Freitag, 1. August 2014

Atomstrom verliert an Bedeutung

Der Anteil der Atomkraft an der gesamten Stromproduktion nimmt weltweit ab. Dies dokumentiert der World Nuclear Industry Status Report 2014, der diese Woche in Washington publiziert wurde

Der Bericht zeigt auch: Mit Beznau I (siehe Bild, zusammen mit Beznau II) steht in der Schweiz das älteste AKW der Welt. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in der Schweiz keine Abschaltdaten für bestehende AKW. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, fordert die SES das Parlament auf, Laufzeitbeschränkungen für die bestehenden AKW und klare Sicherheitsstandards im Kernenergiegesetz festzulegen.

Die offiziellen Statistiken zur weltweiten Atomindustrie sind verzerrt. Auch drei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima am 21. März 2011 wird in jeder offiziellen Quelle der gesamte japanische Reaktorpark, mit Ausnahme der sechs Meiler in Fukushima Daiichi, als “in Betrieb” bezeichnet – obwohl nur gerade zwei von ursprünglich 54 Reaktoren im letzten Jahr Strom produziert haben. Aktuell ist nicht mal ein einziges japanisches AKW in Betrieb. Der World Nuclear Industry Status Report 2014 (WNISR), der in Washington von unabhängigen Fachexperten veröffentlicht worden ist, zeichnet mit der Einführung der Kategorie „langfristige Abschaltung“ (1) ein adäquateres Bild der Situation: Statt der offiziellen 434 AKW listet der WNISR nur 388 stromproduzierende AKW (Stand Juli 2014) (2).  Die wichtigsten Kennzahlen des World Nuclear Industry Status Report 2014 :

• Abnehmende Bedeutung von Atomkraft. Der Anteil der Atomkraft an der globalen, kommerziellen Energieproduktion hat weiter abgenommen. Nur noch 4.4 % der Energie werden weltweit aus Atomkraft produziert, so wenig wie zuletzt 1984.

• Schweiz betreibt ältestes AKW der Welt. Die AKW werden immer älter. Das globale Durchschnittsalter ist auf 28.5 Jahre gestiegen (Stand Mitte 2014). Die Schweiz liegt mit durchschnittlich 39.2 Jahren weit darüber. Beznau I ist mit 45 Jahren das älteste AKW der Welt.

• Steigende Betriebskosten. Die Kosten für die Atomstromerzeugung sind in Frankreich in den letzten drei Jahren um 16 % gestiegen (inflationsbereinigt). In den USA sind mehrere AKW abgeschaltet worden, da die Einnahmen die horrenden Betriebskosten nicht mehr decken konnten. Und auch in Belgien, Deutschland und Schweden ist das wirtschaftliche Überleben von Atomkraftwerken in Frage gestellt. 

• Erneuerbare überholen die Atomkraft. Im Jahr 2013 sind weltweit 32 Gigawatt  Wind und 27 Gigawatt solare Stromproduktionskapazitäten an die Netze angeschlossen worden. Die globalen Investitionen von 214 Milliarden Dollar in neue erneuerbare Energien lagen weit über den rund 50 Milliarden für Atomkraft. Brasilien, China, Deutschland, Indien, Japan und neu auch Spanien produzieren bereits heute mehr Strom aus erneuerbaren Energien als aus Atomkraft (exklusive Grossswasserkraft).

SCHWEIZ REGELT ABSCHALTDATEN NICHT

In den USA betragen die Betriebsbewilligungen für AKW 40 Jahre, mit der Option diese per Gesuch um weitere 20 Jahre zu verlängern. Entsprechende Gesuche wurden seit Mai 2012 jedoch keine mehr bewilligt. In Frankreich werden Betriebsbewilligungen jeweils für zehn Jahre erteilt und ebenfalls per Gesuch verlängert - jedoch nur, wenn die entsprechenden AKW zum Zeitpunkt des Gesuches den jeweils aktuellsten Sicherheitsstandards entsprechen.

Demgegenüber gibt es in der Schweiz keine solchen Laufzeitbeschränkungen. Laut Kernenergiegesetz dürfen AKW betrieben werden „so lange sie sicher sind“. Was "sicher" jedoch bedeutet, ist nicht definiert. Es ist dafür nicht etwa wie in Frankreich der aktuelle Sicherheitsstandard entscheidend, sondern für bestehende AKW der sogenannte „Stand der Nachrüsttechnik“. Ein solcher "Stand der Nachrüsttechnik" ist jedoch weder in der Schweiz noch irgendwo sonst auf der Welt definiert.

