie-Stiftung SES ermuntert den Bundesrat, alle Kosten
der AKW zu internalisieren.
Ein
Sicherheitszuschlag von 30% auf die berechneten Kosten soll die
Finanzlücke verringern, die später anzufallen droht. Die Einführung
eines Kostenzuschlages ist positiv zu werten, allerdings viel zu tief:
Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat in ihrer Antwort zur
Vernehmlassung einen Zuschlag von 100% gefordert. Denn: Die Stilllegung
von Atomkraftwerken und die Entsorgung radioaktiver Abfälle sind zwei
langwierige Vorhaben (Stilllegung bis zu 20 Jahren, die Entsorgung über
mehrere Generationen), mit denen niemand Erfahrung hat – es gibt
weltweit nur wenig zurückgebaute AKW und kein einziges Lager für
hochradioaktiven Müll.
Der
Atomstrom wird trotz Verbesserungen in der Stilllegungs- und
Entsorgungsfondsverordnung weiterhin direkt oder indirekt
subventioniert. Wären etwa die Betreiber adäquat versichert, würden die
Prämien den Atomstrompreis massiv verteuern. Die bestehende Haftpflicht
deckt die finanziellen Folgen eines möglichen Unfalls nur zu einem
Bruchteil, bei einem schweren Unfall in einem Schweizer AKW müsste der
Bund respektive die SteuerzahlerInnen aufkommen.
Würden
alle direkten und indirekten Subventionen berücksichtigt, würde der
Atomstrompreis auf 36 Rp/kWh ansteigen (mittleres Szenario der
SES-Studie über die Vollkosten der Atomenergie). Die
Schweizerische Energie-Stiftung SES ist erfreut, dass der Bundesrat
bemüht ist, Kostenwahrheit bei Atomstrom herzustellen und ermuntert den
Bundesrat, auch alle weiteren Atomstromkosten zu internalisieren.
» Ausführliche SES-Vernehmlassungsantwort zur SEFV-Revision: http://www.energiestiftung.ch/files/downloads/energiethemen-atomenergie-kosten/ses-stellungnahme_sefv.pdf
» zur SES-Studie Vollkosten Atomenergie: http://www.energiestiftung.ch/files/downloads/energiethemen-atomenergie-kosten/01_ses_studie_atomvollkosten.pdf
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