Fazit und Forderungen der SES: Der Report bestätigt den globalen Rückgang der Atomstromproduktion und bekräftigt damit den in der Schweiz beschlossenen Atomausstieg. In der aktuellen Vorlage der Energiestrategie 2050 ist jedoch nur das Verbot von neuen Atomkraftwerken vorgesehen. Klare Sicherheitskriterien und Abschaltdaten für bestehende AKW fehlen. "Das heutige Gesetz könnte für die Bevölkerung fatale Folgen haben", kritisiert Sabine von Stockar, Projektleiterin Atom&Strom der SES . Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert das Parlament auf, den beschlossenen Atomausstieg ernst zu nehmen und vollständig umzusetzen. Hierzu müssen im Kernenergiegesetz eine Laufzeitbeschränkung für die bestehenden AKW und klare Sicherheitskriterien festgelegt werden.


(1) Ein Atomreaktor wird im WNISR als langfristig abgeschaltet bezeichnet, wenn er im vorangehenden Kalenderjahr 
und in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres keinen Strom produziert hat. 
(2) Nuclear Technology Report 2014, IAEA

Weitere Informationen

zum World Nuclear Industry Status Report:
Mycle Schneider 
Internationaler Energie- und Atompolitikberater und Hauptautor des WNISR
Mobil: +33 (620) 63 47 37
Email: mycle@orange.fr

zur Situation in der Schweiz:
Sabine von Stockar, Projektleiterin Schweizerische Energie-Stiftung
Mobil: 079 223 56 86

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung  / Bild: Guntram Rehsche

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Dienstag, 29. Juli 2014

«Im Kern bestätigt ENSI Risiken»

Dieter Majer, ehemaliger Leiter der deutschen Atomaufsicht, weist die Kritik des ENSI an seiner Studie „Risiko Altreaktoren Schweiz“ entschieden zurück: Die Stellungnahme des ENSI widerlege die Studie nicht. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES und Greenpeace Schweiz, die diese Studie in Auftrag gegeben haben, fordern nun einen kritischen Dialog mit den Aufsichtsbehörden.

Am 13. Februar 2014 haben die Schweizerische Energie-Stiftung SES und Greenpeace Schweiz die Studie "Risiko Altreaktoren Schweiz" von Dieter Majer veröffentlicht. Am 23. Juni 2014 hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI mit einer Stellungnahme (Aktennotiz ENSI-AN-8874) auf die Studie reagiert: Die darin geäusserten Zweifel an der AKW-Sicherheit seien „technisch nicht haltbar“, schreibt das ENSI.

SES und Greenpeace haben diese Stellungnahme dem Autor vorgelegt. Nach gründlichem Studium kommt der ehemalige Leiter der Abteilung „Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen“ des deutschen Bundesumweltministeriums zum Schluss, dass die wesentlichen Aussagen der Studie durch die Aktennotiz des ENSI nicht widerlegt werden. Aus der ausführlichen Stellungnahme von Dieter Majer möchten die beiden Organisationen folgende Punkte zusammenfassend herausheben: 

In vier Fällen verweist das ENSI auf die Schweizerische Gesetzgebung. Gemäss Majer entspricht diese zum Teil allerdings nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik. Die in der Studie erwähnten Anforderungen würden hingegen den internationalen Stand von Wissenschaft und Technik darstellen (betrifft 4.3, 4.4, 4.7, 4.11 der Aktennotiz).

In zwei Fällen hat der Autor während der Erarbeitung der Studie versucht, sich beim ENSI über den genauen Sachverhalt zu informieren. Jedoch war das ENSI nicht bereit, Auskunft zu erteilen. Folglich sah sich der Autor gezwungen, Annahmen zu treffen. Dies ist in der Studie auch ausdrücklich so dargelegt (betrifft 4.1 und 4.5).

In zwei Fällen kritisiert das ENSI, dass die Aussagen auf einem „unsinnigen“ Stand von Wissenschaft und Technik beruhen. Eine Feststellung, die der Autor nicht nachvollziehen kann. Der Vorwurf „unsinnig“ sei unsachlich und werde deshalb nicht weiter kommentiert (betrifft 4.8 und 4.12).

In zehn Fällen widerlegt die Stellungnahme die Faktendarstellung des Autors inhaltlich nicht (betrifft 2.1, 2.2, 2.3, 3.3, 4.1, 4.3, 4.5, 4.8, 4.10 und 4.11).

In sieben Fällen bestätigt die ENSI-Stellungnahme die Studie (3.1, 4.2, 4.4, 4.6, 4.9, 5.1 und 5.2). 

Ausserdem lässt das ENSI von insgesamt 30 angesprochenen Einzelpunkten in der Studie 18 Punkte unkommentiert. Es ist daher davon auszugehen, dass das ENSI diese Aussagen gutheisst.

Der Autor Dieter Majer hält in seiner Empfehlung fest, dass die in der Studie problematisierten Themen, unter anderem Alterung, Nachrüstung sowie Abweichungen der Schweizer Atomkraftwerke vom internationalen Standard in einem kritischen Dialog behandelt werden sollen. Das Fazit seiner Studie: Die beiden Atomkraftwerke Mühleberg und Beznau sollten aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen werden.

Die Schweizerische Energie-Stiftung und Greenpeace stellen fest, dass das ENSI in seiner Stellungnahme zwar die Studie kritisiert, diese aber nicht widerlegt. Majer kommt zum Schluss: „Im Kern hat das ENSI die AKW-Risiken bestätigt“. Die beiden Organisationen werden deshalb den kritischen Dialog mit dem ENSI-Rat suchen. Denn diese eine Tatsache bleibt sicher unwiderlegt: Unsere uralten AKW weisen ernst zu nehmende Sicherheitsmängel auf. 


Donnerstag, 24. Juli 2014

Was Atomstrom wirklich kostet



Der deutsche Publizist Franz Alt (Autor von sonnenseite.com) ist mit seinen Kommentaren auch immer wieder bei Solarmedia zu Gast - im Video ist er für einmal (fast) persönlich zu erleben. Er diskutiert gegen unverbesserliche Gegner der Energiewende und zeigt, dass es ohne diese noch viel teurer wird und die Atomenergie den teuersten Strom produziert.

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Mittwoch, 25. Juni 2014

Betreiber ungenügend zur Kasse

Jetzt ist zumindest teilweise Schluss mit der Atomstromproduktion auf Staatskosten: Am Mittwoch hat der Bundesrat die revidierte Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung verabschiedet und macht gemäss einer Stellungnahme der Schweizerischen Energie Stiftung einen Schritt in Richtung Kostenwahrheit. 

Ein Sicherheitszuschlag von 30% soll die Fehlfinanzierung verringern. Damit wird der Atomstrom teurer – würden allerdings alle Atomstromkosten internalisiert, würde sich der Atomstrompreis auf 36 Rappen pro Kilowattstunde erhöhen. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES ermuntert den Bundesrat, alle Kosten der AKW zu internalisieren.
Ein Sicherheitszuschlag von 30% auf die berechneten Kosten soll die Finanzlücke verringern, die später anzufallen droht. Die Einführung eines Kostenzuschlages ist positiv zu werten, allerdings viel zu tief: Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat in ihrer Antwort zur Vernehmlassung einen Zuschlag von 100% gefordert. Denn: Die Stilllegung von Atomkraftwerken und die Entsorgung radioaktiver Abfälle sind zwei langwierige Vorhaben (Stilllegung bis zu 20 Jahren, die Entsorgung über mehrere Generationen), mit denen niemand Erfahrung hat – es gibt weltweit nur wenig zurückgebaute AKW und kein einziges Lager für hochradioaktiven Müll.
Der Atomstrom wird trotz Verbesserungen in der Stilllegungs- und Entsorgungsfondsverordnung weiterhin direkt oder indirekt subventioniert. Wären etwa die Betreiber adäquat versichert, würden die Prämien den Atomstrompreis massiv verteuern. Die bestehende Haftpflicht deckt die finanziellen Folgen eines möglichen Unfalls nur zu einem Bruchteil, bei einem schweren Unfall in einem Schweizer AKW müsste der Bund respektive die SteuerzahlerInnen aufkommen.

Würden alle direkten und indirekten Subventionen berücksichtigt, würde der Atomstrompreis auf 36 Rp/kWh ansteigen (mittleres Szenario der SES-Studie über die Vollkosten der Atomenergie). Die Schweizerische Energie-Stiftung SES ist erfreut, dass der Bundesrat bemüht ist, Kostenwahrheit bei Atomstrom herzustellen und ermuntert den Bundesrat, auch alle weiteren Atomstromkosten zu internalisieren.



Freitag, 23. Mai 2014

SchweizerInnen wollen Atomausstieg

Als hätte es noch eines Beweises bedurft: Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung befürwortet den Atomausstieg. Zudem sind Schweizer immer offener für alternative Energiequellen im eigenen Heim. Die geht aus einer Umfrage der Universität St. Gallen hervor. 

Demnach sagt die Mehrheit der schweizerischen Bevölkerung Ja zum Atomausstieg, wie das «4. Kundenbarometer Erneuerbare Energien» 2014 der Universität St. Gallen (HSG) zeigt. Die Studie wurde durch die Bankengruppe Raiffeisen finanziert. 77 Prozent der Schweizer würden der Studie zufolge in einer Volksabstimmung für den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis ins Jahr 2034 stimmen.
Die Studie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe der Schweizer Privathaushalte. Von den 1264 Befragten wohnen 26 % in der Westschweiz, 24 % im Gebiet der (Vor-)Alpen und 50 % im Mittelland. Befragt wurde zwischen dem 15. und 24. Januar 2014 mittels Online-Panel durch das Marktforschungsinstitut amPuls. In den Augen der Befragten sei der Ausstieg ein Einstieg in die erneuerbaren Energien, sagte Sylviane Chassot vom Lehrstuhl für Management Erneuerbarer Energien der HSG auf einem Branchenforum in St. Gallen. 46 Prozent der Hauseigentümer würden mittlerweile Energietechnologien wie Solarthermie, Photovoltaik oder Wärmepumpen nutzen. 2012 waren es noch 41 Prozent.

Ziel der Politik ist es nun, die erneuerbaren Energien näher an den Markt zu führen. Markt und Wettbewerb sollen in der gesamten Schweiz im Zentrum der Energiepolitik stehen, liess Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, in einer Mitteilung für das Branchenforum verlauten. Mittelfristig sollen die Anlagenbetreiber selbst für den Absatz des Stroms verantwortlich sein, «denn längerfristig gehen wir ja auch davon aus, dass diese Technologien preislich konkurrenzfähig sind.» Laut Steinmann wird der Kampf um Geschäftsmodelle im sich öffnenden Energiemarkt in den nächsten Jahren intensiver. Durch die Umstrukturierung bei der Energieversorgung träfen alteingesessene Energieversorgungsunternehmen auf Player aus anderen Branchen.

Hier geht es zur >>  Studie 4. Kundenbarometer Erneuerbare Energien (HSG)

Quelle:  Universität St. Gallen  / Diverse Agenturen

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Samstag, 17. Mai 2014

Atomstrom ist unbezahlbar

Den großen vier deutschen Stromkonzernen ging es finanziell noch nie so schlecht wie heute. Sie leiden an unbezahlbaren Folgekosten ihrer Atomkraftwerke, am halben Atomausstieg, an der Stilllegung ihrer Restmeiler und an den Kosten der Energiewende, die sie verschlafen haben. Ein Kommentar von Franz Alt.

Kein Wunder, dass Eon, RWE und EnBW jetzt vorschlagen, der Staat und damit die Steuerzahler mögen die weiteren Kosten des Atomzeitalters übernehmen. Bisher war immer vom billigen Atomstrom die Rede. Doch jetzt ist die Blase endgültig geplatzt wie die Bankenblase 2008. Auch dort wurde verdrängt, vertuscht und gelogen, dass sich die Balken bogen.

Die Atomlobby ist zu einer Entsorgung der ganz besonderen Art gezwungen. Sie muss sich selbst entsorgen und sie muss zugeben, dass die 36 Milliarden Euro bisheriger Rückstellung niemals ausreichen, um die Meiler abzureisen und den Atommüll eine Million Jahre lang zu entsorgen. Damit ist Atomstrom an seiner Unbezahlbarkeit endgültig gescheitert. Und in Deutschland ist in diesen Tagen nur der Anfang vom Ende des Atomzeitalters sichtbar geworden.

Die „Zeit“ nennt das Ansinnen der Konzerne „prinzipiell unanständig, aber sinnvoll“. Und sie hat damit recht.

Schon heute ist mit Atomstrom kein Geld mehr zu verdienen. Das wurde spätestens klar, als E.on ankündigte, sein AKW in Grafenrheinfeld sieben Monate früher zu schließen als von der Bundesregierung gefordert. Die Zeiten, in denen AKW noch Gelddruckmaschinen waren, sind ein für allemal vorbei.

Jetzt wird unerbittlich die realistische Rechnung für den Wahnsinn des Atomzeitalters präsentiert. Mit Marktwirtschaft hat dieses Ansinnen der Konzerne natürlich gar nichts zu tun. Dass beim Atomstrom jemals das Verursacherprinzip der Marktwirtschaft funktionieren könnte, war die eigentliche Illusion, besser der große Selbstbetrug.

Die Konzerne haben Jahrzehnte mit Atomstrom gut Geld verdient, aber selbst damit sind dessen Ewigkeitskosten nicht zu finanzieren. Der einhellige Aufschrei von links bis konservativ gegen die Stiftungsidee der Konzerne ist zwar verständlich, aber erschreckend naiv und unpolitisch. Doch er wird umsonst sein.


Wer, wenn nicht die Steuerzahler soll die Kosten übernehmen, die sonst niemand bezahlen kann? Und die Kosten fallen nun mal an. 

Treuherzig erinnern jetzt die Bundeskanzlerin und viele Konservative an das Verursacherprinzip der Marktwirtschaft. Aber das wird gar nichts nutzen. Am Schluss bleibt nur der Steuerzahler. Das Problem ist nicht die Idee einer öffentlich-rechtlichen Stiftung zum Abwickeln des Atomzeitalters. Das Problem ist, dass sich Millionen Menschen Jahrzehnte lang haben an der Nase herumführen lassen und nicht selbst über die Unbezahlbarkeit der Folgekosten nachgedacht haben. 

Das schmutzige Ende des Atomzeitalters kommt uns alle teuer zu stehen. Wen denn sonst?

Für die Energiewende heißt diese Erkenntnis: Sonne und Wind schicken keine Rechnung und sie verursachen auch nur geringe Folgekosten. Worauf warten wir eigentlich?

Dienstag, 8. April 2014

10'000e gegen Atomsubventionen

Sollen hohe staatliche Subventionen für Atomkraft erlaubt sein? Darüber entscheidet derzeit die Europäische Kommission. Großbritannien hatte im Herbst um die Genehmigung von festgelegten Einspeisevergütungen für Strom aus dem in Planung befindlichen Atomkraftwerk Hinkley Point C im Süden des Landes angefragt. Damit sollen dem Betreiber Electricité de France (EdF) über 35 Jahre feste Einnahmen garantiert werden, umgerechnet 11 Ct/kWh plus Inflationsausgleich.

Normalerweise sind solche Beihilfen verboten, hier soll die EU aber eine Ausnahme machen. Gleichzeitig werden in einem anderen Prozedere staatliche Hilfen, auch für Erneuerbare Energien, grundsätzlich in Frage gestellt. Die Entscheidung der EU-Kommission wird richtungsentscheidend sein, weil auch andere AKW –wie etwa Temelin in Tschechien- Unterstützung brauchen. Bis 07.04.2014 hatten alle EU-Bürger die Möglichkeit, sich einen Monat lang dazu zu äußern. Umweltpreisträgerin und Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Ursula Sladek appelliert an die EU-Kommissare: „Dem Antrag Großbritanniens auf Förderung der Atomkraft darf auf keinen Fall stattgegeben werden. Die beantragten Subventionen für eine Technologie, die ohnehin seit mehr als 6 Dekaden mit staatlichen Subventionen gestützt wurde, stellen in Ausmaß und Dauer alles in den Schatten, was bisher an Anschub-Förderung für Sonnen- und Windstrom geflossen ist. Die Atomkraft behindert die Erneuerbaren Energien nicht nur durch Kapitalbindung, sondern auch durch Inkompatibilität. Die träge Technologie kann weder auf fluktuierende Nachfrage noch Einspeisung der Erneuerbaren flexibel reagieren.“

Dem Aufruf der EWS www.ews-schoenau.de/einspruch, gegen die geplanten Atomsubventionen zu protestieren, sind mehr als 16.000 Bürger gefolgt. Auch in Frankreich haben sich etwa 4600 Bürger beteiligt. Am größten ist der Widerspruch aus Österreich, wo über das Netzwerk GLOBAL 2000 mehr als 20000 Einsprüche gezählt wurden (derStandard.at: Breite Front gegen Briten-AKW) und wo auch die Regierung gegen jede Art der Förderung von Atomkraft auftritt (der Standard berichtete). Auch aus rein wettbewerblicher Sicht ist dieser Fall umstritten. Eine Studie der Universität Linz, Institut für Europarecht, kommt zu dem Schluss, dass eine Gewährung der Beihilfen mit dem EU-Recht unvereinbar sei. (siehe Medieninformation zur Pressekonferenz mit Univ.-Prof. Dr. Franz Leidenmühler Institut für Europarecht, JKU Linz).

Die EWS Schönau sind ein unabhängiger Ökostromstromversorger mit rund 150.000 Kunden. Aus einer Elterninitiative gegen Atomkraft entstanden, setzen sie sich konsequent für den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ein und beteiligen sich auch an der politischen Diskussion. Zuletzt stellten sie gemeinsam mit Greenpeace Energy und naturstrom ein Modell zur Integration von Ökostrom vor, das Ökostrom-Markt-Modell.

Quelle: EWS Schönau 2014

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